Am 7. April 451 eroberten die Hunnen die Stadt Metz, nachdem sie zuvor den Rhein überschritten hatten und in das Weströmische Reich eingedrungen waren. Erst ein vereintes römisch-westgotisches Heer konnte die Invasoren zurückschlagen. In COMPACT-Geschichte «Die Germanen» lesen Sie alles über die Freiheitskämpfe unserer Vorfahren. Hier mehr erfahren.

    Am Ende des 3. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung spaltete sich das germanische Volk der Goten in West- und Ostgoten auf. Ursprünglich wohl aus Skandinavien stammend, verortete sie der römische Geschichtsschreiber Tacitus später an der Weichselmündung – also dort, wo jetzt Danzig liegt.

    Von der Ostseeküste aus erweiterten sie ihr Herrschaftsgebiet ab etwa 100 v. Chr. sukzessive bis in das Gebiet der heutigen Ukraine. Ihr Einflussbereich erstreckte sich vom Baltikum bis zum Ural, wo sie nach dem Sieg gegen die germanischen Heruler den Fernhandel beherrschten. 375 wurden die Ostgoten vertrieben und unterworfen – von einem Reitervolk, das aus der asiatischen Steppe nach Europa eingedrungen war.

    Die «Geißel Gottes»

    Dieses Nomadenvolk – die Hunnen – sorgte auch andernorts für Angst und Schrecken. Der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus notierte im 4. Jahrhundert über die mongolischen Reiterhorden:

    «Dieses Volk übertrifft sämtliche Barbaren an Wildheit. (…) Sie haben allesamt starke Glieder und gut geformte Nacken, aber sie sind abschreckend hässlich und so krumm, dass man sie für zweibeinige Tiere halten könnte. Ständig auf Beutezügen, sind sie von Kindheit an gewöhnt, Kälte, Hunger und Durst zu ertragen. (…) Mit ihren ausdauernden, aber hässlichen Pferden, die sie manchmal nach Art der Weiber reiten, sind sie fest verwachsen.»

    Im 5. Jahrhundert n. Chr. erstreckte sich das Reich der Hunnen unter ihrem grausamen König Attila – er nannte sich selbst «Geißel Gottes» – von der südrussischen Steppe bis an die mittlere Donau. Da sie Nomaden waren und kaum Ackerbau oder Handwerk betrieben, waren sie auf Raubzüge und auf Tributzahlungen der unterworfenen Völker angewiesen. Überall hinterließen sie eine Spur der Verwüstung.

    Im Herzen Europas

    Am 7. April 451 nahmen die Hunnen die Stadt Metz ein und drangen im Sommer jenes Jahres tief ins Herz des späteren Frankenreiches vor. Nun sah es so aus, als würde Attila ganz Europa unter seine Herrschaft zwingen können. Als das letzte Bollwerk gegen die Invasoren erwies sich das Weströmische Reich, auch wenn es selbst schon wankte. In Gallien regierte seit 425 der Römer Flavius Aëtius als Magister militum (Heermeister). In seiner Jugend hatte er als Geisel am hunnischen Hof gelebt und kannte daher die Kampfweise der Steppenkrieger.

    Nun kamen die eingangs erwähnten Westgoten ins Spiel: Unter ihrem König Theoderich I. (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen späteren Ostgotenherrscher) schmiedeten sie ein Bündnis mit Rom. Das animierte weitere germanische Stämme wie die Alanen, Burgunden und Franken, sich der Koalition gegen die Hunnen anzuschließen. Doch auch auf der Seite Attilas kämpften unterworfene Völker wie die Gepiden, Heruler, Rugier sowie die Ostgoten unter ihrem König Valamir.

    Entscheidung auf den Katalaunischen Feldern

    Auf den Katalaunischen Feldern, einer Ebene zwischen dem heutigen Châlons-en-Champagne und Troyes, kam es im Spätsommer 451 zur entscheidenden Schlacht: Ob sich dort wirklich 100.000 asiatische Steppenkrieger sowie Verbündete und 50.000 Verteidiger gegenüberstanden, ist umstritten. Doch das Verhältnis 2:1 ist durchaus realistisch.

    Attila eröffnete den Kampf, indem seine Truppen versuchten, den Westgoten eine taktisch wichtige Anhöhe zu entreißen. Doch die Germanen wehrten sich tapfer. «Es kam zum Handgemenge, zu einem fürchterlichen, ausgedehnten, maßlosen und erbitterten Ringen. Wir kennen keinen Kampf, den wir auch nur entfernt diesem gleichzustellen vermöchten», so der römisch-gotische Historiker Jordanes, der im 6. Jahrhundert wirkte.

    Westgoten-König Theoderich wurde von einem hunnischen Wurfspeer getroffen, stürzte zu Boden und wurde von Pferdehufen zu Tode getrampelt. Noch auf dem Schlachtfeld erhoben die Westgoten dessen Sohn Thorismund zum neuen Herrscher und stürmten danach voller Rachedurst vorwärts.

    Attila schickte nun die Ostgoten in den Kampf, doch diese konnten von den gegnerischen Alanen leicht zurückgedrängt werden. So war es Aëtius ein Leichtes, mit seinen Truppen das Zentrum der Hunnen anzugreifen. Deren Anführer sah sich nun inmitten seiner Reiterei isoliert und befahl den Rückzug in das von Bogenschützen verteidigte Hauptlager, eine verschanzte Wagenburg.

    Nach zwei Tagen ging die erbittert geführte Schlacht auf den Katalaunischen Feldern mit einem Sieg über die Invasoren zu Ende. Berichte, wonach die Hunnen sich nach dem Kampf fluchtartig Richtung Osten zurückzogen, sind erfunden. Doch Attila war bewusst, dass er zum ersten Mal keinen Sieg errungen, sondern enorme Verluste erlitten hatte. Am Folgetag ließ er seine Truppen Richtung Köln galoppieren, später bis hinter den Rhein zurückziehen. «Durch diese Handlung war für Attila die Gelegenheit, den Westen des Römischen Imperiums zu erobern, ein für alle Mal verloren», notiert der Historiker Paolo Cau in seinem Buch Die 100 größten Schlachten (2006).

    Attilas Rückzug

    Die Folgen für Attila waren, anders als es Geschichtsschreiber Jordanes festhielt, zunächst nicht allzu gravierend, da er als Herrscher unangefochten blieb, sondern bereits im darauffolgenden Jahr erneut mit einer großen Armee Westrom, diesmal direkt in Italien, angreifen konnte. Allerdings war der Nimbus der unbesiegbaren Hunnen dahin.

    Aëtius konnte durch die Schlacht seine Position in Gallien und am Kaiserhof behaupten. Allerdings waren durch die Kämpfe alle weströmischen Kraftreserven aufgezehrt. Die Verluste unter den regulären Truppen waren sehr hoch und konnten nicht rechtzeitig wieder ausgeglichen werden. 452 konnte Aëtius nicht einmal mehr die Alpenpässe sperren, sodass ihm oströmische Truppen zur Hilfe eilen mussten.

    Die Hunnen konnten im Jahr 454 endgültig aus Gallien herausgedrängt werden. Die Römer unter Aëtius und die Goten unter Thorismund zogen sich nach Ravenna beziehungsweise Tolosa (Toulouse) zurück. Beide Völker sollten nie wieder nach Nordgallien zurückkehren.

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