Noch vor gut einem Jahr sah es so aus, als hätten sich Donald Trump und Elon Musk endgültig überworfen. Doch jetzt holt die US-Regierung den Tech-Milliardär ausgerechnet für ein Projekt zurück, bei dem es um die Zukunft des Krieges geht. Wie er wirklich tickt, lesen Sie in der großen Musk-Biografie von Walter Isaacson. Hier mehr erfahren.
Seinen ersten Regierungsauftrag hatte Tech-Milliardär Elon Musk mit maximalem Getöse absolviert. Nach Trumps Amtsantritt im Januar 2025 wurde er zum Gesicht von DOGE, dem Department of Government Efficiency. Der Auftrag: den Staatsapparat abspecken, Ausgaben streichen, Bürokratie zerlegen. Musk und seine Leute durchforsteten Ministerien und Behörden, strichen Verträge und Stellen und drängten Bundesbedienstete zum Ausscheiden. Als seine auf 130 Tage begrenzte Tätigkeit als Sonderregierungsmitarbeiter Ende Mai 2025 auslief, will DOGE Einsparungen von 175 Milliarden Dollar erreicht haben.
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COMPACT unterstützenZunächst verabschiedeten sich Trump und Musk demonstrativ als Freunde. Doch nur Tage später krachte es gewaltig. Musk ging öffentlich auf Trumps großes Steuer- und Ausgabenpaket los, nannte die sogenannte Big Beautiful Bill eine «widerliche Abscheulichkeit» und warnte vor explodierenden Staatsschulden.
Am 5. Juni 2025 eskalierte der Streit: Musk unterstützte Forderungen nach einem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump und erklärte, der US-Präsident tauche in den Epstein-Akten auf. Trump erklärte seinerseits, Musk sei «verrückt geworden», und brachte sogar ein Ende staatlicher Verträge und Subventionen für dessen Firmen ins Spiel. Aus der Männerfreundschaft war innerhalb weniger Tage ein öffentlicher Rosenkrieg geworden.
Das Triumvirat
Doch beide ließen die Brücke stehen. Vizepräsident J. D. Vance und Stabschefin Susie Wiles halfen laut Medienberichten dabei, die Lage zu entschärfen. Musk telefonierte wieder mit Trump, löschte einige seiner Attacken im Netz und räumte schließlich öffentlich ein, mit manchen Beiträgen «zu weit gegangen» zu sein. Im September letzten Jahres folgte das sichtbare Tauwetter: Bei der Trauerfeier für den ermordeten konservativen Aktivisten Charlie Kirk saßen Trump und Musk wieder nebeneinander, schüttelten sich die Hände und unterhielten sich. Einen Monat später bezeichnete Trump ihr Verhältnis bereits wieder als «gut».

Nun scheint das Verhältnis zwischen Musk und der US-Regierung wieder so gut zu sein, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth den Tech-Unternehmer gemeinsam mit Palmer Luckey, Gründer des Rüstungskonzerns Anduril Industries, und dem früheren republikanischen Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, für das sogenannte Project Meridian verpflichtet hat.
Die Gruppe hat zu untersuchen, wie Amerikas Kriege der Zukunft geführt werden können – und welche Technologien und Waffensysteme das Pentagon dafür braucht. Ziel ist demnach die militärische Überlegenheit der USA im 21. Jahrhundert und darüber hinaus. Ergebnisse sollen bereits binnen 120 Tagen vorliegen. Für Musk bedeutet das eine bemerkenswerte Rückkehr: Vom radikalen Sparkommissar über den öffentlichen Bruch mit Trump führt sein Weg nun direkt ins Pentagon.
Vom Mond bis in den Untergrund
Laut Hegseth soll das Triumvirat die «Schlachtfelder der Zukunft untersuchen, Waffen und Technologien identifizieren, die Streitkräfte zur Beherrschung dieser Einsatzumgebungen benötigen, sowie konkrete Lösungen für die Entwicklung, Erprobung und Einführung dieser Fähigkeiten vorschlagen».
