Buch des Jahres 2026: Collin McMahon hat mit „Die Akte Epstein“ ein epochales Werk vorgelegt, das den gesamten Tiefen Staat der USA aufdeckt und verstehen hilft. Hier bestellen.

    Es ist vielleicht überraschend, dass ich schon im Januar den Titel „Buch des Jahres“ vergebe, aber es wird schwer sein, diesen Titel noch zu übertrumpfen. Das Buch „Die Akte Epstein“ habe ich verschlungen, und es wird in meinem Bücherregelag einen Platz in greifbarer Nähe zu meinem Schreibtisch erhalten, damit ich es immer wieder hervorziehen kann, wenn ich etwas nachschlagen muss. Es gibt nicht nur eine konzise Übersicht über den Fall Epstein, sondern erklärt, davon ausgehend, das gesamte System des Tiefen Staates.

    McMahon, ein Deutsch-Amerikaner, hat unglaubliche Mengen an Material ausgewertet und es geschafft, diese Massen auf gerade 230 Seiten so zu komprimieren, dass man daran nicht erstickt. Ein Personen- und Schlagwortregister – heutzutage selten geworden! – ermöglicht dem Leser das Auffinden. Das Buch ist wie ein Lexikon! Und vor allem: Der Autor arbeitet absolut akkurat. Zu allem gibt es eine Quelle – nein, in der Regel sogar mehrere. In vielen Fällen sind die Behauptungen von verschiedenen Auskunftsgebern nämlich widersprüchlich. Indem Macmahon alle dokumentiert, schickt er den Leser selbst als Kriminalisten in die Spur. So muss man arbeiten! Und das ganze Ding ist wie ein Krimi – es zieht einen rein! Im Untertitel wird Benjamin Franklin zitiert. „Drei können ein Geheimnis wahren, wenn zwei tot sind.“ Genial! So muss man schreiben. Sie sehen, ich bin begeistert…

    Trump und Clinton

    Ein brisantes Foto: Die damals 22-jährige Chauntae Davies, ein Opfer Epsteins, verpasst Bill Clinton eine Nackenmassage. Foto: dailymail.co.uk

    Ich weiß nicht, wie es unseren Lesern geht. Aber ich habe mittlerweile den Überblick über den Stand der Epstein-Affäre verloren. Noch im Sommer war das das Top-Thema, das die MAGA-Bewegung spaltete. Aber dann kamen andere Erschütterungen: Mord an Charlie Kirk, Überfall auf Venezuela, Grönland-Krise, Kriegstrommeln im Persischen Golf… Um sich wieder auf Stand zu bringen, ist „Die Akte Epstein“ ideal. Besonders, was die Frage nach der Verwicklung von Trump angeht. Hier der Tweet, der uns alle elektrisiert hat – und den die meisten, einschließlich mir, mittlerweile vergessen haben. Elon Musk twitterte am 5. Juni 2025: „Es ist Zeit, diegroße Bombe platzen zu lassen: Donald Trump steht in den Epstein-Akten. Das ist der wahre Grund, warum sie noch nicht veröffentlicht wurden.“ Musk hat den Tweet später gelöscht – aber Trumps eigenes Verhalten gab dem Verdacht Nahrung. Zuerst sagte seine Justizministerin Pam Bondi, sie habe die Epstein-Kundenlist „auf dem Schreibtisch“ (21.2.2025), aber am 6.7.2025 dann die 180-Grad-Kehre, es gebe „keine Kundenliste“.  Entlarend auch die Pressekonferenz vom 8.7.25,  als ein Journalist danach fragte, ob Epstein „je für amerikanische oder ausländische Geheimdienstbehörden gearbeitet“ habe und sich dabei auf eine entsprechende Aussage des Trump-Juristen Alex Acosta berief. Trump schnauzte zurück: „Reden Sie immer noch über JeffreyEpstein? Das ist doch ein alter Hut.“ Den Leuten, die immer noch über Epstein redeten, beschied er am 12.7.2025: „Ich will Ihre Unterstützung nicht mehr.“

