Angehörige britischer Spezialeinheiten sollen bei Nachtrazzien unbewaffnete Zivilisten erschossen und Beweise gefälscht haben. Ein Whistleblower enthüllte die Vertuschung bis in die Führungsebene. Eines der bekanntesten Militärregimenter der Welt flieht vor der eigenen Vergangenheit. Praktisch: das COMPACT-Sturmfeuerzeug. Damit können Sie ordentlich Zunder geben. Hier bestellen.
Helmand-Provinz, Afghanistan, eine Nacht im Jahr 2011: Britische Spezialkräfte dringen in ein Gehöft ein, finden ein Moskitonetz, unter dem sich Menschen verbergen, und feuern so lange, bis sich nichts mehr regt. Dahinter finden sie Frauen und Kinder. Alle tot! Ein Soldat, der den Abzug drückte, wird später ausgezeichnet.
Dieses Szenario ist kein Einzelfall. Durch Afghanistan und Syrien zog der Special Air Service (SAS) über Jahre seine Blutspur. Seit 2023 rollt eine Sonderkommission unter Richter Lord Justice Haddon-Cave die Einsätze der Jahre 2010 bis 2013 systematisch auf. Zu einer einzigen Anklage hat das bislang geführt. Diese Woche wurde bekannt: Die Soldaten reagieren mit Massenaustritt. Jetzt verlassen die Männer, die das Land für unantastbar hielt, das Regiment in Scharen. Und die Frage, was sie in jenen Nächten wirklich taten, lässt sich nicht mehr so leicht begraben.
Das Regiment läuft davon
Angehörige des 22. SAS stellen reihenweise Anträge auf vorzeitige freiwillige Entlassung. Insider bezeichnen die Abgänge als erheblich und als direkte Bedrohung der nationalen Sicherheit. Betroffen sind mindestens zwei Staffeln, D und G. Die genaue Zahl der Austritte bleibt aus Sicherheitsgründen unter Verschluss. „Die Stimmung ist im Moment beschissen“, zitieren mehrere britische Medien vom 21. April einen Angehörigen der Einheit. Eine weitere Quelle sprach von „erheblicher Unruhe“ innerhalb des Regiments.

Oberleutnant Richard Williams erklärte gegenüber dem Sender LBC am selben Tag, die Austritte speisten sich aus der Furcht, dass Handlungen während der Einsätze zu Verhaftungen auf Grundlage von Menschenrechtsgesetzen führen könnten. Ein hochrangiger Militär fügte hinzu, es sei kaum verwunderlich, dass pflichtbewusste Soldaten unter diesen Umständen den Dienst quittierten.
Modus Operandi: Erschießen, Waffen unterlegen, schweigen
Die laufenden Ermittlungen richten sich gegen 242 Angehörige der Spezialeinheiten, darunter 120 aktive Soldaten. Die Kommission zeichnet das Bild einer systematischen Tötungspraxis: Unbewaffnete Männer wurden bei Nachtrazzien erschossen. Ihnen legte man anschließend Waffen unter. Die Berichte darüber wurden gefälscht. Laut einer BBC-Panorama-Untersuchung vom Juli 2022 wurden in einer einzigen SAS-Einheit während eines sechsmonatigen Helmand-Einsatzes 54 Menschen unter verdächtigen Umständen getötet, wobei unbewaffnete Afghanen „routinemäßig kaltblütig erschossen“ worden sein sollen.
Ein ehemaliger hochrangiger Offizier, anonymisiert als N1466, sagte vor der Kommission aus, er halte die Vorfälle für Kriegsverbrechen. Der damalige Befehlshaber der Spezialeinheiten habe „gewusst, was vor Ort geschah“ und aktiv versucht, es zu „vertuschen“. Statt die Militärpolizei einzuschalten, ordnete er laut N1466 eine interne taktische Überprüfung an: „eine kleine Scheinübung“, die nach außen Handlungswillen signalisieren sollte, ohne die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die Opferzahl des Moskitonetz-Vorfalls ist bis heute nicht öffentlich bekannt. Der verantwortliche Soldat, wurde später sogar ausgezeichnet. Kein Vorgesetzter fragte nach.

Bereits 2011 kamen erste Bedenken über das Verhalten britischer Soldaten auf. Die Untersuchung unter dem Decknamen Operation Northmoor begann dennoch erst im März 2014. Sie wurde im Juli 2019 vorzeitig eingestellt, in einer Entscheidung, die die Kommission später als „unangemessen und verfrüht“ bezeichnete, ohne dass zentrale Ermittlungsansätze geprüft worden waren.
675 Vorwürfe von 159 Beschwerdeführern lagen vor. Beweise wurden vernichtet oder blieben ungesichert. Ein Server mit entscheidenden Daten verschwand, bevor die Militärpolizei ihn sicherstellen konnte. Die Kosten der gescheiterten Untersuchung beliefen sich auf rund zehn Millionen Pfund.
Hexenjagd?
Die Abgänge wurden innerhalb des Regiments von Anfang an als „Hexenjagd“ bezeichnet. Parallel läuft in Nordirland ein separater Prozess: Dort ermitteln Staatsanwälte gegen rund 20 frühere SAS-Angehörige wegen mutmaßlicher Morde während der Troubles in den 1990ern, darunter Vorfälle bei Coagh und Clonoe 1991 und 1992.

