Heute vor 240 Jahren starb auf Schloss Sanssouci Friedrich der Große. Er zählt zu den bedeutendsten Gestalten der deutschen Geschichte. Für Preußen-Kenner Joachim Fernau war er der „größte Herrscher, Feldherr, Staatsmann und Organisator, den Deutschland seit dem Ende des Mittelalters bis auf den heutigen Tag gehabt hat“. Sein Lebensbild malen wir in unserem Geschichtsheft „Preußens Glanz. Tugend, Schwert und Krone“. Sehr empfehlenswert! Hier mehr erfahren.
Als Friedrich am 24. Januar 1712 im Berliner Schloss geboren wurde, sollte er der älteste überlebende Sohn von insgesamt 14 Kindern des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dessen Gemahlin Sophie Dorothea von Hannover werden. Mehrere ältere Brüder waren bereits im Säuglingsalter verstorben, Friedrich hingegen erreichte am Ende das für damalige Zeiten stolze Alter von 74 Jahren.
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COMPACT unterstützenWissenschaft und Bildung im Fokus
Sein Großvater Friedrich I. hatte zwar die Königskrone für die Hohenzollerndynastie erworben und war als eifriger Förderer von Wissenschaft und Kunst in die Geschichte eingegangen, doch durch seine Verschwendungssucht hatte er den preußischen Staat fast vollständig ruiniert.
Der schlechte Zustand der Armee machte Preußen zudem von der Willkür der benachbarten Großmächte abhängig. Verstärkt wurde dies durch die ungünstige geografische und geopolitische Lage Preußens, das einem Flickenteppich getrennter und unterschiedlich entwickelter Territorien glich. Doch schon ein Jahr nach der Geburt des jungen Friedrich änderte sich die Situation, denn 1713 starb Friedrich I., und dessen völlig anders gearteter Sohn Friedrich Wilhelm I. übernahm die Herrschaft in Preußen.
Innerhalb kürzester Zeit senkte er die Kosten für den Hofstaat auf rund 20 Prozent, förderte Wissenschaft und Bildung und baute die Armee aus. So sollte der „Soldatenkönig“ seinem Sohn Friedrich 1740 eine starke und schlagkräftige Armee von 80.000 Mann – die viertgrößte Europas – und einen Staatsschatz von fast 10 Millionen Talern, einen zuverlässigen Beamtenapparat sowie eine um beinahe ein Drittel angewachsene Bevölkerung hinterlassen.
Die Sparsamkeit und Disziplin Friedrich Wilhelms I. betrafen aber nicht nur die Bürger Preußens und den Hofstaat, sondern auch die königliche Familie, denn der Soldatenkönig sparte auch hier. Nur in zwei Bereichen erwies er sich als großzügig: beim Militär und den Investitionen in langfristige Wirtschaftsprojekte, beispielweise der Ansiedlung von Salzburger Protestanten in Ostpreußen.
Davon sollte noch Friedrich der Große profitieren. In jungen Jahren jedoch hatte dieser, ähnlich wie sein Großvater, einen gewissen Hang zum Verschwenderischen, musste sich dem Diktat seines Vaters unterwerfen, was ihn später allerdings auch in die Lage versetzen sollte, seine politischen, wirtschaftlichen und militärischen Pflichten zu erfüllen.
Sehr zum Missfallen des Familienoberhauptes pflegte er zunächst aber vor allem schöngeistige, musische und künstlerische Interessen. In bestimmten Bereichen – Militär, Geschichte, Verwaltung und Wirtschaft – wurde er hingegen von seinem Vater gefördert. Zusätzlich bildete er sich mit Hilfe seines Erziehers, des Hugenotten Duhan de Jandun, in Philosophie, Musik und Baukunst weiter. Gemeinsam mit diesem trug Friedrich eine Bibliothek von fast 4.000 Bänden zusammen, meist französische Werke über Staatslehre und Philosophie, darunter auch die Schriften Voltaires, mit dem Friedrich im Laufe der Zeit intensiv korrespondieren und ihn später auch zeitweise an den Hof nach Sanssouci holen sollte.
Folgenschwerer Fluchtversuch
War Friedrich in den ersten Jahren seines Lebens zusammen mit seiner älteren Lieblingsschwester Wilhelmine von einer nur französisch sprechenden Gouvernante betreut worden, hatte er später die strenge sowie autoritär und religiös geprägte Erziehung nach Vorgaben seines Vaters zu erdulden.
