«Frauen ziehen sich aus dem Netz zurück», titelt die Taz. Am Montag veröffentlichte der Deutsche Frauenrat hierzu eine repräsentative Befragung. In COMPACT-Spezial «Mädchen, Messer, Morde» zeigen wir auf, wodurch Frauen wirklich bedroht sind. Hier mehr erfahren.
Werden Frauen aus dem Internet vergrault? Laut einer vom Deutschen Frauenrat in Auftrag gegebenen Umfrage teilen 67 Prozent der Befragten zwischen 18 und 74 Jahren teilen weniger Fotos und persönliche Informationen im Netz und schränken ihre Online-Aktivitäten insgesamt ein. Bei Frauen zwischen 18 und 39 Jahren sollen es sogar 76 Prozent sein. Der Grund: Sie fürchten Nachstellungen.
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COMPACT unterstützenIn letztgenannter Altersgruppe berichtet jede Fünfte von sexualisierten Deepfake-Bildern der eigenen Person. Fast ein Drittel hat schon erlebt, dass intime Bilder von sich selbst ohne Einwilligung verbreitet wurden. Unter allen befragten Frauen wurden mehr als zwölf Prozent im Internet mit sexualisierter Gewalt bedroht. Das sind Zahlen die durchaus aufhorchen lassen, doch der Frauenrat macht daraus ein «Demokratieproblem».
Eine Sache wird vollkommen vergessen: Es handelt sich um Entscheidungen von Frauen aus Angst oder Vorsicht und nicht um das tatsächliche Risiko, körperlich verletzt oder getötet zu werden. Natürlich möchte keine Frau unfreiwillig Statistin in einem Deepfake-Porno werden. Aber Selbstauskünfte in einer Umfrage – inklusive Angst vor möglichen Fällen – sind keine Kriminalstatistik.
Ein Blick auf die PKS
Die Angst, die teilweise unter Frauen herrscht, ist vielsagend. Laut der Umfrage schränken 57 Prozent der Befragten ohne eigene Erfahrung mit digitaler oder digital-sexualisierter Gewalt ihr Online-Verhalten trotzdem ein. Bei Betroffenen sind es 73 Prozent. Der Rückzug aus dem Netz beginnt also oft schon nach der Schlagzeile.
Unerlaubte Intimbilder und sexualisierte Deepfakes sind durchaus ein reales Problem und gehören bestraft, aber niemand kann behaupten, dass das Internet der gefährlichste Ort im Leben einer Frau sei. Solche Umfragen und Schlagzeilen schüren in erster Linie vor allem die Ängste und Ressentiments gegenüber Männern. Stattdessen sollte man sich einmal die Fälle von körperlicher Gewalt gegen Frauen anschauen.
Bei Sexualstraftaten zählte die PKS 2024 53.451 weibliche Opfer – 2,1 Prozent mehr als 2023. Im Bereich häuslicher Gewalt wurden 187.128 Frauen als Opfer erfasst, ein Anstieg um 3,5 Prozent. Beim Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung lag die Zahl bei 593 weiblichen Opfern, 0,3 Prozent über dem Vorjahr. 2024 wurden 13.320 Fälle von Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und sexuelle Übergriffe erfasst, 2025 waren es 14.454 Fälle.
Auch die Anzahl der Gruppenvergewaltigungen ist bestürzend. Im Jahr 2025 waren es 751 Fälle. Deutsche Staatsbürger (mit und ohne Migrationshintergrund) führen mit 509 Tatverdächtigen die Liste zwar an. Doch es folgen Syrer mit 110, Afghanen mit 64, Iraker mit 46 und Türken mit 44. Die Statistik unterscheidet bei deutschen Staatsbürgern nicht nach Herkunft. Eine solche Unterscheidung dürfte das Verhältnis noch klarer zeigen.
Angesichts dieser Zahlen fragt man sich, wie es sein kann, dass diese Aufmerksamkeit jetzt dem Netz gilt und nicht den Orten, an denen Frauen nachweislich um ihr Leben fürchten müssen.
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