Am 12. Januar 1904 griffen die Herero unter Häuptling Samuel Maharero die Stadt Okahandja in Deutsch-Südwestafrika an. Die Attacke markiert den Aufstand der Volksgruppe gegen die deutschen Kolonialtruppen, dessen Niederschlagung in der offiziellen Geschichtsschreibung zu einem Genozid umgedeutet wurde. Einer objektiven Überprüfung hält dies nicht stand. In unserer Geschichtsausgabe «Deutsche Kolonien – Viel besser als ihr Ruf» treten wir den Lügen über den Kolonialismus des Kaiserreiches entgegen. Hier mehr erfahren.

    _ von Philippe Jordan und Jens Bleibtreu

    General Lothar von Trotha, Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Südwest. Foto: CC0

    Die Deutschen sind auf ewig schuldig, egal wofür. Deshalb müssen sich die Volksvertreter in Berlin auch ständig entschuldigen – natürlich nicht für die eigenen Verbrechen, sondern für die oft imaginären unserer Vorväter. Meistens ist dann auch sogenannte Wiedergutmachung fällig, die aber nicht die Politiker bezahlen, sondern die Steuerzahler.

    Ein Beispiel für diesen Schuldkult ist die Aufarbeitung von Ereignissen, die sich vor über 120 Jahren in der deutschen Kolonie Südwestafrika (heute Namibia) abspielten. Was die kaiserlichen Schutztruppen 1904 dem Stamm der Herero angetan hätten, sei ein «Völkermord» gewesen – so die Bundesregierung bereits 2015. Ende Mai 2021 verkündete der damalige Außenminister Heiko Maas (SPD) dann stolz, man habe sich auf «Unterstützungszahlungen» in Höhe von 1,1 Milliarden Euro über 30 Jahre geeinigt. Doch der bilaterale Vertrag mit der Regierung in Windhuk konnte zunächst nicht unterzeichnet werden, da der sogenannte Rat der Häuptlinge von einem «Affront gegen unsere Existenz» sprach und den «beleidigenden Betrag» ablehnte…

    Das Völkermordnarrativ wurde 1966 durch den DDR-Historiker Horst Drechsler, der zum Aufstand der Herero eine Habilitationsschrift verfasste, in die Welt gesetzt. Als Quelle diente ihm unter anderem das sogenannte Blue Book, das die Briten 1918 nutzten, um die Kolonialpolitik der Deutschen zu diffamieren. Der US-amerikanische Historiker William Roger Louis, Verfasser des monumentalen Geschichtswerkes The Oxford History of the British Empire, sprach von einem «Buch von geringem historischen Wert». Obwohl der propagandistische Zweck des Buches auch Drechsler nicht unbekannt gewesen sein dürfte, wurde es von ihm als Beleg für einen angeblichen Genozid herangezogen.

    Flucht durch die Hitze

    Südwestafrika, ein Gebiet mehr als doppelt so groß wie die heutige BRD, war von 1884 bis 1915 deutsches Schutzgebiet. «Während des Herero-und-Nama-Kriegs von 1904 bis 1908 kam es zu einem Massenmord, der als erster Genozid im 20. Jahrhundert gilt. Historiker schätzen, dass 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama getötet wurden», gibt die Süddeutsche Zeitung die mittlerweile regierungsamtliche Darstellung wieder.

    Zu den Zahlen: Der Missionar Friedrich Bernsmann schätzte kurz vor Ausbruch des Aufstandes im Januar 1904 die Gesamtzahl der Herero auf 35.000 und meinte weiter, dass von diesen 23.000 bis 25.000 überlebt hatten. Der den Deutschen nicht gerade wohlgesonnene britische Historiker G. L. Steer ging von einer Streitmacht der Herero bei der Entscheidungsschlacht am Waterberg aus, die insgesamt «2.500 altertümliche Gewehre» stark war.

