Erinnern Sie sich noch an Pizzagate? Das war die angebliche Verschwörungstheorie, nach der ein pädophiles Netzwerk um Clinton-Spezi John Podesta Kinder für sexuellen Missbrauch unter chiffrierten Bezeichnungen geordert haben soll. Nun tauchen die Pizza-Chiffren wieder in den Epstein-Akten auf. In „Die Akte Epstein“ lüftet Collin McMahon den Mantel des Schweigens und Vertuschens. Hier mehr erfahren.
_ von Marty McCarthy
„Im Internet kursiert eine Verschwörungstheorie“, lästerte der Spiegel am 5. Dezember 2015 auf seiner Webseite. Demnach sei die unscheinbare Washingtoner Pizzeria Comet Ping Pong „in Wahrheit die Schaltzentrale eines Kinderpornorings“. Köpfe dieses kriminellen Netzwerkes seien „Hillary Clinton (…) und ihr Kampagnenchef John Podesta“. Für den Spiegel war das damals alles Humbug – und bis heute wird diese sogenannte Pizzagate-Affäre von allen Mainstream-Medien als Fantasiegeschichte abgetan. Dumm nur, dass das gleiche Muster nun in den neu veröffentlichten Epstein-Akten aufgetaucht ist.
Podesta, Clinton, Epstein
Um die Parallelen zu erkennen, muss man noch einmal den Blick auf Pizzagate 1.0 werfen: Der ganze Skandal kam ins Rollen, als eine Mail der berüchtigten Performance-Künstlerin Marina Abramovic im elektronischen Posteingang von Hillary Clintons damaligem Wahlkampfmanager John Podesta entdeckt wurde. Die Kulturschaffende mit Hang zu Blut und Okkultem hatte ihn und seinen Bruder Tony am 28. Juni 2015 in ihr Privathaus zu einem sogenannten Spirit-Cooking eingeladen.

Abramovics Darbietungen setzen auf literweise Kunstblut, obszöne Botschaften, Gedärme und Knochen, die dekorativ drapiert wurden. Auf dem Buffet lag – den öffentlich gewordenen Bildern nach zu urteilen – eine Frau in einem mit blutfarbener Flüssigkeit gefüllten Behälter, während die Gäste – darunter nicht nur Politiker, sondern auch Prominente wie Lady Gaga – die Pampe begierig von ihrem nackten Körper löffelten.
John Podesta war von 1998 bis 2001 Stabschef des Weißen Hauses unter Bill Clinton, der in den Epstein-Akten hunderte Male auftaucht und zwischen 2001 und 2003 insgesamt 26-mal als Passagier an Bord des „Lolita-Express“ genannten Privatjets des Milliardärs und pädophilen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein gewesen sein soll. Auf dessen privater „Orgien-Insel“ (New York Post) Little Saint James gaben sich Promis die Klinke in die Hand – und zu deren Amüsement eingeflogen wurden junge Frauen und Mädchen, teils minderjährig. Nach seinem Wahlsieg 2008 ernannte Barack Obama Podesta zum Leiter seines Übergangsteams und 2013 zum Berater des Weißen Hauses, bevor dieser 2015 als Chefstratege für Hillarys Wahlkampf gebraucht wurde.
Die geheimen Codes
Neben Auslassungen über innen- und außenpolitische Befindlichkeiten, Spam und Belanglosem tauchten in der von Wikileaks veröffentlichten Korrespondenz John Podestas immer wieder merkwürdige und zum Teil unverständliche Botschaften auf, die sich meist um verschiedene Speisen drehten. Ähnlich wie bei dem sogenannten Hanky-Codes (Taschentuch-Codes), der sexuelle Vorlieben in der Schwulenszene mit Farben signalisiert, handelt es sich hierbei um verschlüsselte Botschaften, wie sie laut dem Gay Slang Dictionary oder dem Polari-Handbuch von Szenekenner Paul Baker im Schwulen- und Sadomaso-Milieu gebräuchlich sind.

