Thaïs d’Escufon zählt zu den bekanntesten Gesichtern der identitären Bewegung in Frankreich. Schon seit einiger Zeit sieht sich die 26-Jährige Zensurversuchen und Repressionen ausgesetzt – in Social Media aber auch im analogen Leben. Wir haben uns mit ihr darüber unterhalten, wie diese Mechanismen funktionieren – und wie sie sich dagegen wehrt. Den Einfluss von Politik, NGOs und Geheimdiensten auf westliche Medien enthüllt Thomas Röper in seinem Aufklärungswerk «Gesteuerte Wahrheit», über das Sie hier mehr erfahren.
_ Thaïs d’Escufon im Gespräch mit Matisse Royer
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COMPACT unterstützenDein politisches Engagement begann mit 18 Jahren bei der Génération Identitaire. Was hat Dich in diesem Alter dazu bewogen, den Schritt in den Aktivismus zu gehen, und was wolltest Du damals erreichen?
Mein Engagement speiste sich sowohl aus meinem familiären Hintergrund als auch aus einem persönlichen Schlüsselerlebnis. Ich bin in einer katholischen, französischen, politisch rechts stehenden Familie mit adligem Hintergrund aufgewachsen. Schon früh wurde mir eine innige Liebe zu Frankreich vermittelt, begleitet von den Erzählungen über bedeutende Vorfahren, die die Geschichte unseres Landes mitbestimmt haben. Ich fühlte mich meinem Land persönlich verbunden. Die Verbundenheit mit unseren Regionen, unserer Kultur und unserer Zivilisation war für mich stets selbstverständlich. Es erfüllte mich mit Stolz, zu diesem großen Volk zu gehören.
Ich hatte jedoch den Eindruck, dass diese Selbstverständlichkeit infrage gestellt wurde, als ich mein Studium an der Universität Le Mirail in Toulouse begann. Dort befand ich mich an einer stark links geprägten Hochschule in einem Stadtviertel, das nach meiner Wahrnehmung erheblichen demografischen Veränderungen unterlag und als Ausgangspunkt zahlreicher Ausreisen aus Frankreich zum Dschihad bekannt war. Meine politischen Ansichten waren dort eindeutig in der Minderheit. Unter diesen Umständen war es kaum möglich, meine Überzeugungen offen zu äußern, ohne unmittelbar zur Zielscheibe von Antifa-Aktivisten zu werden.
Ich erlebte die gesellschaftlichen Veränderungen meines Landes sehr konkret. Oft war ich die einzige junge weiße Französin in einem U-Bahn-Waggon. Das prägte mich zutiefst. Ich hatte das Gefühl, dass meine eigene Existenz und das, wofür sie für mich stand, nicht mehr selbstverständlich waren. Ich empfand mich zunehmend als Fremde im eigenen Land.
Mit 18 Jahren entschied ich mich deshalb, der Génération Identitaire beizutreten. Dort traf ich junge Menschen, die ähnliche Überzeugungen hatten: Sie besaßen Ideale, Mut und wollten nach eigener Auffassung nicht tatenlos zusehen, wie sich Frankreich veränderte. Schon bald gehörte ich zu den engagiertesten Aktivistinnen. Ich lernte politische Aktionen, Plakatkampagnen und Polizeigewahrsam kennen – kurz gesagt: alles, was mit diesem Engagement verbunden ist. Ich hatte das Gefühl, Teil einer Generation zu sein, die nicht resignieren will. Die Génération Identitaire gab mir den Anstoß, vom bloßen Beobachten zum Handeln überzugehen.
Das Verbot der Génération Identitaire durch ein Regierungsdekret im Jahr 2021 stellte einen Wendepunkt dar. Wie hast Du diese Entscheidung erlebt, und was hat Dich das über die Grenzen der Vereinigungsfreiheit in Frankreich gelehrt?
Für mich persönlich war dieses Verbot ein echter Schock, der mich damals psychisch stark belastet hat. Wenn eine Bewegung verboten wird, wird zugleich eine Gemeinschaft zerschlagen – eine Gemeinschaft, die für mich wie eine zweite Familie war. Ich hatte einen großen Teil meiner Zeit und Energie in die Génération Identitaire investiert und erhebliche persönliche Risiken auf mich genommen, indem ich mit meinem Gesicht und meinem Namen öffentlich auftrat. Von diesem Moment an vertritt man Überzeugungen, die einen über viele Jahre begleiten werden.
