Alex Jones zündet die nächste Bombe: Das vermeintliche Trump-Orakel sei gezielt von Jeffrey Epstein und Steve Bannon aufgebaut worden, um Menschen politisch zu steuern. Er habe die Hintermänner persönlich gekannt. Dies haben wir bereits mit unserer Ausgabe «Das System Epstein» herausgefunden. Hier mehr erfahren.
Alex Jones, Radiomoderator und Gründer von InfoWars, gilt als eine der einflussreichsten Stimmen der amerikanischen Rechten. Seit Jahren deckt er auf, was der Mainstream verschweigt. InfoWars, seine legendäre Plattform, die er seit 1999 aus Austin, Texas betrieb, wurde am 1. Mai 2026 endgültig vom Netz genommen.
Der Grund: Jones hatte nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School 2012, bei dem 20 Kinder und sechs Lehrkräfte starben, jahrelang behauptet, der Anschlag sei ein von der Regierung inszenierter Hoax. 2022 wurde er zu rund 1,5 Milliarden Dollar Schadenersatz verurteilt. Die Satireplattform The Onion ersteigerte InfoWars im Insolvenzverfahren.
Vorwürfe gegen Bannon
Jones sendet seitdem auf seiner neuen Plattform alexjoneslive.com und Rumble weiter. Bereits im Februar diesen Jahres warf er der Trump-Administration in einem aufsehenerregenden Video vor, in eine Vertuschung der Epstein-Akten verwickelt zu sein.
Nun legt er nach: In seiner am 12. Juni 2026 auf veröffentlichten Sendung «Die geheimen Gründer der Q-Bewegung wurden gerade enthüllt» behauptet Jones, die Internetbewegung QAnon sei von Beginn an kein organisches Internetphänomen gewesen, sondern ein gezielt konstruiertes Steuerungsprojekt von Jeffrey Epstein und Steve Bannon. Er habe die Hintermänner persönlich gekannt, sei von Beginn an über das Projekt informiert gewesen und habe sich geweigert mitzumachen.

Jones sagt, Bannon habe zudem seit den 1990er-Jahren Verbindungen zur Trilateralen Kommission und zu David Rockefeller gehabt. Fakt ist: Bannon und Epstein standen in nachweislich engem persönlichem Kontakt. Jones und Bannon schrieben 2023 gemeinsam das Buch The Great Awakening: Defeating the Globalists.
Q und seine Jünger
QAnon entstand 2017 auf dem Imageboard 4chan (anonyme Internetplattform, auf der Nutzer ohne Registrierung und ohne Namen Bilder und Texte veröffentlichen können), als ein anonymer Nutzer namens «Q» begann, vermeintliche Trump-Geheimnisse und kryptische Botschaften über eine angebliche satanistische Globalelite zu posten.
Die Bewegung verbreitete sich rasend schnell, erreichte Millionen Anhänger weltweit und beeinflusste maßgeblich den amerikanischen Wahlkampf 2020. Wer hinter «Q» steckt, ist bis heute ungeklärt. Forensische Sprachanalysen deuten auf den südafrikanischen Softwareentwickler Paul Furber als frühen Autor hin, später soll Ron Watkins, Administrator des Imageboards 8chan, die Rolle übernommen haben.
In unserer Ausgabe «Das System Epstein» analysiert Redakteur Daniell Pföhringer wie eng Epstein in die Entstehung von 4chan verwickelt war: Im Oktober 2011 traf Epstein auf Vermittlung von Boris Nikolic, einem ehemaligen Berater der Bill & Melinda Gates Foundation, den 4chan-Gründer Christopher Poole, alias «Moot». Vier Tage nach diesem Treffen schwärmte Epstein über Poole:
«Er gefiel mir. Ich habe ihn nach Hause gefahren, er ist sehr intelligent.»
Nikolic kommentierte das Imageboard in einer E-Mail an Epstein mit den Worten: «Das Manipulationspotenzial ist enorm.» Noch im selben Monat startete Poole auf 4chan das Unterforum /pol/, das sich binnen kürzester Zeit zum Hotspot der amerikanischen Rechten entwickelte und später das Zuhause von QAnon wurde.
