Nach der Aberkennung des polnischen Ordens Weiße Adler dreht Ukraine-Machthaber Selenski am Rad. Der Zank mit dem polnischen Präsidenten ufert aus. Mit unserer Hintergrund-Lektüre „Krieg gegen Russland“ sichern Sie sich Wissen, von dem der Normalbürger oft nicht einmal ahnt. Hier mehr erfahren.
Der Streit zwischen Polen und Warschau wegen der Verehrung von Nazi-Kriegsverbrechern durch das offizielle Kiew eskaliert weiter. Nachfolgend eine Zusammenfassung der Ereignisse durch die russische Nachrichtenagentur Tass, übersetzt von Thomas Röper.
Politische Eiszeit
Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat Wladimir Selenski den höchsten polnischen Staatsorden, den Orden des Weißen Adlers, aberkannt. Laut Nawrocki steht der Schritt im Zusammenhang mit Selenskis Entscheidung, einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den Namen „Helden der UPA“ (Ukrainische Aufständische Armee) zu verleihen.
In Polen gelten die Mitglieder der UPA als Verbrecher, die für den Mord an über 100.000 polnischen Bürgern in Wolhynien im Jahr 1943 verantwortlich sind. Selenski war der Orden von Andrzej Duda, dem ehemaligen polnischen Präsidenten (2015–2025), verliehen worden.
Nach der Aberkennung haben Selenski selbst sowie die ehemaligen ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma, Wiktor Juschtschenko und Petro Poroschenko erklärt, die polnische Auszeichnung zurückzugeben.

Selenski erklärte, die Rhetorik des polnischen Präsidenten gegenüber der Ukraine könne „sehr böse enden“. In einem Interview mit dem Fernsehsender TSN erklärte er, die Aberkennung des Ordens sei eine Fortsetzung von Nawrockis politischem Kampf in Polen, indem er „Hass gegen Ukrainer schürt“.
Er bestätigte außerdem, dass Nawrocki ihm bei ihrem ersten Treffen im Dezember 2025 ein Buch über das Massaker von Wolhynien überreicht habe. Selenski erklärte, er halte das Vorgehen des polnischen Präsidenten für falsch und scherzte über dessen Namen: „Karol (auf Deutsch König) ist nicht sein Titel, sondern sein Name, richtig? Schließlich hat er keine Monarchie, sondern eine Demokratie, also sollte er ein wenig an den Beziehungen zur Ukraine arbeiten.“
Reaktionen in Polen und der Ukraine
Der ehemalige polnische Präsident Bronisław Komorowski (2010–2015) bezeichnete den Konflikt zwischen Präsident Karol Nawrocki und Wladimir Selenski als „Krieg um Medaillen“. Seiner Ansicht nach tragen sowohl das polnische Staatsoberhaupt als auch Selenski die Verantwortung für die Verschlechterung der polnisch-ukrainischen Beziehungen, da sie „hart gearbeitet“ hätten, die Kontakte zwischen Warschau und Kiew zu zerstören.
Der ehemalige polnische Ministerpräsident Leszek Miller erklärte zum Konflikt zwischen Präsident Karol Nawrocki und Wladimir Selenski, die Ukraine solle nicht die Orden, sondern die gelieferten Waffen und militärischen Ausrüstungen an Warschau zurückgeben. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnete es als strategischen Fehler, dass Politikern in Warschau und Kiew sich in den Konflikt hineinziehen lassen.
Der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz erklärte, die polnisch-ukrainischen Beziehungen „gehen in eine sehr schlechte Richtung“. Der ukrainische Außenminister Andrej Sybiga gab an, Kiew sei bereit, auf Warschaus unfreundliche Aktionen mit Gegenmaßnahmen zu reagieren. Laut dem Minister habe Nawrocki „die jüngsten positiven Fortschritte, die beide Seiten gemacht haben, zerstört“.
Internationale Reaktionen
Andréj Danko, Vizepräsident des Nationalrats (Parlament) der Slowakei und Vorsitzender der Slowakischen Nationalpartei (SNP), die Teil der Regierungskoalition ist, forderte Ministerpräsident Robert Fico auf, die Verhandlungen mit Wladimir Selenski wegen der „Verherrlichung der Banderisten“ in der Ukraine abzubrechen. Er begrüßte die Entscheidung des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, Selenski den Orden des Weißen Adlers abzuerkennen.
Nawrockis Position zeige, dass das historische Gedächtnis und der Respekt vor den Opfern des Nationalsozialismus höher stehen solle als das Konzept der „politischen Korrektheit“ gegenüber der Ukraine, so Danko.
Der Konflikt um den Orden des Weißen Adlers werde ein Hindernis für den EU-Beitritt der Ukraine darstellen, schrieb der russische Sonderbotschafter Rodion Miroschnik. Er sei sicher, dass Warschau im Rahmen der Verhandlungen über den „Beitritt der Restukraine zur EU Vergeltung üben und eine Reihe von Forderungen an die Banderisten stellen wird“. Die Rückgabe des Ordens des Weißen Adlers durch mehrerer ehemalige ukrainische Präsidenten beweise, dass sie alle im Grunde Nazis seien, erklärte Dmitri Medwedew, der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates.
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