Die Empörung über den FAZ-Journalisten Martens, der sich öffentlich darüber Gedanken machte, was man unternehmen könne, um möglichst viele russische Soldaten zu töten, ist weiterhin greifbar. Jetzt hat Moskau ihn auf die internationale Fahndungsliste gesetzt. Wohin solche Hass-Statements führen, legen wie in unserem Spezial-Heft „Krieg gegen Russland“ dar. Hier mehr erfahren.

    Moskau hat Michael Martens, Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, auf die internationale Fahndungsliste gesetzt. Er wurde in Russland nach seinen Worten über das Töten von Russen in Abwesenheit angeklagt. Das geht aus einer Berichterstattung der russischen Nachrichtenagentur Tass hervor. Wörtlich heißt es dort:

    „Die russischen Strafverfolgungsbehörden haben Martens zur Festnahme und Auslieferung an die Russische Föderation auf die internationale Fahndungsliste gesetzt.“

    Darüber hinaus wurde Martens wegen Aufstachelung zu Hass angeklagt. Grundlage ist Paragraf 282 Absatz 2 des russischen Strafgesetzbuches. Ihm drohen damit bis zu sechs Jahre Haft.

    Am 8. August hatte der FAZ-Journalist auf einer Pressekonferenz von Wladimir Selenski und dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić in Belgrad gefragt, was europäische Länder tun könnten, um „mehr Russen zu töten“. Daraufhin wurde eine Online-Petition gestartet, die die Entlassung des Journalisten forderte. Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, bezeichnete Martens’ Aufruf zur Ermordung von Russen als inakzeptabel und kriminell.

    Der Fall zieht weite Kreise. Wie die russische Botschaft in Serbien gegenüber RIA Novosti erklärte, stellt die Frage des deutschen Journalisten an Selenski eine unmoralische Handlung sowie einen Aufruf zu illegalen Handlungen und eine direkte Bedrohung für russische Staatsbürger dar.

    Die Pressestelle der FAZ hatte mitteilen lassen, die Frage ihres Mannes sei missverständlich formuliert gewesen. Dies bedauere man. Es sei nicht die redaktionelle Linie des Blattes, „Diffamierungen und Drohungen“ gegen ihren Korrespondenten aber seien „inakzeptabel“ Zur Pressefreiheit gehöre das Recht, Fragen zu stellen, gerade auf einer Pressekonferenz.

    Halbherziger Erklärungsversuch

    Martens selbst hatte sich nach Kritik damit gerechtfertigt, bei der Frage habe es sich um eine Anspielung auf ein Zitat von Winston Churchill gehandelt. Der damalige britische Premierminister soll die Entscheidung über die Unterstützung der jugoslawischen Widerstandsgruppen im Zweiten Weltkrieg auf eine militärische Frage zugespitzt haben: „Wer tötet die meisten Deutschen, und wie können wir ihnen helfen, noch mehr zu töten?“

    Auf Change.org, der weltweit größte Online-Petitionsplattform, gibt es eine Petition, die die Entlassung des FAZ-Journalist verlangt. Die Forderung hatte binnen weniger Stunden nach Einstellung mehr als 2.000 Unterzeichner gefunden und liegt jetzt bei knapp 7.000. Einleitend notiert der Initiator dort: „Ein Journalist, der den ukrainischen Präsidenten fragt, was „wir Europäer“ tun könnten, um beim Töten weiterer russischer Soldaten zu helfen, überschreitet für mich die Grenze zwischen kritischem Journalismus und persönlicher Parteinahme.“ Und weiter:

    „Zwischen Russland und der Ukraine finden militärische Kampfhandlungen statt. Unabhängig von der politischen Bewertung dieses Konflikts muss es möglich sein, die Sprache und das Rollenverständnis eines deutschen Journalisten kritisch zu hinterfragen.“

    Denn: „Ein Journalist sollte die politischen und militärischen Verantwortlichen kritisch befragen, sich aber sprachlich nicht selbst zum Teil einer Kriegspartei oder einer militärischen Zielsetzung machen.“

    Journalismus müsse gerade in Kriegszeiten kritisch, sachlich und unabhängig bleiben. Die Aufgabe eines Journalisten bestehe darin, Fragen zu stellen und politische Entscheidungen zu hinterfragen – nicht darin, sich sprachlich mit dem militärischen Ziel einer Konfliktpartei gemeinzumachen, heißt es weiter. Und dann: „Ich fordere die Chefredaktion und die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf, sich unmissverständlich von dieser Formulierung zu distanzieren, personelle Konsequenzen zu ziehen und die Zusammenarbeit mit Michael Martens zu beenden.“ Hier kann die Petition gezeichnet werden.

    Wohin solche Hass-Statements führen, legen wie in unserem Spezial-Heft „Krieg gegen Russland“ dar. Hier bestellen.

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