    McMahon geht die veröffentlichten Akten akribisch durch und kommt zum Schluss: Ja, Epstein und Trump waren dicke, und ja, er flog auch im „Lolita-Express“, Epsteins Bumsbomber, mit. Aber er war nie auf der Orgieninsel von Epstein, und es gibt keine Anzeichen, dass er sich je an Minderjährigen vergriffen oder Frauen vergewaltigt hat. Ganz im Unterschied zu Bill Clinton, der von Zeugenaussagen schwer belastet wird, die in dem Buch alle aufgeführt werden.

    Warum gibt Trump, obwohl nicht beteiligt, dann die Epstein-Akten nicht heraus? McMahon geht davon aus, dass er so handelt, um andere zu schützen, vor allem Personen aus dem Tiefen Staat. Denn Epstein war ein wichtiger Koordinator des Tiefen Staates. Und vor allem war er ein Zuträger der Geheimdienste,besonders des Mossad. Das soll an dieser Stelle nicht ausgeführt werden, die Beweise sind alle im Buch. Eine Schlüsselrolle spielte Mossad-Agent Robert Maxwell, der Vater von Ghislaine, der wichtigsten Komplizin Epsteins bei seinem schmutzigen Sexbusiness. Seine Orgien mit teils Minderjährigen dienten dem Ziel, Politiker in verfängliche Situationen zu bringen und dann mit Videoaufnahmen zu erpressen.

    Der Tiefe Staat

    Epstein war Knotenpunkt in einem Netz, das McNahon bis in den Zweiten Weltkrieg zurückführt, als Robert Maxwell beim MI6 anheuerte. Der Tiefe Staat korrumpierte alle Politiker, über Parteigrenzen hinweg. Mcmahon dröselt das am Beispiel der sogenannten Iran-Contra-Affäre auf. In den 1980er Jahren lieferten die USA via Israel Waffen an den Todfeind Iran, um dessen Krieg gegen den Irak (den die USA ebenfalls aufrüsteten) in die Länge zu ziehen. Das Schwarzgeld aus Teheran investierte die CIA in die Aufrüstung der antikommunistischen Contra-Guerilla in Mittelamerika. Epstein war an Finanztransaktionen in diesem Zusammenhang beteiligt. Clinton, damals noch in Arkansas, bildete Contra-Guerillas in seinem Bundesstaat aus. Die Waffen für Iran kamen von Adnan Khashoggi, einem der reichsten Männer der Welt. Er war gern gesehen Buddy im Jetset der USA und lud alle Promis zu seinen Parties ein – und verkaufte seine Jacht einem seiner Gäste, Donald Trump.

    Viel Lärm um nichts? Der Boulevard griff jede neue Enthüllung im Fall Epstein auf, doch die wichtigsten Fragen blieben ungeklärt. Foto: Copyright Lawrey / Shutterstock

    McMahon führt aus, wie Zeugen beseitigt wurden, die Epstein oder Clinton hätten belasten können. Er zeigt, dass auch Bill Gates im Netz mit drin hing, sich dessen Frau sogar wegen Epstein scheiden ließ. Und wohl auch Elon Musk, der nicht zu den Sexkunden von Epstein gehörte, aber zu den Geschäftskontakten.

    Ich kann hier nicht alles aufführen. Lesen Sie bitte einfach „Die Akte Epstein“, am besten mit einem Stift in der Hand zum Unterstreichen. Dann wissen Sie alles, was man heute wissen kann. So funktionieren die USA.

    Collin McMahon, Die Akte Epstein, „Drei können ein Geheimnis wahren, wenn zwei tot sind.“ 272 Seiten, Hardcover, 23,00 Euro. Jetzt im COMPACT-Shop bestellen.

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