China ist binnen weniger Jahrzehnte von einem Entwicklungsland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen. Auf dem letzten Kongress der Kommunistischen Partei in Peking 2017 gab Staatspräsident Xi Jinping die Parole aus, bis 2035 zu den USA aufzuschließen und sie 2050 zu überholen. Kein unrealistisches Ziel!

    Die Provinz Sichuan im Südwesten Chinas, bekannt durch Bertolt Brechts Drama Der gute Mann von Sezuan, steht modellhaft für die neue Wirtschaftsmacht in Fernost. Die Megacity Chengdu, in deren Kernbereich rund 4,5 Millionen Menschen leben, gilt nicht nur als «Panda-Hauptstadt», weil es dort eine Zuchtstation für die seltenen Bären gibt, die zu den Nationalsymbolen des Landes zählen, sie ist auch ein pulsierendes Zentrum der Weltwirtschaft. Schon vor 2.000 Jahren wurde Seidenbrokat bis ins ferne Römische Reich exportiert, jetzt ist Chengdu Tummelplatz der Global Player. Allein 120 deutsche Unternehmen, darunter VW und Siemens, haben sich dort angesiedelt.


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    in COMPACT-Spezial Nummer 16

    USA gegen China – Endkampf um die Neue Weltordnung

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    Die Metropole verbindet Tradition und Moderne: Eine achtspurige Ausfallstraße führt schnurgerade nach Süden, links und rechts ragen futuristische Glaspaläste in Form von Segeln auf, die U-Bahn-Linien führen nach «High-Tech Zone» oder «Century City», es gibt ein Sechs-Sterne-Hotel und einen künstlichen Strand. Die Science-Fiction-Landschaften wechseln sich ab mit idyllischen Stadtteilen, in denen die alte Hochkultur nicht nur architektonisch lebendig ist. «Chengdu ist berühmt für seine entspannte Lebensart, seine Bürger lieben Teehäuser und scharfe Küche», hieß es in einer Reportage der Financial Times. Der Bürgermeister werbe «mit der Balance zwischen schneller Entwicklung und langsamem Leben».

    Chengdu ist ein Beispiel für ein China der zwei Gesichter, das – obwohl nominell immer noch kommunistisch – eine neue Wirtschaftsform entwickelt hat, die der US-Ökonom Doug Guthrie dem Kapitalismus westlicher Prägung überlegen siehtund die er «Innovention» nennt: eine Mischung
    aus marktwirtschaftlich orientierter Innovation und staatlicher Intervention. Peking stärkt zunehmend die Binnennachfrage und die heimischen Märkte, die Regionen werden mehr und mehr mit Leben erfüllt, nachdem die Wirtschaft nach Jahrzehnten zweistelligen Wachstums, das hauptsächlich im Export begründet war, für chinesische Verhältnisse nur noch moderat wächst.

    Vom Billigheimer zur High-Tech-Schmiede

    Den Grundstein für den Aufstieg Chinas von einem bettelarmen Land zur Nummer zwei der internationalen Wirtschaftsmächte legte vor fast 40 Jahren der große Reformer Deng Xiaoping, der die Volksrepublik ohne offizielles Staatsamt faktisch von 1979 bis zu seinem Tod 1997 regierte und, so die Frankfurter Allgemeine Zeitung, «wie einst die Trümmerfrauen in Deutschland auf den Ruinen des roten Terrors mit marktwirtschaftlichen Reformen die Basis für ein Wirtschaftswunder» schuf, «das bis heute weit über eine halbe Milliarde Chinesen aus der Armut befreit hat». In seiner Biografie Deng Xiaoping and the Transformation of China zeigt der Asien-Experte Ezra F. Vogel auf, dass dies nicht etwa Folge eines Großplans war, sondern das Ergebnis vieler kleiner Einzelschritte. Deng, Intellektueller und Pragmatiker zugleich, hatte dies mit einem schönen Bild beschrieben: «Die Steine ertastend den Fluss überqueren.»

    Deng brachte Chinas Wirtschaft Schritt für Schritt voran und setzte dabei auf die Wissenschaft. Er bereiste – anders als Mao, der das Land nie verlassen hatte – schon als Jugendlicher Europa und schickte in den 1970er Jahren auch die Funktionäre seiner Kommunistischen Partei dorthin. In Deutschland besuchten sie neben dem Geburtshaus von Karl Marx in Trier auch die Kaianlagen in Bremerhaven und viele Fabriken. Kurz darauf gewann Deng ausländische Investoren für die neu eingerichteten Sonderwirtschaftszonen in den vier Küstenstädten Shenzhen, Xiamen, Shantou und Zhuhai. Heute gibt es über 20 solcher und ähnlicher Gebiete, boomende Industrie- und Handelsstädte säumen die gesamte Süd- und Ostküste. Rückständig sind noch jene Regionen in Zentral-, West- und Nordchina, aus denen Wanderarbeiter in Richtung der Küstenprovinzen ziehen, um am wachsenden Wohlstand zu partizipieren. Um diesen Migrationsdruck zu mildern, erschließt Peking zunehmend auch das Landesinnere ökonomisch.

    War die chinesische Volkswirtschaft lange Zeit für ihre Billigwaren und Imitate bekannt, sind es inzwischen vor allem hochwertige Eigenkreationen der Informations- und Kommunikationstechnologie, aber beispielsweise auch Lkw und Nutzfahrzeuge, die auf den Weltmärkten reißenden Absatz finden. Während der Transrapid in Deutschland zwar lange diskutiert, aber nie gebaut wurde, haben sich die Chinesen das Knowhow zu eigen gemacht und innerhalb von nur sechs Jahren mit 11.000 Streckenkilometern das größte Schnellzugnetz der Welt aufgebaut. Chinesische Hochgeschwindigkeitszüge werden nun nach Osteuropa, Südostasien und Russland exportiert – und bei den Patentanmeldungen liegt China vor Japan und den USA auf Platz eins.


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