Nach den ersten Ergebnissen bei den Oberbürgermeister- und den Landratswahlen zeichnet sich ab: Bayern bleibt in CSU-Hand. Dennoch müssen die Christsozialen häufiger in Stichwahlen gehen als bisher. In München erleben die Sozis um OB Dieter Reiter ein Debakel, die Freien Wähler bleiben in der Fläche stark – und die AfD kann teils beachtliche Stimmenzugewinne verbuchen. Darum jetzt ein Zeichen setzen – mit der Kanzlermedaille Alice Weidel und dem Höcke-Taler aus feinstem Silber. Hier mehr erfahren.
Nicht nur in Baden-Württemberg, auch in Bayern wurde am gestrigen Sonntag gewählt. Rund zehn Millionen Bürger in 2.056 Gemeinden und Städten sowie in 71 Landkreisen des Freistaates waren aufgerufen, neue Gemeinde- und Stadträte, Kreistage, Bürgermeister und Oberbürgermeister sowie Landräte zu bestimmen.
Durch das komplizierte Wahlsystem in Bayern mit Kumulieren und Panaschieren dauern insbesondere die Auszählungen in den größeren Städten und Gemeinden noch an. In einigen Gemeinden und Landkreisen konnten bis zu 80 Stimmen auf unterschiedliche Kandidaten verteilt werden. Vorläufige endgültige Ergebnisse gibt es vor allem mit Blick auf die Bürgermeister- und OB-Wahlen sowie den Landratswahlen. Diese Urnengänge wurden zuerst ausgezählt.
Reiter-Dämmerung in München
In Bayerns Landeshauptstadt München musste der seit 2014 als Oberbürgermeister amtierende Dieter Reiter (SPD) herbe Stimmenverluste hinnehmen. Nach dem vorläufigen Endergebnis erreichte Reiter nur noch 35,6 Prozent der Stimmen. Bei der letzten OB-Wahl 2020 hatte der Sozialdemokrat im ersten Wahlgang noch 47,9 Prozent erhalten und war in der Stichwahl schließlich mit 71,7 Prozent im Amt bestätigt worden.

Nun muss Reiter am 22. März in die Stichwahl gehen – und zwar gegen den Grünen Dominik Krause, Typ Oberstufenschüler und bislang Zweiter Bürgermeister der bunten Rathauskoalition aus Grünen, SPD, Rosa Liste und Volt, der in der ersten Runde 29,5 Prozent erreichte. Ausgeschieden ist hingegen CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner, der von 2019 bis 2025 als Chef des Oktoberfests amtierte. AfD-Bewerber Markus Walbrun landete mit 4,5 Prozent auf dem vierten Platz.
„So, wo samma, sagen die Neger“
Reiter führte sein schlechtes Abschneiden am Wahlabend auf die Kritik an seiner Person in den vergangenen Wochen zurück. „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht“, sagte er am Abend in München und sprach von einem „für mich doch enttäuschenden Wahlabend“, so der SPD-Mann. Vorgeworfen wurden ihm vor allem die Verwendung des N-Wortes sowie nicht vom Stadtrat genehmigte Zahlungen für ein Ehrenamt beim FC Bayern.
Wörtlich hatte Reiter vergangenen Mittwoch bei einer Stadtratssitzung, während er in der Tagesordnung blätterte, gesagt: „So, wo samma, sagen die Neger“. Später entschuldigte er sich dafür und sagte, seine Äußerung sei ein Zitat aus einem Stück des verstorbenen niederbayerischen Musikers und Satirikers Fredl Fesl gewesen, das ihm „spontan über die Lippen gekommen“ sei, als die Frage aufkam, wo man im Ablauf der Sitzung sei.

Viel schwerer dürfte jedoch die Bayern-München-Affäre gewogen haben. Reiter sitzt seit einigen Jahren im Verwaltungsbeirat des Klubs – eine Tätigkeit, die ursprünglich ehrenamtlich und unbezahlt war. Seit Ende 2021 bekommt der Münchner OB dafür jedoch eine Aufwandsentschädigung von 10.000 Euro pro Halbjahr, wodurch er bislang mindestens 80.000 Euro abkassierte. Dies ist auch deshalb höchst problematisch, weil sich Reiter die Vergütung nicht nur nicht, wie vorgeschrieben, vom Stadtrat genehmigen ließ, sondern das Gremium noch nicht einmal darüber informierte.
Für die Stadtratswahl in München liegt derzeit ein Zwischenergebnis vor (1279 ausgezählte Bezirke von 1376). Demnach führt die CSU dort überraschend mit 26,6 Prozent. Dicht dahinter rangieren die Grünen mit 25,8 Prozent, während die SPD bei 19,1 Prozent liegt. Die AfD erreicht nach jetzigem Stand 6,9 Prozent.
Die größten Städte
In Nürnberg, der zweitgrößten Stadt des Bundeslandes Bayern, kommt es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Marcus König (CSU) und SPD-Herausforderer Nasser Ahmed. König lag im ersten Wahlgang mit 46 Prozent der Stimmen vor Ahmed (26,5 Prozent). Die Bewerber von Grünen und AfD (jeweils zehn Prozent) konnten in den Zweikampf nicht entscheidend eingreifen.
In Bayerns drittgrößter Stadt Augsburg muss Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) in die Stichwahl gegen SPD-Kandidat Florian Freund. Weber kam im ersten Wahlgang auf 34,0 Prozent der Stimmen, Freund lag mit 19,9 Prozent deutlich abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Andreas Jurca von der AfD erreichte 12,4 Prozent und lag damit hinter Grünen-Kandidatin Martina Wild, die 16,4 Prozent der Stimmen erhielt.