Vorgestellt hatte der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth das Project Meridian am 30. September bei einer Rede auf dem Marines-Stützpunkt in Quantico, Virginia. Das Projekt soll jene Fähigkeiten identifizieren, mit denen Amerika auf den Schlachtfeldern der nächsten Generation eine «absolute technologische Dominanz» erreichen könne. Dabei gehe nicht darum, neue Militärstrategien oder politische Konzepte auszuarbeiten. Stattdessen soll das Team weit in die Zukunft blicken und herausfinden, welche neuen Kriegsräume die USA beherrschen und welche technischen Herausforderungen sie dafür meistern müssen.

Mit «Kriegsräumen» meint das Pentagon nicht nur die klassischen Schlachtfelder, sondern tatsächlich alles: vom Untergrund bis zum Bereich zwischen Erde und Mond, dem sogenannten cislunaren Raum. Hinzu kommen neue Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz, autonomen Systemen, Robotik, Energiewaffen und Biotechnologie. Hegseths Begründung: Diese Technologien könnten die Art, wie Kriege geführt werden, grundlegend verändern.
Formal läuft Meridian unter der Ägide von Emil Michael, dem Technologiechef des Pentagons und Under Secretary of Defense for Research and Engineering. Musk, Luckey und Gingrich fungieren als Co-Direktoren. Ihr erstes Treffen fand noch am Tag der Verkündung statt – in einem abhörsicheren Besprechungsraum nur rund 200 Meter vom Ort von Hegseths Rede in Quantico entfernt.
Das Projekt steht nicht allein. Hegseth bezeichnete es als Teil eines größeren Umbaus der amerikanischen Streitkräfte. Zugleich kündigte er ein neues Autonomous Warfare Command an – ein Vier-Sterne-Kommando, das Drohnen, Robotik und autonome Systeme schneller zur Truppe bringen soll.
Kasse mit Kriegsgerät
Der Technologie-Blog Engadget weist in diesem Zusammenhang auf die wirtschaftlichen Aktivitäten der Beteiligten hin: Musks Mischkonzern SpaceXAI und Luckeys Anduril haben Verträge mit dem Pentagon mit einem Volumen von bis zu 4,16 Milliarden Dollar. Musks Unternehmen zählt zu den zentralen Startdienstleistern der U.S. Space Force und stellt über Starshield, die militärische Schwester des Satellitendienstes Starlink, Kommunikationsdienste, Terminals und Zubehör für militärische Operationen zur Verfügung. Anduril entwickelt unter anderem autonome Waffensysteme, Drohnen, Raketen und unbemannte Kampfflugzeuge.
Gingrich habe dem Bericht zufolge zwar keine erkennbaren Verbindungen zur Tech-Branche, er arbeitete jedoch bereits an mehreren Projekten mit militärischem Bezug mit. Zudem verlieh ihm die Air University, eine Ausbildungseinrichtung zur Weiterbildung der Offiziere und Unteroffiziere der US-Luftwaffe in Montgomery, Alabama, im vergangenen Jahr einen Ehrendoktor. Der frühere Sprecher des Repräsentantenhause warnt bereits seit den 1990er Jahren vor der Gefahr elektromagnetischer Angriffe, die Stromnetze und andere Infrastruktur lahmlegen könnten.
Der Tech-Blog verweist ferner auf mehrere Vorfälle im Ministerium. Demnach soll sich das Pentagon auf einen KI-generierten Report gestützt und dadurch beinahe einen internationalen Zwischenfall ausgelöst haben. Ferner stufte es Anthropic als Lieferkettenrisiko ein, nachdem das Unternehmen Schutzmechanismen seiner KI-Modelle nicht entfernen wollte. Engadget bezeichnet diese Einstufung als rechtswidrig. Ein Zyniker könne im Project Meridian als Weg sehen, Freunden der aktuellen Regierung mehr Macht und Geld zu verschaffen, so das Fazit von Engadget.
Wie tickt Musk wirklich? In «Elon Musk. Die Biografie» enthüllt Autor Walter Isaacson Seiten des des Tech-Unternehmers, die bislang kaum jemand kannte. Warum hat er der Woke-Blase den Kampf angesagt – und welche Überraschungen können wir noch von ihm erwarten? Dieses Werk klärt umfassend auf. Hier bestellen.





