Xavier Naidoo gestriger Auftritt bei der Epstein-Demonstration kam völlig überraschend. Immerhin hatte der Künstler in den letzten Jahren den Ball bei politischen Themen flach gehalten. Doch beim Kampf gegen Pädokriminilaität geht es für den Mannheimer nicht um Politik – es ist für ihn eine existenzielle Frage, gehört sozusagen zu seiner charakterlichen DNA. Warum das so kam, zeigt ein Artikel in der COMPACT-Edition „Naidoo – Sein Leben. Seine Lieder. Seine Wut“. Hier bestellen.

    Naidoo beim Epstein-Protest vor dem Kanzleramt, 17.2.2026, mit COMPACT-Praktikantin Lea.

    Pädokriminalität – das ultimative Böse

    aus: COMPACT-Edition „Naidoo – Sein Leben. Seine Lieder. Seine Wut“.

    Schon früh begann Naidoo, selbst als Achtjähriger missbraucht, mit Recherchen über rituellen Kindesmissbrauch geheimer Elitennetzwerke. Was er herausfand, machte ihn rasend – und brachte ihm eine Anzeige ein.

    Der im Mainstream immer wieder kolportierte Vorwurf, Naidoo sei homophob, Homophobie, bezieht sich auf den Bonustrack $Wo sind sie jetzt$ aus dem Album $Gespaltene Persönlichkeit$, das der Künstler 2012 zusammen mit Kool Savas aufnahm .  Im Gegensatz zum „Jeany“-Remake, wo Naidoo die Perspektive des Täters einnimmt und aus dessen Perspektive nach Erklärungen für das Scheußliche sucht, artikuliert „Wo sind sie jetzt“ den Wutschrei des Opfers, die Rachephantasie eines missbrauchten Kindes: „Ich schneid’ Euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann fick’ ich Euch in den Arsch, so wie Ihr’s mit den Klein‘ macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend, trotzdem will ich Euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten, und Dir zerquetsch ich die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und Eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst Du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist?“ 

    Der Aufschrei

    An den beiden letzten Sätzen machte sich der Skandal fest. Aber was genau transportiert der Text? – Ein Sänger, selber als Achtjähriger missbraucht, fragt pädokriminelle Täter, weshalb sie die Sodomierung kleiner Kinder dem Vaginalverkehr mit einer erwachsenen Frau vorziehen. Die rhetorische Frage wird eindeutig nicht an Homosexuelle, sondern ausschließlich an Pädophile gerichtet. Trotzdem erstattete die Jugendorganisation der Partei Die Linke, die Linksjugend Solid, eine Anzeige, weil der Song Gewalt verherrliche und schwulenfeindlich sei, Homosexualität mit Pädophilie und Satanismus gleichsetze. Daraufhin versicherte der Sänger in einer Stellungnahme: „Ich möchte klarstellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen.“ Naidoo und Savas bekundeten Respekt vor Homosexuellen. „Unsere Absicht war nie eine negative. Was künstlerisch versucht wurde, war es, die Verzweiflung und die Wut zum Ausdruck zu bringen, die ein Mensch genau in der Sekunde empfindet, in der er erfährt, dass ein Kind missbraucht wurde.“ Zum Ruf nach nach den „Führern“ („Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer? Wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“) erklärte Naidoo, der gelte natürlich „unseren aktuellen Führern“, also den Verantwortlichen aus Politik und Ermittlungsbehörden. „Es ist mir unverständlich, wie man das falsch interpretieren kann.“ 

    Der Vorwurf einer Gleichsetzung von Homosexualität und Satanismus beruht auf der zweiten Strophe des Songs: „Die Stadt strahlt grau, sie treffen sich im Keller und rasten aus, zelebrieren den Satan, schreien: ,Lasst ihn raus!
    Wir liefern Dir ein Opfer gerade nackt im Rausch!‘  Niemand will drüber reden
    Wenn die Treibjagd beginnt, zieh’n sie los um zu wildern. Denn ihr Durst ist unstillbar und schreit nach ’nem Kind.“ Naidoo beteuert, der Song solle „das nötige Licht“ auf Pädophilie, Kindesmissbrauch und rituelle Kindsmorde werfen, „zum Schutz der Betroffenen (…), denen dies widerfährt und widerfahren ist“. 

    Pizza-Gate und Adrenochrom

    Damals war alles noch in Ordnung: Das Coach-Team von „The Voice of Germany“ (Xavier Naidoo, Nena, The BossHoss) bei der Verleihung der Goldenen Kamera 2012. Foto: JCS, CC BY 3.0, Wikimedia Commons

    Im sogenannten „Marionetten“-Song (2017) findet sich eine Anspielung auf die Pizza-Gate-Affäre: „Und etwas namens Pizzagate steht auch noch auf der Rechnung“. Gemeint ist ein angeblicher Pädophilenring, in dem auch Ex-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und ihr Wahlkampfleiter Johnny Podesta verwickelt sein sollen. Noch am 2. April 2020 erzählt der Sänger in einem Youtube-Video unter Tränen vom Auffliegen einer internationalen Untergrundorganisation, die im Auftrag einer satanistischen Elite agiere: Prominente aus Politik, Wirtschaft und ShowBiz folterten Kinder, um den Wirkstoff Adrenochrom aus deren schmerzerfüllten Körpern abzuzapfen und sich damit zu verjüngen. Die Theorie wurde vor allem von dem Internet-Anonymous QAnon in Umlauf gebracht und ist, obwohl völlig unbewiesen, mittlerweile weit verbreitet. 