Ich war damals gerade einmal 21 Jahre alt und hatte bereits eine enorme mediale Aufmerksamkeit erfahren, da ich zu dem Zeitpunkt Sprecherin der Génération Identitaire geworden war, als die Bewegung ihren Höhepunkt an öffentlicher Bekanntheit erreichte. Schon sehr früh musste ich mit Zensur leben: gesperrte Bankkonten, erste feindselige Fernsehauftritte, Belästigungen, Drohungen und Einschüchterungen durch die Antifa. Mit 21 Jahren zu einer Art gesellschaftlicher Außenseiterin zu werden, ist schon sehr früh.
In der Sache zeigt die damalige Entscheidung nach meiner Auffassung, dass Vereinigungs- und Meinungsfreiheit nur so lange bestehen, wie man sich innerhalb des vorherrschenden migrationspolitischen und antirassistischen Diskurses bewegt. Die Génération Identitaire war eine Jugendbewegung, aktivistisch und spektakulär in ihren Aktionsformen – unsere Aktionen waren jedoch stets friedlich. Dennoch wurden wir als fast schon paramilitärische Bedrohung dargestellt, unter anderem mit der Begründung, dass einige Mitglieder Kampfsport betrieben oder bei öffentlichen Aktionen gleichfarbige Kleidung trugen. Das halte ich für absurd. Nach derselben Logik könnte nahezu jede Sportgruppe oder Pfadfinderorganisation aufgelöst werden.
Aus meiner Sicht handelte es sich um eine eindeutig politische Entscheidung. Der Staat hat beschlossen, unsere Bewegung aufzulösen, weil sie zu erfolgreich gewesen ist. Ich wollte jedoch nicht aufgeben. Nach dem Verbot gründete ich meinen Youtube-Kanal, um weiterhin den Menschen eine Stimme zu geben, die uns unterstützt hatten, und die mediale Bekanntheit, die ich erlangt hatte, dafür zu nutzen, unsere Ideen möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Überzeugungen lassen sich nicht per Dekret auflösen.
Du wurdest wegen Äußerungen während einer symbolischen Aktion in den Pyrenäen zunächst verurteilt, im Berufungsverfahren jedoch freigesprochen. In Deutschland wurde Martin Sellner die Einreise untersagt, nachdem er bei einer nicht öffentlichen Veranstaltung das Wort «Remigration» verwendet hatte. Siehst Du eine europäische Koordination solcher Repressionsmaßnahmen?
Ich weiß nicht, ob es eine formelle Koordinierung gibt, aber ich sehe sehr deutlich eine ideologische Annäherung der europäischen Eliten. Überall in Westeuropa beobachte ich dieselben Muster: eine Moralisierung beziehungsweise Schuldzuweisung gegenüber den autochthonen Bevölkerungen, eine Kultur der Selbstanklage, die Weigerung, die eigenen Grenzen zu verteidigen, die Aufwertung der Einwanderung, die Unfähigkeit, demografische Veränderungen offen zu benennen, sowie den Versuch, jede identitäre Reaktion als etwas Krankhaftes darzustellen. Wer sagt: «Wir möchten wir selbst bleiben», wird sofort als gefährlich eingestuft.
Aus meiner Sicht dient dies der Abschreckung. Identitären Aktivisten soll vermittelt werden, dass ihr Engagement sie ihren Ruf, ihren Arbeitsplatz, ihre Bankkonten, ihre Freiheit und ihre Zukunft kosten kann. Die Verantwortlichen haben Angst davor, dass die Europäer erkennen könnten, dass sie ein gemeinsames Schicksal teilen. Sollten sie sich zusammenschließen, könnte sich das Kräfteverhältnis sehr schnell ändern. Das ist der Hintergrund solcher Aktionen.
Der Digital Services Act (DSA), der seit 2024 in der EU gilt, verpflichtet Social-Media-Plattformen zu einer verstärkten Moderation, andernfalls drohen hohe Geldbußen. Einige Deiner Kontosperrungen erfolgten bereits vor diesem Rechtsrahmen, doch inzwischen hat er diese Praxis institutionell verankert. Glaubst Du, dass die digitale Repression, die Du persönlich erlebt hast, durch den DSA zu einer dauerhaften Infrastruktur der Kontrolle von Meinungsäußerungen in Europa geworden ist? Und wie sollte man darauf reagieren?
