Fassbomben und Druckerschwärze

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Seit der als Arabischer Frühling bezeichnete Umsturzversuch 2011 scheiterte, kämpft Syrien ums Überleben. Unterstützt vom westlich-islamistischen Bündnis unter Führung der USA, nehmen Terroristen und fremde Armeen das Land in die Zange, gleichzeitig führt die westliche Systempresse einen Propaganda-Feldzug von absurdem Ausmaß. Es folgen Auszüge aus einem Artikel, den Sie vollständig in COMPACT 4/2016 lesen können – hier bestellen

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_von Marc Dassen

„Krieg in Syrien – Verstehen Sie noch, worum es geht?“ titelt die Wochenzeitung Die Zeit in ihrer Ausgabe vom 25. Februar 2016, als wolle sie sich erkundigen, ob die jahrelange Gehirnwäsche Wirkung zeigt. Der Leitartikel hat alles, was das westliche Kriegstheater verlangt: Baschar al Assad – den herzlosen Diktator, der „sein Volk in einen Krieg gestürzt“ hat; Wladimir Putin – den düsteren Komplizen, für den allein Russlands „weltpolitische Ambitionen“ auf dem syrischen Schachbrett eine Rolle spielen; Barack Obama – den verhinderten Erlöser, der Assad einen „Freibrief“ erteilte, als er nach seinem angeblichen Giftgasangriff „vor einem Militärschlag zurückschreckte“; und in der Hauptrolle: jene edlen Rebellen, die in ihren besetzten Gebieten all das, was man „im Westen so sehnlich von den Arabellionen“ erwartete – alternative Strukturen, demokratische Prinzipien, Pluralismus, Gemeinwohl statt Korruption –“ furchtlos umsetzen. Die Wahrheit ist weniger romantisch, doch sie wurde einmal mehr das erste Opfer des Krieges.

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Noch im März 2011 sprach man den im Westen ausgebildeten Augenarzt und Politiker-wider-Willen Assad im Bild-Interview respektvoll mit „Herr Präsident“ an und philosophierte mit ihm über Wege zum Frieden im Nahen Osten. Wenige Monate war die Welt nicht mehr dieselbe. Bild-Propagandist Franz Josef Wagner fällte Ende August 2013 das endgültige Urteil: „Der gute Arzt ist ein Schlächter geworden. (…) Er ist ein Irrer. Ein Unberechenbarer. Ein Gaddafi. Ein Idi Amin. Ein Hitler. Er ist ein Doktor des Bösen. Man muss ihn niederbomben. Irre dürfen nicht unsere Welt regieren.“

Diese harte Linie gegen Assad und für einen möglichst schnellen Kriegseintritt des Westens hat die westliche Propaganda seitdem eisern durchgehalten. Der Spiegel ärgerte sich im Februar 2016, dass der Krieg in Syrien nicht noch viel brutaler geführt und der Fehler, religiöse Extremisten zu unterstützen, nicht schon viel früher und radikaler gemacht worden war: „Der Westen, allen voran die USA, hätte sich klarer zu den Rebellen bekennen und sie ausreichend ausstatten können.“ Und weiter: „Nach dem Giftgaseinsatz in Damaskus am 21. August 2013 hätten der amerikanischen Drohung (…) Konsequenzen folgen müssen, etwa in Form gezielter Militärschläge gegen Regimestellungen und Militärbasen.“ Das heute herrschende Chaos sei nicht Folge westlicher Intervention, sondern umgekehrt „Preis des westlichen Nichteingreifens“.

Um die westliche Einmischung in Syrien zu legitimieren, haben die Spin-Doktoren der Systempresse die sogenannte moderate Opposition erfunden. Mit diesen „nichtdschihadistischen“ Kräften konnten die USA ins Geschäft kommen. Von moderat konnte tatsächlich nie eine Rede sein.

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Auch Die Welt schrieb über die Armee der Eroberer Ende Februar Aufschlussreiches: Sie sei „ein übergreifendes Militärbündnis der Rebellen“, in dem „Islamisten der Nusra-Front und Ahrar al-Scham dominieren“, an dem aber gleichzeitig „auch vom Pentagon unterstützte FSA-Gruppen“ beteiligt seien. Und weiter: „Klare geographische Trennlinien sind oft nicht auszumachen, zumal die Rebellenverbände gemeinsam an der Front gegen das Regime kämpfen.“

Kurz: Die moderate Opposition ist ein Mythos, alle Islamistengruppen arbeiten militärisch zusammen. Deswegen sind die erklärten Ziele des US-Präsidenten – einerseits Zerstörung des IS und andererseits Einsetzung einer Übergangsregierung nach Verhandlungen auch mit Assad-Emissären –, logischerweise inkompatibel.