    Die Südwestspitze des Waterberg-Massivs, aufgenommen vom Kleinen Waterberg. Die Herero hatten sich mit ihren Herden im Buschland am Fuße des Berg-Zuges, vom Betrachter aus rechts, versammelt. Foto: Helmut Roewer / privat

    Selbst wenn man dem damals kriegführenden Oberhäuptling Samuel Maharero zugestehen will, die geradezu gigantische Anzahl von 4.000 bis 4.500 Kriegern am Waterberg um sich geschart zu haben und wenn ferner angenommen wird, dass auf jeden dieser Krieger durchschnittlich fünf oder sechs unbewaffnete Familienangehörige kommen, waren in jenen Augusttagen 1904 allerhöchstens 24.000 bis 30.000 Herero zusammengezogen.

    Diese Zahlenschätzung für die Waterberg­schlacht ist wichtig, weil dort der angebliche Völkermord seinen Ausgang genommen haben soll. Nach den Kämpfen sollen die Deutschen nämlich die Herero in die Omaheke – ein riesiges Wüstengebiet – «getrieben» haben, wo sie verdursteten. Auf Wikipedia ist zu lesen, die Schutztruppe «riegelte die Omaheke ab, um eine Rückkehr der Herero zu verhindern». Wie aber sollte das möglich gewesen sein: Die Wüste erstreckt sich über ein Territorium von der Größe Österreichs, ihre Grenzlinien hätten die Deutschen mit ihren 4.000 Soldaten nie bewachen können.

    Erst recht fand keine «Abdrängung» der Herero ins Sandfeld statt: Kleinere Einheiten der völlig ausgemergelten und erschöpften Truppe konnten den Herero erst nach einigen Wochen folgen! Auch Wikipedia, das im Übrigen die Völkermordthese verteidigt, muss einräumen: «Nachdem die erste Verfolgung der Herero nach wenigen Stunden aus Mangel an Verpflegung hatte abgebrochen müssen und effektiv erst am 16. August aufgenommen werden konnte, vermochten die Deutschen die Herero nicht mehr zu stellen. Es kam allenfalls zu kleineren Scharmützeln und Rückzugsgefechten oder zu Überfällen auf versprengte Gruppen.»

    Zahlreiche Entlastungszeugen

    Hans Germani, bekannter Journalist der deutschen Tageszeitung Die Welt, sprach Ende der 1970er Jahre mit dem Präsidenten der Oppositionspartei, der Demokratischen Turnhallenallianz (DTA), Oberhäuptling Clemens Kapuuo über die politische Lage und die Geschichte Südwestafrikas. Dieser ehrenwerte Herero bekannte unter anderem, dass sein Volk im Grunde genommen «einen tiefen Respekt vor den Deutschen» habe.

    Damara: Im heutigen Namibia stellen sie etwa acht Prozent der Bevölkerung. Foto: Rüdiger Wenzel, CC BY-SA 3.0 DE, Wikimedia Commons

    Divisionspfarrer Max Schmidt erinnerte sich nach dem Scharmützel von Okowindombo vom 5. September 1904 – also inmitten der «Verfolgung» der Herero durch die Schutztruppe! – an das typische Verhalten der Deutschen. An der Wasserstelle hockte «eine Anzahl Gefangener: einige Männer, mehrere Weiber und Kinder. Die Weiber tragen Kleidungsstücke, die offensichtlich den bestohlenen Läden oder Schränken geplünderter Farmen entstammen. (…) Die Gefangenen wurden vernommen, aber ihnen kein Haar gekrümmt – genau wie ich’s stets in diesen Wochen erlebt habe. Ich sah sogar, dass abgehungerte Gefangene gesättigt und, wenn es Weiber oder alte Männer waren, unbehelligt entlassen, ja, vor der Hinterlist unserer eingeborenen Treiber und Bambusen, die den Gefangenen solche Schonung missgönnten, mit allem Nachdruck beschützt wurden. Oftmals sah ich Hererojungen, die von ihren flüchtigen Angehörigen in der Werft zurückgelassen waren und nun vergnügt bei der Truppe kleine Dienste taten. Sie litten keinen Hunger, und unsere Ärzte nahmen sich ihrer an.»

