Oliver Bierhoff, vormaliger Fußball-Manager, gilt nicht gerade als besonders meinungsstark. Im Stern aber hat er jetzt ein interessantes Interview zur politischen Instrumentalisierung des Sports gegeben. Bleiben Sie auf dem Laufenden und sichern Sie sich die neueste Ausgabe des COMPACT-Magazins, unsere Mai-Ausgabe. Hier mehr erfahren.

    Früher war er erfolgreicher Kicker, dann zahlreiche Jahre Leiter der Fußball-Nationalelf, und jetzt warnt Oliver Bierhoff im Vorfeld der anstehenden Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko vor zu viel politischer Korrektheit.

    Er dürfte wissen, wovon er spricht. Viele halten gerade ihn für verantwortlich für den misslungenen DFB-Auftritt während der WM 2022 in Katar. Damals sollten die Spieler die schräge „One-Love“-Binde tragen, nachdem ihnen der Weltfußballverband das Tragen einer Regenbogenbinde verboten hatte. Aus Protest dagegen kam es dann zu der peinlichen Mund-zu-Geste unserer Kicker vor Fotografen. Die Nationalelf wurde seinerzeit zum Gespött der Fußball-Welt und flog dann auch noch bereits in der Vorrunde aus dem Turnier. Bierhoff trat anschließend zurück.

    „Lasst es sein!“

    Seither ist es ruhig um den Fußball-Europameister von 1996 geworden. Damals war er es, der im Finale gegen Tschechien das goldene Tor geschossen hatte. Später glänzte Bierhoff zunächst als Manager jeder Mannschaft, die 2014 in Brasilien den Weltmeistertitel erringen konnte. Zeitweise war er auch Mitglied der DFB-Präsidiums. Selbstverständlich ist auch das bevorstehende Turnier wieder politisch aufgeladen. Bierhoff warnt jetzt im Interview mit dem Stern davor, abermals zwanghaft Position zu beziehen:

    „Die Spieler müssen geschützt werden. Sie dürfen sich nicht treiben lassen. Man sollte ihnen sagen: Lasst die Medien meckern und konzentriert euch auf den Sport.“

    Dies sei auch eine Lehre, die man aus dem Verlauf der WM vor vier Jahren ziehen solle. Und so gingen Bilder moralisierende Deutschen um die Welt, einschließlich Armbinde tragenden damaligen Innenministerin Nancy Faeser beim Auftaktspiel gegen Japan.

    Bierhoff erinnert sich: „Die Idee kam aus der Mannschaft. Einige Spieler hatte die Debatte sehr beschäftigt, sie wollten eine Reaktion zeigen. Heute denke ich: Man muss sehr gut überlegen, ob man sich als Team bei einem Turnier politisch positioniert.“ Über seine eigene Rolle sagt er:

    „Damals hätte ich mir gewünscht, dass sich das Präsidium des Verbandes klarer zu Katar äußern und vor die Mannschaft stellen würde. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass man sich eher hinter der Mannschaft und mir versteckt. Die Spieler sollten sich aber nicht verpflichtet fühlen, etwas zu sagen. Das zu verlangen, halte ich für überzogen und unangebracht. Im Übrigen: Die Welt wundert sich über uns Deutsche, weil wir glauben, alle belehren zu müssen.“

    Ob es dieses Mal wirklich besser läuft? Schon sein geraumer Zeit tobt eine Debatte um die Frage, ob die Mannschaft überhaupt teilnehmen solle. Bierhoff:

    „Ich finde die meisten Diskussionen verlogen. Robert Habeck hat als damaliger Wirtschaftsminister einen Kniefall vor dem Emir von Katar gemacht, weil er dessen Flüssiggas kaufen wollte. Bei Habeck hat es keinen Aufschrei gegeben, da spielten Menschenrechtsverletzungen keine Rolle. Wir brauchten eben dringend Energie aus Katar. Unsere Nationalspieler dagegen sollten sich rechtfertigen, weil sie an der WM dort teilnehmen? Ernsthaft? Jetzt geht eine ähnliche Debatte los, jetzt stören wir uns an den USA.“

    Sein Fazit: „Ich halte generell nichts von einem Turnierboykott. Lasst die Fußballer ihren Sport in Wettkämpfen ausüben, für die sie 365 Tage im Jahr hart arbeiten.“

    Die Weltmeisterschaft findet vom 11. Juni bis zum 19. Juli statt. Wie solle man denn mit dem Gastgeber umgehen. Bierhoff. „Es gibt enge wirtschaftliche Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und unsere Regierung ist weiterhin um gute Beziehungen bemüht. Warum sollte ausgerechnet die Nationalmannschaft eine andere Haltung einnehmen?“ Und: „Tragt eure Moraldebatten gerne aus, aber nicht auf dem Rücken der Spieler.“

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