In den offiziellen Darstellungen taucht sein Name nie auf. Dabei spielte er eine tragende Rolle bei der Gründung der NS-Bewegung – doch Rudolf von Sebottendorf zog es vor, im Schatten zu bleiben. Kein Wunder: Das war sein Spezialgebiet… Verbotenes Wissen: In COMPACT-Geschichte „Das okkulte Reich“ enthüllen wir Fakten, die Sie in den offiziellen Geschichtsbüchern vergeblich suchen. Hier mehr erfahren.

    Am 5. Januar 1919 gründeten der Werkzeugmeister Anton Drexler und der Sportjournalist Karl Harrer mit 22 Mitstreitern im Fürstenfelder Hof in München die Deutsche Arbeiterpartei, kurz DAP. Drexler übernahm den Vorsitz, Harrer hielt Reden in verrauchten Hinterzimmern, doch so recht wollte keine Stimmung aufkommen. Die Begeisterung der Zuhörer hielt sich in Grenzen.

    Erst als ein gewisser Adolf Hitler als V-Mann der Reichswehr im September jenes Jahres eine Versammlung der neuen Partei im Münchner Sterneckerbräu besuchte, kam Leben in die Bude. Damals referierte Zinstheoretiker Gottfried Feder über das Thema: „Wie und mit welchen Mitteln beseitigt man den Kapitalismus?“ Am Ende der darauf folgenden Diskussion geriet Hitler in Rage, als ein Gast die Sezession Bayerns forderte.

    Eine Aufnahme aus der Frühzeit der NSDAP: Delegation der Partei bei dem vom Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund organisierten Deutschen Tag in Coburg, Oktober 1922. Foto: Bundesarchiv, Bild 119-5519 / CC-BY-SA 3.0

    Der junge Heißsporn hinterließ einen bleibenden Eindruck bei dem Schriftsteller Dietrich Eckart, der ihn sofort unter seine Fittiche nahm. Eckart, der unter anderem das NS-Lied „Deutschland erwache“ schrieb, wurde zu Hitlers Mentor und führte ihn in die besseren Kreise Münchens ein. Der DAP trat Hitler kurz nach seinem Auftritt im Sterneckerbräu bei, hielt danach die ersten Parteireden. Er konnte die Zuhörer mitreißen.

    Am Abend des 24. Februar 1920 wurde im Münchner Hofbräuhaus die Umbenennung der DAP in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) bekanntgegeben. Es dauerte nicht lange, da drängte der neue Star der Bewegung Drexler aus dem Amt und übernahm den Parteivorsitz. Hitler gelang es, die Partei zu einem politischen Faktor zu machen, sollte sie am Ende an die Macht bringen.

    Das Symbol der Thule-Gesellschaft: Die Vereinigung sah sich als Avantgarde des Hakenkreuzes. Foto: CC0, Wikimedia Commons

    Der Geheimorden

    So die bekannte Geschichte der NSDAP. Doch es gibt noch eine Geschichte dahinter, sozusagen eine okkulte Gründungsgeschichte. Einen wichtigen Hinweis darauf gab Rudolf von Sebottendorf – jemand, der in den herkömmlichen Historiografien über die NS-Bewegung so gut wie nie erwähnt wird. Dabei kam ihm eine tragende Rolle zu.

    In seinem 1933 veröffentlichten Buch Bevor Hitler kam, schrieb er:

    „Die Rüstung des kommenden Führers bestand, außer der Thule selber, aus dem in der Thule-Gesellschaft von dem Bruder Karl Harrer gegründeten Deutschen Arbeiterverein (…).“

    Sebottendorf, der eigentlich Rudolf Glauer hieß und Sohn eines Lokomotivführers aus Hoyerswerda war, sprach der Thule-Gesellschaft und ihrem „Bruder“ Harrer also die Rolle eines Geburtshelfers der NS-Bewegung zu. Stimmt das?

    Tatsache ist, dass der Geheimbund, den Sebottendorf 1918 als Ableger des Germanenordens gegründet hatte, einer der ersten Verbände war, die das Hakenkreuz als Emblem verwendeten, allerdings mit abgerundeten Enden. Unter den Thule-Brüdern fanden sich einige der später im NS-Staat führenden Personen, so Julius Streicher und Alfred Rosenberg.

    Der Schattenmann

    Doch wer war der ominöse Gründer der Thule-Gesellschaft, der durch Adoption zu seinem Adelstitel gelangte? Detlev Rose, der ein Standardwerk über die Vereinigung verfasst hat, schreibt in seinem Beitrag „Mythen unterm Hakenkreuz“ in COMPACT-Geschichte „Das okkulte Reich“ über Sebottendorf:

    „Er schürfte in Australien nach Gold, diente dem türkischen Landbesitzer Hussein Pascha als Verwalter seiner anatolischen Besitztümer, schrieb Werke über Astrologie und die Praxis der alten türkischen Freimaurerei. Im Orient entdeckte er seine Neigung zum Spirituellen, und künftig sollte er von Sufi-Mystik über Rosenkreuzertum bis hin zur magischen Bedeutung der Runen nichts auslassen, was heute mit dem Etikett okkult belegt wird. Die Juden lehnte er ab, weil sie für ihn das ‚materialistische Prinzip‘ verkörperten.“

    Der Thule-Gründer war also ein leidenschaftlicher Okkultist und Esoteriker. Zog er im Hintergrund die Strippen?