Bereits vor dem Digital Services Act war ich von digitaler Repression betroffen: Meine Konten auf Twitter, Tiktok, Instagram und Facebook wurden gesperrt. Jedes Mal muss man wieder bei null anfangen und sein Publikum erneut aufbauen – in der Hoffnung, nicht schon bald wieder gelöscht zu werden.
Mit dem DSA ist diese Entwicklung meiner Ansicht nach nicht mehr lediglich das Ergebnis interner Entscheidungen einzelner Plattformen. Die Zensur nimmt nun auf europäischer Ebene institutionelle Formen an. Den Plattformen drohen hohe Geldstrafen, wenn sie Inhalte, die als «risikobehaftet» gelten, nicht ausreichend moderieren. Und selbstverständlich gehören identitäre, einwanderungskritische oder remigrationsbezogene Positionen aus meiner Sicht zu den ersten, die davon betroffen sind.
Wie sollte man darauf reagieren? Zunächst einmal, indem wir unsere eigenen Medien aufbauen. Wir können nicht dauerhaft von Plattformen abhängig sein, die uns innerhalb weniger Sekunden zum Schweigen bringen können. Außerdem müssen wir lernen, mit den Spielregeln umzugehen und sie geschickt zu nutzen. Humor ist dabei eine äußerst wirkungsvolle Waffe, weil er es ermöglicht, mit Anspielungen und Zwischentönen zu arbeiten.
Es gibt aber auch Gründe zur Hoffnung. Die Übernahme von Twitter [jetzt X] durch Elon Musk hat nach meiner Wahrnehmung etwas verändert: Ich stelle deutlich fest, dass die Zensur dort weit weniger erdrückend ist als früher. Andere Plattformen sahen sich zumindest teilweise gezwungen, sich dem Wettbewerb anzupassen und den Druck etwas zu verringern. Und schließlich gibt es noch die Kraft der Zahl. Je mehr Menschen sich äußern, desto schwieriger wird es, alle zum Schweigen zu bringen.

Identitäre Persönlichkeiten in ganz Europa sehen sich mit Einreiseverboten, Gerichtsverfahren und der Sperrung von Bankkonten konfrontiert. Gibt es Deiner Meinung nach nach tatsächlich Solidarität zwischen den Bewegungen, wenn es darum geht, diejenigen zu unterstützen, die davon betroffen sind, oder bleibt sie überwiegend rhetorisch?
Ja, diese Solidarität gibt es. Und ich kann das umso aufrichtiger sagen, weil ich zeitweise selbst beinahe aufgehört hatte, daran zu glauben. Ich war persönlich von solchen Einschüchterungsversuchen betroffen: Bankkonten wurden geschlossen, ich konnte keinen Kredit bekommen, und ich sah mich wiederholt mit Gerichtsverfahren konfrontiert. Man kann sich kämpferisch geben, doch nach mehreren Jahren hinterlässt diese Anhäufung von Belastungen Spuren. Um ehrlich zu sein, gab es Momente, in denen ich entmutigt war.
Vor Kurzem, vor der Urteilsverkündung in einem weiteren Gerichtsverfahren, sprach ich öffentlich über meine Erschöpfung. Daraufhin erhielt ich eine überwältigende Welle der Unterstützung – von Identitären und Patrioten aus aller Welt, aus Europa, den Vereinigten Staaten, Australien und sogar Japan. Viele Menschen verbreiteten meine Geschichte weiter, schrieben mir Nachrichten und unterstützten mich auch finanziell. Das hat mich tief bewegt. Deshalb bin ich überzeugt, dass es echte Solidarität gibt. Mir persönlich hat sie neue Kraft gegeben und mir neuen Mut gemacht.
Du trägst die Kosten dieser Gerichtsverfahren allein. Daraus ergibt sich eine strategische Frage: Kann eine politische Ideenbewegung langfristig bestehen, wenn sie ihren führenden Persönlichkeiten die juristischen Auseinandersetzungen allein überlässt?
Es stimmt, dass ich die Kosten dieser Verfahren allein trage. Als ich jedoch um Hilfe bat, haben hunderte Menschen, die ich zuvor nicht kannte, auf meinen Aufruf reagiert. Das bedeutet mir mehr als die Unterstützung durch irgendeine politische Organisation.
