Nach dem Bestseller und Enthüllungsroman „Rebecca“, der bereits für Furore sorgte und von Jürgen Elsässer zum Buch des Jahres 2025 gekürt wurde, hat der erfahrene Politiker, Liedermacher und Autor Diether Dehm seine ambitionierte Trilogie „Aufstieg und Niedertracht“ nahtlos fortgesetzt – mit dem zweiten Band „Katharina“. Ebenfalls top! Beide Bände gibt es hier.
_ Jürgen Elsässer im Gespräch mit Diether Dehm
In „Katharina“ geht es um eine Liebesbeziehung in den Achtzigern zwischen einem Westmann und einer Ostfrau – warum ist sie gescheitert?
Vordergründig, weil der Westmann sich nicht konsequent zwischen seiner großen Liebe und parteipolitischer Karriere-Intriganz entscheiden konnte. Letztendlich, weil im Westen sogar die Erotik weitgehend im Griff der ökonomischen Umstände verbleibt – quasi als deren Ausputzer und Anhängsel. Dagegen verkörperten viele Ostfrauen – schon nach den vierzig armen DDR-Jahren – mehr Eigenständigkeit, Katharina ein menschlicheres Menschenbild. Während sich West-Staatssekretär Rudolf Hermann immer mehr in den Spinnennetzen der Parteienoligarchie verklebt.
Dazu wird sehr ausführlich über SPD-Interna geschrieben. Was können wir für heute für Schlussfolgerung daraus ziehen?
„Katharina“ ist wohl der erste Roman, in dem detailgetreu erzählt wird, wie kleine und große Versammlungen einer einst proproletarischen Partei von geheimdienstlich medialen Kräften in gegenteilige Anpassung gekippt werden. In feinen Schritten, die zwar unauffällig, aber nicht unaufhaltsam sind. Das Buch beinhaltet aber auch Gegenbewegung und Oasen: in Konzerten, Lyrik, Protest-Veranstaltungen, ja, und in konspirativer Erotik. Aber vor allem: in gut ausgewählten Freundschaften.
Weil du in einer von kriminellen Banden und profitsüchtiger Korruption durchsifften Polit-Umgebung Leute brauchst, die dir zwar Mut machen, aber dich gleichzeitig kritisieren, wenn du abhebst. Und die dich – mitunter auch schmunzelnd – davon abhalten, dümmliche Parolen von oben wiederzukäuen. Die Quintessenz für heute wäre: Versammle um dich solidarische, weil kritische Freunde, bloß keine Jasager! Sowas gilt auch für Wagenknecht … Genau wie für Weidel!
Zwischenfrage: Warum eigentlich war Wagenknecht seit 2022 so taub gegen Ratschläge von Diether Dehm, der immerhin im Westen für PDS und Linkspartei die größten Wahlerfolge eingefahren hatte?
Das würde hier jetzt Stoff und Zeitrahmen sprengen. Nur soviel: Wie andere Pilze rauchen, berauschen sich Wagenknecht und Lafontaine an einander und an Ja-Sagern. Ein gefundenes Fressen für speichelleckende Emporkömmlinge und geheimdienstlich mediale Intriganten!
In jedem deiner Trilogie von „Aufstieg und Niedertracht“ steht am Anfang ein Tolstoi-Zitat, und außerdem ist von dessen Roman „Die Auferstehung“ oft die Rede, fast wie eine Messlatte für anständiges Verhalten. Nun ist Tolstoi Christ und Dehm Marxist. Wie passt das zusammen?
Antiimperialistische Menschenbilder haben mit religiösen viel gemeinsam. Sogar bis zu Tolstois „Dulde das Übel!“ Diese gewaltarme Maxime half dennoch dem Tolstoi-Jünger Gandhi im Kampf gegen den britischen Kolonialismus, einige Übel abzuschaffen. „Die Auferstehung“ wurde nicht nur Rosa Luxemburgs Lieblingsroman, sondern galt auch für Lenin als künstlerischer Auftakt zur russischen Revolution von 1905, die ja bis 1917 dauerte. In der Prostituierten Katharina Maslowa bei Tolstoi keimt was neues Frauliches, das aber nicht, wie heute Gendermode, gegen alles Männliche rumkeift, sondern dem Zarismus widersteht. Graf Nechljudow läutert sich dabei und liebt Katharina zeitlebens „auferstanden“ – folgt ihr sogar bis ins Arbeitslager. Nachdem er ja zunächst verschuldet hatte, dass sie sich prostituieren musste. Das wurde mir Anstiftung für „Katharina“ und ihre Herzensbildung. Nur: beim Staatssekretär und späteren SPD-Bundestagsabgeordneten Rudolf Hermann sind in meinem Roman Liebe und Menschheitsziele ständig davon bedroht, als Phrasen ins Organogram von Palamentarismus zu sinken.
