Heute vor 88 Jahren: Mit der Heimholung des Sudetenlandes setzt Hitler seine Vereinigungspolitik fort. Die Westmächte geben klein bei. Ein Auszug aus COMPACT-Geschichte «Der Krieg, der viele Väter hatte». Als E-Paper hier herunterladen.

    _ von Gerd Schultze-Rhonhof

    Ab 1204 rufen böhmische Könige deutsche Bauern, Handwerker und Kaufleute zur Aufsiedlung und Entwicklungshilfe in ihr Land, wodurch die Randgebiete Böhmens und Mährens deutsch besiedelt werden und es über 700 Jahre bleiben. Die Deutschen sind dort, wie die Tschechen, Angehörige des Habsburger-Reiches. So ist es nur natürlich, dass sie sich nach der Zerschlagung der Donau-Monarchie zunächst Österreich zugehörig fühlen.

    Am 29. Oktober 1918, nach dem Untergang Österreich-Ungarns, rufen die Abgeordneten der deutschsprachigen Wahlkreise Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens die «Provinz Deutschböhmen» aus und teilen der Wiener Nationalversammlung und US-Präsident Wilson mit, dass die Provinz ein Teil Deutsch-Österreichs sein soll. Trotz des klaren Votums landen die Sudetendeutschen 1919 durch den Spruch der Siegermächte im sogenannten Staat der Tschechen und Slowaken.

    Sprengsatz Minderheitenpolitik

    Die Tschechoslowakei ist ein erst 1919 entstandener Kunststaat. Der Doppelname verschleiert, dass die zwei größten Völker zum einen die Tschechen mit 6,7 Millionen Bürgern und andererseits die Deutschen mit 3,1 Millionen Bürgern sind. Das Leben der Sudetendeutschen in «ihrem» neuen Staate erweist sich bald als unerfreulich. Staatsapparat, Polizei und Militär sind überwiegend tschechisch und spiegeln den Proporz der Völker in keiner Weise wider.

    Wirtschaft, Schulen und Verwaltung in den bis dahin rein und überwiegend deutsch bewohnten Städten und Gemeinden werden gegen den Willen der ansässigen Bevölkerung und auch gegen die Garantien der Verfassung mit Nachdruck tschechisiert. 354 deutsche Volksschulen und 47 Mittelschulen müssen schließen. Etwa 40.000 deutsche Staatsbeamte werden aus dem Dienst entlassen. Die deutschen Städte werden umgetauft und erhalten tschechische Namen. Alle deutschen Landerwerbungen seit 1620 werden enteignet und an den tschechischen Bevölkerungsanteil «zurückerstattet». Die Bestimmungen der Verträge von Saint-Germain und Trianon, die Tschechoslowakei zu einem Bundesstaat mit gleichen Rechten für alle Völker zu entwickeln, werden niemals umgesetzt.

    Die sudetendeutsche Frage

    In den 1920er und 1930er Jahren nimmt der Verdruss der Sudetendeutschen an Vorherrschaft und Selbstbedienung der Tschechen in ihrem neuen Staate stetig zu. 1933 gelingt es Konrad Henlein, die deutschsprachigen Bürger der Tschechoslowakei in einer Bewegung, die er Sudetendeutsche Heimatfront nennt, zu sammeln.

    Henlein erkennt die Tschechoslowakei als den Staat der Sudetendeutschen an, doch er versucht, die Kultur, das Heimatrecht, die wirtschaftliche Stellung und die Arbeitsplätze der deutschen Bevölkerung in ihrem neuen Staat zu erhalten und, wo nötig, durchzusetzen. Aus der Sudetendeutschen Heimatfront bildet sich alsbald die Sudetendeutsche Partei (SdP), die schon bei den Mai-Wahlen 1935 stimmenstärkste Partei im Lande wird. Sudetendeutsche und Slowaken drängen nun auf die in Saint-Germain versprochene innere Autonomie der Nationen im Vielvölkerstaat Tschechoslowakei.

