Ahrtal: meine Heimat, meine schöne – Gedanken von Akif Pirinçci zur Flut

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Der Schriftsteller Akif Pirinçci wuchs in der Region auf, die nun am stärksten vom Hochwasser betroffen ist. Die Bilder aus dem Katastrophengebiet haben ihn erschüttert. Seine Liebeserklärung an seine Heimat und ihre Menschen verbindet er mit klaren Worten an die Politik. Über Pirinçcis aktuelles Werk Odette können Sie hier mehr erfahren.

Wegen des Erscheinungsstresses meines neuen Buches drangen die schlimmen Nachrichten nur dumpf und abgehackt zu mir durch. Natürlich habe ich letzte Woche diese einen geschlagenen Tag andauernde Sintflut mitbekommen und natürlich dachte ich mir dabei, dass das böse Folgen haben würde. Aber nicht, dass das zu einer nationalen Katastrophe von derartig gruseligem Ausmaß ausarten würde.

Blick auf den historischen Stadtkern von Ahrweiler vor dem Hochwasser. Foto: Rheinland-Pfalz Tourismus, CC BY-NC-ND 2.0, Flickr.com

Aber gleich vorweg: Das wird uns mehr zusammenschweißen, das wird uns Deutsche und Landsleute – und damit sind auch all die sich zu uns Bekennenden, so wie ich und mit noch dunklerer Hautfarbe, gemeint – mehr zusammenrücken lassen! Vielleicht war es ein Zeichen …

Es bricht mir das Herz

Das Ahrtal, eines der am härtesten betroffenen Gebiete, kenne ich wie meine Westentasche. Es ist meine Jugend, es ist die Zeit meiner Liebe und meiner Lieben, das Ahrtal ist der aufregendste Abschnitt meines Lebens. Auf diesem Fleckchen Erde befindet sich eines der schönsten und atemberaubendsten Kulturlandschaften Europas. Man ist überwältigt von so viel sinnenschmeichelnder Natur, wenn man da eintaucht.

Dernau im Landkreis Ahrweiler. In dem 1.800-Seelen-Ort gibt es 13 Todesopfer zu beklagen. Foto: COMPACT

Ich komme zwar vom Rheinland, also direkt vom Rhein, aber man ist mit dem Auto in 15 Minuten da, notfalls kann man auch binnen einer Stunde zu Fuß dort hingelangen. Und wir jungen Männer damals taten das oft. Denn neben der Naturpracht besitzt das Ahrtal noch eine andere Spezialität: Es stellt die schönsten Frauen dieses Landes her! Ich weiß nicht, wie sie es dort machen, scheint nach einem Geheimrezept zu funktionieren. Das Epizentrum der Grazien-Produktion war damals Sinzig.

Und nun höre ich: Alles kaputt, alles Schutt, kein Strom, kein Wasser, ein kleiner Weltuntergang. Es bricht mir das Herz!

Die Feuerwehr in Dernau (Landkreis Ahrweiler) im Einsatz. Foto: COMPACT

Die Tapferen und die Schäbigen

Im Radio hörte ich einen armen Teufel sagen, er sehne sich nach einem Becher heißen Kaffees. Spontan wollte ich ein paar Groß-Thermoskannen besorgen und mit meinem Sohn dort irgendwo einen Kaffeestand aufbauen.

Aber wäre das nicht genauso schäbig und nach dem billigen Ruhm des Samariters buhlend wie bei diesem Vollidioten von einem SPD-Politiker, der mit einem Sandsack in der Hand wie angepisst vor einem Rettungsfahrzeug steht, um den Gratis-Helden zu spielen?

Ich denke, dort sind jetzt sehr viele professionelle Helfer unterwegs, insbesondere unsere Jungs und Mädels vom Heer und THW, aber auch die Bauern aus der Umgebung, und man sollte diesen Tapferen und Großherzigen nicht im Wege stehen. Die machen das schon!

An die da oben

Und irgendwann, ich hoffe bald, wird es wieder so sein wie einst. Es wird wieder die Sonne über dem Ahrtal scheinen, und ihre Strahlen werden die Haut der liebreizenden Ahr-Damen streicheln, Kinder werden denken: „Ich bin ins Paradies hineingeboren worden“, und die Wurzeln der Ahr-Bäume werden sich mit den Wurzeln der Ahr-Menschen vereinigen, unsichtbar und doch so fühlbar!

Ein letztes Wort an die Regierung: Wenn ihr da oben auch nur einen einzigen Cent ins Ausland verschenkt, bevor diese Menschen dort nicht entschädigt und wiederhergestellt sind, dann seid ihr noch weniger wert als der letzte Dreck!


Akif ist wieder da! Seine Novelle Odette erzählt eine aufregende Geschichte aus einer Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war: Im Sommer 1983 verfällt ein Germanistikstudent der schönen Odette. Schnell werden die beiden ein Paar. Doch was sich anfangs wie eine gewöhnliche Liebesgeschichte anlässt, entwickelt sich zu einem Alptraum aus Abhängigkeit, erotischen Exzessen und Selbstzerstörung… Hier bestellen.