Die Labour-Regierung unter Premierminister Keir Starmer hat den Immunschutz aufgehoben, den die Vorgängerregierung für Nordirland-Veteranen eingeführt hatte. Neun frühere Militärchefs wandten sich daraufhin in einem offenen Brief an Starmer mit der Warnung, das Vertrauen der Soldaten in das Rechtssystem sei so tief gesunken, dass es „alles gefährde“.
Auf der anderen Seite stehen die Afghanen, deren Angehörige in jenen Nächten starben, und eine Kommission, die aufzuklären versucht, was jahrelang institutionell begraben worden war. Großbritannien ringt gegenwärtig mit der Frage, was seine Elitekrieger im Verborgenen taten, und was eine Demokratie damit anfangen soll.
Wüstenfuchs gegen Skorpione
Nordafrika, Frühjahr 1941. Erwin Rommel, den die Briten ehrfürchtig den „Wüstenfuchs“ nannten, landet mit dem Afrikakorps in Tripolis und treibt die alliierten Verbände innerhalb weniger Wochen quer durch die Sahara zurück bis zur ägyptischen Grenze.
Winston Churchill würdigt ihn im Unterhaus als „großen General“. Der britische Historiker David Fraser stellte ihn 1994 auf eine Stufe mit Napoleon und Robert E. Lee (Südstaaten-General im amerikanischen Bürgerkrieg):
„Rommel als Truppenführer im Gefecht steht in ihrer Gesellschaft.“
1942 rückt der Wüstenfuchs erneut vor, und wird zum Alptraum des Empires. Bei der Schlacht von Gazala überrumpelt er eine britische Armee, die ihm an Panzern weit überlegen ist, und nimmt Tobruk in weniger als zwei Wochen. Churchill erklärte damals: „Der Verlust Ägyptens und des Nahen Ostens wäre eine Katastrophe ersten Ranges, nur übertroffen von einer erfolgreichen Invasion und Eroberung Englands selbst.“

Rommels Ziel: der Suezkanal, dahinter die Ölfelder des Nahen Ostens und die Unterbrechung des Persischen Korridors, über den zu dieser Zeit fast die Hälfte aller westlichen Waffenlieferungen an die Sowjetunion rollte. Die Amerikaner lieferten der Sowjetunion mehr Lastkraftfahrzeuge als diese selbst baute.
Einige Schätzungen gehen von zwischenzeitlich 70-80 Prozent Verlusten der Wehrmacht durch Artillerie an der Ostfront aus. Die Lend-Lease-Hauptroute über den Nahen Osten ließ die Rote Armee zur offensiven Dampfwalze werden. Nikita Chruschtschow, von 1953 bis 1964 als Parteichef der KPdSU der mächtigste Politiker der Sowjetunion, erinnerte sich später:
„Nach Stalins Tod schien es, als wäre unsere gesamte Artillerie auf amerikanischen Fahrzeugen montiert.“
Doch Rommels eigentliche Achillesferse war die Logistik: Seine Nachschublinien über das Mittelmeer wurden von Malta aus ständig zerbombt. Bei Alam Halfa 1942 blieb sein letzter großer Angriff buchstäblich wegen Treibstoffmangels 20 Kilometer vor Alexandria stecken.

In diesem Feuer wird der SAS geschmiedet. Das Empire stand buchstäblich auf dem Spiel. Lieutenant David Stirling erkennt, dass die alliierten Großverbände zu der Zeit gegen die Wehrmacht im direkten Gefecht Nachteile haben.
Noch auf Krücken nach einem missglückten Fallschirmabsprung schmuggelte er sich im Juli 1941, den Dienstweg umgehend, ins Hauptquartier des Nahen Ostens in Kairo. Auf der Flucht vor den Wachen stolperte er in das Büro von General Sir Neil Ritchie, dem stellvertretenden Oberbefehlshaber.
Ausgerechnet Ritchie, den Churchill ein Jahr später nach der Niederlage bei Gazala und dem Fall von Tobruk feuerte, gab dem SAS grünes Licht: sechs Offiziere, 60 Mann, kein Truppenaufmarsch, kein Kanonendonner. Stattdessen kleine Teams, die tief hinter feindlichen Linien Treibstoffdepots in Brand setzen und Flugzeuge auf Rollfeldern zerstören. Der Name „Special Air Service Brigade“ ist eine bewusste Täuschung: Eine Brigade suggeriert Tausende von Soldaten.

Nach Kriegsende 1945 aufgelöst, wurde das Regiment 1952 als 22 SAS neu gegründet. Seither zog es durch nahezu jeden Konflikt, in den Großbritannien verwickelt war: Malaya, Oman, Borneo, der Falklandkrieg, der Irak, Afghanistan, Syrien. Weltweite Bekanntheit erlangte der SAS 1980, als eine Einheit die iranische Botschaft in London unter laufenden Fernsehkameras stürmte und die Geiseln befreite. Das Motto lautet bis heute: „Who Dares Wins“ (Wer wagt, gewinnt).
Rommel selbst schrieb über den SAS: „Die Briten verloren mit David Stirling einen außerordentlich fähigen und wendigen Kommandeur der Wüstengruppe SAS, die uns mehr Schaden zugefügt hatte als jede andere britische Einheit gleicher Stärke.“
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