    Deutsche Flüchtinge aus der Tschechoslo­wakei bei ihrer Ankunft im sächsischen Bärenstein im Erzgebirge, aufgenommen im September 1938. Foto: picture alliance / ZB

    Konrad Henlein, der im Herbst 1937 noch immer um die Zukunft der Deutschen innerhalb der Tschechoslowakei kämpft, schickt Staatspräsident Edvard Benesch ein förmliches Ultimatum mit der Aufforderung, die innere Autonomie der Sudetenlande zu erklären. Der Präsident würdigt Henleins Ultimatum nicht einmal einer Antwort. Da Henlein kein Gehör findet, richtet er am 19. November 1937 erstmals ein Ersuchen an Hitler, die deutsche Bevölkerung in der Tschechoslowakei zu unterstützen. Das ist der erste Hilferuf nach außen, der letzte Schritt vor der offiziellen Bitte, die Sudetengebiete dem Deutschen Reich anzugliedern.

    Die Wehrmacht und der Fall Grün

    Schon am 5. November 1937 weiht Hitler die Spitzen der Wehrmacht erstmals in seine Absicht ein, die Tschechei eines Tages zu erobern und, wie vor 1918, in das Deutsche Reich einzugliedern. Am 21. April 1938 gibt Hitler dem Oberkommando der Wehrmacht den Auftrag, die Möglichkeit eines Angriffs auf das Nachbarland als sogenannte Studie Grün zu untersuchen. Grün ist fortan der Tarnname der Wehrmacht für die Tschechoslowakei. Hitler lässt intern die Eroberung vorbereiten, verlangt nach außen und öffentlich jedoch nicht mehr, als dass die Staatsführung in Prag «die Sudetendeutschen anständig behandelt».

    Die britische Zeitung «Daily Express» berichtete am 30.9.1938 auf ihrer Titelseite über das Münchner Abkommen. Foto: Daily Express

    Im Februar 1938 bieten Regierungschef Milan Hodscha und Staatspräsident Benesch den Sudetendeutschen Zugeständnisse bei der Pflege und Anerkennung der deutschen Sprache und Kultur an, doch sie verbinden dieses Angebot mit einer scharfen Zurückweisung ihrer Forderung nach Autonomie der nicht tschechischen Nationen innerhalb des Staates.

    Die Anerkennung ihrer Sprache und Kultur ist jedoch nur das, was den Sudetendeutschen nach der Staatsverfassung ohnehin schon zugestanden hätte. Die deutsche Bevölkerung ist nun mit kulturellen Zugeständnissen allein nicht mehr zu gewinnen. Arbeitslosigkeit und materielle Not der vom tschechischen Staat in ihren eigenen Gebieten wirtschaftlich benachteiligten Deutschen verschärfen den Konflikt.

    Am 20. Februar 1938 äußert sich Hitler zum ersten Mal öffentlich zum Los der Sudetendeutschen. Er fordert in einer Reichstagsrede das von Amerika proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker auch für die Deutschen in Österreich und in der Tschechoslowakei. Hitler verlangt in seiner Februar-Rede vor dem Reichstag noch keinen Anschluss. Er gießt kein Öl ins Feuer.

    Die Daily Mail kommentiert den Zustand am 6. Mai 1938 in einem Leitartikel: «Die Deutschen sind ein sehr geduldiges Volk. Ich kann mir auch nicht einen Augenblick lang vorstellen, dass Großbritannien 20 Jahre lang ruhig zugesehen hätte, wie drei und eine halbe Million Briten unter der Knute eines durch und durch verabscheuten Volkes lebten, das eine fremde Sprache spricht und eine völlig verschiedene nationale Weltanschauung hat. Soweit ich meine Landsleute kenne, wären sie nach wenigen Jahren gegen eine solche Vergewaltigung eingeschritten.»

    Die Zuspitzung der Sudetenkrise

    Ab dem 24. April 1938 entwickelt die Sudetenfrage ihre eigene Dynamik. Henlein verkündet auf einem Parteitag der SdP in Karlsbad einen Forderungskatalog an die Prager Regierung. Er verlangt die volle Gleichberechtigung der deutschen Volksgruppe mit der tschechischen, die deutsche Selbstverwaltung, den gesetzlichen Schutz für die Deutschen und die volle Freiheit des Bekenntnisses zum deutschen Volkstum. Er verlangt damit noch keinen Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich.