QAnon-Gruppen wuchsen auf Facebook auf 1,7 Millionen Mitglieder, auf Twitter um 85 Prozent auf 400.000 Mitglieder. Vorläufer von QAnon war das Interneträtsel «Cicada», das als Testlauf gedient haben soll. Cicada 3301 war eine anonyme Internetorganisation, die ab Januar 2012 auf 4chan hochkomplexe kryptografische Rätsel veröffentlichte, mit der Botschaft:
«Wir suchen hochintelligente Individuen.»
Wer die Rätsel löste, wurde zu weiteren Aufgaben weitergeleitet, die Kenntnisse in Verschlüsselung, Zahlentheorie, Literatur und Philosophie erforderten. Die Rätsel führten sogar in die reale Welt: In Städten wie London, Paris, Seoul und Miami tauchten Plakate mit QR-Codes auf. Wer hinter Cicada 3301 steckte und zu welchem Zweck die Rekrutierung diente, ist bis heute ungeklärt. Spekulationen reichen von einem Geheimdienstprojekt über eine Marketingkampagne bis hin zu einer Sekte. Metzger und Jones behaupten nun: Es war ein Beta-Test für QAnon.
Dungeons & Dragons im Weißen Haus
In seiner am 12. Juni 2026 auf alexjoneslive.com und Rumble veröffentlichten Sendung berichtet Jones, er sei direkt nach Trumps Amtseinführung im Januar 2017 von Mitarbeitern des Weißen Hauses kontaktiert worden. Jones betont ausdrücklich, dass er keine Namen nennen wird.
Was sie ihm nach eigenen Angaben angeboten hätten, sei folgendes gewesen: Jones solle helfen, eine anonyme Online-Bewegung aufzubauen. Ein anonymer Nutzer namens «Q» solle auf 4chan und 8chan posten, also auf jenen offenen Internetplattformen, auf denen jedermann ohne Namen und ohne Registrierung Texte und Bilder veröffentlichen kann.
Dort solle «Q» rätselhaft formulierte Hinweise streuen, als ob er ein Insider aus dem US-Geheimdienst oder dem Weißen Haus wäre. Die Anhänger sollten diese Hinweise wie Puzzleteile zusammensetzen und dabei glauben, sie würden geheime Wahrheiten über die politische Globalelite entdecken. Eine digitale Schatzsuche, bei der die Lösung von Beginn an vorgegeben ist.
Jones zufolge sagten die Weißes-Haus-Mitarbeiter zu ihm:
«Stell dir vor, du könntest das über so etwas wie 4chan oder 8chan machen, aber dabei auch eine Art Schatzsuche hinzufügen, weißt du? Ein bisschen Spieltheorie. Genau das ist es, eigentlich wie Dungeons & Dragons. Darum geht’s beim Q-Kram. So kriegst du keinen Ärger, aber unser ganzes Material über sie geben wir raus und du kannst es verstärken. Bist du dabei?»
Jones sagt, er habe gefragt, wer dahinterstecke. Die Antwort habe gelautet:
«Trump weiß Bescheid, Bannon managt das.»
Monate später seien Vertreter des Weißen Hauses persönlich nach Austin, Texas, gereist.
Der Unbestechliche
Jones zufolge saß er mit seinem Mitarbeiter Rob Dew auf der Veranda am Feuer, als sie das Angebot konkretisiert hätten: Jones solle eigene Ideen und Geschichten einbringen, das Weiße Haus würde sie anreichern und veröffentlichen, ohne dass Jones Ärger bekomme. Jones kommentiert das Angebot heute:
«Das ist wie Don Corleone. Gut für dein Geschäft.»
Er habe abgelehnt:
«Wenn dieses Geschäft zu gefährlich wird, mache ich nicht mit. Ich bin unabhängig, ich stehe nicht unter eurer Flagge.»
