Arbeiten USA und China insgeheim zusammen, um den Zusammenbruch des Weltgeldsystems herbeizuführen und einen Great Reset zu lancieren? Eine kritische Auseinandersetzung mit den Thesen des Ökonomen Ernst Wolff aus COMPACT 5/2026.

    In der aktuellen COMPACT-Ausgabe dokumentieren wir ein Interview, dass Krise Rieger mit dem prominenten Sachbuchautor Ernst Wolff geführt hat. Es ist sehr interessant, soll aber gerade deswegen nicht unwidersprochen bleiben. Peter Feist und ich haben darüber auf COMPACT-TV diskutiert. Zunächst zu Wolff (*1950): Er war bis 2013 auf der Linken aktiv, kandidierte bei der Bundestagswahl 2021 für die Partei dieBasis und hat sich vor allem als Wirtschaftskenner und Kritiker der Finanzindustrie einen Namen gemacht. Sein Buch „Weltmacht IWF“ (2014) stand 20 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste im Bereich Wirtschaft. „Finanz-Tsunami“ (2017) war auf Platz eins im Bereich Wirtschaft des Manager Magazins.

     

    Ernst Wolff ist ein beliebter Vortragsredner. Foto: IMAGO/Herrmann Agenturfotografie

    Ernst Wolff (aus dem Interview mit Krissy Rieger, siehe COMPACT 5/2026): „Wir erleben ja im Moment dieses Hin und Her gerade um die Straße von Hormus und so, das ist alles ein riesiges inszeniertes Theater. Ich erinnere an den Spruch von Franklin Delano Roosevelt aus den 30er Jahren: In der Politik passiert nichts zufällig. Wenn etwas passiert, dann ist es im Hintergrund geplant. Und das ist hier auch so. Diese ganze Krise ist geplant, um für diese ganz große Umwälzung einen Schuldigen zu finden. Und da findet man jetzt den Iran. Und man wird nachher sagen, wenn es z.B. zur großen Rezession kommt, die ja geplant ist, jetzt die ganz große Rezession, dann wird man sagen, Schuld daran ist der Iran. Schuld daran ist die Schließung der Straße von Hormus. Die hat man allerdings absichtlich provoziert. Das ist so ähnlich wie mit Pearl Harbor.
    Man wusste, dass der Angriff kommt, man hat ihn noch weiter provoziert und man hat ihn dann als Anlass benutzt, um in äh als amerikanischer Staat in den Krieg einzugreifen.“

    Elsässer: Was Wolff sagt, ist was anderes als das, was wir in der Titelstory dieser COMPACT-Ausgabe herausarbeiten. Wir argumentieren in COMPACT: Trump hat sich von Netanjahu in die iranische Falle treiben lassen. Netanjahu hat ihm gesagt, es ist alles ganz leicht und die Straße von Hormus, das kriegen wir locker hin…Und Wolff sagt im Grunde, es war keine Tölpelhaftigkeit von Trump, keine Dummheit, sondern es war ein Kalkül von Trump, dass die Straße von Hormus geschlossen wird. Das ist im Grunde eine völlig andere Darstellung über die treibenden Akteure.

    Feist: Wolff sieht ja alles durch einen einzigen Fokus. Nämlich der Fokus ist, das zentrale Ziel der Eliten ist die Einführung des digitalen Zentralbankgelds, weil der Untergang des jetzigen Finanz- und Währungssystems unmittelbar vor uns bevorsteht und um dafür einen Schuldigen zu finden, muss jetzt etwas inszeniert werden. Und dann will man die Schuld nicht auf die Zentralbanken wälzen kann oder auf die USA, sondern auf den Iran. Ich verfolge den Herrn Wolff schon länger und es kommt immer wieder zu diesem Problem Zentralbankgeld, digitales Zentralbankgeld und daraus wird die ganze Welt erklärt. Und das ist mir ein bisschen zu einfach.Ich will nicht ausschließen, dass es Leute gibt, die diese Krise um die Straße von Hormus herbeiführen wollten. Aber ich glaube nicht, dass das Trumps Interesse war. Und wenn man sich diese irrsinnigen Äußerungen, jeden Tag eine andere Position zur Straße von Hormus, anguckt, dann sieht man, dass das eben kein langfristiger Plan war, sondern dass er von der Situation überrascht worden ist.

    Elsässer: Ich finde, Ernst Wolff ist ein sehr kluger Kopf. Und vor allem, dass er die Sache mit den Finanzmächten und die Sache mit dem Great Reset im Geldsystem immer wieder in Erinnerung ruft, ist sehr verdienstvoll. Aber er macht einen Fehler. Er legt nahe, dass alles ein abgekartetes Spiel ist. Es gebe gar keine ernsthafte Konfrontation USA/Israel gegen Iran oder USA/Israel gegen Iran plus China, sondern das hätten die hintenrum alle schon abgekartet. Das ist ein Bild von der Welt und von den Machtgruppen, das mir erheblich zu simpel ist. Es gibt tatsächlich zwischenimperialistische Widersprüche. Es gibt den Widerspruch der Supermächte USA versus China und es gibt natürlich den Widerspruch zwischen den globalistischen Mächten und dann Nationen wie dem Iran, die ihre Souveränität, verteidigen wollen.

    COMPACT 5/2026 mit dem Ernst-Wolff-Interview

    Feist: Und bei Wolff gibt’s eben keinen Zufall. Es ist irgendeiner im Hintergrund und steuert alles bis auf den letzten Millimeter – und wir wissen aus der Geschichte, dass das noch nie funktioniert hat. Selbst die größten Verschwörungen sind immer daran gescheitert, dass irgendein zufälliges Moment kam, was sie nicht einkalkuliert hatten. Also, wie gesagt, ich bin gegen monokausale Erklärung, ich bin der Meinung, die Welt ist ein Tendenzgefüge, wo die Tendenzen sich durchmischen, und das kann man versuchen zu steuern, das wird auch immer wieder versucht zu steuern, aber diese Steuerung funktioniert fast immer nicht. Und deshalb finde ich den Gedanken, dass man das provoziert hat mit der Straße von Hormus, nicht abwegig, aber als einzige Erklärung für den Krieg ist es viel zu wenig,. Denn wir wissen, dass der Netanjahu sozusagen einen Lebensplan hat, und der heißt mindestens seit 30 Jahren: Iran schwächen, Iran fertigmachen, denn wenn Israel die entscheidende Regionalmacht im Nahen Osten sein will, dann müssen der Iran und die Türkei – das ist das nächste Ziel! – geschwächt werden, sonst können die Israelis niemals Regionalmacht werden.

    Elsässer: Ernst Wolff bringt eben diese ökonomischen Erklärungen. Die entgegengesetzte Erklärung ist die tiefreligiöse: dass Israel getrieben wird von einer messianischen Direktive, die es aus der Tora oder aus dem Alten Testament entnimmt und wo man Armageddon nicht fürchtet, sondern Armageddon anstrebt, weil dann der Messias käme. Und wir sehen ja, dass Donald Trump auch von diesen messianischen Gedanken erfasst ist, die nicht nur von extremistischen Juden kommen, sondern auch von extremistischen Evangelikalen, die er in seinem direkten Umkreis hat.

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