    Kaum dass das Karlsbader Programm verkündet worden ist, verlangen die Slowaken, die Polen und die Ungarn in der Tschechoslowakei die gleiche Autonomie für sich. England und Frankreich drängen nun die Regierung in Prag, mit den Sudetendeutschen zu verhandeln. Doch Henlein geht jetzt nicht mehr darauf ein. Im Mai 1938 werden bei Übergriffen drei Sudetendeutsche getötet und 130 verletzt, viele davon schwer. Dazu kommen 40 Überfälle mit Misshandlungen von sudetendeutschen Bürgern in der Tschechoslowakei.

    Präsident Benesch macht am 20. Mai die Armee mobil und ruft 180.000 Reservisten zu den Waffen mit der Begründung, Deutschland habe zuvor mobilgemacht. Das tschechische Kriegsministerium ergänzt, die deutsche Wehrmacht sei bereits mit acht bis zehn Divisionen auf dem Marsch zur Tschechoslowakei. Doch beide Nachrichten sind falsch. Benesch hat versucht, die Briten, Russen und Franzosen durch diesen Schachzug für sich und gegen Deutschland einzunehmen.

    Antideutsche Hetze

    «Der Deutsche als Feind der Menschheit kann das Recht auf Selbstbestimmung nicht nach seinen egoistischen Bedürfnissen wahrnehmen. (…) Es sind die Slawen, auf deren Kosten sich der Deutsche ausgebreitet hat, und dieses Unrecht muss nach der Meinung der Menschheit wiedergutgemacht werden, d.h. das deutsche Volk muss dieses Territorium seinen rechtmäßigen Eigentümern herausgeben. (…) Die in unserem Staat lebenden Deutschen bilden keine historisch-politische Individualität, welche allein der Träger des Rechtes auf Selbstbestimmung sein kann. Es sind dies ursprünglich Kolonisten (…).» (Josef Stehule, tschechischer Jurist, Der tschechoslowakische Staat im internationalen Recht, 1919; zit. bei ODSUN: Die Vertreibung der Sudetendeutschen, München 2000.)

    Am 8. August 1938 entsendet die britische Regierung eine Kommission unter Sonderbotschafter Walter Runciman nach Prag, um dort den Stand der sudetisch-tschechischen Differenzen zu ermitteln. Lord Runciman erfährt sehr schnell, dass ein Ausgleich zwischen Tschechen und Sudetendeutschen nicht mehr möglich ist. Sein Bericht vom 21. September 1938 fällt vernichtend für die Tschechen aus. Er gibt Henlein zwar die Alleinschuld für den letzten Abbruch der Gespräche. Doch er schreibt auch:

    «Mein Eindruck ist, dass die tschechische Verwaltung im Sudetengebiet, wenn sie auch in den letzten 20 Jahren nicht aktiv unterdrückend und gewiss nicht «terroristisch» war, dennoch einen solchen Mangel an Takt und Verständnis und so viel kleinliche Intoleranz und Diskriminierung an den Tag legte, dass sich die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung unvermeidlich zu einem Aufstand fortentwickeln musste.» Runciman schließt mit der Empfehlung, die Grenzbezirke mit überwiegend deutscher Bevölkerung unverzüglich von der Tschechoslowakei zu trennen und Deutschland anzugliedern.

    Die Regierungen in London und Paris warnen nun zwar die Reichsregierung in Berlin vor einem Gewaltakt zugunsten der Sudetendeutschen. Doch beide stellen intern fest, dass sie für einen Krieg nicht gerüstet sind, und London lehnt es ab, eine Garantieerklärung für die Tschechoslowakei abzugeben.

    Chamberlains erster Vermittlungsversuch

    Premierminister Neville Chamberlain sieht realistisch, dass die Ereignisse auf einen Krieg zutreiben, der die Briten gegen ihren Willen auf die Seite der Tschechen zwingen würde. In dieser Lage versucht er, zu retten, was zu retten ist. Er bietet Hitler an, gemeinsam mit ihm eine friedliche Lösung der anstehenden Probleme zu suchen. Am 15. September sucht Chamberlain Hitler in Berchtesgaden auf. Hitler fordert nicht weniger und nicht mehr als die von einer deutschen Mehrheit bewohnten Grenzgebiete für das Reich und für umstrittene Bezirke eine Volksabstimmung. Der deutsche Kanzler kündigt an, er werde die Probleme der Sudetendeutschen in Bälde «so oder so aus eigener Initiative lösen». Chamberlain versteht die Drohung dieser Worte. «So oder so» bedeutet bei Hitler: Einlenken der Gegenseite oder Einmarsch der Wehrmacht in die Tschechoslowakei. Chamberlain sagt Hitler zu, die Frage des Selbstbestimmungsrechts für die Sudetendeutschen sofort mit seinem Kabinett in London zu beraten und dann baldmöglichst zu einem zweiten Gespräch nach Deutschland zurückzukommen.