Der Dissens verschärfte sich, als der Kronprinz im Jahr 1728 begann, Flötenunterricht bei Johann Joachim Quantz zu nehmen, was Friedrich Wilhelm untersagte. Immer wieder gerieten sie aneinander, wobei der Vater ihn auch als „weibisch“ beschimpfte. Nicht selten rutschte Friedrich Wilhelm zudem die Hand aus. Friedrich knüpfte in dieser schwierigen Zeit Freundschaft mit dem ebenfalls musisch veranlagten und acht Jahre älteren Leutnant Hans Hermann von Katte, der bald zu seinem engsten Vertrauten zählen sollte. Jenem eröffnete er im Frühjahr 1730 auch seinen Plan, nach England zu fliehen.

Die Sache wäre ohne weitere Folgen geblieben, hätte den Pagen nicht die Reue gepackt. So vertraute sich Keith dem König an, der Katte als Mitwisser in Berlin verhaften ließ, während Friedrich auf die Festung Küstrin verbracht wurde und wegen Fahnenflucht angeklagt werden sollte. Katte sollte zunächst nur mit lebenslanger Festungshaft bestraft werden, doch Friedrich Wilhelm I. intervenierte und ließ den Schuldspruch per Kabinettsorder in ein Todesurteil umwandeln. Friedrich hatte der Exekution Kattes am 6. November 1730 beizuwohnen, so die Forderung des Vaters. Doch noch vor der Vollstreckung fiel der Kronprinz in Ohnmacht, so dass ihm der Anblick erspart blieb.
Der Weg zurück
Zu seiner eigenen Rehabilitierung hatte sich Friedrich von 1731 bis 1732 an der Kriegs- und Domänenkammer zu bewähren. Hier lernte er viel Praktisches über Wirtschaft und Verwaltung und konnte die Beamten ebenso wie seinen Vater durch sein Können und seinen Fleiß überzeugen.
1732 wurde der Kronprinz auch wieder in die Armee aufgenommen und bekam ein Regiment im nördlich von Berlin gelegenen Ruppin. Nachdem er im selben Jahr einer Heirat mit der von seinem Vater bevorzugten, von ihm jedoch abgelehnten Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern, der Tochter Herzog Ferdinand Albrechts II. von Braunschweig, zugestimmt hatte, galt er in den Augen Friedrich Wilhelms I. als vollständig rehabilitiert. Friedrich und die ungeliebte Elisabeth Christine heirateten schließlich am 12. Juni 1733 auf Schloss Salzdahlum. Die Ehe sollte kinderlos bleiben.
1736 erhielt Friedrich von seinem Vater ein herrschaftliches Gut bei Rheinsberg, nördlich von Berlin gelegen, wo er mit oder neben Gemahlin fortan lebte. Dort konnte er sich intensiv seinen musischen und geistigen Interessen widmen. So komponierte Friedrich in Rheinsberg seine erste Sinfonie.

Auch die Beziehung Friedrichs zu Voltaire begann zu dieser Zeit, genauer gesagt im August 1736, mit einem Brief des jungen Kronprinzen an den Dichter, in dem er dem damals schon berühmten französischen Aufklärer seine Ehrerbietung erwies. Durch Voltaire inspiriert, verfasste Friedrich im Jahr 1739 schließlich den Antimachiavell, der seinen späteren Ruf als Philosoph auf dem Königsthron begründen sollte.
Friedrich ließ Schloss Rheinsberg durch die Baumeister Johann Gottfried Kemmeter und Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff erweitern und umfangreich ausbauen, so dass es heute als Musterbeispiel des friderizianischen Rokokos und als Vorlage für Schloss Sanssouci in Potsdam gilt.
Friedrich sah sich selbst als erster Diener des Staates. In seinem Politischen Testament schreibt er dazu: „Die erste Bürgerpflicht ist, seinem Vaterlande zu dienen. Ich habe sie in allen verschiedenen Lagen meines Lebens zu erfüllen gesucht. Als Träger der höchsten Staatsgewalt hatte ich die Gelegenheit und die Mittel, mich meinen Mitbürgern nützlich zu erweisen.“
Als Sachwalter des Gemeinwohls führte Friedrich denn auch wohlfahrtsstaatliche Reformen durch, die die größten sozialen Missstände beseitigen sollten. Gleich nach seiner Regierungsübernahme bemühte er sich um die Abschaffung der Folter und eine deutliche Abmilderung des Strafenkatalogs. Auch sein Bestreben, die Ungleichheit vor dem Gesetz zu minimieren, folgte den Prinzipien der Aufklärung und zeichnete sich durch die höheren Staatszwecke, den Bürgern Rechtssicherheit zu gewähren und somit das allgemeine Wohl zu fördern, aus.
