Heute in der Nacht berichtete CNN, Israel habe den USA Geheimdienstinformationen übermittelt, wonach der Iran erwäge, Trump zu töten. Nicht nur US-Beamte vermuteten, dies könne ein Versuch sein, Trumps Entscheidung über Militäraktionen gegen den Iran zu beeinflussen. Das hat schon zu Beginn dieses Jahres funktioniert, wie wir in unserer Ausgabe „Zions Höllenritt“ minutiös aufzeigen. Hier mehr erfahren.
Israel kann es nicht lassen. Tel Aviv warnt aufgeregt vor iranischen Plänen zur Ermordung von US-Präsident Donald Trump. Das Weiße Haus hat schon reagiert: Die US-Regierung erhalte zuletzt zwar häufig Warnhinweise dieser Art, die israelische Information sei jedoch neu und habe demnach auch einen konkreten Anschlagsplan umfasst.
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COMPACT unterstützenDer Spiegel lässt immerhin nicht unerwähnt: „Ein US-Beamter sagte CNN zufolge, die Warnung könne auch den Versuch darstellen, Einfluss auf Trumps Entscheidungen im Konflikt mit Iran zu nehmen. Israels Ministerpräsident Bejamin Netanjahu war darüber mit Trump aneinandergeraten.“
Trump hatte zuletzt selbst Spekulationen zu seiner eigenen Sicherheitslage angeheizt. So wählte er auf dem Rückflug vom NATO-Gipfel in Ankara nicht wie erwartet die neue „Air Force One“ und erklärte auf Nachfrage: „Ich bin die Nummer eins auf der Todesliste Irans.“
Erschreckende Parallelen
Erinnern wie uns, was sich im Februar dieses Jahres abgespielt hatte, um vor Fake News gewappnet zu sein. Was vorher nämlich nur von sogenannten Verschwörungstheoretikern vermutet worden war, wurde seinerzeit amtlich. „Die Regierung gibt zu, dass Israel uns in den Krieg hineingezogen hat, der bereits viele amerikanische Leben und Milliarden von Dollar gekostet hat“, schrieb der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie Anfang März auf X. Auch für NTV war die Sache klar: „Außenminister Rubio sagt, die Trump-Regierung habe von den israelischen Plänen gewusst und sich deshalb zum Angriff gezwungen gesehen.“ Rubio im Wortlaut:
„Es gab definitiv eine unmittelbare Bedrohung, und diese unmittelbare Bedrohung bestand darin, dass wir wussten, dass der Iran, wenn er angegriffen würde – und wir gingen davon aus, dass er angegriffen werden würde – sofort gegen uns vorgehen würde. Wir wussten, dass es ein israelisches Handeln geben würde.“
Die iranische Bedrohung war also offensichtlich gerade nicht „unmittelbar“, sondern wurde mittelbar erst durch die israelische Aggression ausgelöst. Einige Tage später versuchte Donald Trump, Rubios Aussage zu kontern: Es sei „vielleicht umgekehrt“ gewesen, als ob die USA Israel hineingezogen hätten. Durch Recherchen der New York Times (NYT) konnte jedoch mittlerweile finale Klarheit in die Abläufe gebracht werden. In einer umfangreichen Reportage vom 7. April unter dem Titel „How Trump Took the U.S. to War With Iran“ (Wie Trump die USA in den Krieg mit Iran zog) beschreiben die beiden Reporter Jonathan Swan and Maggie Haberman die entscheidenden Krisentreffen im Weißen Haus.

Der Teilnehmerkreis war handverlesen, so dass sich die Frage stellt, wie die beiden an die heißen Informationen und sogar Wortlautzitate gekommen sind. Sie stützen sich „auf umfangreiche Interviews, die unter der Bedingung der Anonymität geführt wurden“, schreibt die NYT dazu. Der Verdacht liegt nahe, dass die undichte Stelle entweder CIA-Chef John Ratcliffe oder aber Vizepräsident J. D. Vance war, die bei der Wiedergabe der Sitzungen am besten wegkommen. Vielleicht haben sie aber auch mithilfe der NYT ihre Position aufgehübscht, um sich vom absehbaren Trump-Schlamassel zu distanzieren.
Am 11. Februar war alle anders…
Die entscheidenden Treffen fanden alle im sogenannten Situation Room des Weißen Hauses statt, einem voll abgeschirmten Lagezentrum mit Kommunikationsverbindungen in alle Krisenregionen der Welt. Der bekannteste Schnappschuss von diesem streng geheimen Ort stammt vom 1. Mai 2011, als von dort aus Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton live die Jagd auf Osama bin Laden (nebst angeblicher Exekution) verfolgten. Ausländische Politiker haben höchst selten Zutritt zu dieser Kommandozentrale – bei Staatsbesuchen werden sie in der Regel im Oval Office oder im Kabinettssaal empfangen.