    Großbritanniens Premierminister Neville Chamberlain hält nach seiner Rückkehr aus München eine Ansprache, in der er erklärt: «Ich glaube, es ist der Friede für unsere Zeit. (…) Nun gehen Sie nach Hause und schlafen Sie ruhig und gut.» Foto: Everett Historical / Shutterstock.com

    Der britische Premier, der ohne Mandat der Tschechen verhandelt, kann deren Einverständnis zu Henleins und Hitlers Anschlussforderung nicht erreichen. Hitler sagt Chamberlain jedoch zumindest zu, dass die Wehrmacht solange nicht marschiert, wie die deutsch-englischen Gespräche laufen. Am 19. September fordern die englische und die französische Regierung die tschechische auf, selbst und auf eigenen Entschluss mit oder ohne Volksabstimmung die Gebiete mit mehr als 50 Prozent sudetendeutscher Bevölkerung an das Deutsche Reich zu übergeben.

    Am 20. September, um 20 Uhr, übermittelt der tschechische Außenminister Kamil Krofta den Botschaftern Englands und Frankreichs die Prager Antwort: Die Regierung der Tschechoslowakei lehnt ab, die Sudetenlande abzutreten. Doch schon zwei Stunden später schwenkt Ministerpräsident Hodscha ein und lässt Paris und London übermitteln, dass die man zum Nachgeben bereit ist, wenn die britische Regierung keine Unterstützung für den Fall eines Krieges zusagt. Der Weg ist nun frei für weitere Gespräche zwischen Chamberlain und Hitler. Dieser wenig formelle Akt des Akzeptierens am 21. September wird in der Geschichtsschreibung bisweilen als Prager Abtretung bezeichnet.

    Indessen sucht auch der tschechische Staatspräsident Benesch eine Lösung, allerdings in seinem Sinne. Er schlägt dem französischen Präsidenten Édouard Daladier vor, böhmische Landesteile mit 800.000 bis 900.000 Sudetendeutschen an Deutschland abzutreten und dafür 1,5 bis 2 Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei nach Deutschland umzusiedeln. Als sein Plan nicht auf Gegenliebe stößt, fragt er am 19. September in Moskau an, ob ihn die Sowjetunion in einem Krieg gegen Deutschland unterstützen würde. Doch auch dieser Plan schlägt fehl.

    Hitlers Ultimatum

    Am 22. September treffen sich Chamberlain und Hitler ein zweites Mal, diesmal in Bad Godesberg bei Bonn. Der Brite berichtet dem deutschen Staatschef von der nur mit Druck und Mühen erreichten Annahme des englisch-französischen Plans durch die Prager Regierung. Er rechnet nun mit Hitlers Dank, doch der schiebt zu seiner Bestürzung noch zwei neue Forderungen nach. Er verlangt die gleichen Regelungen für die ungarische und die polnische Minderheit sowie die sofortige Besetzung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Zonen durch die Wehrmacht innerhalb von nur vier Tagen.

    Dass die zweite Forderung des deutschen Kanzlers nicht ganz unberechtigt ist, erweist sich noch während der Gespräche. In Prag wechselt die Regierung. Am zweiten Konferenztag um 22:30 Uhr verkündet das neue Kabinett die allgemeine Mobilmachung und ruft 1,5 Millionen Soldaten zu den Waffen. Nun ist klar, dass die Tschechen den französisch-englischen Plan nicht mehr akzeptieren werden.

    Grafik: COMPACT

    In den Folgetagen steht Europa am Rande eines neuen Krieges. Die deutsche Wehrmacht ist mit sieben Divisionen aufmarschiert. Die tschechische Regierung lehnt Hitlers Forderungen – besonders wegen der verlangten Volksabstimmung – ab und bringt das Heer mit Reservisten auf 43 Divisionen. Hitler beharrt darauf, dass die tschechische Regierung seine Godesberger Forderungen bis zum 28. September akzeptiert. Andernfalls – so seine Drohung – werde die Wehrmacht die Sudetengebiete am 1. Oktober 1938 mit Gewalt besetzen.