Der zu dieser Zeit bereits existierende Journalismus sollte durch Friedrichs Reformen ebenfalls einen gewaltigen Aufschwung erfahren, da der König die freie Meinungsäußerung und später auch die Pressefreiheit gestattete. Der große Preußenkönig wollte, dass ein jeder «nach seiner Façon selig werden» sollte.
Stratege und Feldherr
Das Königreich sah sich hingegen eingekreist, von Russland und Frankreich, Schweden und Österreich, alle an Bevölkerungszahl, territorialer Größe und Wirtschaftskraft überlegen. So schrieb Friedrich der Große in seinem Politischen Testament: „Wie Ihr seht, macht uns diese geographische Lage zu Nachbarn der größten europäischen Herrscher. Alle diese Nachbarn sind ebenso viele Neider oder geheime Neider unserer Macht.“
Ansprüche auf Schlesien hatten die Hohenzollern seit den Tagen des Großen Kurfürsten immer wieder geltend gemacht. Als die Habsburger am 20. Oktober 1740 mit Kaiser Karl VI. im Mannesstamm ausstarben, bestieg dessen Tochter Maria Theresia den Thron in Wien. Das wollte Preußen, ebenso wie Sachsen und Bayern, nicht ohne Weiteres anerkennen. Schlesien, die reichste Provinz Österreichs, die eine gemeinsame Grenze zu Preußen besaß, geriet ins Blickfeld Friedrichs.
Am 16. Dezember 1740 marschierten preußische Truppen in Schlesien ein und wurden von der überwiegend protestantischen Bevölkerung freudig begrüßt. Alle hofften auf einen schnellen Frieden, da Österreich auch Sachsen, Bayern und Frankreich gegen sich hatte. Der Konflikt aber weitete sich zum Österreichischen Erbfolgekrieg aus. Friedrich sicherte sich im Separatfrieden von Breslau 1742 die Abtretung Schlesiens und schied aus der Koalition gegen Habsburg aus, doch wegen bayerisch-französischer Niederlagen sah er sich gezwungen, wieder in den Kampf einzugreifen.
In der Folgezeit kehrten sich die Allianzen um: Russland trat ein in ein Bündnis mit Österreich, Frankreich, Sachsen, Schweden und zahlreichen deutschen Kleinstaaten. Wegen seines strategischen Genies in den folgenden Schlachten sollte Friedrich den Beinamen „der Große“ erhalten.

Als Feldherr siegte er in Schlachten von Lobositz (1756) bis Burkersdorf (1762). Dreimal unterlag er: Kolin (1757), Hochkirch (1758) und Kunersdorf (1759). Zwei kleinere Armeen – in Pommern gegen Schweden, in Ostpreußen gegen Russen – führten gegen weit überlegene feindliche Kräfte den Verteidigungskrieg, was mit Unterstützung der Bayern gegen Schweden, nicht aber gegen Russland gelang.
Im Süden hatte es Friedrich nun auch mit nach Thüringen vorrückenden französischen Truppen und der Reichsarmee zu tun. Doch bei Roßbach gelang der Sieg, ebenso gegen die Österreicher bei Leuthen. Ein Friedensschluss war durch das Vorrücken der russischen Truppen jedoch noch immer unmöglich. Während der folgenden Abwehrschlachten bis 1759 machte Friedrich mehrfach Friedensvorschläge, die allesamt abgelehnt wurden.
Nach der Schlacht von Kunersdorf stand Preußen militärisch vor dem Abgrund. Noch am selben Abend schrieb Friedrich an Minister Graf Finck von Finckenstein: „Alles flieht, und ich bin nicht mehr Herr meiner Leute. (…) Ich habe keine Hilfsmittel mehr, und ich muss gestehen, dass ich alles für verloren halte. Den Untergang meines Staates vermag ich nicht zu überleben. Adieu für immer. Doch statt auf Berlin zu marschieren, zögerten Österreicher und Russen zwei Wochen, bis sie schließlich ostwärts abrückten. Friedrich sprach erleichtert vom «Mirakel des Hauses Brandenburg.“ Doch erst der Tod von Zarin Elisabeth im Jahr 1762 rettete ihn vor dem Untergang. Ihr Nachfolger Peter III. kündigte das Bündnis mit Österreich und schloss noch im selben Jahr einen Separatfrieden mit Preußen.
