Er ist ein Mann der Superlative und will klotzen, nicht kleckern: Elon Musk plant mit SpaceX nicht nur einen der größten Börsengänge aller Zeiten, er will auch mindestens 1.000 Raketen, „vielleicht bis zu 10.000 Schiffe pro Jahr“ produzieren, um seine Vision einer interplanetaren Menschheit zu verwirklichen. Wie sind diese ambitionierten Ziele zu bewerten? In seiner Biografie „Elon Musk“ zeigt Ashlee Vance, dass der Tech-Visionär schon manches vollbracht hat, was andere für unmöglich hielten. Hier mehr erfahren.
Boca Chica, Texas, USA: Die Mitarbeiter des Weltraumbahnhofes von SpaceX stehen vor einem Riesenbildschirm, der die neuesten Pläne von Elon Musk für sein Unternehmen vorstellt. „GIGA BAY, TX“ prangt auf dem großen Monitor – und das bedeutet: Die Basis in Boca Chica soll für 250 Millionen Dollar zu einer rund 65.000 Quadratmeter großen Megafabrik ausgebaut werden. Das entspricht in etwa einer Fläche von neun Fußballfeldern.
Der Raketen-Tsunami
Doch warum die massive Erweiterung der Starbase in Texas? Mindestens 1.000 Starship-Raketen, „vielleicht bis zu 10.000 Schiffe pro Jahr“, will Musk dort künftig produzieren. So zumindest verkündete er es nun auf seiner Social-Media-Plattform X. Dabei würde er schon mit jährlich 1.000 Raumschiffen alle anderen Hersteller auf der Welt deutlich in den Schatten stellen.
Das zeigt der Vergleich mit Europas neuer Großrakete Ariadne 6. Im Jahr 2027 sollen davon ganze zehn Exemplare gefertigt werden. Musk hingegen will, bricht man die von ihm angegebene Jahresproduktionszahl herunter, täglich 2,7 Starships vom Band laufen lassen. Bei 10.000 Raketen wären es knapp 30 Exemplare pro Tag – ein wahrer Raketen-Tsunami. „Musk spricht offen von einer Industrialisierung der Raketenherstellung – etwas, das es in dieser Dimension bisher nicht gegeben hat“, schreibt das Wirtschaftsportal Business Insider. Tatsächlich wäre dies eine Massenproduktion wie in seinen Tesla-Autowerken.
SpaceX geht an die Börse
Über die Finanzierung des Mega-Projekts braucht sich der Firmeninhaber keine Sorgen zu machen. SpaceX boomt! 2025 realisierte das Unternehmen 165 Falcon-9-Starts – mehr als alle Space-Shuttle-, Apollo- und Gemini-Flüge zusammen. Starlink, das Satelliten-Internet des Konzerns, saugt Milliarden ein. Zudem plant SpaceX für dieses Jahr den Börsengang.
Mit über 30 Milliarden Dollar Kapitalaufnahme bei einer Analysten-Bewertung von 800 Milliarden bis 1,5 Billionen Dollar soll es einer der größten IPOs aller Zeiten werden. Dagegen wirkt selbst ein Öl-Gigant wie Aramco fast wie ein Zwerg. Allerdings gibt es derzeit noch regulatorische Grenzen: Die US-Luftfahrtbehörde FAA erlaubt SpaceX momentan maximal 25 Starship-Starts pro Jahr. Doch Musk ist bekannt dafür, Grenzen nicht als Endpunkte zu betrachten, sondern als Herausforderungen, die es zu überwinden gilt.
Sein inzwischen wohl wieder recht guter Draht ins Weiße Haus kommt ihm dabei ebenso zugute wie die Offenheit des US-Präsidenten für neue Technologien, um nach den Sternen zu greifen. „Raumfahrt ist nicht nur eine technische Leistung – sie ist auch ein moralisches Unterfangen, ein Maß für die Vision, den Willen und die Stellung einer Nation in der Welt“, so Trump einmal in einer Rede am am Kennedy Space Center auf Merritt Island in Florida.
Die Menschheit als „multiplanetare Spezies“
Die Mega-Pläne in Boca Chica sollen Musks großem Ziel dienen, die Menschheit auf eine neue Entwicklungsstufe zu heben, sie zu einer „Raumfahrtzivilisation und multiplanetaren Spezies“ zu machen, wie er 2017 gegenüber der Zeitschrift New Space bekundete. Schon vor gut 25 Jahren schloss sich der Tech-Unternehmer der Mars Society an, dem auch die NASA-Wissenschaftlerin Carol Stoker sowie der Starregisseur James Cameron angehörten.
„Ziel der Gesellschaft war die Erkundung und Besiedelung des Roten Planeten“, schreibt der Journalist Ashlee Vance in seiner Elon-Musk-Biografie. Bei den Galadiners des exklusiven Klubs unterhielt der heute reichste Mann der Welt laut Vance die anderen Gäste „mit Geschichten über eine Forschungsstation, die von der Gesellschaft in der Arktis installiert worden war, um die harten Lebensbedingungen auf dem Mars zu simulieren“.
In diesem Umfeld reiften auch Musks Ideen für die sogenannte Mars-Oase. „Nach diesem Plan sollte Musk eine Rakete kaufen und damit eine Art Roboter-Treibhaus auf den Mars befördern. Eine Gruppe von Wissenschaftlern hatte bereits an einer weltraumfähigen Wachstumskammer für Pflanzen gearbeitet. Die Idee war, sie zu modifizieren, sodass sie etwas Marsboden aufnehmen und darauf Pflanzen wachsen lassen konnte; so sollte der erste Sauerstoff auf dem Mars entstehen. Sehr zur Freude von Musk erschien dieser Plan spektakulär und umsetzbar zugleich“, so Vance in seinem Buch.
