Claudia Pechstein wird neue Eisschnelllauf-Bundestrainerin. Die Wintersport-Legende, fünffache Olympiasiegerin, übernimmt ab sofort offiziell die Verantwortung für den Mehrkampf-Bereich der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft. Das ist durchaus eine mutige Entscheidung. Die 54-Jährige gilt als politisch unbequem. Wir liefern dazu unser Aufklärungspaket „1.000 Seiten BRD-Diktatur“ (jetzt für 14,99 Euro statt für 79,75 Euro). Hier mehr erfahren.

    Die bundesdeutschen Eisschnellläufer haben eine neue Bundetrainerin. Claudia Pechstein übernimmt das Amt ab sofort. Sie war bereits kommissarisch als Verantwortliche für den Verband aktiv. In einer Erklärung der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft, heißt es zur Begründung, die außergewöhnliche Karriere der Berlinerin, ihre jahrzehntelange Erfahrung im internationalen Spitzensport und ihre Ausbildung an der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes hätten den Ausschlag gegeben.

    Pechstein krönt damit ihre einzigartige Karriere. Auf sportlicher Ebene hat sie alles erreicht und sich ihren Legendenstatus redlich verdient. Mit fünf Olympiasiegen in den Jahren 1994, 1998, 2002 und 2006 sowie vier weiteren olympischen Medaillen war die Eisschnellläuferin, die am 22. Februar 1972 im Osten Berlins geboren wurde, lange Zeit die erfolgreichste deutsche Olympionikin bei den Winterspielen, bis von der Rennrodlerin Natalie Geisenberger abgelöst wurde, die mit sechs Olympiasiegen einen mehr als Pechstein hat. Bei der Zahl der olympischen Medaillen insgesamt liegt Pechstein mit 10:7 aber immer noch vor Geisenberger.

    Faszinierende Laufbahn

    Ihre Karriere begann bei der Kinder- und Jugendspartakiade der DDR im Jahr 1985, als sie Erste über 1.500 Meter wurde. In der Wendezeit war es ihr Glück, dass sie trotz des politischen Umbruchs weiterhin von ihrem Trainer Joachim Franke betreut wurde. Der erkannte rasch das außergewöhnlich große Talent Pechsteins.

    Obwohl sie in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung immer ein wenig im Schatten ihrer großen Konkurrentin Gunda Niemann stand, stellten sich schnell erste Erfolge auch auf höchster internationaler Ebene ein. So gewann sie schon 1992 bei den Olympischen Winterspielen in Albertville die Bronzemedaille über die 5.000 Meter. Zwei Jahre später holte sie dann schon bei den Winterspielen im norwegischen Lillehammer in der Eisschnelllaufhalle „Wikingerschiff“ in Hamar die Goldmedaille über 5.000 Meter und die Bronzemedaille über 3.000 Meter.

    Fortan dominierte Pechstein ihre Sportart scheinbar nach Belieben. Bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano stellte sie über 3.000 Meter vorübergehend einen Olympischen Rekord auf und gewann die Silbermedaille. Über 5.000 Meter gelang ihr ein neuer Weltrekord und der Gewinn der Goldmedaille in einem dramatischen Duell gegen Gunda Niemann.

    Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann sie im Utah Olympic Oval über 3.000 und über 5.000 Meter die Goldmedaille, und stellte zudem auf beiden Strecken einen neuen Weltrekord auf. Für ihre Leistungen erhielt Pechstein zudem im gleichen Jahr den Verdienstorden des Landes Berlin. Im Jahr 2009 erfolgte dann ein Absturz, der in der Geschichte des Olympischen Wintersports wohl einmalig sein dürfte, und der genügend Stoff für einen Sportkrimi böte.

    Der Pechstein-Skandal

    Im Februar 2009 wurde sie von der Internationalen Eislaufunion ISU für zwei Jahre wegen Dopings gesperrt, weil der ISU sie wegen reiner Indizien für des Blutdopings für überführt erklärte, nachdem sie bei den Mehrkampf-Meisterschaften in Hamar mit einem erhöhten Anteil roter jugendlicher Blutkörper, sogenannter Retikulozyten, positiv getestet wurde. Pechstein zählte damit zu den ersten Athleten, denen Doping mithilfe eines indirekten Nachweises nachgesagt wurde.

    Claudia Pechstein bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang 2018. Foto: Leonard Zhukovsky I Shutterstock.com.

    Die Dopingsperre, die zwischen 2009 und 2011 folgte, war aber mit großer Wahrscheinlichkeit ungerechtfertigt, da sie an einer vererbten Blutanomalie leidet, einer sogenannten Sphärozytose, zu deren Krankheitsbild es gehört, dass die Zahl der roten Blutkörperchen plötzlich schnell ansteigen kann. Die Krankheit lässt die roten Blutkörperchen rascher sterben als üblich, deshalb entstehen ständig junge, neue Zellen, und eben diese wurden in Pechsteins Blut ja auch in einem erhöhten Ausmaß gefunden. Obwohl Claudia Pechstein entlastende medizinische Gutachten vorbringen konnte, bestätigte der Internationale Sportsgerichtshof CAS im November 2009 die Sicht und das Urteil der ISU.

