Die Bundeswehr will Soldaten gewinnen, aber bitte keine rechten Kameraden. Mit ausgeklügeltem KI-Programm will man jetzt der wahren Haltung von potenziellen Soldaten auf die Schliche kommen. Wie der Aufrüstungs-Wahn auch innenpolitische Themen bestimmt, decken wir auf in unserer Oktober-Ausgabe „Gestohlene Wahl“. Höchst aufschlussreich! Hier mehr erfahren.
Die Bundeswehr steht vor einer erheblichen personellen Herausforderung, zumindest, wenn es nach Strategen wie Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius geht. In den kommenden Jahren soll die Zahl der aktiven Soldaten nach seiner Vorstellung deutlich steigen. Das Vorhaben stockt. Junge Menschen sind nicht wirklich willig, sich in fremden Kriegen verheizen zu lassen. Die Propaganda-Maschinerie der Bundeswehr läuft dennoch weiterhin auf Hochtouren.
Wühlarbeit für KI-Schnüffler
Doch wer wird da eigentlich angelockt? Das soll fortan der Militärische Abschirmdienst (MAD) erschnüffeln, denn das Misstrauen in heutiger Zeit ist groß. Schließlich wollen Pistorius und Freunde nur aufrichtige und wertegeleitete Demokraten in der Front sehen. Hier kommt ein neues KI-Programm ins Spiel. Künstliche Intelligenz soll die jungen Neu-Kameraden gründlich auf Verfassungstreue durchleuchten.
Es geht um die gezielte Überprüfung beziehungsweise Durchleuchtung von Bewerbern. Künstliche Schnüffler sollen im Internet Wühlarbeit leisten und Entlarvendes zusammentragen. Dazu gehören unter anderem Profile in sozialen Netzwerken, öffentliche Beiträge, Kommentare, Bilder und Verbindungen zu bestimmten Personen oder Gruppen. Hier setzt die sogenannte Unterstützte Verfassungstreueprüfung an. Das System setzt auf eine digitale Recherche, gegen die frühere Stasi-Überwachungen ganz und gar harmlos daherkommen. Es werden sicher auch Akten und Dossiers gegen andersdenkende Soldaten angelegt.
Grundlage der automatisierten Prüfung ist ein Kriterienkatalog, der schon entwickelt ist. Die Software kann beispielsweise untersuchen, welchen Personen, Gruppen oder Organisationen ein Bewerber in sozialen Netzwerken folgt. Ebenso können öffentliche Kommentare, Beiträge oder Bilder ausgewertet werden.
Dabei geht es nicht allein um einzelne Inhalte. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Merkmale. Mehrere miteinander verbundene Hinweise, wie etwa ein Abo von COMPACT, können Anlass für eine vertiefte Prüfung geben. Die Software sucht diesbezüglich nach Mustern. Dazu können bestimmte Bildmotive, wiederkehrende Symbole, einschlägige Begriffe, Gruppenzugehörigkeiten oder digitale Verbindungen gehören.
Offenbar keine Schamgrenze
Die entscheidende Funktion der Technologie besteht darin, aus einer großen Menge digitaler Informationen Verdächtige herauszufiltern. Die Software erstellt bei einem auffälligen Ergebnis ein Dossier für die zuständige Sachbearbeitung. Darin können die Merkmale zusammengefasst werden, die zu der Auffälligkeit geführt haben. Das können beispielsweise bestimmte Bildästhetiken, Symbole, Tätowierungen, öffentliche Äußerungen oder Verbindungen zu bestimmten Gruppen sein.
Dass eine automatisierte Untersuchung persönlicher Informationen Fragen des Datenschutzes und der Verhältnismäßigkeit berührt? Darüber lachen die politischen Verantwortlichen nur. Zu groß ist die Gier nach Überwachung und Ausspähung.
Die Überprüfung beschränkt sich übrigens nicht auf Menschen, die neu in die Bundeswehr eintreten. Auch der Reserve wird misstraut. Wenn diese in den kommenden Jahren stärker ausgebaut wird, und das ist ja geplant, sollen auch hier massive Überprüfungen erfolgen. Im negativen Fall werden dann die entsprechend markierten Personen nicht mehr zu bestimmten Übungen herangezogen oder auch gleich vollständig demiunziert.
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