Allein im 20. Jahrhundert gab es über zwanzig Hyperinflationen. Selbst die D-Mark hatte bei ihrer Ablösung durch den Euro nur noch fünf Prozent ihrer ursprünglichen Kaufkraft. Der Fehler liegt im System – nämlich im System des ungedeckten Papiergeldes. Was bei einer Rückkehr zu nationalen Währungen zu beachten ist. Unsere Januar-Ausgabe mit dem Titelthema „2026 – Jahr des Goldes“ bietet dazu ausführliche Informationen. Hier mehr erfahren.
„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles.“ – Schon Goethe wusste um die Faszination des funkelnden Edelmetalls. Darum berief sich der frühere Bundesbankpräsident Jens Weidmann in seiner wohl bemerkenswertesten Rede auf den deutschen Dichterfürsten.
Bemerkenswert war die Rede zum Thema „Papiergeld – Staatsfinanzierung – Inflation“, die Weidmann im September 2012 bei einem Kolloquium des Instituts für bankhistorische Forschung in Frankfurt am Main hielt, vor allem deshalb, weil sich der deutsche Notenbanker darin als Befürworter einer goldgedeckten Währung oder zumindest des Goldstandards zu erkennen gab.
„Goethe hat in der Tat bereits vor ca. 180 Jahren das Kernproblem der heutigen, auf Papiergeld fußenden Geldpolitik analysiert und in unnachahmlicher Weise literarisch festgehalten“, so Weidmann, der an die Geldschöpfungsszene im ersten Akt des „Faust II“ erinnerte.
Mephisto umgarnt darin den von Geldnöten geplagten Kaiser: „Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.“ Der Kaiser stellt daraufhin fest: „Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; es fehlt an Geld, nun gut, so schaff‘ es denn.“ Und Mephisto antwortet: „Ich schaffe, was Ihr wollt, und schaffe mehr.“
Der diabolische Einflüsterer lässt sich vom Kaiser eine Urkunde unterschreiben und vervielfältigt sie über Nacht als Papiergeld. Nicht mehr Gold oder Tauschwaren sind nun das Zahlungsmittel, sondern nur noch ein Stück Papier, das beliebig zu vermehren ist. Mephisto sagt: „Ein solch Papier, an Gold und Perlen statt, ist so bequem, man weiß doch, was man hat; man braucht nicht erst zu markten, noch zu tauschen, kann sich nach Lust in Lieb‘ und Wein berauschen.“
Weidmann stellte bei seiner Rede damals die Frage: „Ist bei der Möglichkeit, Geld mehr oder weniger frei zu schaffen, die Versuchung nicht sehr groß, dieses Instrument zu missbrauchen und sich kurzfristig zusätzliche Spielräume zu schaffen, auch wenn damit langfristiger Schaden wahrscheinlich ist?“ Seine Antwort: „Ja, diese Versuchung besteht sehr wohl, und viele sind ihr in der Geschichte des Geldwesens bereits erlegen.“
Amerika und Europa in der Schuldenfalle
Die aktuellen Entwicklungen bestätigen Weidmanns Warnung. „Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 haben Zentralbanken ihre Goldkäufe mehr als verdoppelt – verglichen mit dem Durchschnitt der fünf Jahre zuvor. Allein im dritten Quartal 2025 haben sie sich weitere 220 Tonnen Gold zugelegt – fast 28 Prozent mehr als im Vorquartal. Damit übertrifft, zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten, der Wert der globalen Zentralbank-Goldreserven den der von ihnen gehaltenen US-Staatsanleihen“, heißt es dazu in Jürgen Elsässers Leitartikel der aktuellen Januar-Ausgabe von COMPACT mit dem Titelthema „2026 – Jahr des Goldes“.
