Gil Ofarim hat im RTL-Dschungelkamp verstanden, seine Geschichte um den Davidstern-Skandal von 2021 erneut mit einem Schleier des Ungewissen zu versehen. Jetzt sichern: In „Verheimlicht – Vertuscht – Vergessen“ präsentiert Investigativ-Journalist Gerhard Wisnewski Enthüllungen, die Behörden, Regierungen und Medien lieber im Dunkeln gelassen hätten. Mehr erfahren.
Erinnern Sie sich? Im Oktober 2021 behauptete der Musikant Gil Ofarim, wegen seiner Davidstern-Kette aus dem Westin-Hotel in Leipzig geworfen worden zu sein. Mehr noch: Man habe ihn auch antisemitisch beleidigt. Folge war seinerzeit ein rufschädigender Shitstorm gegen das Hotel, die dortigen Angestellten, gegen die Stadt Leipzig, ja, gegen „unverbesserliche Ossis“.
Manipuliertes Video?
Kaum jemand hat seinerzeit gewagt, die Geschichte zu hinterfragen oder auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Erst nach und nach kamen Zweifel ans Tageslicht. Letztlich kam es zu einem Strafprozess vor dem Landgericht Leipzig, da ein Hotelmitarbeiter Anzeige erstattet hatte. Nach einigen Prozesstagen räumte Ofarim schließlich ein, dass seine Behauptungen nicht der Wahrheit entsprochen hätten und erklärte, sich entschuldigen zu wollen. Das Verfahren wurde daraufhin gegen eine Auflage eingestellt.
Jetzt zog es Gil Ofarim ins RTL-Dschungelcamp, das er am Ende gar gewann. 300.000 Euro soll er dafür erhalten haben, 100.000 Euro kommen als Dschungelkönig obendrauf. Vor den laufenden TV-Kameras wollte er sich zunächst nicht zu seinem damaligen Fall äußern, kurz vor dem Dschungel-Finale aber geriet er dann doch noch ins Schwurbeln, behauptete, dass in einem Video, das ihn damals widerlegte, ein paar Sekunden gefehlt hätten.
Die Bild am Sonntag: „Vor laufenden Kameras erklärte der Sänger, das Überwachungsvideo aus einem Leipziger Hotel, das im späteren Strafprozess eine zentrale Rolle spielte, sei manipuliert gewesen.“ Und dann: „Gil Ofarim lügt, wenn er den Mund aufmacht“.
Chefredakteurin Horn: „Ein Lügner wird bezahlt, um weiter zu lügen, Wider besseres Wissen. Zur besten Sendezeit, in einem Millionenformat. Für die Quote lässt RTL ihn gewähren. Das ist beschämend und respektlos. Den Menschen gegenüber, den er nachweislich geschadet hat.“
Exakte Erinnerungen
Auch der Mitarbeiter des Leipziger Hotels hat sich nach der RTL-Sendung geäußert. Das Video aus dem Hotel, das Ofarim ohne seine Davidkette zeigt, ist bislang noch von niemandem ernsthaft angezweifelt worden. An den damaligen Abend erinnere sich genau:
„Er war sehr aufgebracht, zeigte mit dem Finger auf mich und pöbelte, was das für ein Scheißladen sei. Dann drohte er: Wenn er in seinem Zimmer sei, werde er die Zustände hier öffentlich machen, das werde viral gehen. (…) Da habe ich ihm den Meldeschein weggezogen und ihm gesagt, dass er unter diesen Umständen nicht unser Gast sein kann.“
Ofarim setzte seine Drohung dann bekanntlich in die Tat um. Der Hotel-Mitarbeiter gegenüber der Bild: „Das gesamte Hotel war sehr schnell in einem Ausnahmezustand. Kollegen weinten. (…) Irgendwann am Nachmittag wurde mir gesagt, dass ich besser nach Hause gehen solle. Denn noch am selben Abend sollte eine Demonstration vor dem Hotel stattfinden. Man hatte große Sorge, dass ich nicht mehr sicher bin“, so Markus W.
Die Reaktionen auf den Fall Ofarim waren damals zahlreich. Die Welt kommentierte: „Er hätte die Judenkarte nicht spielen sollen, und seine Kritiker sollten es auch nicht.“ Im Folgenden haben wir einige bezeichnende Zitate aus dem Oktober 2021 zusammengetragen, die verdeutlichen, wie massiv in diesem Fall mit der Antisemitismus-Keule zugeschlagen wurde.
Die Vorverurteilungs-Welle
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland; Josef Schuster, wollte keinerlei nähere Ermittlungen abwarten und twitterte am 5. Oktober 2021: „Die antisemitische Anfeindung gegen Gil Ofarim ist erschreckend. So wie zu hoffen ist, dass das Westin personelle Konsequenzen zieht, hoffe ich ebenso, dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden.“
Auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes war gleich am 5. Oktober via X (damals noch Twitter) aktiv: „Das ist ein unfassbarer Fall von Antisemitismus. Eine rasche Antwort des Hotels ist überfällig. Aus unserer Sicht kann das nicht folgenlos bleiben.“
Der berufsbetroffene RBB-Journalist Olaf Sundermeyer goss am 5. Oktober 2021 per Twitter Öl ins Feuer: „Bisher war ich zwei Mal zu Gast im Westin Leipzig. Ein drittes Mal wird es nicht geben.“ Nach der Wende im Fall las sich Sundermeyer dann so: „Dieser Tweet war ein Fehler. Für die Aussage entschuldige ich mich. Ich habe mich von Gil Ofarim täuschen und zur Empörung hinreißen lassen.“
Die New York Times berichtete ebenfalls über den Fall Ofarim, CNN auch und natürlich ausnahmslos alle bundesdeutschen Zeitungen. Selbstverständlich war auch die Süddeutsche ganz vorne mit dabei, gruselte ihre Leser mit der Überschrift „Grand Hotel Abgrund“. Im Text wurden ungeniert Parallelen zu den Zuständen in der Weimarer Republik gezogen und „die Entsetzlichkeit der Geschehnisse im Leipziger Westin Hotel“ beklagt.

Geradezu rasend vor Empörung gab sich seinerzeit auch der Spiegel. Am 7. Oktober wurde unter der Überschrift „Im Westin nichts Neues“ draufgehauen: „Wenn im Jahr 2021 in einem Hotel in Deutschland ein jüdischer Gast von einem antisemitischen Rezeptionisten am Einchecken gehindert wird und vor Ort erst niemand reagiert und danach alle falsch reagieren, dann belegt das: Wir haben ein großes wie grundsätzliches Problem.“ Dem Hotel wurde vorgeworfen, „in seiner Krisenkommunikation kein einziges Mal das nicht ganz unwichtige Wort ‚Antisemitismus‘ zu verwenden.“
„Es tut mir leid“
Kein Qualitätsjournalist sah sich in der Lage, die Geschichte des Gil Ofarim zu hinterfragen. Statt dessen hat man sich mit Blick auf die hiesigen Machtverhältnisse in den Chor der Empörten eingereiht.
Übrigens: Nachdem der Hotelmitarbeiter in Nachgang des RTL-Dschungels erneut beleidigende Nachrichten bekommen hat, rang sich Ofarim gestern am Mittag zu einer neuerlichen Entschuldung durch: „Ich habe das schon erledigt und gemacht. Das war schon bei Gericht. Aber ich kann mich nur wiederholen: Alles, was da passierte und im Nachgang alles: ‚Es tut mir leid!‘ und alles Weitere kann und darf ich nicht sagen.“
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