    Sebottendorf stellte es zumindest so dar. In Bevor Hitler kam schrieb er:

    „Das ‚Heil und Sieg‘, den Gruß der Thule-Leute, machte Hitler zum ‚Sieg Heil‘ der Deutschen! Den Völkischen Beobachter machte der Führer zum Kampfblatt der nationalsozialistischen Bewegung Großdeutschlands. Das Hakenkreuz machte Hitler zum Symbol der siegenden NSDAP.“

    Weitere Auszüge aus Sebottendorfs Bekenntnisschrift finden Sie in dem Beitrag „Geburt einer Bewegung“ in COMPACT-Geschichte „Das okkulte Reich“.

    Rudolf von Sebottendorf: Diese Büste des Gründers der Thule-Gesellschaft ist seinem Buch „Bevor Hitler kam“ vorangestellt. Foto: Repro / COMPACT

    Die brisante Liaison

    Ein wichtiges Detail darf hierbei nicht unerwähnt bleiben: Kein anderer als Sebottendorf war es auch, der die Propagandamaschinerie des Nationalsozialismus in Wallung brachte. Ein Zufall kam ihm dabei zu Hilfe, als am 22. Juni 1918 ein Mann namens Franz Eher starb, der die Herausgeberlizenz für eine Fleischer-Fachzeitung namens Münchner Beobachter besaß.

    Über die junge Käthe Bierbaumer aus Bad Aibling, die nicht nur bei der Thule-Gesellschaft anticharmbrierte, sondern wohl auch Sebottendorfs heimliche Geliebte war, ließ der adoptierte Freiherr den Zeitungstitel für 5.000 Mark erwerben.

    Später bekam der Thule-Gründer Ärger mit einigen seiner Kameraden, die um die diskrete Liaison wussten. Käthe hatte sich nämlich, getreu den Statuten der Gesellschaft, als „reinrassige Arierin“ ausgegeben, war jedoch jüdischer Herkunft… Der falsche Freiherr nahm es da offenbar nicht so genau.

    Ab Juli 1918 erschien der Münchner Beobachter jedenfalls unter der Schriftleitung Sebottendorfs, firmierte aber nun nicht mehr als Metzger-Zeitung, sondern als Sportblatt – um bei der Jugend Anklang zu finden und, wie Sebottendorf bekundete, um „die Juden irrezuführen. die sich nur für das Geschäft aber nicht für den Sport interessieren“. War die Causa Bierbaumer etwa auch nur Teil dieser Camouflage-Taktik? Sebottendorf war als Insider des Freimaurerwesens mit allen Wassern gewaschen, kannte die Winkelzüge, mit denen man Verwirrung stiftet.

    Am 30. September 1919 wurde als herausgebender Verlag die Franz Eher Nachfolger GmbH ins Handelsregister eingetragen. Gesellschafterinnen waren Käthe Bierbaumer und Sebottendorffs Schwester Dora Kunze. Nur ein paar Monate später wurde der Franz-Eher-Verlag zum Zentralverlag der NSDAP – und aus dem Münchner Beobachter wurde der Völkische Beobachter, das Parteiorgan der Braunhemden.

    Tod im Bosporus

    Die Pionierarbeit, die Sebottendorf für die NSDAP hinter den Kulissen leistete, wird übrigens nicht nur von der etablierten Zeitgeschichtsforschung verschwiegen. Auch Hitler war bemüht, die geheime Gründungsgeschichte seiner Bewegung zu vertuschen. 1934 wurde Sebottendorfs Buch Bevor Hitler kam verboten, der Autor selbst war bereits im November 1934 verhaftet worden.

    Nachdem er sich verpflichtet hatte, Deutschland endgültig zu verlassen, wurde Sebottendorf am 24. Februar 1934 abgeschoben und kehrte über die Schweiz wieder in die Türkei zurück. Am 9. Mai 1945 soll er sich in den Bosporus gestürzt haben und ertrunken sein. Bis heute gibt es jedoch Zweifel am vermeintlichen Freitod des Schattenmannes, der im Hintergrund die Strippen zog.

    Mehr über Rudolf von Sebottendorf, die Thule-Gesellschaft und andere Geheimorden, die vor und nach 1933 im Hintergrund der NS-Politik wirkten, lesen Sie in COMPACT-Geschichte COMPACT-Geschichte „Das okkulte Reich“. Erfahren Sie, was die offizielle Geschichtsschreibung nicht anzurühren wagt. Hier bestellen.

    4 Kommentare

    1. Ist es schwierig immer Hitler klein reden zu müssen aber sich doch irgendwie in die Zeit des Nationalsozialismus zurückzusehen?

    2. Das Heft zu diesem Thema hab ich mir geholt und durchgelesen 100% sein geld wert!!!!

    3. Freichrist343 an

      Hitler war an Esoterik interessiert. Doch er verbot auch viele esoterische Organisationen (z. B. die Theosophische Gesellschaft). Die Kennzeichen des Nationalsozialismus (Militarismus, Autoritarismus und Rassismus) stehen im Widerspruch zur echten Esoterik. Bitte googeln: Manifest Natura Christiana