Dieser Sog ins Gold reflektiert letztlich auch die Überschuldung der Papierwährungen, die der Bundesbank-Chef schon 2012 anprangerte. „An der Spitze stehen die Vereinigten Staaten, die mittlerweile mit 37 Billionen (trillions) US-Dollar in den roten Zahlen stehen. Allein die Zinszahlungen für die Altlasten summieren sich auf über eine Billion Euro im Jahr“, so die Analyse in COMPACT 1/2026.
In Europa sieht es nur wenig besser aus: Das von Friedrich Merz im Frühjahr 2025 beschlossene „Sondervermögen“ in Höhe von über einer Billion Euro treibt die Bundesrepublik weit über die in den Maastrichter Verträgen vereinbarte Schuldenobergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Frankreich liegt sogar bei 120 Prozent! Hätte man bloß auf Weidmann gehört. Der wurde jedoch nach seiner fortwährenden Kritik an der EU- und EZB-Schuldenpolitik im Oktober 2021 quasi „zurückgetreten“…
„Gutes Geld“ statt Fiat Money
Dabei war und ist Weidmann nicht der einzige Experte, der für eine (direkte oder indirekte) Golddeckung der Währung plädiert. Auch Ex-Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin weist in seinem Buch „Europa braucht den Euro nicht“ (2012) auf das Problem des ungedeckten Papiergeldes (Fiat Money) hin und sieht den Goldstandard als Voraussetzung für „gutes Geld“ an.
Sarrazin blickt dabei auf die Währungsordnung zurück, wie sie noch bis zum Ersten Weltkrieg glänzend funktioniert hatte. Grundlage war dabei, dass Geldscheine die Funktion von „Schuldscheinen“ besaßen, die dem Inhaber jederzeit den Umtausch in Gold oder Silber garantierten.
Sarrazin hierzu: „Dass eine durch Edelmetall gedeckte Währung jederzeit in dieses Edelmetall eingetauscht werden könnte, stand für alle Beteiligten unumstößlich fest. Dieses Vertrauen band aber auch die Politik der Notenbanken. Sie mussten die Umtauschbarkeit in Gold bzw. Silber jederzeit sicherstellen.“
Er kommt daher zu dem Schluss: „Das System war stabil, weil die jederzeitige Einlösbarkeit von Geld in Edelmetall die Freiheitsgrade der Geldpolitik begrenzte und auch der Finanzierung von Staatsdefiziten mit Notenbankkrediten sehr enge Grenzen setzte.“
Das spricht für Gold
Das Kernproblem erkannte der Wiener Ökonom Ludwig von Mises (1881–1973) bereits Anfang des vorigen Jahrhunderts. In seinem 1912 erschienenen Werk „Die Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“ vertrat er im Gegensatz zur damals vorherrschenden neoklassischen Theorie die Ansicht, dass Geld ein Gut wie jedes andere sei und auch so behandelt werden müsse – allerdings mit einer Besonderheit: Es sei das liquideste aller Güter, da es allgemein als Tauschmittel für Waren akzeptiert werde. Dies sei im Grunde auch die einzige Funktion des Geldes.
Daraus folgt, dass bei einer Ausweitung der Geldmenge der Tauschwert der Währung sinkt. Dies komme, so von Mises, letztlich nur jenen zugute, die das frisch geschöpfte Geld als erste erhalten, weil sie noch zu unveränderten Preisen kaufen könnten. Diejenigen aber, die das neue Geld später oder gar nicht bekämen, seien die Verlierer, denn sie müssten hinnehmen, dass Scheine und Münzen an Wert verloren hätten und die Preise inzwischen gestiegen seien.
