Der Iran brennt – und Ökonom Markus Krall sagt: „Ihr werdet belogen!“ Im Nahen Osten tobe ein Weltordnungskampf – und den USA geht es darum, den Dollar als Leitwährung über die nächsten Jahre zu retten. In COMPACT-Spezial „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ zertrümmern wir auch die anderen Lügen. Hier mehr erfahren.

    Der bekannte Ökonom, Edelmetallexperte und Regierungskritiker Dr. Markus Krall hat dem Youtube-Kanal „Meet Your Mentor“ ein aufschlussreiches Interview gegeben. Krall sagt: Beim Iran-Krieg geht es den USA weder um die Mullahs noch um Epstein oder Groß-Israel, sondern darum, den Petrodollar noch ein paar Jahre in die sich abzeichnenden multipolare Weltordnung hinüberzuretten.

    Hinter den Kulissen sei dies bereits ausgehandelt worden, meint Krall. Europa drohe, unter die Räder zu kommen – dabei hätte der Kontinent die Chance, zum vierten Pol neben den USA, Russland und China zu werden. Doch die Staaten Europas würden, so der Ökonom, „von Volltrotteln regiert“ . Wir dokumentieren nachfolgend die wichtigsten Passagen aus dem Gespräch.


    Wir werden ja so überinformiert, um halt maximal abgelenkt zu werden. Im Iran fallen die Bomben. Wann, glauben Sie, wird es explodieren?

    Also was ich nicht glaube, ist, dass wir hier Ablenkungsmanöver sehen. Das wird zwar immer gerne hervorgezogen: ‚Die machen das, um von was abzulenken‘. Aber dieses Ablenkungsmanöverargument ist mittlerweile zu einem Zirkelschluss verkommen: ‚Sie machen den Irankrieg, um von Epstein abzulenken; sie machen Epstein, um vom Irankrieg abzulenken‘ – nur eins von beiden kann stimmen. Ich glaube stattdessen, dass wir mittlerweile eine Ereignisdynamik haben, die der Kontrolle der Eliten teilweise entgleitet, wenngleich das Thema Iran von Anfang an klar war.

    Ich habe gestern in Eppingen einen Vortrag gehalten vor mehreren hundert Leuten. In diesem Vortrag ging es um das Thema neue Weltordnung – was kommt dabei raus, der Kampf um die neue Weltordnung. Unter anderem habe ich in dem Vortrag gesagt, dass es völlig klar ist, dass Iran nach Venezuela der logische nächste Schritt in der geopolitischen Auseinandersetzung ist und dass deswegen die Auseinandersetzung dort unvermeidlich ist. Das habe ich gesagt, bevor die Kampfhandlung losging. Da geht’s auch nicht um Groß-Israel, da geht’s um was viel Profaneres: Da geht’s um Geld, und zwar um die Leitwährungsfunktion des Dollars.

    Der Dollar kann die Leitwährungsfunktion noch ein paar Jahre aufrechterhalten gegen den Druck der BRICS, wenn es der amerikanischen Regierung gelingt, alle wesentlichen Ölproduzenten auf den Petrodollar zu verpflichten. Die Saudis und die anderen GCC-Staaten [Golf-Kooperationsrat, dem Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate angehören] sind sowieso an Bord, weil die verbündet mit Amerika sind und MBS [Mohammed bin Salman, Kronprinz von Saudi-Arabien] ganz eng mit Trump ist.

    In Venezuela hat man gerade erklärt, dass es eine blöde Idee war zu vergessen, dass man in Südamerika ist und nicht in Ostasien, und dass das mit den Chinesen jetzt ganz schnell vorbei ist. Maduro hat sich ja im Präsidentenpalast hingestellt und gesagt: ‚Trump, du Feigling, hier bin ich, hol mich doch‘. Trump hat dann gesagt: ‚FFO – Fuck around, find out‘ und hat ihn geholt; er hat das Uber direkt nach New York City bestellt. Venezuela war nach GCC und Saudi-Arabien der zweite Baustein, und Iran ist der dritte und letzte fehlende Baustein, um den Petrodollar für den Hauptteil der Weltölproduktion zu zementieren. Das bedeutet, dass die Auseinandersetzung im Iran unvermeidlich war. Alles andere ist Window-Dressing.

    Glauben Sie, das wird so eine kurzfristige Maduro-Geschichte, dass die religiösen Führer schnell ermordet werden und dann dieser Pseudo-Schah installiert wird? Was hat’s eigentlich mit diesem Pseudo-Schah auf sich, der als großer Retter Irans aufgespielt wird? Alles, was aus dem Munde eines Netanjahu kommt, kann ich nicht für bare Münze halten; ich finde, das ist einer der größten Schlächter da draußen. Die gleichen Worte sind vor Jahren über den Irak und Libyen gefallen.

