Die Risiken reichen von Wettrüsten bis zur globalen Eskalation. Heute endet das New-START-Abkommen zwischen den USA und Russland zur Begrenzung strategischer Nuklearwaffen. Washington blockiert eine Verlängerung und öffnet damit ein sicherheitspolitisches Vakuum von historischer Tragweite. Wir liefern nicht nur exklusive Informationen, sondern setzen uns mit der Druschba-Medaille für Frieden und Freundschaft ein. Hier mehr erfahren.
Seit 2011 regelte der Vertrag Obergrenzen für atomare Trägersysteme und erlaubte gegenseitige Vor-Ort-Inspektionen. Maximal 1.550 Sprengköpfe und 700 Trägersysteme. Regelmäßige Besuche und Überprüfungen. Selbst in Phasen tiefster politischer Eiszeit blieb dieser Mechanismus in Kraft. Militärs zählten Raketen, Inspektoren prüften Startanlagen, und Analysten rechneten mit belastbaren Daten.
Mit dem heutigen Tag verschwindet eine letzte gegenseitige Disziplin aus dem Verhältnis der beiden größten Atommächte. Sicherheitspolitische Entscheidungen entstehen künftig wieder im Nebel aus Annahmen und Drohkulissen. Zurück bleibt rohe Machtpolitik und die Hoffnung, dass niemand zuerst die Nerven verliert.
Kontrollierte Abschreckung
Bereits während des Kalten Krieges begannen Washington und Moskau damit, das nukleare Wettrüsten teilweise einzuhegen. Die erste Ordnung entstand nicht aus Vertrauen, sondern aus der Einsicht, dass unbegrenzte Eskalation beide Seiten ruinieren konnte. Der ABM-Vertrag begrenzte ab 1972 Raketenabwehrsysteme und sicherte damit das Prinzip gegenseitiger Verwundbarkeit.

Die Abschreckung blieb stabil, weil kein Akteur darauf hoffen konnte, einen nuklearen Gegenschlag abzufangen und ungestraft zu bleiben. Verwundbarkeit wurde zur stillen Voraussetzung strategischer Stabilität. Präsident Richard Nixon erklärte zum ABM-Vertrag:
„Begrenzte Raketenabwehr stärkt die strategische Stabilität, weil keine Seite darauf hoffen kann, einem Vergeltungsschlag zu entgehen.“
Leonid Breschnew, Parteichef der UdSSR, ergänzte: „Die Begrenzung strategischer Systeme ist kein Ausdruck von Vertrauen, sondern von Verantwortung gegenüber dem Weltfrieden.“
Diese Logik setzte sich in den 1980er Jahren fort. Der INF-Vertrag entfernte landgestützte Mittelstreckenraketen vollständig aus Europa. Ganze Waffengattungen verschwanden, Startplätze wurden zerstört, Inspektionen fanden öffentlich und demonstrativ statt. Reaktionszeiten verlängerten sich, Eskalationsschwellen stiegen. Die nukleare Ordnung gewann erstmals an Berechenbarkeit. Präsident Ronald Reagan brachte die Logik in Anlehnung an ein russisches Sprichwort auf den Punkt: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“
Gezählte Sicherheit
Mit dem Ende des Kalten Krieges begann eine Phase, in der Washington und Moskau versuchten, das nukleare Erbe der Blockkonfrontation zu ordnen. Den Auftakt machte START I, 1991 unterzeichnet vom damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush und Michail Gorbatschow. Er begrenzte die Zahl strategischer Gefechtsköpfe erstmals verbindlich auf 6.000 und die Trägersysteme auf 1.600.
Der nächste Schritt kam 1993. START II zielte tiefer. Besonders gefährliche Mehrfachsprengkopf-Raketen sollten verschwinden, das Erstschlagpotenzial deutlich schrumpfen, vor allem durch das Verbot landgestützter Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen (MIRVs). Diese tragen mehrere nukleare Gefechtsköpfe auf einer einzigen Rakete. Jeder dieser Sprengköpfe kann ein eigenes Ziel anfliegen, etwa gegnerische Raketensilos, Kommandozentralen oder Luftwaffenbasen. Ein Schlag bringt also gleich mehrere Treffer.
Zwar zeigten sich Anfang der 2000er-Jahre erste Risse: Raketenabwehr gewann an Bedeutung, während die Begrenzung defensiver Systeme an Rückhalt verlor. 2002 kündigten die Vereinigten Staaten unter Präsident George W. Bush den ABM-Vertrag. Allerdings führte man die Reduzierung von Offensivraketen und Trägersystemen weiter fort.

