Vor wenigen Stunden hat sich eine neue Front im Nahostkrieg geöffnet: Die Huthis beschossen Israel mit Raketen und drohen, das Rote Meer für israelische Schiffe zu sperren. Nach Hormus liegt die nächste Meerenge der Weltwirtschaft im Fadenkreuz. Alle Hintergründe liefert unsere Ausgabe «Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt», die schonungslos mit der Kriegstreiberei aufräumt. Hier mehr erfahren.
Am Sonntag griffen israelische F-35I-Kampfjets die Dahiyeh an, die südlichen Vororte Beiruts, eine der Hochburgen und Hauptquartier der Hisbollah. Teheran reagierte mit einer Drohung:
«Schaut heute Nacht in den Himmel.»
Kurz darauf folgte die Ausführung: Zehn ballistische Raketen auf Nordisrael, der erste direkte Beschuss seit dem April-Waffenstillstand. Trump griff zum Telefon, bat Netanyahu um Zurückhaltung: Die Uran-Gespräche mit den Persern stünden auf der Kippe. Netanyahu widersprach, stimmte laut Axios dann aber «pseudo-zu». Noch in derselben Nacht attackierte Israel den Iran aber erneut, diesmal auch Petrochemie-Anlagen bei Mahshahr im Südwesten des Landes, eine zweite iranische Raketenwelle folgte. Heute Morgen schalteten sich die Huthis ein.
Feuer aus dem Jemen
Um kurz vor sechs Uhr morgens deutscher Zeit heulen die Sirenen über Tel Aviv, Jerusalem und weiten Teilen Zentralisraels. Aus dem Jemen nähern sich zwei ballistische Raketen. Die israelische Luftabwehr fängt eine ab, die zweite erreicht israelisches Territorium nicht. Tote und Schäden bleiben aus, ein Mann verletzt sich beim Laufen zum Schutzraum. Huthi-Militärsprecher Yahya Saree tritt vor die Kameras: Die Miliz habe «empfindliche israelische Feindesziele» im Raum Tel Aviv ins Visier genommen. Dann folgt die eigentliche Botschaft:
«Wir verhängen ein vollständiges und totales Verbot israelischer Schifffahrt im Roten Meer und betrachten alle feindlichen Bewegungen als legitime Militärziele.»
Die Huthis sind eine vom Iran finanzierte und bewaffnete Miliz, die den Norden Jemens samt Hauptstadt Sanaa kontrolliert, und damit prozentual mehr Territorium hält als die Hisbollah im Libanon, die vor allem den Süden und die südlichen Beiruter Vororte hält. Anders als die Hisbollah, die als Partei mit Parlamentssitzen und Ministern tief im libanesischen Staatsapparat verankert ist, haben die Huthis den Staat im Norden schlicht übernommen: Sie kontrollieren Militär, Staatsfinanzen und Verwaltung, ohne international eine anerkannte Regierung zu sein. Teheran liefert Waffen, Drohnen und Ausbilder, die Huthis behalten dabei mehr strategische Eigenständigkeit als die Hisbollah, die deutlich enger an iranische Weisungen gebunden ist. Ihr Schlachtruf lautet:
«Tod Amerika, Tod Israel.»
Seit dem Gaza-Krieg 2023 beschießen sie Israel und griffen Hunderte Handelsschiffe auf den Weltmeeren an. Nach dem Gaza-Waffenstillstand im Januar 2025 ruhten die Raketen vorübergehend, seit März 2026 fliegen sie in regelmäßigen Abständen wieder. Dass die Miliz sich militärisch einschaltet, ist bekannt. Eine dauerhafte Seeblockade gegen Israel aber wäre eine neue Dimension: Sie könnte den Konflikt in einen Stellungskrieg um eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt verwandeln.
Tor der Tränen
Zwischen dem Südwestzipfel der Arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika liegt eine der engsten und bedeutsamsten Wasserstraßen der Welt. Bab el-Mandab, auf Arabisch «Tor der Tränen» (Namensgebung umstritten) , trennt den Jemen im Osten von Djibouti und Eritrea im Westen, gerade einmal 26 Kilometer breit an der schmalsten Stelle. Mitten in der Passage liegt Perim, eine kleine vulkanische Insel unter jemenitischer Kontrolle, die den Schiffsverkehr in zwei Kanäle zwingt. Wer von Asien nach Europa liefern will, muss hier durch, oder den langen beschwerlichen Weg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen. Bab el-Mandab ist das Südtor zum Roten Meer, das seinerseits in den Suezkanal mündet: eine der wichtigsten Handelsachsen der Erde, über die rund ein Zehntel des globalen Ölhandels und ein Viertel des weltweiten Containerverkehrs fließen.

Bereits 2023 und 2024 hatten die Huthis diese Route unter Druck gesetzt. Der Verkehr durch die Meerenge brach auf unter die Hälfte des normalen Niveaus ein, Reedereien wichen auf den Umweg ums Kap aus, Versicherungsprämien explodierten. Eine vollständige Lahmlegung war es aber nicht. Eine echte Blockade, wie sie Saree heute ankündigt, wäre eine andere Größenordnung. Zusammen mit der bereits gesperrten Straße von Hormus stünden dann zwei der drei wichtigsten Meerengen der Welt gleichzeitig im Kriegszustand, nur die Straße von Malakka bliebe vorerst frei.
Der Morgen im Überblick
Die Nacht auf Montag und der Morgen brachten eine Eskalation im Stundentakt. Um 5:51 Uhr Ortszeit ertönten die ersten Raketenwarnsirenen über Zentralisrael und Jerusalem. Sechs Minuten später, um 5:57 Uhr, bestätigte die IDF den Huthi-Beschuss aus dem Jemen. Kurz darauf folgte eine weitere iranische Raketenwelle auf Zentral- und Südisrael.
Um 7:58 Uhr berichteten iranische Medien von israelischen Treffern auf Petrochemie-Anlagen am Tag zuvor, um 8:06 Uhr bestätigte die IDF Luftangriffe auf den Petrochemiekomplex bei Mahshahr in der südwestiranischen Provinz Khuzestan. Die Revolutionsgarden meldeten etwas später israelische Einschläge in Teheran, Täbris und Isfahan sowie Angriffe auf kurdische Stützpunkte im irakischen Sulaimaniyya.
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