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Seit sich die Russen Ende 2015 entschlossen, in den Kampf einzugreifen, hat sich die Lage dramatisch verändert: Der IS wurde stark geschwächt, Assad konnte einige Städte zurückerobern. Die Massenmedien sehen darin jedoch kein Grund zur Freude. „In viereinhalb Monaten hat Putin das Blatt im syrischen Bürgerkrieg zugunsten des Diktators gewendet, das Chaos vergrößert – und den IS geschont“, kommentiert der Spiegel Mitte Februar. Ähnlich warf Zeit-Herausgeber Josef Joffe Putin kurz darauf vor, „in Syrien auf der Klaviatur des Expansionismus“ zu spielen. Assads Regierung bezeichnete er als „Killerdiktatur“. Die Russen, so behauptet der Spiegel, „zielen auf alles, was noch nicht zerstört ist, auf Wohnhäuser, Schulen, Kliniken“, um einem Diktator zum Endsieg zu verhelfen. Und weiter: „Es wäre der Sieg eines Regimes, das foltert und mordet, sein Volk mit Fassbomben bewirft und mit Giftgas erstickt.“

Fassbomben – das ist, nachdem die Giftgas-Vorwürfe zurückgefahren wurden, mittlerweile ein Standardbegriff der westlichen Propaganda. Obama behauptete in seiner Rede vor der UNO Ende September 2015, die syrische Armee würde sie einsetzen, „ um unschuldige Kinder zu massakrieren«. Auch Angela Merkel insistierte Anfang Dezember 2015, Assad lasse „nach wie vor Fassbomben auf sein eigenes Volk« abwerfen. Dabei hatte der vielgescholtene „Diktator“ bereits im April 2015 in einem Interview mit France2-TV ganz cool darauf hingewiesen, seine Luftwaffe habe genügend konventionellen Waffen und brauche solche primitiven Killer Marke Eigenbau nicht… Tatsächlich ist die Beweislage für diese Anschuldigung sehr dünn.

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Der Journalist Joachim Guilliard hat weitere Unstimmigkeiten zusammengetragen: „Auf Wikipedia führen Anhänger der syrischen Opposition eine Liste aller vorgeblichen Fassbomben-Angriffe von 2012 bis heute. Geht man die angegebenen Quellen durch, so findet man nur wenige Videos, auf denen die Abwürfe selbst gezeigt werden. Dabei lässt sich weder die Art der Bombe noch die des Zieles erkennen. Die übrigen Videos und Bilder zeigen nur zerstörte Gebäude.“

Die meisten dieser und anderer unbewiesener Gräuelberichte kommen aus einer Reihenhauswohnung im englischen Coventry. Dort betreibt ein gewisser Rami Abdulrahman die sogenannte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte als Ein-Mann-Unternehmer. Sie will Verbrechen in Syrien dokumentieren, hat allerdings nur eine Hand voll Beobachter im Land. Abdulrahman steht als Sunnit in scharfer Opposition zur multireligiösen Regierung von Assad und macht aus seiner Parteinahme für die Oppositionellen auch keinen Hehl. Seine Meldungen beruhen oft auf Hörensagen, werden im Westen aber dennoch weit verbreitet.

Derweil lechzt der Spiegel nach mehr Blut. „Der Krieg in Syrien ist vom Bürgerkrieg zum Weltkrieg geworden,“ las man dort im Februar. Ob da der Wunsch Vater des Gedankens war? Die Prophezeiung der Hamburger Journalisten ist düster: Was würde passieren, „wenn ein türkischer Hilfskonvoi von russischen Jets angegriffen wird? (…) Greift dann die NATO ein?“ Und weiter: „Würde der Westen jetzt militärisch intervenieren, um eine Tragödie in Aleppo zu verhindern, wäre das Risiko einer direkten Konfrontation mit Russland groß. Trotzdem fordern immer mehr Beobachter ein solches Eingreifen.“

_Marc Dassen ist Redakteur bei COMPACT-Magazin. In Ausgabe 3/2016 schrieb er über den innenpolitischen Kampf von Systemmedien, -parteien und Antifa-Aktivisten gegen die Alternative für Deutschland (AfD).

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Über den Autor

Marc Dassen

Marc Dassen wurde 1989 in Aachen geboren und hat Anfang 2015 sein Studium der Geschichte und Philosophie mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen. Seither arbeitet er als Journalist für COMPACT-Magazin.

 

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