Im Frieden von Hubertusburg am 15. Februar 1763 wurde schließlich der Status quo ante bellum wiederhergestellt. Maria Theresia entsagte allen Gebietsansprüchen gegenüber Preußen, und Preußen verzichtete auf Entschädigungen für Verluste während des Krieges. Bei Friedrich, immer selbst an der Front, sollte der Krieg tiefe Spuren hinterlassen. Er hatte die Leiden und Strapazen der einfachen Soldaten am eigenen Leib erfahren.
Die „vollkommende Uneigennützigkeit“
Friedrich II. war nicht nur derjenige, der Preußen auf dem Felde zur europäischen Großmacht führte, er schuf als Staatsmann und Reformer auch einen fortschrittlichen Rechtsstaat, der zur damaligen Zeit einzigartig war. Er führte weitere Reformen durch, die die größten Missstände des Hochabsolutismus beseitigten. Seinen Arbeitseifer beschreibt Joachim Fernau höchst anschaulich in seinem grandiosen Werk Sprechen wir über Preußen: „Es prasselte Verordnungen, dass den Beamten Hören und Sehen verging. Er sah alles, hörte alles und bildete sich ein, alle Welt stünde ebenfalls um vier Uhr nachts auf. Es herrschte ein Tempo, dass es dem Ausland den Atem verschlug.“ Pflichtbewusstsein bis zur Selbstaufgabe spricht aus Friedrichs eigenen Worten: „Es ist nicht nötig, dass ich lebe, wohl aber, dass ich meine Pflicht tue.“
Mit seiner merkantilistischen Wirtschaftspolitik ebenso wie mit der inneren Kolonisation wollte der König dem Gemeinwohl dienen und Land und Volk zum Erblühen bringen. Preußen war die Wiege einer in den Staat integrierten Wirtschaft im Dienste des Volkes. Friedrich warb mit Augenmaß Fachkräfte aus anderen deutschen Nachbarstaaten an, um bestehende Mängel ausgleichen zu können.
Die erste polnische Teilung 1772 brachte dem preußischen Staat die zu fast 70 Prozent mit Deutschen besiedelte Provinz Westpreußen (ohne Danzig) und damit die Landbrücke zwischen Pommern und Ostpreußen. Dadurch konnte die landwirtschaftliche Nutzfläche Preußens – nach der Trockenlegung der Netze- und Warthebrüche und des Oderbruches – noch einmal erheblich vergrößert werden. Für die polnischen Bauern erwies sich die Zugehörigkeit zum preußischen Staat als Segen, lebten sie doch nun in einem Rechtsstaat und waren weitgehend vor der üblichen sklavenähnlichen Unterdrückung durch die polnische Aristokratie sicher.
Ohne Pomp, ohne Prunk
Rechtsstaatlichkeit, Volkswohlfahrt, wirtschaftliche Solidität, Bildung und Aufklärung, stiller Dienst an der Gemeinschaft und vornehme Zurückhaltung, das waren die Grundzüge der Herrschaft Friedrichs des Großen – und die Prinzipien, nach denen er selbst gelebt hat. Dies spricht auch aus dem Testament Friedrichs. Darin bestimmte er: „Ich habe als Philosoph gelebt und will als solcher begraben werden, ohne Pomp, ohne Prunk und ohne die geringsten Zeremonien.» Und zwar in Sanssouci.“
So starb Friedrich der Große am 17. August 1786 auf Schloss Sanssouci in seinem Sessel. Sein letzter Wille wurde zunächst nicht erfüllt, ließ ihn sein Neffe und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. doch in der Potsdamer Garnisonkirche beisetzen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs 1944 wurde der Sarg in die Elisabethkirche nach Marburg verbracht, 1952 dann in die Kapelle der Burg Hohenzollern in Württemberg. Am 17. August 1991 wurde der letzte Wille des Königs schließlich erfüllt und sein Sarg wieder nach Potsdam überführt, um dort in der von ihm hergerichteten Gruft beerdigt zu werden.
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