Familienvater Kurt Hättasch (26) ist einer von acht Angeklagten im Prozess um die sogenannten Sächsischen Separatisten. Aus der U-Haft heraus führt er ein Prozess-Tagebuch. Wir veröffentlichen seine neuen Enthüllungen exklusiv im O-Ton. Die Justizfarce reiht sich ein in weitere Klopper, dokumentiert in unserem Rabatt-Paket «1.000 Seiten BRD-Diktatur», jetzt für 14,99 statt für 79,75 Euro. Hier mehr erfahren.

    Der folgende Text ist der persönliche Erlebnisbericht eines derzeit inhaftierten Mannes, der in dem betreffenden Verfahren («Sächsische Separatisten») als mutmaßlicher Tatverdächtiger geführt wird. Die Redaktion veröffentlicht diesen Bericht ausschließlich zu dokumentarischen Zwecken. Die Schilderungen geben allein die subjektive Wahrnehmung und Darstellung des Verfassers wieder und sind von uns nicht unabhängig überprüft worden. Sie stellen weder eine Bestätigung noch eine Widerlegung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe dar. Die Unschuldsvermutung gilt uneingeschränkt.


    Ein schwacher Zeuge

    _ von Kurt Hättasch, 15.5.2026

    In der Hauptverhandlung vor dem Oberlandesgericht Dresden gegen eine in höchstem Maße fragliche Gruppierung wurde am 4.5.2026, also dem 12. Prozesstag, der mittlerweile dritte Zeuge vorgeladen. Noch kurz bevor dieser in den Saal geladen wurde, ließen sich aus den Reihen der Verteidiger Mutmaßungen darüber hören, ob der Zeuge tatsächlich jener «junge Kerl vor der Tür» sei oder nicht.

    Er war es. XXX [Name der Redaktion bekannt], 26 Jahre alt und Kriminaloberkommissar (KOK) betritt den Saal mit weiten und lockeren Schritten, einen dicken Ordner unter den Arm geklemmt. Er trägt eine Brille mit golden anmutendem Gestell, welche seinem bartlosen Gesicht umso mehr das Aussehen eines modebewussten Strebers verleiht. Er trägt einen Anzug, der farblich auf sein lockiges Haar abgestimmt scheint und durchquert den Sitzungssaal in seinen Anzugsschuhen trotz der leisen Dialoge unter den Verteidigern: «Ja, das ist er wirklich!»,  gut hörbar, jedoch ohne dass er fest auftreten würde.

    Exklusiv! «Sächsische Separatisten» – Prozess-Tagebuch

    XXX wirkt auf mich durchaus sympathisch, und nachdem dieser – aus reiner Höflichkeit, wie es scheint – einmal dem Vertreter des GBA [Generalbundesanwalts] und einmal der Vorsitzenden Richterin mit einem fast stummen «Guten Tag» und einem leichten Kopfnicken die Aufwartung machte, bricht, sein Anstand auch an den Reihen der Angeklagten nicht ab. Wenigstens meinen Verteidigern und mir gegenüber brachte der junge Mann ebenfalls eine Begrüßung hervor, wodurch er sich von seinen beiden Vorgängern im Zeugenstuhl abheben konnte, und nahm kurz darauf in der Mitte der Verfahrensbeteiligten Platz.

    Prozessual ist die Anwesenheit des Herrn XXX eigentlich eher ungünstig, da die Zeugeneinvernahme der ersten beiden Zeugen XXX und XXX [Namen der Redaktion] bekannt bisher noch nicht abgeschlossen werden konnte und somit jetzt das dritte Fass aufgemacht werden soll. Die Mittelmäßigkeit dieses Umstandes gestand auch die Vorsitzende Richterin Simone Herberger bereits ein und signalisierte, dass man sich seitens des Senates nun mehr bemühen wolle, einen Zeugen auch abzuschließen, bevor der nächste vorgeladen wird.

    Dass die Zeitplanung des Gerichts aber nach wie vor, gelinde gesagt, illusorisch ausfällt, bestätigt sich am Zeugen XXX exemplarisch. Laut Plan ist er für die beiden Tage 4. und 5.5.2026 geladen, und bereits am darauffolgenden Prozesstag hätte Zeuge Nr. 4 auftreten sollen. Am zweiten Tag der Einvernahme XXX erkannte Richterin Herberger bereits von sich aus die Notwendigkeit, ihn einen weiteren Tag nachzuladen und auf Anregung der Verteidigung auch sogleich noch einen Tag mehr.