Über den Autor

19 Kommentare

  1. Interessant war ein Bericht – woanders – "Warum ausgerechnet die Ahr?" Das war nicht das 1.Hochwasser! Das gab es schonmal 1601, 1805 und 1910! Jedenfalls belegt, wahrscheinlich schon früher, aber da wohnte da noch keiner! Denn die Ahr fließt z.T. über felsigen Grund und wenn im Oberlauf 4 Zuflüsse Dauer- und Starkregen ausgesetzt sind, passierts! Dagegen, hat man bereits in den 1920er Jahren gewußt, helfen nur Regenrückhaltebecken in dieser Region – und man hat das damals auch ausgearbeitet und beschlossen.
    Aber Geld hatte man nur genug um entweder diesen Plan zu realisieren oder den Nürburgring zu bauen und man hat sich für den Nürburgring entschieden, da der der Region wirtschaftlichen Aufschwung versprach!
    Bei den Entscheidungsträgern von vor knapp 100Jahren müßte man sich jetzt "bedanken"! Die Kathastrophe 1910 muß wohl ähnlich heftig gewesen sein, natürlich reduziert wegen der weit geringeren Besiedlungsdichte. Aber Pläne aus der Schublade holen und machen!

  2. Wir haben kein Recht auf der Erde zu leben, wir werden hier nur geduldet.

    Hochwasser vom 13. Juni 1910 – AW-Wiki – Das Ahr-Hochwasser vom 13.Juni 1910 ist die größte historisch bezeugte Hochwasserkatastrophe im Ahrtal.Das Tal machte damals in ganz Deutschland Schlagzeilen. Über Neuenahr schrieb etwa der Hamburgische Correspondent vom 13. Juni 1910: „Um zehn Uhr hatte die Ahr vier Meter über Normalhöhe erreicht.

    Ein Tag der alles änderte 13 März 1933 Ahr – Bereits in 1723 werden in Wadenheim und Ahrweiler Kribben und Streichklausen angelegt um der Ahr einen geaden verlaf zu geben.Infolge einer selten großen Ahrüberschwemmung wird am 16. Januar 1739 die steinerne Brücke in Ahrweiler vor dem Ahrtor zerstört. Das Wasser dringt durch das Ahrtor in die Stadt ein.

    Die Ahr und ihre Hochwässer in alten Quellen – Juni d. J. war die große Überschwemmung im Ahrtal. An der Oberahr sind ungefähr 70 Leute ertrunken; es waren dies meist Ausländer, die an dem Bahnbau arbeiteten. In Bodendorf hat die Überschwemmung großen Schaden gemacht. Das überall in den Wiesen üppig stehende Gras war alle überschwemmt und beschlammt. Es sind große Geldsammlungen veranstaltet worden. Sr. Majestät gab 10 000 Mark.

    1348, 1410, 1488, 1547 etc. pp.

  3. heidi heidegger am

    heidi fordert eine mega!Behörde: LASTENAUSGLEICHSAMT II (gegenfinanziert von ditt FDP-WählerInnen, mja)..aber ich passe da dann auf wie Hund / sente tutto! -> wenn äh wanns alle Abgesoffenen angeben, sie hätten jeweils drei Konzertflügel auf Bude gehabt, dann jibbett evtl. Abzug bei ditt Rentenpunkten äh Hochwasserpunkten, mja.

  4. Erika wagt nicht den Opfern den Rücken zu zukehren. Angst vor der aufkommenden Wut, jeden und jedes zu retten – Hauptsache nicht Deutsch.
    Sie würde auch lachen, wagt es aber nicht. Nur der mutige Arminn L. lachte über die Opfer aber das blieb ihm nachher im Hals stecken.

    • Schiffahoi am

      Luschet lachte. Daß er über die Opfer lachte, ist eine Unterstellung von NONONAM:

  5. heidi heidegger am

    Lieber Akif, Ihre Heimat ist der DichterOlymp und meine ischd das Meer, meine Freunde sind die Sternää, von Sankt Pauli bis Hawaii, von äh Bali bis Norderney..*träller* LOL

  6. DerGallier am

    Vier Tage vor der Katastrophe sagte Warnsystem voraus, wo die Flut zuschlagen würde
    Focus Online 18.07.21 -AUSZUG-

