Vor genau einer Woche setzten Israel und die USA durch den Angriff auf den Iran den Nahen Osten in Brand. Binnen weniger Tage wollten Sie die Regierung in Teheran stürzen, hofften gar auf einen provozierten Volksaufstand, den nächsten Regime-Change. Doch nichts davon hat sich erfüllt, im Gegenteil – vor allem die Amerikaner stehen zunehmend mit dem Rücken zur Wand. Alle Fakten zum Iran-Krieg und der Verlogenheit des Westens liefern wir in unserer brandneuen Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“. Dieses Heft müssen Sie gelesen haben. Hier mehr erfahren. 

    Zunächst war die Rede von vier Tagen, in denen die usraelischen Aggressoren im Iran durch ihre Luftangriffe Fakten schaffen wollten, wenig später korrigierte Präsident Donald Trump auf ein Zeitfenster von rund vier Wochen, welches für den Krieg eingeplant sei. Andere in den USA gehen mittlerweile von Monaten aus, die der Einsatz dauern könnte. Doch statt Anfangseuphorie und Rückenwind werden die Probleme für die Angreifer immer größer. Sie haben sich – wieder einmal – verschätzt.

    Bilder eines Luftangriffes auf dei iranische Hauptstadt Teheran am Samstag (28. Februar 2026). Foto: Telegram

    Seit Jahrzehnten hat sich der Iran auf einen großen Krieg, den seine Erzfeinde Israel und die USA gegen ihn vom Zaun brechen, vorbereitet. In hunderten Metern Tiefe befinden sich Raketenarsenale, während die eigene Armee dezentralisiert wurde, um es dem Gegner zu erschweren, größere Ansammlungen auf einen Schlag zu treffen, auch Kommandoketten wurden aufgeteilt. Für jeden ermordeten Anführer, gleich welchen Rang er trägt, stehen drei Stellvertreter bereit, die seine Aufgabe ausfüllen können. Wie bei einer Hydra, deren Köpfe immer wieder nachwachsen. Und ist nicht zu vergleichen mit den destabilisierten Systemen im Irak (2003), Libyen (2011) oder Syrien (ab 2011), die der US-Aggression nur wenig entgegen setzen konnten.

    Iraner stehen hinter ihrer Führung

    Entgegen aller westlichen Propaganda steht das iranische Volk weitgehend geschlossen hinter seine Führung. Selbst oppositionelle Kreise verzichten nach dem Angriff von außen auf Proteste,rücken sogar mit ihrer Regierung näher zusammen. Die gezielte Ermordung des 86-jährigen Ajatollah Ali Chamenei, der in seinem Büro den Bomben zum Opfer fiel, gilt zudem als Fanal: Ein Märtyrer, der sein baldiges Ende kommen sah und – so schildern es iranische Medien – ablehnte, in einen Bunker zu flüchten, sondern bewusst seinen Tod in Kauf nahm. Wohlwissend, welchen Kampfgeist das in seinem Volk freisetzen würde. Seither ziehen jeden Abend hunderttausende Menschen durch die Straßen der iranischen Städte, skandieren dabei Parolen wie „Tod den USA“ oder „Wir werden alle kämpfen“.

    Versuche, den iranischen Machtapparat zu stürzen oder zumindest durch Demonstrationen zu destabilisieren, sind bisher nicht bekannt geworden. Das Kalkül von USrael, solche Proteste zu entfesseln, ist nicht aufgegangen – Bilder zerstörter Mädchenschulen oder Sporthallen mit insgesamt hunderten zivilen Opfer, allesamt Frauen, dürften zudem nicht gerade dazu beitragen, den Iranern zu vermitteln, dass Israel und die USA gekommen seien, um den Menschen ihre Freiheit zu bringen.

    Kurden wollen sich nicht verheizen lassen

    Einen herben Rückschlag mussten die Amerikaner auch an einer anderen Front verkraften: Zwar versuchten die USA, kurdische Splittergruppen, die ihre Lager im Nordirak aufgeschlagen haben, zu bewaffnen, um von dort eine Bodenoffensive gegen die westlichen (kurdisch dominierten) Gebiete des Irans starten zu provozieren, doch dieses Vorhaben ging nicht auf. Der Iran reagierte nach Bekanntwerden dieser Planungen schnell, griff die Hauptquartiere der Milizen an.