    Von Gold und Blut

    Claudia Pechstein kämpfte vergeblich für einen Olympiastart in Vancouver im Jahr 2010. Der Krieg der Indizien endete damit, dass diesmal das Urteil nicht nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gefällt wurde. Aus Verzweiflung über das Urteil des CAS verfiel Pechstein in Selbstmordgedanken und wollte schon von einer Autobahnbrücke springen, wie sie später in ihrem Buch Von Gold und Blut – Mein Leben zwischen Olymp und Hölle offenbarte.

    Ihr Manager Ralf Grengel, dem sie schon eine Abschieds-SMS geschrieben hatte, holte sie mit einer emotionalen Ansprache wieder zurück zum Kampf um ihre sportliche Rehabilitierung. Der gelang auf eine mehr als eindrucksvolle Art und Weise. Mit fast 42 Jahren belegte sie bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi über die 3.000 Meter einen sportlich hervorragenden 4. Platz und holte damit das beste Ergebnis für den Deutschen Eislauf-Verband, der bei diesen Spielen am Ende ohne Medaille blieb. Am 11. Februar 2017 gelang ihr nun elf Tage vor ihrem 45. Geburtstag die fast unglaubliche Leistung des Gewinns einer Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften im südkoreanischen Gangneung über ihre Paradestrecke von 5.000 Metern.
    Ein Jahr später belegte sie auf dieser Bahn bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang einen hervorragenden sechsten Platz in der Teamverfolgung und vier Jahre später bei den Winterspielen in Peking einen 9. Platz im Massenstart.

    Wirbel um Pechstein-Rede

    Als Polizeihauptmeisterin und CDU-Mitglied machte Pechstein im Juni 2023 von sich reden. Weil sie im Rahmen einer CDU-Veranstaltung kritische Töne auch zur Migrationspolitik angeschlagen hatte, sah sie sich einer üblen Schmutzkampagne ausgesetzt. Es wurde sogar das Auto ihres Lebensgefährten attackiert. Die Ausnahmesportlerin hatte kritisiert, dass zu wenige ausreisepflichtige Ausländer abgeschoben werden. Bei ihrer Rede trug sie stolz ihre Uniform.

    Was aber hat Pechstein eigentlich gesagt? Nachfolgend drei Passagen ihrer Ausführungen, die ihr nun angekreidet werden.

    ◼️ „Ich bin selbst seit Jahrzehnten Bundespolizistin. Als Polizeihauptmeisterin stehe ich mit meinen Kollegen im regen Austausch, und es ist für uns alle unstrittig, dass man Menschen in Not helfen muss. Aber wenn Menschen zu uns kommen und Asyl beantragen und ein Richter nach Prüfung aller Fakten zu dem Schluss kommt, dass der Antragsteller kein Recht hat, hier zu leben, dann versteht niemand, dass solche Menschen einfach hierbleiben dürfen. Wenn ich richtig informiert bin, reden wir derzeit etwa über 300.000 solcher Fälle.“

    ◼️ „Allein die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu können, ohne ängstliche Blicke nach links und rechts werfen zu müssen, gehört zum Beispiel zu den Alltagsproblemen, die viele, insbesondere ältere Menschen und auch Frauen, belasten. Darüber wird viel zu wenig gesprochen, meiner Meinung nach. Hier für Verbesserungen zu sorgen, sollte uns grundsätzlich hundertmal wichtiger sein, als darüber nachzudenken, ob wir ein Gendersternchen setzen oder ob ein Konzert noch deutscher Liederabend heißen darf oder ob es noch erlaubt ist, ein Zigeunerschnitzel zu bestellen.“

    ◼️ „Meine Eltern haben mich und meine Geschwister mit viel Liebe zu anständigen Menschen erzogen. Eine intakte Familie ist auch ein Idealbild von dreiviertel der Deutschen. In Shell-Studien über die Zukunft unserer Kinder stehen gute Freunde und Familie ganz weit oben. Gerade wegen all der Probleme um sie herum: Die Kinder hierzulande wollen nicht nur einen guten Job, eine heile Familie, eine traditionelle Familie. Sie wollen Mama und Papa. Die Familienpolitik der Christlich Demokratischen Union sollte sich grundsätzlich zuallererst mit der traditionellen Familie beschäftigen. Wenn wir aufhören, die Familienpartei im Lande zu sein, dann werden wir auch nicht mehr Volkspartei in Deutschland sein.“

    Die linke Taz schrieb anschließend von einer „rassistischen Rede“. Pechsteins „aus den Untiefen der Ü50-Facebook-Kommentarspalten zusammengeklaute Vortrag“ würde „das Märchen von der linken Verbotskommission in Berlin, die den einfachen Leuten die Freude am Leben vermiesen will“ befeuern. Parteifreunde distanzierte sich reihenweise von ihr. >Um so bemerkenswerter, dass der Eisschnellläufer-Verband jetzt zu ihr steht.

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