    An besagtem 2. April hatte Naidoo im Internet ein Interview mit einer New Yorker Krankenschwester gehört, die von einer bevorstehenden Befreiung der Adrenochrom-Kinder sprach. Die hochemotionale Reaktion des Sängers erklärt sich aus dem eigenen Kindheitstrauma, das ihn in solchen Momenten überwältigt. Bei anderer Gelegenheit führte Naidoo aus, er habe durch den Fall Marc Dutroux erstmals von der Existenz eines solchen Rings erfahren. 1995/96 sei er mit dem Auto durch das belgische Städtchen Charleroi gefahren und habe gespürt, dass dort etwas nicht stimme, konnte diese Intuition aber nicht präzisieren. Erst eine Woche später erfuhr er, dass dort der Kinderschänder und Mörder Marc Dutroux sein Unwesen getrieben habe. 

    Der Sänger startete eine Reihe von Recherchen „und langsam habe ich das Puzzle zusammensetzen können.“ 2007 habe ihm ein Soldat einer US-Sondereinheit, offenbar vor dem Hintergrund eigenen Erlebens, die Zusammenhänge „sehr überzeugend“ geschildert und die  Auffassung des Sängers bestätigt. Als weitere Infoquelle habe ihm ein NDR-Dokufilm über rituellen Kindesmissbrauch gedient. Er, Naidoo, wolle dazu beitragen, „dass nie wieder Kinder auf diese furchtbare Weise ums Leben kommen.“ Und schließlich das Bekenntnis: „Ich habe, da ich selbst im Alter von acht Jahren in die Hände eines pädophilen Mannes geraten bin, in gewisser Hinsicht Verständnis für deren tragisches Schicksal, da sie Triebtäter sind. Und gegen ihren Trieb nichts ausrichten können. Im vorliegenden Fall von Ritualmorden an Babys oder Kindern komme ich an eine Grenze, an der man aktiv etwas tun möchte, und selbst zur Bestie wird, um sich einer menschlichen Bestie entgegen zu stellen.“ 

    Freispruch

    Zurück zu „Wo sind sie jetzt“: Die Staatsanwaltschaften in Berlin und Hannnover wiesen die Anzeige der Linksjugend zurück. Der Songtext erfülle nicht den „Tatbestand der Aufforderung zu Straftaten“. Auch der Vorwurf der Volksverhetzung sei nicht haltbar. Vielmehr „habe die Prüfung des Textes unter der gebotenen Beachtung des Grundrechts der Meinungs- und Kunstfreiheit keinen Anfangsverdacht der Volksverhetzung begründen können“. Womöglich hat Naidoo sich gewundert,  dass es bei „Wo sind“ zur Anzeige kam, während Homophobie in anderen Bereichen der Musik-Szene kaum Beachtung findet: Vor Jahren mit der Frage konfrontiert, ob es richtig sei, dass Rapper wie Bushido oder Sido auf dem Index landen, entgegnet Naidoo: „Sicher ist es bedenklich, wenn in der Musik solche derben Töne angeschlagen werden. Aber eigentlich sollte sich die Politik da heraushalten, weil ich denke, dass sich das anders regeln lassen müsste. Bei Reggae und Dancehall beispielsweise ist das ja nichts anderes. Es gibt ja nichts Homophoberes als Reggae, deswegen hören Schwule diese Musik mit Sicherheit auch nicht.“  

    Mehr in unserer Edition „Naidoo – Sein Leben. Seine Lieder. Seine Wut“. Hier das vollständige Inhaltsverzeichnis.

    Sein Leben

    Ein Bub aus Mannheim  | Gospels, Schläge und 
Brillengläser | Songtext: Königin | Körpergrenzen | Diskografie | Pigmentkämpfe | Der Weg zum Glauben | Die Heimstatt Gottes | «Jedes hungrige Maul stopfen» | Das erste Platin | Liebe zu Gott, mit Gott zur Liebe | Die Söhne Mannheims  | Bilder und Bilderstürmer | Der Bibelcode | Kleines Kino, großes Kino

    Seine Lieder

    Zion versus Babylon | Die Schalen des Zorns  | Drogensünden: Jugendsünden | Als die Zwillingstürme fielen | Übergang zur Revolte | König Davids schönster Psalm | Das Sommermärchen | Aufstand der Tiere | Merkel im Visier  | Krieg und Frieden | Intermezzo: Xavier Naidoo wird Vater | Frei sein

    Seine Wut

    Das besetzte Land | Pädokriminalität – das ultimative Böse | Gegen Banker und Marionetten | «Horst Mahler des Popgeschäftes» | Wölfe im Multikulti-Paradies | Naidoo und Campino | Rauswurf bei DSDS | Ausweitung der Kampfzone 101 | Naidoos Quellen | Auf zu neuen Ufern

    Was tun

    Das große Gespräch zwischen Xavier Naidoo, Oliver Janich und COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer

    124 Seiten, broschiert, mit vielen Fotos. Unsere Naidoo-Edition hier bestellen.

     

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