Als erstes Kirchenoberhaupt der Geschichte betritt Papst Leo XIV. heute Morgen das spanische Parlament. Im Gepäck: Ein Plädoyer für offene Grenzen und Schützenhilfe für Ministerpräsident Pedro Sanchez. Zuvor hatte er bereits vor «identitären Ansätzen» gewarnt. Ein Besuch von Migranten auf den Kanarischen Inseln soll die Reise abrunden. Wann hört der Wahnsinn endlich auf? COMPACT-Spezial «Mädchen, Messer, Morde» kämpft gegen das Vergessen. Hier mehr erfahren.
Der Pontifex ist auf Staatsbesuch in Spanien und macht keinen Hehl aus seiner politischen Agenda. Seit seiner Ankunft am Samstag hat er das spanische Königspaar empfangen, vor über einer Million Gläubigen gepredigt, heute früh Ministerpräsident Sanchez in der Nuntiatur (der päpstlichen Botschaft in Madrid) hofiert und anschließend gegen 10:30 Uhr eine Rede vor der Cortes Generales (spanisches Parlament) gehalten. Der Sozialist Sanchez hatte im April per königlichem Dekret eine Massenamnestie für rund 500.000 illegale Einwanderer durchgesetzt. Der Heilige Vater findet in Madrid einen Verbündeten.
Gemeinsame Kritik an US-Außenpolitik
Was Leo und Sanchez verbindet, ist vor allem die Kritik an Donald Trump. Seit Kriegsbeginn im Iran wendet sich der Papst ungewöhnlich scharf gegen den US-Präsidenten ungewöhnlich, nannte Trumps Drohungen gegen die iranische Zivilbevölkerung durchaus berechtigt «wirklich inakzeptabel». Er führte aus:
«Es gibt hier zweifellos Fragen des Völkerrechts, aber noch mehr ist es eine moralische Frage für das Wohl der gesamten Bevölkerung.»
Zudem forderte er heute im Parlament «strikte ethische Kontrolle» über KI-gesteuerte Waffensysteme, «damit Entscheidungen über Leben und Tod niemals automatisierten Systemen überlassen werden.» Trump antwortete auf Truth Social, der Papst sei «schrecklich für die Außenpolitik» und solle sich «zusammenreißen». US-Vizepräsident J. D. Vance erteilte Leo öffentlich «theologische Hinweise».

Sanchez, Chef der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) und Kopf einer von Korruptionsskandalen gebeutelten Minderheitsregierung, prangerte den Iran-Krieg offen an und fiel dafür bei Trump in Ungnade. Leo dankte seinem Gastgeberland für seine «treue Achtung des Völkerrechts und des Multilateralismus». Bei seiner Parlamentsrede vor wenigen Stunden setzte er nach:
«Die moralische Größe einer Nation zeigt sich vor allem in ihrer Fähigkeit, jene Leben zu begleiten, zu schützen und zu lieben, die am zerbrechlichsten sind.»
Er forderte eine «moralische Erneuerung» in Parlamenten und im öffentlichen Leben und berief sich auf die Schule von Salamanca, die spanische Intellektualtradition des 16. Jahrhunderts, die erste Konzepte des Völkerrechts und der Menschenrechte begründete. Theologen jener Zeit hätten verstanden, dass «die Vernunft nicht dazu herangezogen werden kann, Gewalt oder Eigeninteresse zu legitimieren» und dass es «moralische Grenzen der Macht» gebe.
Migration und Kulturkampf
So weit, so gut. Doch das zweite Thema, das den Besuch prägt, ist Migration, und da hat der Papst eine weniger befürwortenswerte Haltung. Leo hatte am Samstag im Königspalast bereits die Richtung vorgegeben:
«Heute scheint die Versuchung, durch das Schüren von Polarisierungen an Popularität zu gewinnen, eher zu wachsen als abzunehmen; die Menschenwürde wird weiterhin verletzt.»
Und weiter:
«Mann muss die Vielschichtigkeit schätzen und ergründen, lernen, sie nicht zu leugnen und sie als Segen anzunehmen, jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern.»
Der Pontifex mahnte: «Nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die der Begegnung schafft Stabilität und Wohlstand. In diesem Umfeld verschärfen sich Vorurteile, kritisches Denken wird geschwächt, und übermächtige Interessen säen tödliche Impulse.» Die tödlichen Impulse die durch die Masseneinwanderung auch in Spanien bereits verursacht wurde, sprach der Heilige Vater nicht an.
Im Parlament heute der Schlussakkord:
«Dies ergibt eine zweifache Forderung der sozialen Gerechtigkeit: sichere und legale Wege anzubieten, eine respektvolle Aufnahme und echte Möglichkeiten zur Integration; und gleichzeitig das Recht zu fördern, im eigenen Land zu bleiben, damit niemand seine Heimat verlassen muss wegen mangelndem Frieden, mangelnder Sicherheit oder menschenwürdiger Lebensbedingungen.»
Die spanischen Bischöfe hatten Sanchez‘ Amnestiedekret der 500.000 Migranten aktiv mitbetrieben. Santiago Abascal, Chef der patriotischen Partei Vox, warf der Kirche daraufhin vor, ein «Geschäft mit der Invasion» zu betreiben, und feuerte in Richtung des Vatikans:
«Sie haben eine tiefe Verachtung gegenüber den Spaniern, die ihr Vaterland verteidigen wollen.»
Am Donnerstag reist Leo weiter auf die Kanarischen Inseln. Im Hafen von Arguineguin auf Gran Canaria trifft er Vertreter von Aufnahmeeinrichtungen. Arguineguin wurde 2020 zum Symbol der europäischen Flüchtlingskrise, als Tausende Migranten dort unter katastrophalen Bedingungen ausharrten.
Am Freitag besucht er auf Teneriffa das Aufnahmezentrum Las Raices, bevor er die Abschlussmesse im Hafen von Santa Cruz zelebriert. Jedes Jahr wagen Tausende Westafrikaner die gefährliche Atlantiküberfahrt auf die Kanaren. Leo setzt mit dem Besuch ein bewusstes Signal.
Brisant: Leo hatte erst im November 2025 ausdrücklich klargestellt, er unterstütze keine «offenen Grenzen», wohl aber eine humane Behandlung von Migranten. Hinter diese Erklärung fällt er nun wieder zurück.
Die Schlagzeilen aus den europäischen Ländern ähneln sich, doch wer stoppt diese Politik? COMPACT-Spezial «Mädchen, Messer, Morde» kämpft gegen das Vergessen. Hier bestellen.