    Mittlerweile stehen wir an dem Punkt, dass XXX vier Tage als Zeuge vor Gericht auftrat und noch immer mit weiteren zwei Tagen zu rechnen ist. Sechs statt zwei Tage – das zeigt, wie grob der Senat neben der Realität kalkuliert und lässt bereits jetzt begründet erwarten, dass ein Urteil im Dezember 2026 erwartet werden kann.

    Vorausschauend aber bereits jetzt für 2027 Termine anzusetzen, um den zügigen Abschluss des Prozesses zu gewährleisten, findet offensichtlich nicht statt, und sofern es nach dem Gericht geht, darf sich die Hauptverhandlung anscheinend auch bis 2028 oder 2029 ziehen. Bei durchschnittlich drei Verhandlungstagen pro Monat (bisher) muss das befürchtet werden.

    «Sächsische Separatisten» und AfD? Der Inside-Report

    Aber zurück zu XXX: Nachdem also die beiden Ermittlungsleiter ihre Gedanken und Erinnerungen preisgaben (siehe hier), hätte man nunmehr von Zeuge 3 erwarten dürfen, dass in die Abgründe einer rechtsextremen Terrorgruppe vorgedrungen wird, die Vernetzung der Mitglieder offengelegt wird und somit die Wahrheit ans Licht kommt. Leider Fehlanzeige!

    Zwar wäre es zugegeben unfair, einem einzigen Zeugen die Last der Aufklärung eines umfassenden Sachverhaltes aufzubürden, allerdings darf doch mit Fug und Recht behauptet werden, dass wir uns dieser Frage noch nicht einmal genähert haben! Abgesehen von den Personensachstandsberichten zu zwei der acht Angeklagten, die allemal umfassenden Charakter hatten und insgesamt eine nähere Sicht auf jene beiden Personen ermöglichten, konnten wir vom eigentlichen Sachverhalt kaum weiter entfernt sein. Da gab es einen Bericht über eine Aktion der ehemaligen Jungen Alternative zum «Stolzmonat», bei der mehrere Personen eine Flagge der Bundesrepublik Deutschland hochhielten. Mit auf dem Bild war der Hauptangeklagte Jörg S.

    Ein weiterer Bericht drehte sich um den Ausflug von drei Angeklagten zu einer rechten Szenekneipe und wieder ein anderer Bericht thematisierte ein paar Sprachnachrichten aus einer Chatgruppe, die mit dem Tatvorwurf kaum weniger zutun haben konnten. So verstrichen über Bagatellen die Prozesstage. In ermüdender Weise mussten wir uns verschiedenste Bilddateien zweier Handys auf dem großen Saalbildschirm anschauen, welche die vermeintliche Ideologie der Besitzer nachweisen sollten. Interessant daran ist, dass das Vorhandensein von Bildern und Dateien für das LKA stets als Anhalt dafür herhält, jemand denke etwas, aber das Fehlen derartiger Dateien niemals zum Umkehrschluss führt.


    Die anfängliche Annahme der Verteidiger, dass gleich zu Beginn die harten Belastungszeugen des BKA hervorgekramt werden, bestätigte sieh jedenfalls nicht. Andererseits kann man aber auch sagen, dass von der Bearbeitungsreichweite die ersten Zeugen doch diejenigen mit den meisten Berichten und Vermerken zu sein scheinen. Es lässt sich also vermuten, dass die Zeugen des BKA nach und nach seichter werden und das Fehlen jeglicher Straftaten jetzt auch bedeuten könnte, dass man diese im Gesamtprozess erwarten darf, ohne dass wir jemals erleuchtet werden.

    Den zweiten Teil dieses zweiten Tagebuch-Beitrags veröffentlichen wir morgen an dieser Stelle. Die Reihe wird nach den weiteren Prozesstagen fortgesetzt, erscheint jedoch verzögert, da der Autor seine Berichte unter erschwerten Bedingungen abfasst und unserer Redaktion zukommen lässt.

    Politischer Schauprozess? Die Justizfarce um die «Sächsischen Separatisten» reiht sich ein in weitere Klopper, dokumentiert in unserem Rabatt-Paket «1.000 Seiten BRD-Diktatur», jetzt für 14,99 statt für 79,75 Euro. Hier mehr erfahren.

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