Brandneue Enthüllungen zeigen immer tiefere Risse in den amerikanisch-israelischen Beziehungen. Nach außen gaben sich Trump und Netanjahu lange als Partner auf der Weltbühne. Ein Insider-Buch lässt nun die Fassade bröckeln. Wie Israel die USA in den Krieg zog analysiert unsere Ausgabe «Zions Höllenritt». Fakten die der Mainstream verschweigt. Hier mehr erfahren.

    Letztes Jahr, mitten in den zähen Verhandlungen über einen Gaza-Waffenstillstand, ordnete Israel einen Luftangriff auf Qatar an, während sich just zu diesem Zeitpunkt US-amerikanische Vermittler mit Hamas-Funktionären an den Tisch gesetzt hatten. Trump verlor daraufhin die Beherrschung.

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    «Die Israelis sind verrückt»

    Was er dann am Telefon abfeuerte, beschreiben die Pulitzer-Preisträgerin Maggie Haberman und ihr New York Times-Kollege Jonathan Swan in ihrem vor drei Tagen erschienenen Enthüllungsbuch «Regime Change», das auf über 1.000 Interviews basiert:  «Alle haben dich satt, Bibi. Alle Juden haben dich satt!»

    Mit Blick auf seine beiden Friedensemissäre Jared Kushner und Steve Witkoff legte Trump nach: «Sogar die zwei Juden in diesem Gespräch haben dich satt!» Auch Kushner soll die Fassung verloren haben. Einem Verbündeten gestand er später: «Ich bin verdammt noch mal raus. Die Israelis sind verrückt.»

    Das Telefonat war der Höhepunkt einer eskalierenden Krise. Wenige Tage zuvor hatten sich Kushner und Witkoff in dessen Haus bei Miami mit Ron Dermer, einem engen Vertrauten Netanjahus, getroffen, um über Pläne für die Zeit nach dem Gazakrieg zu sprechen. Einen Tag später bombardierte die israelische Armee Hamas-Führungsmitglieder in Doha, mitten in den laufenden Verhandlungen.

    Kushner und Witkoff waren außer sich. Zurück im Weißen Haus machten sie ihrer Wut Luft: «Dermer hat uns angelogen.» Die Katarer, so Haberman und Swan, zogen daraufhin ihre Bereitschaft zurück, als Vermittler zu fungieren. Dabei hatte Trump anfangs wenig Interesse an einem Konflikt gehabt. Einem Israel-Skeptiker in seiner Regierung soll er zu Beginn seiner Amtszeit gesagt haben: «Ich will keinen Teil von Netanjahus Krieg mit dem Iran.»

    Trump über Netanjahu: «Schwindler»

    Wie es Netanjahu gelang, Trump in den Krieg zu ziehen, zeigen wir in unserer hochbrisanten Ausgabe «Zions Höllenritt», und rekonstruieren den Moment in dem der US-Präsident grünes Licht für den Iran-Angriff gab:

    «Ausländische Politiker haben höchst selten Zutritt zu dieser Kommandozentrale [Situation Room]– bei Staatsbesuchen werden sie in der Regel im Oval Office oder im Kabinettssaal empfangen.Am 11. Februar 2026 war das anders. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu nahm nicht nur teil, sondern dominierte die Sitzung sogar. NYT-Autoren beschreiben die Szene: „Trump nahm Platz, jedoch nicht an seinem üblichen Platz am Kopfende des mahagonifarbenen Konferenztisches. Stattdessen setzte sich der Präsident an eine Seite des Tisches und blickte auf die großen Bildschirme an der Wand. Netanjahu saß ihm direkt gegenüber auf der anderen Seite. Auf dem Bildschirm hinter dem Ministerpräsidenten waren David Barnea, der Direktor des Mossad, des israelischen Auslandsgeheimdienstes, sowie israelische Militärvertreter zu sehen.“»

    Doch die Lage eskalierte. Trump wollte Netanjahu nun zu seinem 20-Punkte-Plan zur Beendigung des Gazakrieges bewegen. In einem weiteren Telefonat legte Trump nach:

    «Du kannst da nicht aussteigen [aus dem Friedensplan]! Ich bin der beste Freund, den Israel je hatte. Alle hassen dich, und ich stand zu dir.»

    An anderer Stelle nannte er Netanjahu schlicht einen «Schwindler», was laut Haberman und Swan einer der schlimmsten Beleidigungen in Trumps Wortschatz ist. Zwei Tage später traten Trump und Netanjahu gemeinsam vor die Öffentlichkeit und verkündeten das Abkommen. Das Weiße Haus betonte danach, das besondere Verhältnis zwischen den USA und Israel bleibe «unerschütterlich».

