Geheimplan gescheitert! Der israelische Geheimdienst wollte das Ayatollah-Regime von innen zum Einsturz bringen. Stattdessen kippt in Jerusalem die Stimmung.  In unserer Ausgabe „Der Brandstifter – Wie Netanjahu die Welt anzündet“ finden Sie wichtige Hintergründe, die der Mainstream bewusst verschweigt. Hier mehr erfahren.

    Entscheidend war das Versprechen des israelischen Auslandsnachrichtendienstes: Dessen Chef David Barnea hatte vor Kriegsbeginn in Aussicht gestellt, einen Aufstand im Iran auslösen zu können. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu vertraute dieser Einschätzung und trug sie auch US-Präsident Donald Trump als zentrales Argument für den Angriff vor.

    Die Erwartung war klar: Unter den Raketenschlägen sollte die Macht der Mullahs ins Wanken geraten, während sich auf den Straßen der vorhandene Protest zur Massenbewegung erhebt, befeuert durch Operationen israelischer Dienste vor Ort.

    Im Weißen Haus: Israels Premierminister Benjamnin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump bei ihrem Treffen im April 2025 in Washington. Foto: The White House

    Erst auf Drängen Netanjahus soll auch Trump endgültig eingewilligt und mit den Tomahawks das Kriegsbeil ausgegraben haben. Das Pentagon legte daraufhin die ersten Ziele für die anfangs eingesetzten Marschflugkörper fest.

    Vom Aufruf zum Scheitern

    Angesichts der Proteste im Januar hatte der Mossad die iranische Bevölkerung offen dazu aufgerufen, den Widerstand fortzusetzen. In einer auf Farsi verfassten Nachricht hieß es: „Geht zusammen raus auf die Straße. Die Zeit ist gekommen. Wir sind mit euch.“ Der Mossad hatte ergänzt, diese Unterstützung gelte „nicht nur aus der Entfernung oder mit Worten. Wir sind auch mit euch vor Ort.“

    Die Reaktion aus Teheran ließ nicht auf sich warten. Irans Generalstaatsanwalt Mohammed Mowahedi-Asad erklärte, friedliche Proteste seien zwar legitim, doch „jeder Versuch, wirtschaftliche Proteste zu einem Werkzeug der Unsicherheit zu machen oder von außerhalb entworfene Szenarien umzusetzen, werde eine legale, angemessene und entschiedene Antwort auslösen.“

    Berichte der New York Times zeigen jetzt, wie weitreichend die ursprüngliche Strategie angelegt gewesen war. Die Zeitung beruft sich dabei auf aktuelle und ehemalige US- und israelische Geheimdienstvertreter. David Barnea habe Netanjahu bereits vor Kriegsbeginn einen Plan vorgelegt, der auf einen inneren Umsturz zielte, eine Linie, die bewusst offiziell nur angedeutet worden war. Nach der Ausschaltung zentraler Figuren der iranischen Führung, so die Annahme, könne der Mossad die Opposition „mobilisieren“ und über gezielte Operationen Unruhen entfachen, die schließlich zum Zusammenbruch des Systems führen.

    Der Plan ging nicht auf. Die Führung in Teheran festigte sich, ein Szenario, das selbst amerikanische Beamte im Vorfeld als wahrscheinlich angesehen hatten. Zwar könnten „rivalisierende religiöse Fraktionen innerhalb des Systems“ in Konflikt geraten, doch die Aussicht, dass daraus eine klare prowestliche oder gar demokratische Ordnung hervorging, galt als gering. Auch Überlegungen, kurdische Milizen von außen einzubinden, hatten sich nicht realisiert.

    Israels Führung hält offiziell weiter an der Hoffnung auf einen Regime Change fest. Doch dass ein Aufstand ausbleibt, sorgt für ,,wachsende Unruhe“.  Denn „hinter den Kulissen“, so hieß es in dem Bericht, habe Netanjahu „Frustration darüber geäußert, dass die Versprechen des Mossad, einen Aufstand im Iran zu entfachen, sich nicht erfüllt haben“. In einer frühen Sicherheitsbesprechung habe der Premierminister zudem beklagt, der Plan „funktioniere nicht“, und zugleich gewarnt, dass Donald Trump „die Kampagne jederzeit beenden könnte“. Laut der Times of Israel soll der Ton dabei laut geworden sein.

    Auch aus dem Umfeld des Geheimdienstes selbst kamen später vorsichtigere Töne. Ein Bericht von Channel 12 deutete darauf hin, dass neue Einschätzungen des Mossad einen möglichen Umsturz allenfalls „am Ende des Krieges“ erwarten und der sich „über Monate, vielleicht sogar über ein Jahr“ hinziehen würde.

    Innerhalb des Mossad zeigte sich damit ein strategischer Bruch. Barneas Vorgänger Yossi Cohen hatte einen Regimewechsel im Iran als unwahrscheinlich eingeschätzt und die entsprechenden Aktivitäten zurückgefahren. Stattdessen setzte er auf Sanktionen und gezielte Operationen gegen das Atomprogramm. Barnea verfolgte den entgegengesetzten Ansatz und richtete die Arbeit des Dienstes verstärkt auf einen politischen Umsturz aus.

    Hoffen auf Zündpunkt

    Öffentlich halten Netanjahu und Trump den Gedanken eines Umsturzes zwar aufrecht, treten jedoch vorsichtiger auf. Israels Premier erklärte mehrfach, er könne nicht sicher sagen, ob sich die iranische Bevölkerung tatsächlich erheben werde, betonte jedoch zugleich, eines der Kriegsziele habe darin bestanden, „die Bedingungen dafür zu schaffen, dass das iranische Volk seine Freiheit ergreifen und sein Schicksal selbst bestimmen kann“.

    Proteste in Kermānschāh
    Proteste in Kermānschā. Foto eines Protestteilnehmers/ Wikimedia Commons

    Auch aus diplomatischen Kreisen wurde diese Hoffnung formuliert. Israels Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, erklärte, man brauche Kräfte vor Ort, „aber es müssen iranische Kräfte sein“, und fügte hinzu, er glaube, dass sie kommen würden. Entscheidend sei es, das Regime so weit zu schwächen, „dass es keine Macht mehr hat“, um einen „Zündpunkt“ zu erreichen, an dem die Bevölkerung selbst die Kontrolle übernimmt.

    Eine ganze Region steht in Flammen: In unserer Ausgabe „Der Brandstifter – Wie Netanjahu die Welt anzündet“ finden Sie wichtige Hintergründe zu Israels desaströser Nahost-Politik, die der Mainstream bewusst verschweigt. Hier mehr erfahren.

     

     

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