    Kämpfer der KDPI. Foto: Kurdishstruggle. CC BY 2.0. Wikipedia Commons

    Gleichzeitig erklärten die kurdischen Machthaber im Nordirak, die einflussreiche Familie Barzani, unter deren Region das autonome Gebiet seit dem Sturz von Saddam Hussein nicht nur einen wirtschaftlichen Aufschwung erfährt, sondern auch zu den politisch stabilsten Regionen des Nahen Ostens gehört, dass Kurdistan sich an keiner Aggression beteiligen würde und neutral bliebe. Eine konsequente Fortsetzung der Politik des Ausgleichs, mit der die irakischen Kurden – im Gegensatz etwa zu den syrischen Kurden, die von PKK-nahen Gruppen wie der YPG-Miliz dominiert werden – gute Beziehungen zu ihren türkischen und iranischen Nachbarn aufbauen konnten. Und diese nun nicht für amerikanische Interessen gefährden wollen.

    Überraschende Angriffe auf Golf-Staaten

    Während im 12-Tage-Krieg Mitte 2025 die iranischen Angriffe ausschließlich Zielen in Israel galten (der Raketenschutzschild Iron Dome brach zwischenzeitlich fast vollständig zusammen, weshalb sich Israel zu einem Waffenstillstand genötigt sah), setzt der Iran im aktuellen Konflikt auf eine andere Taktik: Zwar wird Israel täglich mehrere Male mit ballistischen Raketen angegriffen, die Abwehr gelingt jedoch deutlich besser, als im Vorjahr – auch, weil die USA massive Ressourcen bereitgestellt haben, um den israelischen Luftraum zu schützen. Diese Kapazitäten wurden jedoch von den US-Stützpunkten in den Golfstaaten abgezogen, die seither fast schutzlos sind. Mit der Folge, dass der Iran sämtliche Militärstützpunkte der Amerikaner ins Visier seiner Raketen und Drohnen genommen hat, diese mitunter fast vollständig zerstört wurden. Besonders betroffen sind die US-Militärbasen in Kuwait, Saudi-Arabien, Katar und Bahrain.

    Eine iranische Rakete schlägt auf der US-Militärbasis in Bahrain ein. Foto: Privat

    Insbesondere letzteres Ziel ist politisch besonders brisant: Obwohl ca. 60 % der Bevölkerung im Insel-Staat Schiiten sind, die mit ihrer Schutzmacht Iran sympathisieren, wird das Land von einem sunnitischen Königshaus, eng mit den USA verbündet, regiert. Durch den aktuellen Konflikt (und die Angriffe des Irans auf die US-Stellungen im Bahrain) spitzt sich die Situation weiter zu, es kommt zu schiitischen Protesten. Nicht unwahrscheinlich, dass die Lage mit voranschreitendem Kriegsverlauf weiter eskaliert.

    USrael gehen die Raketen aus

    Zu allem Überfluss neigen sich auch die Arsenale der Luftabwehr-Raketen vom Typ Patriot, Stückpreis stolze 3,7 Millionen Euro und oft verwendet, um eine lediglich zehntausend Euro günstige Shahed-Drohne des Irans vom Himmel zu holen, dem Ende zu. Mittlerweile hat sogar der ukrainische Despot Wolodymyr Selenskyj angeboten, von seinem Land entwickelte, deutlich günstigere, Drohen zu liefern, mit denen die iranischen Shaheds gestoppt werden können, um den USA die Peinlichkeit zu ersparen, die Luftabwehr einstellen zu müssen. Schon jetzt ist jeder iranische Treffer, der – die Bilder verbreiten sich meist in wenigen Minuten in sozialen Netzwerken – auf einem Stützpunkt der US-Armee einschlägt, eine Demütigung für die Trump-Regierung, die vor den Augen der Weltöffentlichkeit verwundbar erscheint.

    Natürlich: Die Luftangriffe von Israel und den USA auf den Iran gehen weiter, die Opferzahl liegt mittlerweile im vierstelligen Bereich, Teile von Teheran gleichen mittlerweile einem Trümmerfeld, die Verluste, auch militärisch, sind schwer. Doch ein Land mit 90 Millionen Einwohnern, was sich auf diesen Krieg lange vorbereitet hat, lässt sich nicht aus der Luft in die Knie zwingen. Und der Schritt einer eigenen Bodenoffensive, der rund eine Millionen iranische Soldaten entgegen stehen, dürfte selbst für Donald Trump ein Risiko sein, was unter keinen Umständen eingegangen werden darf. Andernfalls würde ein zweites Vietnam drohen, mit weit mehr Verlusten, als im Irak oder Afghanistan.

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