Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und andere Etablierte fordern die Rückführung deutscher Goldreserven aus New York in die Tresore der Bundesbank. Grund sind jedoch nicht prinzipielle Erwägungen, sondern die Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump. Warum unsere Reserven unabhängig davon nach Deutschland gehören, lesen Sie in unserer Januar-Ausgabe mit dem Titelthema „2026 – Jahr des Goldes“. Hier mehr erfahren.
Die Deutsche Bundesbank verfügt mit rund 3.352 Tonnen über die zweitgrößten Goldreserven der Welt (nach den USA, vor Italien, Frankreich, Russland und China). Ein Großteil des unseres Staatsgoldes wird jedoch nicht in den eigenen Tresoren in Frankfurt verwahrt, sondern im Ausland. Aktuell lagern etwa 37 Prozent des Bestandes bei der Federal Reserve in New York, rund 13 Prozent bei der Bank of England in London und ein kleiner Rest früherer Bestände in der Banque de France in Paris. In der Bundesrepublik selbst befinden sich gut 50 Prozent der deutschen Goldreserven.
Kritiker der Auslandslagerung wie der Ökonom Peter Boehringer, heute Bundestagsabgeordneter der AfD, forderten schon vor Jahren die Heimholung des deutschen Goldes, doch nun erheben diese Forderung auch Politiker, die sich bislang keinen Deut um dieses Thema geschert haben. Allerdings nicht aus prinzipiellen Erwägungen – sondern wegen Trump.
Die neuen Gold-Freunde
Dazu gehört auch die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die es „in einer Zeit wachsender globaler Unsicherheiten und unter der unberechenbaren US-Politik von Präsident Trump“ für „nicht länger vertretbar“ hält, „dass rund 37 Prozent der deutschen Goldreserven, mehr als 1230 Tonnen, in Tresoren der Federal Reserve in New York lagern“, wie sie nun gegenüber dem Spiegel erklärte.

Die Bundesrepublik Deutschland sei zwar rechtlich Eigentümer des Goldes, könne aber keine uneingeschränkte physische Kontrolle über diese Vermögenswerte ausüben, so die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament. Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen sei dies zu risikoreich geworden. „Vor diesem Hintergrund fordere ich die Bundesregierung auf, schnellstmöglich einen klaren Zeitplan zur vollständigen Rückführung der deutschen Goldreserven nach Deutschland vorzulegen“, sagte Strack-Zimmermann.
In gleiche Horn wie die FDP-Politikerin stieß auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Beck. Die Goldreserven der Bundesbank seien „ein wichtiger Stabilitäts- und Vertrauensanker“, erklärte Beck gegenüber dem Handelsblatt. „Sie dürfen auf keinen Fall zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden.“ Da Trump in Washington regiere, sei wohl am besten, „wenn die Goldreserven ab jetzt in Deutschland verwahrt werden“, so die grüne Bundestagsabgeordnete.
Sogar aus der Fachwelt werden inzwischen solche Forderungen laut. So sagte auch der frühere Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank, Emanuel Mönch, dem Handelsblatt, es erscheine „aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern“. Im Sinne einer „größeren strategischen Unabhängigkeit von den USA wäre die Bundesbank darum gut beraten, über eine Rückholaktion nachzudenken“, so der renommierte Ökonom.
Worum es wirklich geht
Warum eine Heimholung der Goldreserven – unabhängig von Trump – unbedingt angeraten ist, hat der heutige AfD-Bundestagsabgeordnete Peter Boehringer bereits 2015 in seinem Werk „Holt unser Gold heim – Der Kampf ums deutsche Staatsgold“ dargelegt.
In dem Buch fordert der Diplom-Kaufmann, der unlängst zu diesem Thema bei COMPACT-TV zu Gast war, zudem „die Herbeiführung eines verfassungsrechtlich abzusichernden bilanziellen Sonderstatus der Goldreserve zur Abwehr der schnell zunehmenden Ausbuchungsgefahr aufgrund der sich seit 2007 dramatisch verschlechternden Qualität der Bundesbank-Bilanz“ – ein Punkt, der von den neuen Gold-Freunden in der Politik überhaupt nicht angesprochen wird.
Ein weiterer Unterschied zu Strack-Zimmermann & Co.: Boehringer ist kein Freund ungedeckten Papiergeldes (Fiat Money), sondern vertritt die Ansicht:
„Eine Gold-Deckung der Währung, wenn auch nur teilweise, wäre nichts anderes als eine Rückkehr zum natürlichen Zustand, denn Gold und Silber sind natürliches Geld. Also das einzige Geld, das zu seiner Durchsetzung keine staatlichen Zwangsmaßnahmen, sprich Monopolgesetze, benötigt.“
Ungedecktes Kreditgeld sei jenseits kleiner lokaler Strukturen historisch auf freiwilliger Basis nie vorgekommen. „Erst seit dem 20. Jahrhundert, dann massenhaft und seit 1971 weltweit alternativlos: durch staatlichen Zwang in Form staatlicher Monopolgeld-Gesetze“ habe Fiat Money seinen Siegeszug angetreten.