    Es war nicht das erste Mal, dass Trump Netanjahu am Telefon anbrüllte. Bereits am 1. Juni dieses Jahres, als Netanyahu Angriffe auf Beirut anordnete und damit Washingtons Verhandlungen mit Teheran zu torpedieren drohte, verlor Trump erneut die Beherrschung. Laut mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Quellen, die dem Nachrichtenportal Axios berichteten, beschimpfte Trump den israelischen Premier in einem «mit Schimpfwörtern gespickten» Telefonat: «Du bist völlig verrückt. Was zum Teufel machst du da? Ohne mich wärst du im Gefängnis. Ich rette dir den Hintern. Alle hassen dich jetzt. Alle hassen Israel deswegen.»

    «Besser als The Apprentice»

    Das Netanyahu-Kapitel ist nur eine von vielen Enthüllungen des Buches. Haberman und Swan zeichnen das Bild eines Präsidenten, der in seiner zweiten Amtszeit jede institutionelle Schranke gesprengt habe. Im März 2026 zeigte Trump den Autoren stolz ein zweiseitiges Dokument, das ihn als mächtiger einstufte als Attila, Dschingis Khan, Napoleon, Stalin, Mao und Hitler.

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    Er behauptete, es stamme von einem «Historiker». Haberman und Swan recherchierten: Der Autor war in Wirklichkeit der langjährige Golfcaddy von Gary Player. Trump postete das Dokument später auf Truth Social und bezeichnete den Caddy weiterhin als «Präsidentenhistoriker».

    US-Präsident Donald Trump steht mit dem Rücken zur Wand. Foto: Ki-generiert

    Auch die Epstein-Akten spielen im Buch eine Rolle. Laut Haberman und Swan fanden im Situation Room des Weißen Hauses Treffen statt, bei denen über den politischen Schaden durch die Enthüllungen beraten wurde. Trump selbst war nicht dabei. Seine Mitarbeiter wussten: Er wollte das Thema vermeiden.

    Und als es um die Selenski-Konfrontation im Oval Office ging, bei der Trump und Vance den ukrainischen Präsidenten öffentlich demütigten, kommentierte Trump danach gegenüber einem Berater lakonisch: «Besser als The Apprentice.» Gemeint ist Trumps Reality-TV-Show, in der er von 2004 bis 2017 als knallharter Chef auftrat und Kandidaten mit seinem berühmten Satz «You’re fired!» feuerte.

    «Ich war der Gejagte – und jetzt bin ich der Jäger.»

    «Regime Change: Inside the Imperial Presidency of Donald Trump» («Regimewechsel: Im Innern der imperialen Präsidentschaft von Donald Trump») erschien am 23. Juni 2026 im Verlag Simon & Schuster und umfasst 496 Seiten. Der Titel ist Programm: Haberman und Swan beschreiben keine klassische Abfolge politischer Ereignisse, sondern vertreten die These, dass die Vereinigten Staaten unter Trump einen Regime Change im eigenen Land erleben.

    Die Autoren erklären:

    «In seiner zweiten Amtszeit war er bereit, atemberaubende Risiken einzugehen, die nicht nur seine Präsidentschaft, sondern die Republikanische Partei und die gesamte Welt in Chaos stürzen könnten. Mehr denn je agierte er als Präsident aus reinem Bauchgefühl heraus.»

    Swan ergänzte in einem TV-Interview: «Der Finanzminister [Scott Bessent] und der Energieminister [Chris Wright], die beiden Menschen, die den größten Ölschock in der Weltgeschichte hätten managen müssen, waren nicht im Raum. Sie waren nicht in den Meetings.»

    Haberman fügte hinzu: «Es gibt das nicht mehr. Trumps Umfeld glaubt, es sei etwas fast Mystisches an ihm, dass er Frequenzen hören kann, die sie vielleicht nicht hören können.» Trump selbst, befragt von den Autoren im März dieses Jahres, fasste seine zweite Amtszeit so zusammen: «Ich war der Gejagte. Und jetzt bin ich der Jäger.»

    Maggie Haberman (52) gewann 2018 gemeinsam mit Kollegen der New York Times und der Washington Post den Pulitzer-Preis für Nationales Berichtswesen für ihre Recherche über die Verbindungen der Trump-Administration zu Russland. Jonathan Swan, 40, ist ebenfalls Korrespondent der New York Times und für seine direkten, unerschrockenen Interviews bekannt.

    Für ihre Recherche führten beide von 2023 bis Frühjahr 2026 über 1.000 Interviews mit Trumps Freunden, Geschäftspartnern, Wahlkampfspendern, früheren und aktuellen Mitarbeitern sowie hochrangigen Regierungsmitgliedern. Vizepräsident J. D. Vance vermutete, dass Audioaufnahmen vertraulicher Situation-Room-Besprechungen an die Autoren geleakt worden seien. Die Autoren verweigern jede Auskunft über ihre Quellen.

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