Der internationale Eishockey-Sportgerichtshof hat verfügt: An der WM im kommenden Jahr hat auch Russland teilzunehmen. Statt diese Entscheidung als Zeichen für Frieden und Aussöhnung zu werten, schlägt die Stunde der Nörgler und Boykotteure. Wer klare Kante zeigen will, der weiß um die Symbolik unserer Druschba-Silbermedaille für Frieden und Freundschaft mit Russland. Hier mehr erfahren.
Was bei vielen Menschen rund um die Welt für Freude sorgt, dass nämlich endlich auch wieder russische Puckjäger auf Weltklasse-Niveau bei einem großen Turnier mitmischen können, ruft Nörgler und Erpresser auf den Plan. Soll das Turnier, das im Mai 2027 in der Bundesrepublik Deutschland stattfindet, am Ende boykottiert werden?
Es geht um eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS), der einer Berufung des russischen Eishockeyverbandes stattgegeben und damit den Weg für eine erneute Teilnahme russischer Teams an internationalen Wettbewerben freigemacht hat. Gerade Russland war ja über viele Jahre das Maß aller Dinge im Eishockey-Sport.
Die Boykott-Front
Besonders negativ fällt die Reaktion in Finnland aus. Der amtierende Weltmeister kündigte an, bei internationalen Turnieren nicht gegen russische Mannschaften antreten zu wollen. Finnlands Eishockeyverbandspräsident Hietanen erklärte, man setze sich zum Ziel, möglichst viele Länder für eine gemeinsame Position gegen Russland zu gewinnen und dem Weltverband IIHF die Haltung der beteiligten Verbände auf diese Weise zu verdeutlichen. Es soll also massiver Druck auf Ausrichter und IHF ausgeübt werden.
Tschechien hat Unterstützung für eine gemeinsame Vorgehensweise mit den Finnen bekundet. Verbandspräsident Hadamczik sieht in einem abgestimmten Auftreten mehrerer Nationen die Möglichkeit, Einfluss auf die weitere Entwicklung des Falles zu nehmen. Gestern schlossen sich Norwegen, Schweden und Lettland den angekündigten Protesten an. Der norwegische Eishockeyverband kündigte an, seine Nationalmannschaft werde nach derzeitigem Stand bei der Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland nicht gegen Russland antreten. Zugleich vertrat der Verband die Auffasssung, dass die übrigen Begegnungen des Turniers wie vorgesehen stattfinden sollten.
Neben politischen Erwägungen verwies Norwegen auch auf mögliche Sicherheitsfragen. Dabei gehe es insbesondere um den Schutz der Spieler sowie des Trainer- und Betreuerstabs. An der grundsätzlichen Forderung, russische Mannschaften während auszuschließen, halte man weiterhin fest.
Nicht nur die Männer-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland ist von der Entwicklung betroffen. Auch die Austragung der U20-Weltmeisterschaft 2027 in Finnland ist diesbezüglich ein Thema. Die Stadt Turku, die als Mitgastgeber vorgesehen ist, drohte damit, das Turnier nicht auszurichten, falls eine russische Nationalmannschaft daran teilnehmen sollte. Die Bürgermeisterin erklärte, die Stadt könne unter den gegenwärtigen politischen Umständen keine russische Mannschaft als Teilnehmer akzeptieren. Gleichzeitig betonte sie, dass Turku das Turnier gerne veranstalten würde, sofern eine Austragung ohne russische Beteiligung erfolgt.
Weltverbands-Entscheidung einkassiert
Ausgangspunkt der aktuellen Debatte ist das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS aus der vergangenen Woche. Das Schiedsgericht gab der Berufung des russischen Eishockeyverbandes gegen eine Entscheidung des Weltverbandes IIHF statt. Die IIHF hatte russische Mannschaften zuvor auch für die Saison 2026/27 von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Diese Entscheidung wurde durch das CAS-Urteil mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Damit ist eine Teilnahme russischer Teams an der Weltmeisterschaft in Deutschland grundsätzlich wieder möglich.
Russland war seit Februar 2022 von internationalen Eishockeyturnieren und Weltmeisterschaften ausgeschlossen. Die russische Nationalmannschaft hatte zuletzt kurz vor Beginn des Krieges bei den Olympischen Winterspielen in Peking 2022 das Finale gegen Finnland mit 1:2 verloren.
Auch in Deutschland hat das Urteil eine Diskussion über die geplante Austragung der Eishockey-Weltmeisterschaft ausgelöst. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) prüft derzeit, welche Auswirkungen die neue Situation auf das Turnier im kommenden Jahr haben könnte. DEB-Vorstandsvorsitzender Frank Lutz erklärte, dass auch eine Rückgabe der Weltmeisterschaft als mögliche Option betrachtet werden müsse. Zugleich wolle man die Situation nicht unnötig dramatisieren und zunächst die weitere Entwicklung abwarten.
Die Bundesregierung bewertet die Entscheidung des CAS ebenfalls kritisch. Ein Regierungssprecher teilte mit, dass sich die Bundesregierung zeitnah mit dem Deutschen Eishockey-Bund über mögliche Folgen für die Weltmeisterschaft 2027 austauschen werde.
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