Eberhard der Rauschebart griff in einer Zeit der Gesetzlosigkeit entschlossen gegen die habgierigen Eliten durch und vereinte die Schwaben. Er ist einer von 14 deutschen Helden, die wir im zweiten Band von COMPACT-Geschichte vorstellen.

    _von Jan von Flocken

    Ein typischer Feudalherr und knorriger Reaktionär war er, dieser Graf Eberhard II. von Württemberg. Vielleicht wirkt er gerade deshalb so sympathisch, weil er sich wohltuend abhebt von jenen Weltverbesserern, die unsere Vergangenheit häufig heimsuchten. Dieser Herrscher saß auf dem hohen Ross, aber er kämpfte auch von dort aus wie ein Berserker. Und das gemeine Volk – man höre und staune – spendete ihm dafür sogar Beifall.

    Eberhard der Rauschebart
    Eberhard-Standbild von Sem Schlör (1576) in der Stuttgarter Stiftskirche. Foto: Andreas Praefcke, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

    Seine Gegner nannten ihn «der Greiner», was man salopp mit «Streithammel» ins Heutige übertragen kann. Populär wurde der schwäbische Landesvater aber unter dem Beinamen «Rauschebart». Er lebte in einer Zeit jammervoller Lähmung des Deutschen Reiches. Vor einem Menschenalter hat die Pest den halben Kontinent entvölkert. Seit dem Ende der Staufer-Dynastie 1254 kommt das Land in Europas Mitte nicht mehr zur Ruhe. Es existiert bald keine Zentralgewalt mehr, die den politischen Takt vorgibt. Erst plagt das Interregnum, «die kaiserlose, die schreckliche Zeit», mit feudaler Anarchie; danach geben die römisch-deutschen Könige (zur Kaiserkrönung fehlt immer die Zeit) sich gleichsam die Türklinke in die Hand; mal regiert ein Habsburger, mal ein Nassauer oder ein Wittelsbacher. Und alle sind nur auf das Wohl der eigenen Dynastie bedacht, nicht auf das des Gesamtreiches.

    Als Eberhard II. im Jahre 1362 die Alleinregierung von Württemberg übernimmt, ist gerade ein Luxemburger am Ruder, König Wenzel mit dem bezeichnenden Beinamen «der Faule». Er hockt häufig betrunken in seinem Stammland Böhmen und laviert wie ein Schacherer zwischen Fürsten, Ritterschaft und Städten. Derweil zerfällt das Reich weiter in zahllose Einzelinteressen. Nirgendwo erblickt man eine Persönlichkeit mit starkem Profil – oder doch? Da gibt es im Südwesten des Reiches einen Mann, der, um 1315 geboren, sein geringes Erbe mit wahrem Löwenmut verteidigt, es mehrt und ihm gegen alle Widerstände Größe verleiht.

    Es ist ja nur ein bescheidenes Ländle, das Eberhard nach dem Tod seines Vaters Ulrich III. zufällt. Die Grafschaft Württemberg schwimmt wie eine Insel inmitten von Zersplitterung. Im Norden das Kloster Maulbronn, im Osten die Herrschaft Rechberg, südlich die Reichsstadt Ulm, westlich die Grafschaft Hohenberg. Und mittendrin Gebilde, je winziger desto eifersüchtiger auf ihre Pfründen und Privilegien bedacht: Esslingen, Weil der Stadt, Gmünd, Wiesensteig, Rottweil…

    Seit seinem Herrschaftsantritt erstrebt Eberhard ein großes Ziel: das territorial zergliederte Württemberg
    zum Einheitsstaat zu formen. Dabei ist nicht nur persönlicher Ehrgeiz im Spiel, es geht ihm auch darum, der von räuberischen Rittern und städtischen Wucherern drangsalierten Bauernschaft durch einheitliche Gesetzgebung ein Mindestmaß an Rechtssicherheit, den sogenannten Landfrieden, zu garantieren. Schon auf dem Reichstag zu Nürnberg erlässt er das erste Hausgesetz über die Unteilbarkeit und Unveräußerlichkeit seines Landes. Wenn schon ein Kaiser nicht für Ordnung sorgen kann, dann muss es der jeweilige Landesherr auf eigene Verantwortung in seinem Bereich tun.

    Dafür hasst die schwäbische Ritterschaft den Grafen und schließt sich zu einem Bündnis zusammen, den «Martinsvögeln». Sie werden auch «Schlegelbruderschaft » genannt, weil sie als Wappenschild drei silberne Streitkolben (Schlegel) tragen. An ihrer Spitze steht Wolf von Eberstein, ein politisierender Raubritter. Bei ihm ist alles versammelt, was Eberhard der Greiner aus tiefster Seele verabscheut: Faustrecht, Fehdeunwesen, jähe Bündniswechsel – kurzum: Anarchie.

    Dies war ein Textauszug. Das komplette Portrait finden Sie in COMPACT-Geschichte: „Deutsche Helden – Unser Vermächtnis aus 2000 Jahren“. Erhältlich im COMPACT-Shop.

    COMPACT-Geschichte Deutsche Helden

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