An der Schlagader der Weltwirtschaft steigt der Druck wieder an. Seit fast vier Wochen gilt eine brüchige Waffenruhe zwischen Washington und Teheran, doch die Straße von Hormus bleibt geschlossen, ein Fünftel des weltweiten Ölhandels liegt brach. Jetzt sollen amerikanische Kräfte die Meerenge erzwingen. Alle Hintergründe zur Situation im Nahen Osten in unserer April-Ausgabe mit dem Titelthema „Gefahr für Deutschland“. Grundwissen, um mitreden zu können. Hier mehr erfahren.

    Auf Truth Social taufte Trump den Vorstoß «Project Freedom». «Dies ist eine humanitäre Geste», schrieb er, und drohte im selben Atemzug: Jede Einmischung werde mit Gewalt beantwortet. Teheran antwortete prompt. Ebrahim Azizi, Leiter des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, stellte klar: Die Straße von Hormus werde nicht durch «Trumps wahnhafte Posts» gesteuert. Der Ölmarkt zeigte sich unbeeindruckt. Händler zweifeln offen daran, dass Trumps Plan die Lage verändert.

    Humanitär mit Drohung

    Trump wählte auf Truth Social große Worte: «Die Schiffsbewegung soll lediglich Menschen, Unternehmen und Länder befreien, die absolut nichts falsch gemacht haben, sie sind Opfer der Umstände», schrieb er. Und weiter:

    «Dies ist eine humanitäre Geste der Vereinigten Staaten, der Länder des Nahen Ostens, insbesondere aber des Irans.»

    Rund 1.600 Schiffe sitzen beiderseits der Meerenge fest, 20.000 Seeleute sind an Bord. Der US-Präsident erklärt: «Auf vielen der Schiffe gehen die Lebensmittel zur Neige.» Die Versorgungslage verschlechtere sich täglich. Wie die USA konkret vorgehen wollen, ließ er allerdings offen. Den Ton setzte er trotzdem: «Sollte dieser humanitäre Prozess in irgendeiner Weise gestört werden, muss diesem Eingreifen leider entschieden entgegengetreten werden.»

    Insider packen aus: So erlebt Trump seinen Iran-Krieg

    CENTCOM sprach eine andere Sprache. Das Zentralkommando kündigte Lenkwaffenzerstörer, mehr als 100 land- und seegestützte Flugzeuge sowie 15.000 Soldaten an. Admiral Brad Cooper erklärte: «Unsere Unterstützung für diese defensive Mission ist entscheidend für die regionale Sicherheit und die Weltwirtschaft.» Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf zwei hochrangige Beamte, die Initiative sehe vorerst keine direkte Eskorte durch die Meerenge vor. Geplant sei lediglich eine Koordinierungsstelle. Die US-Marine werde sich «in der Nähe» aufhalten.

    Teherans rote Linie

    Azizi ließ keine Unklarheiten: «Jede amerikanische Einmischung in der Straße von Hormus wird als Verstoß gegen die Waffenruhe betrachtet.» Das iranische Militärkommando legte nach:

    «Wir warnen, dass jede ausländische Streitkraft, insbesondere die aggressive Armee der Vereinigten Staaten, angegriffen wird, wenn sie versucht, sich der Straße von Hormus zu nähern oder in sie einzudringen.»

    Noch während Washingtons Ankündigung die Runde machte, meldete die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt einen neuen Angriff auf ein Schiff in der Meerenge, rund 145 Kilometer nördlich von Fudschaira. Im Hintergrund laufen die Gespräche weiter: Teheran bestätigte, Washington habe über den Vermittler Pakistan eine Antwort auf den iranischen 14-Punkte-Plan übermittelt.

    Europa zögert

    Macron begrüßte das Vorhaben grundsätzlich, bemängelte aber fehlende Einzelheiten. Am Rande des Treffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Eriwan stellte er klar: Frankreich werde sich an keiner gewaltsamen Operation beteiligen.

    Auch Deutschland hält sich die Option offen. Das Minenjagdboot Fulda lief am Montagnachmittag vom Kieler Stützpunkt in Richtung Mittelmeer aus. Voraussetzung für einen Einsatz bleibt ein Bundestagsmandat.

    Der Markt nimmt Trump nicht ernst

    Brent-Rohöl fiel am Montagmorgen auf rund 107 Dollar je Barrel, WTI rutschte unter 102 Dollar. Seit Jahresbeginn hat sich Brent um rund 74 Prozent verteuert. Händler Haris Khurshid von Karobaar Capital sagte Bloomberg:

    «Eine gewisse Trump-Müdigkeit setzt ein. Ich glaube nicht, dass der Markt das wirklich ernst nimmt.»

    Ein europäischer Reeder mit vier festsitzenden Schiffen brachte die Stimmung auf den Punkt: Vor einer Bewegung seiner Flotte brauche es eine «endgültige Waffenruhe».

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