Der Verlag Krasser Guru spricht von einem Liebeskrimi, wie beim ersten Band der Trilogie: „Rebecca“. Darin geht es auch um einen Prostituierten-Mord, nämlich an Rosemarie Nitribitt. Muss man darum die zwei Bände – der dritte ist ja noch unveröffentlicht – zusammen lesen?
Nein, es sind drei selbständige Romane. Wenn auch chronologisch: Der erste Band handelt von der Frankfurter Nachkriegszeit, so von 1947 bis 1960, der zweite Band von den 68ern bis in die Achtziger und der dritte geht dann bis in die Zeit nach der sogenannten Wende. Auf die Rezension in COMPACT bin ich da wirklich besonders stolz! Zumal ja auch die kommunistische UZ und die linken Nachdenkseiten „Rebecca“ loben für kriminalistische Spannung, neue historische Erkenntnisse und starke Frauenbilder. Katarina Witt war in der Berliner Zeitung besonders bei „Rebecca“ angetan von der Liebesgeschichte zwischen sozialen Schichten. Zumal während der sogenannten Wende ’89 viel Menschenliebe – im doppelten Sinne – unter die Räder gekommen ist. Aber sich durchaus auch dagegen behaupten kann. Für mich ist Geschichte eben der tagtägliche Klassenstreit um die Vorräte der Menschheit – zu denen ja auch die Liebe zählt.
Das hört sich aber jetzt doch sehr privat an! Während ja im ersten Band auch die politischen Machenschaften krimineller Mächte im Westen im Vordergrund stehen, klingt das in Bezug auf den zweiten Band unpolitischer, oder?
Nein. In beiden Bänden und auch im nächsten, dem dritten mit Titel „Vivienne“ – der Tochter von Katharina –, sind alltägliche Emotionen Spiegel und Motor politischer Zerreißproben. Es geht in allen drei Bänden auch um die detektivische Aufarbeitung von Medienlügen. Einerseits um Befunde davon, wie die Deutsche Bank profitiert hat an Ausschwitz, Zyklon B und dem Überfall auf die Sowjetunion, der sich jetzt im Juni zum 85. Mal jährt. Und andererseits, wie das profitable Atommüll-Endlager Asse II zur tickenden Zeitbombe wird – und bis heute geblieben ist.
In beiden Fällen wurde die Öffentlichkeit jahrzehntelang und raffiniert betrogen. Aber dagegen und dafür formieren sich nicht nur politische Bewegungen, sondern auch innerhalb einzelner Menschen Kräfte und Gegenkräfte. Das dürfte auch die Erzählkunst künftig mehr prägen, als die reine Innerlichkeit von Soap-Operas in Mainstream-TV oder Wildwestfilmen.
Ich glaube, dass an mehr erzählter Aufdeckung der Geheimbeziehungen zwischen Bewegungen im Unterleib und an der Börse nichts vorbei führt. Und mit dieser Dialektik können sich moderne Romane ja stützen auf Traditionen von Tolstoi, Dostojewski, Balzac, Mann, Dickens, Twain, Grisham und sogar auf triviale Bestseller wie Dumas und Karl May, auf großartige Schmachtfetzen wie „Ben Hur“ und „Der Pate“.
Die spannende Saga geht weiter: Mit „Katharina“ hat Diether Dehm den mit Spannung erwarteten zweiten Teil seiner Trilogie „Aufstieg und Niedertracht“ vorgelegt. Unser Tipp: Holen Sie sich „Rebecca“ gleich mit dazu – so tauchen Sie von Anfang an in die fesselnde Familiengeschichte ein. Beide Bände können Sie hier bequem online bestellen.