Im Beitrag „Geld, Gold und Götter“ in der Januar-Ausgabe von COMPACT schreibt der Autor dieser Zeilen dazu weiter:
„Von Mises orientierte sich dabei an der Grenznutzentheorie seines Landsmannes Carl Menger (1840–1921). Demnach würden in einer Volkswirtschaft zuerst das Wichtigste, dann das weniger Relevante und zuletzt die unwichtigen Güter gekauft. Der Nutzen einer zusätzlichen Einheit einer Ware nehme deshalb mit steigender Menge ab. Übertragen auf das Geld bedeutet das: Der Nutzen der zusätzlich ausgegebenen Geldeinheit ist geringer als Nutzen des zuvor verausgabten Geldes – und weil dies durch die Güter zum Ausdruck kommt, die man für eine Einheit eintauschen kann, nimmt die Kaufkraft des Geldes bei steigender Menge ab.“
Genau daraus folgt, dass ein Ausweiten der Geldmenge per Druckerpresse oder Kreditvergabe – wie es im heutigen Papiergeldsystem der Fall ist – zwangsläufig zu Fehlentwicklungen und Krisen führt. Sie ist nicht nur inflationär, sondern senkt auch den Marktzins künstlich, setzt dadurch Investitionen in Gang, die sonst nicht getätigt worden wären und die darauf angewiesen sind, dass der Marktzins immer manipulativ niedergehalten bleibt. Wir leben also permanent auf Pump.
Plädoyer für eine neue Gold-Mark
Wegen der fortwährenden Schuldenmacherei europäischer Staaten könnte die Euro-Frage im Laufe des Jahres 2026 wieder höchst virulent werden – und damit die Frage zu einer Rückkehr zu nationalen Währungen. Einer, der sich damit schon seit geraumer Zeit beschäftigt ist der Edelmetall-Experte und langjährige Herausgeber des Anlegerbriefes „Gold & Money Intelligence“, Bruno Bandulet.
In seinem Buch „Vom Goldstandard zum Euro“ (2012) zeichnet Bandulet rund 200 Jahre deutscher Währungsgeschichte nach und warnt „Geschichte wiederholt sich“. So wie 1923 und 1948 werde Deutschland bald erneut vor einer Währungsreform stehen, und die Verlierer werden nach seiner Ansicht die gleichen wie damals sein – also Anleger, Sparer und der sprichwörtliche „kleine Mann“.
In seinem Vorwort schreibt der frühere Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH, Thorsten Polleit: „Die ungedeckte Mark wurde im November 1923 völlig zerstört, und auch die Reichsmark ging mit dem Ende des Dritten Reiches unter.“ Zur Deutschen Mark ab 1949 bemerkt Polleit:
„Verständlich daher die Hochschätzung der ‚D-Mark-Zeit‘ bei vielen Deutschen: Sie steht für ungewöhnliche 50 Jahre relativer Währungsstabilität. Zur Verklärung besteht jedoch kein Grund. Denn auch die D-Mark war letztlich beliebig vermehrbares Papiergeld. Und auch sie beförderte den immer weiter ausufernden Umverteilungs- und Wohlfahrtsstaat und begünstigte die Verschuldungsneigung.“
Im Vergleich zu anderen anderen Papierwährungen habe die D-Mark jedoch eine besondere Stärke gehabt: „Hinter ihr stand der Stabilitätswille der deutschen Bevölkerung, ein tief verwurzelter Wunsch nach verlässlichem Geld. Letzterer war es auch, der den Missbrauchsspielraum der deutschen Regierungen mit der D-Mark-Notenpresse einschränkte und den Deutschen im internationalen Vergleich recht gutes Geld bescherte.“
Für Bandulet und Polleit steht fest: Nur ein Ausstieg aus dem Euro-System und eine Rückkehr zur eigenen Währung, die dann jedoch durch Gold gedeckt sein müsste, kann sich Deutschland aus dem europäischen Schuldensumpf ziehen. Doch das ist von den Herrschenden in Brüssel und Berlin nicht erwünscht.
Was spricht für Gold? Alle Argumente, Theorien und aktuellen Entwicklungen behandeln wir in der aktuellen Januar-Ausgabe von COMPACT mit dem Titelthema „2026 – Jahr des Goldes“. Sichern Sie sich jetzt Ihren Informationsvorsprung. Hier bestellen.