Anderswo müssen Amtsinhaber zittern: In Erlangen und Aschaffenburg holten die CSU-Kandidaten im ersten Anlauf mehr Stimmen als die SPD-Amtsinhaber. Im bisher CSU-regierten Schweinfurt lag dagegen der SPD-Kandidat vorn. Bei der OB-Wahl in Bamberg verpasste die ehemalige bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) die Stichwahl gegen die Kandidaten der SPD und der Grünen.
Ein besonders klares Beispiel liefert hingegen Fürth. Dort setzte sich Oberbürgermeister Thomas Jung mit 72,1 Prozent gegen sechs Mitbewerber durch. CSU-Kandidat Max Ammon erreichte lediglich 8,5 Prozent und lag damit nur unwesentlich vor dem AfD-Bewerber Roland-Alexander Hübscher, der 7,3 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.
Dominanz der CSU bleibt bestehen
Bei den Landratswahlen zeigt sich, neutral formuliert, insgesamt ein Bild von Kontinuität mit punktuellen Verschiebungen. Heißt: In vielen Landkreisen bestätigten die Wähler die bisherigen politischen Kräfteverhältnisse, zugleich gab es einige Überraschungen, neue Stichwahlen und regionale Veränderungen bei den Stimmenanteilen.
Dominierende Kraft bleibt weiterhin die CSU, die traditionell den Großteil der Landräte, besonders in ländlichen Regionen, stellt. Ihre Kandidaten erreichten in zahlreichen Landkreisen Ergebnisse zwischen etwa 45 und über 60 Prozent und gingen damit entweder direkt als Sieger hervor oder als klare Favoriten in Stichwahlen. Dieses Muster bestätigt den langfristigen Trend: Während Parteien in großen Städten stärker konkurrieren, bleibt die CSU auf Landkreisebene vielerorts dominant.
So kam CSU-Kandidat Raimund Kneidinger im Landkreis Passau rund 62 Prozent der Stimmen und wurde damit direkt im ersten Wahlgang wiedergewählt – genau wie Amtsinhaber Siegfried Walch (CSU) im Landkreis Traunstein, der knapp über 60 Prozent einfuhr. Auch der Straubinger CSU-Landrat Josef Laumer lag mit über 55 Prozent deutlich vorne und konnte sich damit sofort eine weitere Amtszeit sichern.
Viele Stichwahlen
Ein auffälliges Merkmal der Landratswahlen ist nichtsdestotrotz die hohe Zahl an Stichwahlen, was zeigt, dass auch für Christsozialen die Bäume in Bayern längst nicht mehr in den Himmel wachsen. In vielen Landkreisen konnte kein Kandidat im ersten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit von 50 Prozent erreichen. Deshalb entscheiden zahlreiche Landkreise erst in der Stichwahl am 22. März 2026 über ihre künftigen Landräte.
Diese Stichwahlen entstehen häufig aus Dreier- oder Viererkonstellationen zwischen CSU, SPD, Grünen, Freien Wählern oder parteilosen Kandidaten. Dabei liegen die Erst- und Zweitplatzierten teilweise nur wenige Prozentpunkte auseinander, was auf engere Wettbewerbe als in früheren Kommunalwahlen hindeutet.

So lag im Landkreis Dachau CSU-Kandidat Stefan Löwl im ersten Wahlgang mit rund 46 Prozent vorne, verfehlte aber die absolute Mehrheit. In der Stichwahl tritt er gegen Claudia Kops (parteilos, unterstützt von SPD und Grünen) an. Im Landkreis Nürnberger Land verpasste Amtsinhaber Armin Kroder (Freie Wähler) die absolute Mehrheit knapp und muss nun in die Stichwahl gegen CSU-Kandidat Helmut Brückner gehen.
Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen führt CSU-Bewerber Klaus Koch nach dem ersten Wahlgang, muss aber in die Stichwahl gegen den Freie-Wähler-Kandidaten Klaus Lederer, während CSU-Kandidat Jens Marco Scherf im Landkreis Miltenberg vorne liegt und der parteilose Kandidat Bernd Kahlert als Zweitplatzierter gegen ihn in die Stichwahl einzieht. Im Landkreis Schweinfurt erreichten CSU-Kandidat Florian Töpper und SPD-Bewerber Gerhard Eck im ersten Wahlgang die meisten Stimmen und treten deshalb in der Stichwahl gegeneinander an.
Freie Wähler stark in der Fläche
Besonders in Teilen Niederbayerns, der Oberpfalz und Oberfrankens konnten Kandidaten aus dem Umfeld der Freien Wähler (FW) hohe zweistellige Ergebnisse erzielen und/oder in Stichwahlen einziehen. Damit bestätigen die Aiwanger-Leute ihre Rolle als wichtige kommunale Kraft außerhalb der großen Parteien.