Rob Dew bestätige die Schilderung. Das Grundprinzip von QAnon, erklärt Jones, sei das eines Rollenspiels gewesen. Der Begriff «Dungeon Master» stammt aus dem Fantasyspiel Dungeons & Dragons und bezeichnet denjenigen, der das Spiel leitet und die Geschichte kontrolliert, ohne dass die anderen Spieler wissen, wer wirklich die Fäden zieht. Genau so, sagt Jones, habe QAnon funktioniert:
«Man nimmt die reale Welt der Politik, Geopolitik, des Militärs und der Kultur und erschafft dann eine Spielversion, in der man die Regeln durch die Eingaben kontrolliert. Du bist der Dungeon Master. Jetzt lässt du Leute glauben, sie seien in einer geheimen Armee im Auftrag des Präsidenten und erhielten esoterisches Wissen.»
Die Anhänger glaubten, Insider zu sein. In Wirklichkeit, so Jones, wurden sie gesteuert. Acht bis neun Monate nach seinem Treffen in Austin hätten dieselben Leute wieder angerufen. Ihre Botschaft: QAnon sei «von den Bösen übernommen worden». Was das bedeutet: Das ursprüngliche Projekt, das Jones zufolge echte politische Informationen über die Globalelite verbreiten sollte, sei von anderen Kräften gekapert worden, die es nutzten, um Falschinformationen zu streuen und politische Energie ins Leere laufen zu lassen.
Jones nennt als Beispiel die absurden Prophezeiungen der späteren QAnon-Phase: die angebliche öffentliche Hinrichtung Bidens bei Trumps Amtseinführung 2021, die Rückkehr von JFK Junior als Trumps Vizepräsident. «Nichts davon ist wahr. Nichts davon ist real», sagt Jones.
Epsteins Fingerabdruck auf 4chan
Was Jones damals nicht wusste, enthüllten erst die Epstein-Akten vollständig. Er stellt klar:
«Steve Bannon ist dort die zweitwichtigste Kontaktperson von Epstein. Es gab tausendfache Kommunikation.»
Und weiter: «Er traf sich mit Epstein und den Gründern von 4chan, 8chan und anderen ähnlichen Plattformen, um über die politische Nutzung des Ganzen zu sprechen.» Im Februar 2026 veröffentlichte das US-Justizministerium zudem ein bisher unzensiertes Interview zwischen Epstein und Bannon aus dem Jahr 2019, das die enge persönliche Verbindung beider Männer dokumentiert.

Bannon, so Jones weiter, habe bereits in den 1990er-Jahren Verbindungen zur Trilateralen Kommission gehabt, jenem einflussreichen Netzwerk aus Politikern, Bankern und Konzernchefs, das Jones seit Jahren als Teil der Globalelite identifiziert, und in den 2000er-Jahren David Rockefeller persönlich vertreten:
«Mitte der 2000er-Jahre hat er tatsächlich David Rockefeller, den Leiter der Trilateralen Kommission, vertreten und im Grunde war er selbst der Leiter der Trilateralen Kommission. Epstein war viel mächtiger, als selbst ich wusste.»
Die Epstein-Akten hatten die amerikanische Rechte bereits im Juli 2025 tief gespalten. Als Justizministerin Pam Bondi erklärte, es gebe keine Klientenliste und Epstein habe Suizid begangen, kam es zur offenen Revolte. Bannon, Tucker Carlson, Alex Jones und Marjorie Taylor Greene wandten sich öffentlich gegen Trump. Jones weinte in einem Video aus seinem Auto und warf der Trump-Administration vor, in eine «Vertuschung auf höchster Ebene» verwickelt zu sein.
Den entscheidenden Hinweis auf die QAnon-Ursprünge lieferte Jones nach eigenen Angaben der Komiker und Analyst Kurt Metzger, dessen Clip er in seiner Sendung einspielt. Metzger bringt es auf den Punkt:
«Es wurde von Jeffrey Epstein und Steve Bannon erfunden. Es ist offiziell in den Akten vermerkt. Der Vorläufer von QAnon trug den Namen Cicada und war ein Online-Rätsel. Das war ein Beta-Test von QAnon. Epstein ist ein großer Gamer. Das ist ein Videospiel, an dem viele Entwickler arbeiten.»
Jones zieht sein eigenes Fazit: «Ich weiß nur, wer es angefangen hat. Ich weiß, woher es kommt. Und tatsächlich kam es aus der ersten Trump-Regierung. Und jetzt ist diese Denkweise überall verbreitet. Und du hast ein Recht darauf zu wissen, was das ist. Und das sind die Fakten.»





