Die libanesische Hauptstadt steht in Flammen! Als die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan auf dem Weg nach Beirut war, ordnete Netanjahu Luftangriffe auf die dicht besiedelten Vororte an. Ihr Flugzeug kehrte noch in der Luft um. Alle Hintergründe zur brandgefährlichen Eskalation in Nahost liefert unsere Mai-Ausgabe «Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt», die schonungslos mit der Kriegstreiberei aufräumt. Hier mehr erfahren.
Noch während des Anflugs stand das Ministerium «fortlaufend in Kontakt mit den Sicherheitsbehörden und dem Verteidigungsministerium», wie Alabali-Radovan später erklärte. Geplant waren Gespräche mit dem libanesischen Präsident Joseph Aoun sowie Besuche in Flüchtlingslagern. Im Mittelpunkt hätten die Hilfe für Binnenvertriebene, psychosoziale Maßnahmen und der Aufbau staatlicher Strukturen gestanden.

Daraus wurde nichts. Die Reise sei in der Annahme eines Waffenstillstands geplant worden, der «jetzt offensichtlich nicht anhält», sagte die Ministerin nach ihrer Rückkehr. Die Lage würde sich zuspitzen. Sie rief alle Seiten zur Deeskalation auf und forderte Verhandlungen über eine Waffenruhe.
Beaufort und die brennenden Dörfer
Netanjahu treibt die Offensive mit Nachdruck voran. Israelische Truppen haben die historische Kreuzfahrerfestung Beaufort eingenommen und den Litani-Fluss überquert, sie stehen nun rund fünf Kilometer vor Nabatiyeh, einem der wichtigsten Zentren im Südlibanon. Israel hat die Evakuierung, also de facto Vertreibung der Zivilisten aller Gebiete südlich des Zaharani-Flusses angeordnet: Nabatiyeh, Tyrus und weitere Dutzende Dörfer. Auf den Straßen stauen sich die Fahrzeuge, die Bevölkerung flieht.
Netanjahu sprach von einer «dramatischen Wende»:
«Wir sind geeint zurückgekehrt, entschlossen und stärker als je zuvor.»
Israels Bildungsminister Yoav Kisch ließ keinen Zweifel:
«Im Norden gibt es keinen Waffenstillstand, dort herrscht Krieg.»
Bundesaußenminister Johann Wadephul bezeichnete das Vorrücken als «Anlass zu großer Sorge». Aoun sprach von «heftiger israelischer Aggression», seine Regierung arbeite daran, «das Leiden der Libanesen im Allgemeinen und der Südlibanesen im Besonderen zu beenden».
Netanjahu sabotiert erneut Frieden
Für Teheran ist Israels Vorgehen im Libanon der eigentliche Friedenssaboteur. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, erklärte auf einer Pressekonferenz, Israels Angriffe seien «ein Versuch, eine Verbesserung der Lage in der Region zu verhindern». Eine Einigung mit den USA hänge direkt von einer Waffenruhe im Libanon ab.

Heute zog Teheran die Konsequenz: Das iranische Verhandlungsteam stellte die indirekten Gespräche mit den USA über Vermittler ein. Als Begründung nannte Teheran die israelischen Angriffe auf den Libanon und Gaza. Iran habe zudem beschlossen, «die vollständige Sperrung der Straße von Hormus voranzutreiben und weitere Fronten zu aktivieren, darunter die Straße von Bab al-Mandab», jener Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, die auch als «Tor der Tränen» bekannt ist. Der Ursprung des Namens ist historisch umstritten: Manche leiten ihn von den vielen Schiffbrüchen ab, die in der gefährlichen Meerenge stattfanden. Die von Pakistan geleiteten Verhandlungen sind somit auch im zweiten Anlauf gescheitert.
Am Wochenende hatte das US-Militär zudem iranische Radar- und Drohnenkontrollanlagen im iranischen Goruk sowie auf der Insel Qeschm nahe der Straße von Hormus bombardiert. US-Kampfflugzeuge zerstörten iranische Luftabwehrsysteme, eine Bodenkontrollstation und zwei Kamikaze-Drohnen. Auslöser war der Abschuss einer US-Drohne vom Typ MQ-1 über internationalen Gewässern.
Die Revolutionsgarden antworteten heute Morgen mit einem Angriff auf einen US-Stützpunkt, der nach iranischen Angaben für einen Angriff auf einen Telekommunikationsturm auf der Insel Sirik im Süden des Iran genutzt worden war. Der genaue Standort des getroffenen Stützpunkts wurde nicht genannt.
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