Am 11. Februar 2026 war das anders. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu nahm nicht nur teil, sondern dominierte die Sitzung sogar. Die NYT-Autoren beschreiben die Szene: „Trump nahm Platz, jedoch nicht an seinem üblichen Platz am Kopfende des mahagonifarbenen Konferenztisches. Stattdessen setzte sich der Präsident an eine Seite des Tisches und blickte auf die großen Bildschirme an der Wand. Netanjahu saß ihm direkt gegenüber auf der anderen Seite.“
Und weiter: „Auf dem Bildschirm hinter dem Ministerpräsidenten waren David Barnea, der Direktor des Mossad, des israelischen Auslandsgeheimdienstes, sowie israelische Militärvertreter zu sehen. Visuell hinter Netanjahu aufgereiht, vermittelten sie das Bild eines Kriegsführers, der von seinem Team umgeben ist. Susie Wiles, die Stabschefin des Weißen Hauses, saß am hinteren Ende des Tisches. Außenminister Marco Rubio, der zugleich als Nationaler Sicherheitsberater fungierte, hatte seinen Stammplatz eingenommen. Verteidigungsminister Pete Hegseth und General Dan Caine, der Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff [Genralstabschef], die in solchen Runden gewöhnlich nebeneinandersaßen, waren auf einer Seite; zu ihnen gesellte sich John Ratcliffe, der Direktor der CIA. Jared Kushner, der Schwiegersohn des Präsidenten, und Steve Witkoff, Trumps Sondergesandter, der mit den Iranern verhandelt hatte, vervollständigten die Hauptgruppe.“
„Klingt für mich gut“
Schlüsselsatz der Darstellung in der NYT: „Die Präsentation, die Netanjahu in der nächsten Stunde darbieten würde, sollte entscheidend dafür sein, die USA und Israel auf den Weg zu einem großen bewaffneten Konflikt inmitten einer der instabilsten Regionen der Welt zu bringen.“ Die Kernaussagen im Vortrag des israelischen Premiers:
„Der Iran sei reif für einen Regimewechsel, und er sei überzeugt, dass eine gemeinsame US-israelische Mission dem Islamischen Regime endlich ein Ende setzen könne. (…) Das iranische ballistische Raketenprogramm könne in wenigen Wochen zerstört werden. Das Regime wäre so geschwächt, dass es die Straße von Hormus nicht blockieren könnte, und die Wahrscheinlichkeit, dass der Iran Schläge gegen US-Interessen in Nachbarländern landen würde, wurde als minimal eingestuft. Außerdem deuteten die Erkenntnisse des Mossad darauf hin, dass Straßenproteste im Iran wieder aufflammen würden – und (…) eine intensive Bombenkampagne die Bedingungen für den Sturz des Regimes durch die iranische Opposition schaffen könnte.“
Trump soll begeistert gewesen sein: „Klingt für mich gut.“
Am nächsten Tag wurde das Treffen ohne Netanjahu und die zugeschalteten israelischen Vertreter fortgesetzt. Dieses Mal war auch Vance dabei, der von einem Staatsbesuch in Aserbaidschan zurückgekehrt war. Über Nacht hatten die Geheimdienstvertreter Netanjahus Kriegsziele überprüft. „Als Trump zur Sitzung stieß, informierte ihn Ratcliffe über die Bewertung. Der CIA-Direktor benutzte ein einziges Wort, um die Regimewechsel-Szenarien des israelischen Ministerpräsidenten zu beschreiben: eine Farce.“
Rubio ergänzte: „Mit anderen Worten: Es ist Bullshit“ – wobei unklar bleibt, ob er mit diesem groben Ausdruck Ratcliffe unterstützen oder lächerlich machen wollte. Vernichtend war auch das Urteil von Generalstabschef Caine über Netanjahus Vortrag. „Sir, das ist in meiner Erfahrung Standardvorgehen der Israelis. Sie übertreiben, und ihre Pläne sind nicht immer gut durchdacht. Sie wissen, dass sie uns brauchen, und deshalb trumpfen sie so hart auf.“
Er machte darauf aufmerksam, dass ein weiterer Krieg „die Bestände amerikanischer Waffen, darunter Abfangraketen, drastisch dezimieren würde“ und wies auch auf die drohende Schließung der Straße von Hormus hin. „Doch Trump schien oft nur das zu hören, was er hören wollte“ – weil Caine sich nicht traute, ein klares Nein zu formulieren. Rubio und Wiles äußerten ebenfalls nur Skepsis in Detailfragen.
Über Vance heißt es in dem NYT-Artikel: „Niemand im engsten Kreis von Trump machte sich größere Sorgen über die Aussicht eines Krieges mit dem Iran oder tat mehr, um ihn zu verhindern, als der Vizepräsident.“ Doch das, was er stattdessen favorisierte, eine „begrenzte Strafaktion“, nahm Trump nicht als Alternative wahr, da auch er von einem kurzen Krieg träumte. Das Verrückte: Obwohl Vance anfänglich vom Waffengang abriet, plädierte er, als er damit nicht durchkam, für ein noch aggressiveres Vorgehen als Trump. „Später, als klar wurde, dass der Präsident auf eine groß angelegte Kriegskampagne setzte, argumentierte Vance, er solle dies mit überwältigender Macht tun, in der Hoffnung, seine Ziele schnell zu erreichen.“
Netanjahu drängte
An diesem Tag fand gegen 17 Uhr die letzte Lagebesprechung im Situation Room statt. „Der Präsident hatte seine Entscheidung nach Ansicht mehrerer Berater bereits Wochen zuvor im Wesentlichen getroffen. Er hatte jedoch noch nicht den genauen Zeitpunkt festgelegt. Nun drängte ihn Netanjahu, schnell zu handeln.“ Die Anwesenden diskutierten „neue Geheimdienstinformationen, die ihren Zeitplan erheblich beschleunigen sollten. Der Ajatollah würde sich oberirdisch mit anderen Spitzenvertretern des Regimes treffen – bei Tageslicht und offen für einen Luftangriff. Es war eine flüchtige Chance, das Herz der iranischen Führung zu treffen, eine Art Ziel, das sich vielleicht nicht wieder bieten würde.“
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