    Kein geringerer als Oberst Berthold von Deimling, welcher sich als General bereits 1918 der die Weimarer Republik verteidigenden Deutschen Demokratischen Partei (DDP) angeschlossen hatte, 1924 den der SPD nahestehenden Kampfverband Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold mitgestaltete und der sich später zum Pazifismus bekannte, bestätigte: «Unschuldige, wehrlose Gefangene und Weiber sind stets human und mit größter Geduld behandelt worden; ich habe oft gesehen, wie unsre Leute ihr bisschen Wasser und ihr bisschen Kost mit den Gefangenen geteilt haben.»

    Es liegen außer belegten deutschen Quellen auch beeindruckende und vor allem authentische Hereroquellen vor, die die allgemeine humanitäre Einstellung der Angehörigen der Kaiserlichen Schutztruppe anerkennen. So sei an die Aussagen des schwarzen Evangelisten Andreas Kukuri erinnert, der die Omaheke im September 1904 durchquert hatte, oder an die Stellungnahmen der Hereroältesten, die Mitte der 1980er Jahre im Rahmen des Michael Scott Projects interviewt worden waren. Hervorzuheben ist vor allem die charakteristische Aussage von Amanda, der gebildeten Tochter des Kapitän Zacharias von Otjimbingwe, die zugegeben hatte, sich fangen gelassen zu haben, weil sie gewusst habe, dass deutsche Soldaten den Hererofrauen kein Leid zufügten.

    Während des Hereroaufstandes war der britische Militärattaché Colonel Trench vor Ort gewesen: Er war mit dem Hauptquartier viele Monate lang direkt an der Front und dementsprechend Augenzeuge der Kampfhandlungen. Wer – wenn nicht er! – würde als glaubwürdiger Zeuge über etwaige Kriegsverbrechen berichtet haben? Das wäre für die britische Propaganda gegen das Reich von unschätzbarem Wert gewesen! In den maßgeblichen Archiven in Windhuk und London, aber auch in Pretoria und Swakopmund liegen jedoch keine Dokumente vor, die auch nur den geringsten Hinweis darauf geben, dass dieser hochkarätige Offizier seinen Vorgesetzten in London Meldung über beobachtete Gräuel erstattet hätte.

    Bluttriefende Aufrufe

    Als Beweis für den Völkermord wird oft der sogenannte Vernichtungsbefehl des deutschen Oberbefehlshabers und Gouverneurs Lothar von Trotha genannt. «Innerhalb der Deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen», postulierte er. Allerdings fielen die bösen Worte erst am 2. Oktober 1904 – fast zwei Monate nach der Waterbergschlacht, als sich die Hereros längst in die Nachbarländer oder in den Busch zerstreut hatten. Und man sollte auch nicht vergessen, dass Häuptling Samuel Maharero den Aufstand im Januar 1904 ebenfalls mit einem «Vernichtungsbefehl» begonnen hatte:

    «Ich kämpfe – tötet alle Deutschen!»

    Offensichtlich hatte von Trotha – wie sein Widerpart – zwar massenmörderische Fantasien geäußert, scheiterte aber an deren Umsetzung. Auch die namibische Historikerin Brigitte Lau vom Nationalarchiv in Windhuk sagt, dass es keine Beweise für eine «in die Tat umgesetzte Kolonialpolitik des Genozids gibt».

    Und selbst der Spiegel stellte noch 2016 fest, dass «der Vorwurf eines unter seiner {von Trothas} Regie durchgeführten Völkermordplans der Reichsregierung sich ebenso wenig erhärten» lässt «wie die These, dass Deutschland damals einen Sonderweg eingeschlagen habe, der in den Faschismus mündete».

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