Die FDP sei Geschichte, urteilt der Kanzler. Ihr Silberrücken und designierter Chef Wolfgang Kubicki hat genug gehört und trommelt auf die Brust. Unsere druckfrische Mai-Ausgabe mit dem Titelthema „Zions Höllenritt – Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt“ nimmt die Liberalen auseinander. Hier mehr erfahren.
Der FDP-Vize hatte innerlich bereits den Vorhang gezogen. Urlaub und Golf warteten, der Rückzug war geplant. Kubicki braucht die Partei nicht, das sagt er selbst ohne Umschweife in einem aktuellen Podcast der Funke Mediengruppe:
„Die Marke Kubicki hat sich mittlerweile komplett von der FDP gelöst.“
Als Anwalt ist er seit Jahrzehnten erfolgreich und zuletzt auch als Buchautor gefragt. Der Bedarf an seinen Kolumnen und Vorträgen sei „wirklich riesig“, so Kubicki. Nach den verlorenen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz, die FDP sei „endgültig von der politischen Bühne verschwunden“, eine Partei die in Umfragen längst unter der Fünfprozenthürde dümpelt. Für das liberale Urgestein Anlass genug, nun doch nicht in den Ruhestand zu gehen, sondern nach der Parteispitze zu greifen, wie er später im Podcast ausführt.
Trotz als Treibstoff
Sein Alter sieht er dabei nicht als Hindernis. Adenauer wurde mit 73 Bundeskanzler, Churchill mit 76 erneut britischer Premierminister, Mandela mit 75 Präsident Südafrikas. Nur Donald Trump, so Kubicki trocken, zeige, dass man im hohen Alter auch „Unsinn machen“ könne. Bestärkt habe ihn am Ende seine Frau: Würde er nicht antreten, würde er es sein Leben lang bereuen, nicht alles versucht zu haben. Im Podcast der Funke Mediengruppe beschreibt Kubicki seine spontane Reaktion auf den Merz-Knall ungewöhnlich offen:
„Und in der Sekunde habe ich gedacht – ich wiederhole das jetzt hier auch so, weil das wirklich der Gedanke war: Du Eierarsch, dir werde ich das zeigen!“
Und weiter: „Alle Kräfte, die man noch in sich hat, die haben sich dann aufgebäumt.“ Sein Antrieb sei nicht sein persönliches Ego, stellt er klar: „Ich will beweisen, dass es geht und Friedrich Merz Unrecht hat.“ Den möglichen Triumph nennt er das „Sahnehäubchen“, aber nur im Nebensatz. Der eigentliche Kern liegt tiefer: „Mir geht es wirklich darum, die politische Organisation, der ich seit 56 Jahren angehöre, am Leben zu halten.“
Klartext mit Ablaufdatum
Der Mann aus Braunschweig, 1952 geboren und in Kiel aufgewachsen, hat sich alles selbst erarbeitet. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und der Rechtswissenschaften an der Universität Kiel ließ er sich 1985 als Rechtsanwalt nieder. „Meine Eltern waren nicht reich, ich habe nicht reich geerbt. Ich habe mir alles selbst erarbeitet“, sagt er.
Nebenbei betrieb er in den Achtzigern eine Kneipe an der Kieler Förde, dem nach eigener Aussage „Bundestag des kleinen Mannes“, wie man im Kubicki-Porträt in unserer Mai-Ausgabe mit dem Titelthema „Zions Höllenritt – Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt“ nachlesen kann.
Von 1992 bis 2017 war er bei Landtagswahlen in Schleswig-Holstein sechsmal Spitzenkandidat seiner Partei, schaffte stets den Sprung über die Fünfprozenthürde und fuhr 2009 sagenhafte 14,9 Prozent für die FDP ein. Das Selbstbild des Klarredners pflegt er seither mit Ausdauer. Doch das liberale Schlachtross, wie Parteifreundin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ihn nennt, hat ein Problem: Seine Worte waren in der Regel deutlich stärker als seine Taten.
Gegen das Habeck-Heizungsgesetz hatte er monatelang gewettert, dann brav dafür gestimmt. Für Taurus-Lieferungen an die Ukraine eingetreten, gegen die AfD gepöbelt, sie kurz darauf wieder als Gesprächspartner hofiert.
Am Wahlabend des 23. Februar 2025, als die FDP mit 4,3 Prozent aus dem Bundestag fiel, erklärte er: „Sollten wir den Bundestag nicht erreichen, ist meine politische Karriere in der FDP zu Ende.“ Drei Landtagspleiten später kandidiert er für den Vorsitz. Ob Merz Recht behält, entscheidet sich noch. Kubickis Golfschuhe stehen vorerst wieder im Keller.
Was ist von den Ankündigungen des FDP-Silberrückens zu halten? Unsere druckfrische Mai-Ausgabe mit dem Titelthema „Zions Höllenritt – Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt“ knöpft sich Kubicki vor. Hier bestellen.