Laut urbandictionary.com steht zum Beispiel „Käsepizza“ in einschlägigen Kreisen für Kinderpornografie. Der Film „Chicken Hawk“ von 1994 – eine Produktion der schwulen Pädophilen-Vereinigung NAMBLA (North American Man/Boy Love Association) – zeigt den Gebrauch solcher Codeworte ebenfalls sehr eindeutig. Im Szeneslang solcher Triebtäter bedeutet „Pizza“ in der Regel „Mädchen“, während „Käse“ für „kleines Mädchen“ und „Nudeln“ für „kleiner Junge“ steht. „Eiscreme“ ist die Chiffre für einen männlichen Prostituierten, „Walnuss“ für einen Farbigen, „Karte“ für Sperma, und „Soße“ bedeutet „Orgie“.
„Walnuss-Soße zu Nudeln“
Erste Spuren dieser Chiffrierung fanden sich bereits in Nachrichten des Stratfor-Strategen Fred Burton, der im Mai 2009 an seinen Präsidenten Don Kuykendall schrieb: „Ich denke, Obama hat vor Kurzem ungefähr 65.000 Dollar aus Steuergeldern ausgegeben, um sich Pizzen und Hot-Dogs einfliegen zu lassen für Privatpartys im Weißen Haus; ich gehe davon aus, wir nutzen dieselben Kanäle?“ Dieser Satz ergibt nicht den geringsten Sinn – es sei denn, hier wäre etwas anderes gemeint, das eingeflogen wurde, nämlich von Sexsklavinnen.
Am 11. April 2015 erhielt John Podesta eine E-Mail von Jim Steyer, seines Zeichens Kinderrechtsanwalt und Jugendschutz-Aktivist, in der er ihn spöttisch fragt, ob „Walnuss-Soße zu Nudeln“ wirklich die beste Wahl sei. Entweder haben die beiden Herren einen absonderlichen Geschmack – oder perverse Neigungen. Nach oben genannten Chiffren könnte hier nämlich eine Orgie („Soße“) mit Farbigen („Walnuss“) gemeint sein, bei der kleine Jungs („Nudeln“) missbraucht werden.
Verstörende Bilder
Das sind nur nur zwei Beispiele von vielen: Codewörter wie Pizza, Käse und Nudeln tauchten immer wieder in den vielen Dutzend E-Mails auf, die Wikileaks veröffentlicht hatte. Dass die Podesta-Brüder darüber hinaus oft zu Gast in der im Zusammenhang mit der Affäre stehenden Pizzeria Comet Ping Pong standen und dort sogar Spendengalas veranstaltet haben, ist kein Geheimnis. Hillary Clinton schrieb sogar einen persönlichen Dankesbrief an Inhaber James Alefantis, bei dem sich selbst verdächtige Spuren fanden.

So veröffentlichte der Pizzabäcker vor den Wikileaks-Enthüllungen auf seinem Instagram-Kanal allerhand zweideutige bis widerliche Fotos und pornografische Illustrationen, darunter auch das Bild eines kleinen Kindes, dessen Arme mit Klebeband an einen Tisch gefesselt sind.
Auf einem anderen Foto stehen zwei leicht bekleidete Herren neben einem dritten, der ein T-Shirt mit der französischen Aufschrift: „J’❤ l’enfant“ (deutsch: „Ich liebe das Kind“) trägt. Ein weiteres, das eine Babypuppe und ein Preisschild mit der Aufschrift: „Deutsches Baby 1.200 $“, zeigte, hatte Alefantis mit der Bemerkung „total überteuert“ versehen.

„Mr. Epstein würde gerne das Menü der Pizzeria sehen“
Blättert man sich durch die am 30. Januar vom US-Justizministerium neu veröffentlichten Epstein-Files, mutet es wie ein Déjà-vu-Erlebnis an, denn das Wort „Pizza“ kommt darin über 900 Mal vor, größtenteils auch in Zusammenhängen, die wenig Sinn ergeben, sollte es sich dabei tatsächlich um Speisen handeln. Ohnehin wäre es seltsam, wenn sich Epstein und sein Freundeskreis per E-Mail über italienisches Essen ausgetauscht hätten.
So liest man etwa in einer E-Mail von Epsteins Ex-Freundin Karyna Shuliak an eine gewisse Ann Rodriguez (vermutlich eine Mitarbeiterin des Milliardärs): „Hallo Anna, Mr. Epstein würde gerne das Menü der Pizzeria sehen. Könnte es bitte jemand schicken.“ Warum sollte jemand ihm eine Speisekarte schicken müssen? Dafür benötigt man zwei Klicks im Internet.
In einem weiteren Schreiben (Absender und Empfänger geschwärzt) ergeht die Anweisung: „Schicke die Pizza zu Bobby“, in einem weiteren, ebenfalls vollständig anonymisierten Dokument heißt es: „Feeney fragt nach der Pizza-Party an diesem Wochenende.“
Nach solchen Partys beziehungsweise anderen Events im Zusammenhang mit Pizza haben offenbar häufig Personen bei Epstein und seinen Vertrauten angefragt. Auffällig oft haben sich die Leute auch „für die gute Pizza“ bedankt, etwa mit dem Zusatz „Die war großartig!“ Dass Epstein nebenbei eine Pizzeria betrieben hätte, ist allerdings nicht bekannt.

So geht es munter fort. Über unzählige Seiten verabreden sich Leute aus dem Jet-Set zum „Pizzaessen“ und tauschen Tage im Voraus aus, wie viele „Stücke Pizza“ man sich wohl unter wie vielen Männern „teilen“ müsse. Und dann bekundet Epstein plötzlich in einer E-Mail an einen unbekannten Empfänger: „Ich habe das Foltervideo geliebt.“ Worauf sich diese Bemerkung bezieht, bleibt unklar. Womöglich hat das auch etwas mit „Pizza“ zu tun …
Welche Beziehungen hatte Epstein zu den Geheimdiensten, vor allem zur CIA und zum Mossad? Hat er wirklich Selbstmord begangen – oder wurde er zum Schweigen gebracht? Warum wird die Aufklärung bis heute behindert? Wer steht auf der Kundenliste und warum wird diese nicht veröffentlicht? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Investigativjournalist Collin McMahon in seinem neuen Buch „Die Akte Epstein“. Die ganze Wahrheit! Hier bestellen.