Destination: Mars
Der Mars spielt bis heute eine Schlüsselrolle in den Überlegungen des SpaceX-Gründers. Musk spricht davon, eine dauerhafte menschliche Siedlung auf dem Roten Planeten errichten zu wollen – inklusive Industrie, Energieversorgung und urbanen Zentren. Gegenüber der Times of India gab er zu Protokoll:
„Wir wollen eine selbsttragende Stadt auf dem Mars aufbauen.“
Das Starship, das in Texas in Massenproduktion gegen soll, ist dabei das zentrale Transportmittel: vollständig wiederverwendbar, extrem leistungsfähig und in der Lage, große Mengen Fracht und Menschen ins All zu bringen. Das Trägersystem der Rakete kann bis zu 150 Tonnen Nutzlast transportieren und soll perspektivisch alle anderen von SpaceX betriebenen Flugkörper ersetzen: die Raketen Falcon 9 und Falcon Heavy sowie das Raumschiff Dragon 2.
Hinter dem Mars-Projekt stehen jedoch nicht die spinnerten Ideen eines Multimilliardärs, der zugleich ein großer Science-Fiction ist, sondern ernsthafte Überlegungen. Musk ist davon überzeugt, dass die Menschheit möglicherweise einmal einen Zufluchtsort benötigen könnte, wenn weite Teile der Erde unbewohnbar würden – etwa durch Naturkatastrophen, einen Nuklearkrieg oder auch einen massiven Asteroideneinschlag.
Mit Space X plant der Unternehmenschef die ersten bemannten Flüge zum Mars um das Jahr 2033. Schon vorher sollen mehrere unbemannte Missionen mit Fracht und dem Roboter Optimus zum Roten Planeten geschickt werden, die Voraussetzungen für eine spätere Besiedelung soll durch Terraforming erfolgen. Spätestens 2060, so Musks Ziel, soll eine autarke Marskolonie mit einer Million Menschen entstehen.
Menschheitsretter oder Klima-Killer?
Vor diesem Hintergrund erscheinen die von SpaceX angepeilten Produktionszahlen durchaus plausibel, doch in der Fachwelt ist man geteilter Meinung über die Realisierbarkeit. „SpaceX ist ein außergewöhnliches Unternehmen. Ein Börsengang würde nur bestätigen, was private Investoren schon lange wissen“, so Mark Boggett, Chef der britischen Tech-Investmentgesellschaft Seraphim Space, der sich gegenüber dem Portal Marketwatch positiv zu dem Vorhaben äußerte.
Auch Raumfahrtexperte Dennis Wingo aus Santa Clara, Kalifornien, hält das Ganze nicht für zu hoch gegriffen und zog auf X einen historischen Vergleich:
„Sie sagten Henry Ford, er könne keine B24-Bomber wie Autos bauen. Zwei Jahre später baute er eine Ford-Fabrik, die vorher nicht existierte, und produzierte alle 63 Minuten einen B24.“
Beim Starship wären es 52 Minuten pro Rakete! „Machbar“, meint John Logson, der ehemalige NASA-Berater und Direktor des Space Policy Institute an der George-Washington-Universität. „Es gibt kein technisches Hindernis dafür, dass der Plan umsetzbar ist. SpaceX hat gute Ingenieure. Sie müssen nicht viel erfinden“, so seine Analyse auf dem Portal Space.com.

Nur die Klima-Alarmisten gießen Wasser in den Wein und warnen vor dem CO2-Hammer. „Die Menge an wärmespeichernden Gasen wie CO2, die bei Starts produziert werden, ist im Vergleich zu denen kommerzieller Flugzeuge immer noch winzig“, räumt die britisch-südafrikanische Atmosphärenchemikerin und Professorin am University College London zwar ein. Doch bei einem Starship-Start würden 76.000 Tonnen CO2-Äquivalent ausgestoßen, bei der Falcon-Rakete 28.000 Tonnen.
Raumfahrtingenieur Gunter Krebs schrieb auf X: „Die Umweltauswirkungen von bis zu 10.000 Starts nicht vernachlässigbar, insbesondere durch die Verbrennung von Methan aus fossilen Brennstoffen und die Ablagerung von Wassermengen in der oberen Atmosphäre.“ Und der britische Independent warnt: „Raketenemissionen wirken direkt in sensiblen Atmosphärenschichten.“ Kritik gibt es zudem wegen der angeblichen ökologischen Folgen rund um den SpaceX-Standort Boca Chica. Naturschutzorganisationen verweisen auf Schäden an Dünenlandschaften und Lebensräumen.
Grenzen überwinden
Doch weder Musk noch die Anhänger seiner visionären Ideen ficht das an, zumal selbst tausende Raketenstarts pro Jahr nur einen Bruchteil der weltweiten Emissionen verursachen würde, folgt man der Logik der Klima-Alarmisten. Zudem setzt SpaceX mit dem Starship erstmals konsequent auf vollständige Wiederverwendbarkeit und auf Methan als Treibstoff, der weitaus weniger umweltschädlich als andere Brennstoffe ist.
Elon Musk denkt ohnehin größer. Für ihn ist Raumfahrt kein Luxus, sondern eine Art Versicherungspolice für die Zivilisation. 10.000 Raumschiffe pro Jahr sind dabei kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug: für Forschung, Wachstum, Sicherheit – und für den uralten Traum, die Grenzen unseres Planeten zu überwinden.
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