Er investierte als Mäzen viele Millionen in Heidelberg, erhielt dort auch das Bundesverdienstkreuz – doch nun fällt ein Schatten auf Psychiater Henry Jarecki, denn er taucht mehrfach in den Epstein-Akten auf – auch im Zusammenhang mit traumatisierten Opfern. In unserer druckfrischen März-Ausgabe mit dem Titelthema „Das System Epstein“ durchleuchten wir den Sumpf – und nennen die Täter und Hintermänner beim Namen. Hier mehr erfahren.

    Es gibt eine neue Spur von Epstein nach Deutschland: Unter den Personen, die laut den vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten seine Insel besucht und regen Kontakt zu dem reichen Geschäftsmann hatten, befindet sich auch der Psychiater und Mäzen Dr. Henry Jarecki.

    Der Investor ist eng mit der Stadt Heidelberg verbunden. Jarecki wurde 1933 in Stettin geboren, musste 1939 mit seiner jüdischen Familie vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien fliehen und emigrierte 1941 in die Vereinigten Staaten. In Michigan studierte er Medizin, bevor er 1951 nach Deutschland zurückkehrte und sechs Jahre später an der Universität Heidelberg seinen Abschluss machte. Danach zog der Arzt wieder in die USA, um zunächst als Psychiater zu praktizieren und ab 1969 auch unternehmerisch tätig zu werden.

    Mäzen und Ehrensenator

    Die Verbindung zwischen Jarecki und der Stadt am Neckar besteht bis heute. Als Mäzen ist er an mehreren Projekten in Heidelberg beteiligt, investierte beispielsweise über die nach seinem Vater benannte Max-Jarecki-Stiftung mehr als 250 Millionen Euro für den Campus Bahnstadt, zu dem die Projekte SkyLabs, SkyAngel und SkyOne zählen.

    Victoria‘s Secret, Heidi‘s Secret

    Im Jahr 2016 erhielt der Deutsch-Amerikaner in der Hochschulstadt das Bundesverdienstkreuz, unter anderem für seine Verdienste um den Wissenschaftsstandort. Zudem ist er Ehrensenator der Uni Heidelberg. Darüber hinaus hat er über seine Stiftung auch Kinder- und Jugendeinrichtungen wie den Spielplatz Im Eichgärtlein in Kirchheim oder die sogenannte Kinderbaustelle im Emmertsgrund unterstützt.

    „Wann steigt die Party?“

    Nun hat Jareckis Gönner-Image jedoch erhebliche Kratzer bekommen. In den Ende Januar veröffentlichten Epstein-Files sind nämlich unter anderem Bilder aufgetaucht, die Jarecki zusammen mit dem Sexualstraftäter auf dessen berüchtigter Privatinsel Little Saint James zeigen. Das Eiland, das zu den Amerikanischen Jungferninseln gehört, steht im Zentrum zahlreicher Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfe im Zusammenhang mit dem Fall Epstein.

    Selbst nachdem der Investmentbanker 2008 wegen Anstiftung einer Minderjährigen zur Prostitution schuldig gesprochen wurde, blieb der Kontakt bestehen, wie die Akten zeigen. Epstein und Jarecki schrieben einander über 450 Mails. In einem Schreiben vom 14. Juni 2010 teilte Epstein dem Heidelberg-Mäzen mit: „If there is anything I can do, you can count on me.“ Auf Deutsch: „Wenn ich dir irgendwie behilflich sein kann, kannst du auf mich zählen.“ Jarecki antwortete: „Thanks. I know.“ – „Danke, das weiß ich.“

    Schaubild: Epstein als Knotenpunkt

    In einer anderen Mail schlug der Psychiater Epstein vor, ein gemeinsames Buch zu schreiben. Der geplante Titel: „What If I Get Caught?“ („Was, wenn sie mich kriegen?“). Besonders bezeichnend ist eine E-Mail vom 22. Juli 2009 – dem Tag, an dem Epstein aus dem Gefängnis entlassen wurde. Jarecki klopft dem Verbrecher unverhohlen auf die Schulter und schreibt – ins Deutsche übersetzt:

    „‚Der König ist wieder da!‘ Ich hoffe, du kommst nicht wieder zur Vernunft. Und wann steigt die Party?“

    Wie dicke der Sexualstraftäter und Jarecki waren, zeigt auch der Eintrag des Letzteren im Jubiläumsbuch zu Epsteins 50. Geburtstag – er steht weit vor dem von Donald Trump, der seine Widmung mit der Zeichnung eines nackten Frauenkörpers versah.

    Psycho-Arzt für Epstein-Opfer?

    Besonders brisant ist allerdings, dass eine Frau, die angab, Opfer Epsteins geworden zu sein, am 3. Juni 2024 eine Klage gegen den Psychiater einreichte, in der sie ihn der Vergewaltigung und des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung beschuldigte. In den Prozessakten wird Jarecki als der als der „go-to doctor“ von Epstein beschrieben – also als Arzt, an den sich der Schurke hauptsächlich vertrauensvoll wandte.

    Demnach soll Epstein seine sexuell missbrauchten Opfer zu Jarecki geschickt haben, wenn diese depressiv wurden. Das kam Epstein natürlich sehr gelegen, denn die von dem Seelenklempner beschafften Informationen konnte der Sextäter wiederum nutzen, um die Mädchen und jungen Frauen zu erpressen. Möglicherweise zog das Epstein-Opfer die Zivilklage gegen Jarecki im April 2025 zurück. Jedenfalls hatte die Frau auch den Arzt beschuldigt, sie über Monate in New York festgehalten und fast täglich vergewaltigt zu haben.

    Lokalpolitik fordert Konsequenzen

    In der Heidelberger Lokalpolitik rumort es wegen der nun bekannt gewordenen Verbindungen des Gönners zu Epstein. SPD und Grüne haben den parteilosen Oberbürgermeister Eckart Würzner und die Universitätsleitung aufgefordert, die Ehrensenatorwürde des Mäzens auf den Prüfstand zu stellen. Die Uni-Oberen sehen dazu aber noch keinen Grund.

    Es gelte die Unschuldsvermutung, man werde die weiteren Entwicklungen aber aufmerksam verfolgen, so eine Sprecherin gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wenn derartige Anschuldigungen rechtlich bewertet worden sind, kann der Senat als zuständiges Gremium der Universität sich mit möglichen Schritten befassen.“ Auch in Heidelberg mahlen die Mühlen der Bürokratie ziemlich langsam.

    Aufklärung tut not! Darum kümmern wir uns in der druckfrischen März-Ausgabe von COMPACT mit dem Titelthema „Das System Epstein“. Wir durchleuchten den Sumpf – und nennen die Täter und Hintermänner beim Namen. Schonungslos und ohne Tabus! Hier bestellen.

    Kommentare sind deaktiviert.