Neben Armin Kroder im Nürnberger Land schnitten vor allem FW-Kandidat Franz Löffler im Landkreis Cham und Amtsinhaber Sebastian Gruber im Landkreis Freyung-Grafenau besonders gut ab, erzielten mehr als 50 Prozent bzw. über 60 Prozent und wurden damit direkt als Landräte bestätigt. Im Landkreis Kelheim kam Freie-Wähler-Bewerber Martin auf über 40 Prozent und sicherte sich damit Platz eins im ersten Wahlgang sowie den Einzug in die Stichwahl. Im Landkreis Neustadt an der Waldnaab erreichte FW-Mann Andreas Meier über 55 Prozent der Stimmen und sicherte sich damit ebenfalls die Wiederwahl im ersten Wahlgang.
Achtungserfolge für die AfD
Die AfD konnte bei den Landratswahlen ihre Stimmenanteile in mehreren Landkreisen steigern und teilweise zweistellige Ergebnisse erreichen. So kam der Bundestagsabgeordnete und AfD-Landeschef Stephan Protschka im Landkreis Dingolfing-Landau auf 18,3 Prozent, Ralf Stadler im Landkreis Regen auf 16,8 Prozent, Michael Adam im Kreis Deggendorf auf 15,4 Prozent und Johann Maier in Rottal-Inn auf 14,9 Prozent.
Der blaue Kandidat Christian Huber erreichte im Landkreis Passau 13,7 Prozent, der Bundestagsabgeordnete Andreas Winhart in Straubing-Bogen 13,2 Prozent, Peter Boehringer, ebenfalls MdB und Finanzexperte der AfD, im Landkreis Cham 12,6 Prozent und Norbert Klein im Kreis Kelheim 11,8 Prozent.
Auch sonst gab es herausragende Ergebnisse für die AfD bei den Kommunalwahlen in Bayern. In Nürnberg steigerten sich die Blauen bei der Stadtratswahl von 5,69 Prozent (2020) auf etwa 13,5 Prozent. In Schweinfurt wächst die AfD voraussichtlich von drei auf acht Sitze im Stadtrat, in Coburg sind es statt einem Sitz künftig voraussichtlich acht Sitze im Kommunalparlament.
Bei der Gemeinderatswahl in Frensdorf (Landkreis Bamberg) erreichte die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis 16,8 Prozent und ist damit stärkste Einzelkraft (3 Sitze), bei der gleichzeitig stattfindenden Bürgermeisterwahl erhielt der AfD-Kandidat Thomas Müller 24,0 Prozent, während Mario Miguletz (Initiative Gemeinde Frensdorf) mit 65,99 % gewann.
In Würzburg erzielte die AfD 7,1 Prozent und zieht mit drei Sitzen in den Stadtrat ein. Spitzenkandidat war hier der in die Kritik geratene Landtagsabgeordnete Daniel Halemba, der allerdings selbst keinen Sitz erhielt, weil andere AfD-Kandidaten mehr Stimmen bekamen. Bei der Schweinfurter OB-Wahl erzielte AfD-Kandidat Thomas Felsner 16,2 Prozent und landete damit auf Platz drei hinter dem CSU- und dem SPD-Bewerber.
Höcke-Hotspot Lindenberg
Besonders im Fokus stand der Wahlkampf in Lindenberg im Allgäu. Dort wollte die CSU-Stadtoberen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD mit Björn Höcke untersagen. Die Stadt widerrief zunächst die erteilte Zusage für die Halle, doch das Verwaltungsgericht Augsburg erklärte diesen Widerruf jedoch für unzulässig und verpflichtete die Stadt, die Halle zur Verfügung zu stellen.
Daraufhin versuchte die Kommune ein Redeverbot für Höcke zu erwirken, was ebenfalls scheiterte. Geschadet hat dies alles der AfD nicht. Die Partei landete bei der Stadtratswahl in einigen Stimmbezirken auf Platz eins und erlangte laut dem vorläufigen Ergebnis 12,4 Prozent. Damit landeten die Blauen hinter CSU (23,0 Prozent), Freien Wählern (19,8 Prozent), Unabhängiger Liste Lindenberg (17,3 Prozent) und SPD (16,8 Prozent), aber noch vor den Grünen (10,8 Prozent) auf Platz fünf.
Trotz aller Hetze: Blau ist Trumpf! Darum jetzt ein Zeichen setzen – mit der Kanzlermedaille Alice Weidel und dem Höcke-Taler aus feinstem Silber. Hier gibt’s alle Silberstücke.