    Nach Flutkatastrophe in Westdeutschland trifft es nun auch Sachsen und Bayern
    Hochwasser-Chaos in Deutschland: Ganze Orte sind mittlerweile von der Außenwelt abgeschnitten, Häuser eingestürzt, 156 Menschen sind bisher gestorben. Am Samstagabend schossen neue Flutwellen durch das Berchtesgadener Land und die Sächsische Schweiz.
    Bereits vier Tage vor den ersten Flutwellen gab es präzise Hochwasser-Warnungen auch von europäischer Seite. Wie die "Times" berichtet, schlug das Europäische Hochwasser-Warnsystem bereits am 10. Juli Alarm. Die Warnungen seien an die Regierungen in Deutschland und Belgien weitergegeben worden. Auch in den darauf folgenden Tagen seien die Warnungen immer wieder aktualisiert worden, die Berechnungen hätten da bereits deutlich auf die nun am härtetesten getroffenen Regionen hingewiesen.
    Hannah Cloke, Hydrologin an der Universität in Reading, hatte bereits in den vergangenen Tagen von einem "Systemversagen" gesprochen. Nun wird sie gegenüber der Zeitung noch deutlicher: "Menschen hätten Warnungen bekommen müssen. Und die Menschen hätten sie verstehen müssen. Es bringt nichts, wenn man gigantische Computer-Modelle hat, die vorhersagen, was passiert, wenn niemand weiß, was bei einer Flut zu tun ist."

    • Schiffahoi am

      Na heraus damit ! Ich warte immer noch darauf, daß der erste Verschwörungsspinner damit ankommt, daß das Merkelregime und die Negativeliten die Fluten absichtlich erzeugten und die Leute vorsichtlich haben absaufen lassen.

  7. Rationaler Rationalist am

    500 Milliarden sofort Hilfe werden diese Woche noch beschlossen. Mit Sicherheit auch noch mehr.

    Zitat von oben =

    "Ein letztes Wort an die Regierung: Wenn ihr da oben auch nur einen einzigen Cent ins Ausland verschenkt, bevor diese Menschen dort nicht entschädigt und wiederhergestellt sind, dann seid ihr noch weniger wert als der letzte Dreck!"

    Abgesehen davon das sie nicht das Format haben das zu bewerten …
    Auch wenn dies eine absolute Katastrophe ist. Natürlich werden auch Nothilfen im Ausland durch Deutschland weiter bestehen.

    • Theodor Stahlberg am

      COMPACT: Nehmt endlich diese abstruse linksgrüne Oberlehrer-Herablassungs-Tröte aus dem Äther. Ihr müsst wirklich niemandem beweisen, dass Ihr auch liberal seid. Geistige Hygiene und der Schutz des gesunden Menschenverstands sind wichtiger… Bitte !

      • Hans von Pack am

        Diese Tröte vertritt doch nur die "Joschka-Fischer-Doktrin":

        "Es muß soviel Geld wie möglich aus Deutschland hinausfließen…"

        Damit Deutschland und die Deutschen so schnell wie möglich "absaufen".

        Schlimmer als "der letzte Dreck" – wahre Worte eines Mitbürgers und Schriftstellers von Format über solche sich als PO-litiker tarnende heimtückische Massenmörder und deren mediale Unterstützer!

      • Lasst das Kasperle doch schreiben, für geistig gesunde Menschen wirkt er doch nur abschreckend.

      • Ich kann mich Theodor Stahlberg nur wärmstens anschließen.

        COMPACT: Theodor Stahlberg und Tjalfi: Je mehr Aufmerksamkeit Sie ihm schenken, desto mehr stacheln Sie ihn an. Ignorieren Sie ihn doch einfach. Das wurmt die Leute, die nach Aufmerksamkeit heischen, am meisten. Solange er keine reinen Pöbel-Posts absetzt (und die werden bei ihm wie auch bei anderen nicht freigeschaltet), kann auch er hier seine Meinung kundtun.

      • Rationaler Rationalist am

        @ Theodor

        Sorry. Ich muss sie enttäuschen. Ich benötige keine Aufmerksamkeit. Ich rücke nur manch Falschaussagen richtig.

      • Schiffahoi am

        Lach!! Ausgerechnet Theodor Stahlberg hält sich zuständig für geistige Hygiene und gesunden Menschenverstand.

      • Kindergartencop am

        Schaun mer mal was die brainbugs zu tröten haben, wenn hier mal wieder über "Zensur" bei Youtube und Co gequakt wird. Meinungsfreiheit ist keine Einbahnstrasse. Die Stahlbergs und Tjalfis entspringen der gleichen Geistesschule wie Linksrotgrün, nur in peinlich.

        Ernsthaft, wie kann man sich wegen ein paar Worten so damenhaft anstellen. Seid ihr etwa mädchen, lach?

        PS
        Selbstredend ist "Zensur" gegen Compact auch ne Riesensauerei. (damit meine Ansprache nicht wieder im falschen Gehörgang landet). Zensur ist nichts anderes als Entmündigung. Wer will mir vorschreiben, was ich lesen, sehen oder glauben muss. Youtube? "Trollhunter"?, selbsternannte Meinungswächter? zu komisch.

    • "Natürlich werden auch Nothilfen im Ausland durch Deutschland weiter bestehen." Und das werden Sie bestimmen? Groessenwahnsinnig?

      • Rationaler Rationalist am

        @ Rabe

        "Und das werden Sie bestimmen? Groessenwahnsinnig?"

        Nö, natürlich nicht. Es ist eine Selbstverständlichkeit.

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