Man muss die Dinge offen aussprechen: In Frankreich gibt es nur wenige Menschen, die Positionen vertreten, die so weit gehen wie meine. Selbst innerhalb des rechten politischen Spektrums wird häufig die von der Linken vorgegebene Ausgrenzung übernommen. Viele scheuen sich davor, öffentlich mit bestimmten Personen in Verbindung gebracht zu werden. Und wenn man ständig versucht, in den Augen seiner politischen Gegner akzeptabel zu erscheinen, verliert man mitunter aus dem Blick, wer die eigenen Verbündeten sind.
Ich halte das für ein großes strategisches Problem. Wenn diejenigen allein gelassen werden, die an vorderster Front die Konsequenzen tragen, entmutigt man letztlich gerade die Mutigsten. Gleichzeitig habe ich erlebt, dass es weiterhin echte Solidarität gibt – sowohl von bekannten Persönlichkeiten als auch von ganz normalen Menschen. Deshalb messe ich der Unterstützung durch Politiker inzwischen weniger Bedeutung bei. Für mich reicht diese Solidarität aus, um die Kraft zu finden, weiterzumachen.
Wenn Du auf Deinen Weg der vergangenen sechs Jahre zurückblickst – das Verbot Deiner Bewegung, Verurteilungen, digitale Sperren und eine gescheiterte Tätigkeit beim Radio –, hat das System in Frankreich sein Ziel erreicht, Dich zum Schweigen zu bringen, oder hat es den gegenteiligen Effekt erzielt?
Es hat den gegenteiligen Effekt erzielt. Ich will nicht behaupten, dass mich all das unberührt gelassen hätte. Es gab Phasen, in denen ich die Motivation verloren hatte. Doch die Unterstützung, die ich während meines jüngsten Gerichtsverfahrens erfahren habe, hat mich entschlossener gemacht als je zuvor.
Ich habe verstanden, dass meine Stimme offenbar Gewicht besitzt, wenn so viel Energie darauf verwendet wird, mich aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verdrängen. Man wollte mich aus dem öffentlichen Leben verschwinden lassen. Stattdessen werde ich nur zu einem noch größeren Stein im Schuh derjenigen werden, die mich zum Schweigen bringen wollen.
Du hast zu den ersten Personen in Frankreich gehört, die eine identitäre Stimme in den sozialen Medien aufgebaut haben. Wie beurteilst Du die Entstehung eines alternativen europäischen Medienraums – mit Medien wie COMPACT, die solchen Stimmen eine Plattform bieten können, ohne von den nationalen Gatekeepern abhängig zu sein?
Ich betrachte diese Entwicklung selbstverständlich sehr positiv. Solche Initiativen sind aus meiner Sicht unverzichtbar, weil sie es ermöglichen, das Wort zu ergreifen, ohne zuvor die Zustimmung der etablierten Medien einholen zu müssen. Vor allem schaffen sie die Möglichkeit, dass sich Stimmen aus verschiedenen Ländern gegenseitig unterstützen können, weil wir nach meiner Auffassung denselben zivilisatorischen Kampf führen.
Solche Projekte sollten sich vermehren, professioneller werden und Unterstützung erhalten. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft der identitären Bewegung zu einem großen Teil davon abhängen wird, ob es uns gelingt, unsere eigenen Medien und Netzwerke der gegenseitigen Unterstützung aufzubauen.
Thaïs d’Escufon (26) zählt zu den bekanntesten – und zugleich am stärksten ins Visier genommenen – Persönlichkeiten der identitären Jugendbewegung in Frankreich. Als ehemalige Sprecherin von Génération Identitaire etablierte sie sich bereits 2020 als erste rechtsgerichtete französischsprachige Influencerin mit erheblicher medialer Reichweite. Im Zusammenhang mit der Aktion Defend Europe in den Pyrenäen wurde sie wegen «öffentlicher Beleidigung» und «Anstiftung zum Rassenhass» strafrechtlich verfolgt. Zunächst wurde sie verurteilt, im September 2022 jedoch vom Berufungsgericht in Toulouse freigesprochen. In Social Meduia setzte sich diese Entwicklung fort: Ihre Konten auf Twitter, Tiktok sowie rund fünfzehn Instagram-Konten wurden nacheinander gesperrt. Im August 2024 wurde sie von Cyril Hanouna als Kolumnistin für den Radiosender Europe 1 engagiert, jedoch bereits nach der ersten Sendung auf Entscheidung der Leitung von Lagardère Radio wieder abgesetzt.
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