    Das ist immer so in der Geschichte: Wenn Sie einen Krieg führen wollen, müssen Sie den Gegner entmenschlichen und ihn als massive Bedrohung der eigenen Existenz darstellen. Das sind propagandistische Bedingungen, ob sie wahr sind oder nicht. Zu Ihrer Frage nach dem Schah: Er ist der Sohn des Schahs, der mal regiert hat, und der rechtmäßige Kronprinz, wenn der Iran eine Monarchie wäre. Ob der Iran wieder eine Monarchie sein sollte, ist eine Frage, die das iranische Volk zu entscheiden hat.

    Die Meinung scheint sich nach 45 Jahren islamischer Republik drastisch geändert zu haben. Ich habe gelesen, dass 90 Prozent der Iraner mit dem Islam nichts mehr anfangen können. Die Mullahs haben es geschafft, das erste große islamische Land der Welt zu entislamisieren. Die Wahrscheinlichkeit eines Umsturzes würde ich mit 99 Prozent ansetzen. Amerikaner und Israelis werden sich darauf konzentrieren, die Machthaber aus dem Spiel zu nehmen.

    Die iranische Führungsspitze hat keine Chance, diesen Angriff physisch zu überleben. Es werden neue Waffen eingesetzt werden. Wer glaubt, dass die Stealth-Bomber, die vor ein paar Monaten Atomanlagen bombardiert haben, das Beste sind, der hat sich geschnitten. Das ist 40 bis 45 Jahre alte Technologie. Die Amerikaner verfügen in ihren Skunkworks über Waffen, die noch keiner gesehen hat. Iran kann zwar Schaden in Israel anrichten, aber militärisch haben sie keine Chance. Wenn die Köpfe rausgenommen sind, wird sich das Volk erheben.

    Eine iranische Rakete schlägt auf der US-Militärbasis in Bahrain ein. Foto: Privat

    Nach 47 Jahren Mullah-Herrschaft erscheint die brutale Diktatur des alten Schahs in verklärtem Licht als ‚die guten Zeiten‘. Es ist wahrscheinlich, dass es wieder eine Monarchie geben wird, entweder absolutistisch oder konstitutionell. Der Islam wird wahrscheinlich aus dem Iran vertrieben und durch etwas wie die Zarathustra-Religion ersetzt. Eine zweite islamische Revolution wird es nicht geben.

    Völkerrechtlich ist das natürlich komplett illegal, was die Amerikaner und Israelis da machen. Das ist ungefähr so illegal wie der russische Einmarsch in die Ukraine. Aber es geht hier um die Neuordnung der Welt von einer unipolaren zur multipolaren Weltordnung. Die Multipolarität wird auf zwei Feldern ausgetragen: Geografie (Einflusszonen) und Währung. Die Leitwährungsfunktion des Dollars bringt den Amerikanern jährlich 500 bis 1.000 Milliarden Dollar ein und finanziert deren Militärhaushalt. Deshalb wird das mit Zähnen und Klauen verteidigt.

    China und Russland werden nicht isoliert sein. Sie haben eine enorme strategische Tiefe. Ich glaube, dass die geografische Frage hinter den Kulissen zwischen Trump, Putin und Xi bereits geklärt wurde. In Venezuela haben die Amerikaner den Präsidenten entführt; der wird jetzt auspacken über Wahlfälschungen 2020 und dafür einen Deal kriegen. Die drei haben sich über die Grundlinien verständigt, sonst hätten Russen und Chinesen bei Venezuela anders reagiert.

    Das erklärt auch die Ukraine-Politik und den Export von Hochtechnologie aus Taiwan in die USA. Taiwan verlegt seine Chipindustrie in die USA, weil diese Chips die Rückversicherung gegen eine Invasion Chinas waren. Wenn die Industrie weg ist, wird es eine Wiedervereinigung von Taiwan und China geben. Die Ukraine ist aus der Lesart eindeutig russisches Einflussgebiet. Der Maidan-Putsch war ein Fehler des Westens, der fünf Milliarden investiert hat, um dem russischen Bären auf die Pelle zu rücken. Obama hat schon davor gewarnt, dass eine NATO-Ausdehnung in die Ukraine Krieg bedeutet.

    Die Einflusszonen sind abgesteckt: Für die Amerikaner der Doppelkontinent inklusive Grönland. Die BRICS-Staaten lassen die Leitwährungsfunktion des Dollars noch etwas weiterlaufen, während sie weiter Gold kaufen – ein Win-Win-Geschäft. Europa könnte der vierte Pol sein, wird aber von Volltrotteln regiert, die nicht verstehen, dass die russische Strategie in der Ukraine ein Abnutzungskrieg ist.

    Der Westen liefert alles, was er hat, bis er in einem Jahr nichts mehr hat. Nordkorea produziert zehnmal so viele Artilleriegranaten wie der gesamte Westen. Polen hat nur noch Munition für zwei Wochen, die Bundeswehr für zwei Stunden. Die Strategie Russlands ist die Abnutzung des Westens, was strategisch besser ist, als die Ukraine schnell einzunehmen.

    Genau zur rechten Zeit: In COMPACT-Spezial „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ lüften wir den Schleier und enthüllen die wahren Hintergründe der US-Interventionen in den vergangenen Jahrzehnten. Erscheint in Kürze. Hier vorbestellen.

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