Zum Gold als Souveränitätsanker schreibt der Edelmetallexperte:
„Gold ist materialisierte Arbeit und verbürgt dem Individuum Freiheit und eine gewisse Unabhängigkeit. Staatsgold ist (soweit nicht geraubt oder mit unfairen Seigniorage-Gewinnen aus bedrucktem Papiergeld bezahlt) materialisierte Steuersubstanz aus früheren Wirtschaftserfolgen einer arbeitenden Nation und verbürgt einer Nation folglich und gerechterweise ein Stück Souveränität.“
Als Garant der Freiheit sei Gold demnach sowohl individuell als auch für eine Gesellschaft von Relevanz. Staatsgold sei demnach Volksgold und Eigentum der Bürger, das auf eigenem Territorium verwahrt werden müsse, um möglicher fremder Einflussnahme entzogen zu werden.
Hohmanns brisante Anfrage
Strack-Zimmermann & Co. sind nicht die ersten etablierten Politiker, die den deutschen Goldschatz in den Fokus genommen haben. Der langjährige CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler stellte während seiner Zeit im Parlament mehrfach Anfragen zu den Edelmetallreserven der Bundesbank.
Davor hatte bereits der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete (und spätere AfD-Mandatar) Martin Hohmann nach dem Verbleib des deutschen Staatsgoldes gefragt. Am 22. August 2002 erhielt er von der zu dieser Zeit als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium amtierenden SPD-Politikerin Barbara Hendricks die Antwort:
„Die Deutsche Bundesbank hält einen großen Teil ihrer Goldbestände in eigenen Tresoren im Inland. Sie lässt allerdings auch Goldbestände an wichtigen Goldhandelsplätzen wie z.B. London von den dort ansässigen Zentralbanken, z. B. der Bank of England, verwahren. Dies hat sich historisch und marktbedingt so ergeben, weil die Deutsche Bundesbank das Gold an diesen Handelsplätzen übertragen bekam. Es macht aber auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen Sinn, solange die Lagerung dort kostengünstiger ist als der Transport nach Deutschland und der Bau zusätzlicher Tresoranlagen.“
Dazu merkte Edelmetall-Experte Bruno Bandulet im Februar 2003 in seinem Fachblatt Gold & Money Intelligence (G&M) an:
„Eine Antwort, von der im wesentlichen nichts stimmt. Alle Insider, mit denen G&M sprach, haben keinen Zweifel daran, dass der allergrößte Teil der deutschen Goldreserven in den USA liegt. Und zwar nicht in Fort Knox, wie oft kolportiert wird, sondern im Keller der Federal Reserve Bank in New York, also unter dem Straßenpflaster von Manhattan. Wenn wirklich ein ‚großer Teil’ des deutschen Goldes in inländischen Tresoren läge, wie Dr. Hendricks behauptet, dann wäre dies eine, bisher unbemerkte, Sensation.“
Notabene: Kurze Zeit nach seiner Anfrage geriet Hohmann wegen einer als antisemitisch diffamierten Rede in die Schusslinie, wurde zunächst aus der Unionsfraktion und dann aus der CDU ausgeschlossen. Manche sind bis heute der Ansicht, dass der eigentliche Grund für die Anti-Hohmann-Kampagne in seinen beharrlichen Nachfragen zum Verbleib des deutschen Staatsgoldes lag…
Bundesbank jongliert mit Papier-Gold
Ein weiterer wichtiger Punkt, der bei Strack-Zimmermann & Co. keine Rolle spielt, sind die Bilanz-Tricks der Bundesbank. Dort taucht der deutsche Goldschatz nämlich nur als „Gold und Goldforderungen“ auf. Da diese beiden Posten nicht einzeln aufgeführt werden, könnte es tatsächlich sein, dass ein Teil des deutschen Staatsgoldes nur noch auf dem Papier existiert und physisch gar nicht mehr vorhanden ist.
Die Zentralbanken, so auch die Deutsche Bundesbank, verleihen ihr Gold nämlich, sodass in den veröffentlichten Bilanzen immer auch ein gewisser Anteil an Papiergold, eben Goldforderungen, enthalten ist. Das verliehene Gold bleibt dabei weiterhin als Forderung, als Eigentum, in den Listen, doch im Falle einer physischen Weitergabe befinden sich die entsprechenden Barren dann im vorübergehenden Besitz der anderen Vertragspartei, zumeist einer sogenannten Bullion Bank, die das geliehene Gold am Markt verkauft, um sich beispielsweise Staatsanleihen dafür zu kaufen.
Durch diese Goldverleihgeschäfte gelangen mittels der Bullion Banks große Goldbestände der Zentralbanken auf den Markt, ohne dass sich in den Bilanzen sichtbar niederschlagen würde. Die Goldforderungen werden mit dem tatsächlich vorhandenen physischen Gold einfach zu einer Gesamtmenge zusammengelegt. Auch die offiziellen Goldreserve-Zahlen der Bundesbank sind also mit Vorsicht zu genießen.
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