    Die Münchner Konferenz

    Dank der Vermittlung des italienischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini kommt es am 29. und 30. September 1938 dann doch zu einer Lösung. Hitler lädt die Regierungschefs aus Rom, Paris und London nach München ein. Die Prager Regierung wird von London informiert, aber nicht von Hitler eingeladen. Der «Führer» will mit der Regierung, die den Sudetendeutschen keine Freiheit geben wollte, nicht verhandeln. Es folgen zwei Tage harten Ringens. Am 30. September 1938 frühmorgens ist der Vertrag formuliert und unterschrieben. Die wesentlichen Punkte dieses nach dem Tagungsort benannten Münchner Abkommens lauten:

    • Die Räumung der vorwiegend deutsch bewohnten Sudetengebiete beginnt am 1. Oktober und ist bis zum 10. Oktober 1938 abzuschließen.
    • Ein internationaler Ausschuss unter tschechischer Beteiligung bestimmt zusätzliche Gebiete, in denen die spätere Zugehörigkeit durch eine Volksabstimmung geklärt wird.
    • Ein Optionsrecht für Tschechen und Sudeten innerhalb von sechs Monaten stellt einen freiwilligen Bevölkerungsaustausch sicher.

    Dieses Münchner Abkommen der vier Mächte wird den Tschechen mit der dringenden Empfehlung eröffnet, es unverzüglich anzunehmen. Bis zum 10. Oktober 1938 werden die Sudetengebiete mit zirka drei Millionen Deutschen dem Deutschen Reich angeschlossen. Damit sind der Wählerwille und das Selbstbestimmungsrecht der Bürger in der 1918 ausgerufenen Provinz Deutschböhmen mit 20-jähriger Verzögerung doch noch eingelöst worden.

    Das Münchner Abkommen von 1938 wird nach dem Zweiten Weltkrieg annulliert, und es dient den Tschechen und den Siegermächten, die Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer angestammten Heimat und die Dekrete des Ministerpräsidenten Benesch zu begründen. Das Abkommen wird dabei im Nachhinein zur Ursache der Vertreibung und der Dekrete umgedeutet. Doch es ist nicht die eigentliche Ursache für die Verbrechen der Tschechen an den Deutschen im Jahre 1945, sondern bereits die Auswirkung der Wortbrüche, Diskriminierungen, Vergehen und Verbrechen der Tschechen an «ihren» Deutschen seit 1918.

    COMPACT-Geschichte Nr. 4: Der Krieg, der viele Väter hatte, Schultze-Rhonhof

    Mussolini, Daladier und Chamberlain setzen ihre Unterschriften in München nicht allein unter den Vertrag, um die Kriegsgefahr zu bannen. Sie unterzeichnen dieses Abkommen über die Köpfe der Tschechen hinweg auch deshalb, weil sie nur zu gut wissen, dass die Tschechen sich die Gebiete der Sudetendeutschen 1918 und 1919 ohne Rechtstitel, unter falschen Angaben über die Siedlungsgebiete der Sudetendeutschen und mit der Gewalt der Waffen angeeignet haben. Sie haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Tschechen den Slowaken, den Deutschen und Ungarn die in Saint-Germain versprochenen und in der Verfassung von 1920 festgeschriebenen Minderheitenrechte niemals zugestanden haben.

    Bemerkenswert ist noch Punkt 2 des Münchner Abkommens. Dort heißt es: «Das Vereinigte Königreich, Frankreich und Italien vereinbaren, dass die Räumung des Gebiets bis zum 10. Oktober vollzogen wird.» Hier ist Deutschland nicht erwähnt! Nur die drei Siegermächte des Ersten Weltkriegs vereinbaren die Räumung des Sudetenlandes mit der Tschechoslowakei, weil nur sie es sind, die den Tschechen die Rechte an den deutschen Gebieten wieder aberkennen können, die sie ihnen im November 1918 unter falschen Voraussetzungen zugesprochen hatten.

    War Deutschland allein schuld? In COMPACT-Geschichte «Der Krieg, der viele Väter hatte» widerlegt Generalmajor a. D. Gerd Schultze-Rhonhof diese einseitige Sichtweise mit klaren Fakten und Argumenten. Als E-Paper hier herunterladen.

    Kommentare sind deaktiviert.