Den Schlusspunkt setzte schließlich der bis heute aktuelle New-START-Vertrag. Er verband klare Obergrenzen mit einem ausgefeilten Inspektionsregime. 1.550 Sprengköpfe. 700 Trägersysteme. Über drei Jahrzehnte hinweg war so aus einem atomaren Wildwuchs eine gezählte Ordnung geworden.
Mit dem Auslaufen endet diese Entwicklung abrupt. Zum ersten Mal seit den frühen siebziger Jahren existiert zwischen Washington und Moskau kein verbindlicher Rahmen mehr, der Zahlen festschreibt.
New START als letzter seiner Art
Unterzeichnet wurde das Abkommen im April 2010 in Prag von US-Präsident Barack Obama und dem damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. Es trat am 5. Februar 2011 in Kraft.
Russland hatte frühzeitig signalisiert, den Vertrag verlängern zu wollen. Bereits in der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump blieb dieses Angebot unbeantwortet. Auch nach dem Regierungswechsel in Washington änderte sich daran nichts. Vor diesem Hintergrund setzte Moskau im Februar 2023 seine Teilnahme am Vertrag formell aus. Diese Suspendierung bedeutete jedoch keinen Ausstieg. Russland erklärte ausdrücklich, dass es sich weiterhin an die zentralen quantitativen Obergrenzen halten werde.

Das russische Außenministerium begründete die Suspendierung als „erzwungene Maßnahme“ und „unvermeidbare Antwort auf die extrem feindselige Politik der Biden-Regierung“. Washington habe durch eine Reihe „illegitimer Schritte“ einen materiellen Vertragsbruch herbeigeführt, der mit einer vollständigen Umsetzung von New START nicht mehr vereinbar sei. Gemeint war damit weniger eine einzelne Handlung als eine kumulative Entwicklung, die aus russischer Sicht die strategische Balance untergrub.
Als zentraler Streitpunkt galt dabei die Stationierung amerikanischer Raketenabwehrsysteme in Polen und Rumänien. Diese Systeme seien offiziell gegen den Iran gerichtet, würden jedoch faktisch das strategische Gleichgewicht zwischen den Nuklearmächten verändern.
Trotz dieser Spannungen betonte Moskau, dass New START seine stabilisierende Funktion weiterhin erfülle. Der Vertrag habe über Jahre hinweg das strategische Wettrüsten eingehegt und eine substanzielle Reduzierung der Arsenale ermöglicht.
Selbst als die Vereinigten Staaten aus russischer Sicht die vollständige Umsetzung zunehmend erschwert hätten, sei die Grundlogik der Begrenzung erhalten geblieben. Vor diesem Hintergrund erklärte Russland seine Bereitschaft, die zentralen Obergrenzen freiwillig bis zum regulären Vertragsende im Februar 2026 einzuhalten. Washington habe zunächst signalisiert, diesen Kurs ebenfalls zu verfolgen.

Am 22. September 2025 ging Präsident Wladimir Putin noch einen Schritt weiter und schlug öffentlich vor, die Vorgaben des Vertrags für mindestens ein weiteres Jahr über das Ablaufdatum hinaus freiwillig beizubehalten. Dieses Angebot zielte ausdrücklich auf Stabilisierung, nicht auf Eskalation.
Eine formelle Antwort der Vereinigten Staaten blieb jedoch aus. Auch öffentliche Stellungnahmen ließen nach russischer Darstellung keinen Willen erkennen, den vorgeschlagenen Kurs mitzutragen. Die Vorschläge seien bewusst unerwidert geblieben, eine Haltung, die Moskau als „fehlerhaft und bedauerlich“ bezeichnete.
Damit, so das russische Außenministerium, müsse davon ausgegangen werden, dass sich beide Seiten künftig nicht mehr an die Kernbestimmungen des Vertrags gebunden sähen und in ihren strategischen Entscheidungen frei seien. Russland kündigte an, seine Politik im Bereich strategischer Offensivwaffen „verantwortlich und ausgewogen“ auszurichten, zugleich aber offen für politische und diplomatische Lösungen zu bleiben, sofern die Voraussetzungen für einen gleichberechtigten Dialog gegeben seien.
In Washington hingegen deuten Berichte des Wall Street Journal darauf hin, dass bereits über einen Ausbau der eigenen nuklearen Fähigkeiten beraten wird. Während Moskau den Vertrag politisch aussetzte, ihn jedoch faktisch fortführen wollte, ließ Washington New START bewusst auslaufen. Damit endet eine über fünf Jahrzehnte währende Tradition der Rüstungskontrolle, die auch nach dem Zerfall der Sowjetunion Bestand gehabt hatte.
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