Heute vor 81 Jahren: In Oranienburg absolvierte ein Horten-Nurflügler seinen offiziellen Erstflug. Das Flugzeug hatte Eigenschaften eines Tarnkappenbombers, kam aber in der letzten Kriegsphase nicht mehr zum Einsatz. Nach 1945 entwickelten die Amerikaner ihren Stealth-Bomber nach der deutschen Konstruktion, wie wir in COMPACT-Geschichte „Hitlers Geheimwaffen“ belegen. Hier mehr erfahren.

    Anfang Februar 1945 lag Oranienburg im Schatten eines Krieges, der längst entschieden war. Der Winter hatte das Land fest im Griff, während sich die Fronten dem Kern des Deutschen Reiches unaufhaltsam näherten. Die Stadt nördlich von Berlin war geprägt von Rüstungsindustrie, Flugplätzen und Bahnanlagen – und damit seit Monaten Ziel von Luftangriffen. Zerstörung und Improvisation bestimmten den Alltag; Treibstoff, Material und Zeit waren knappe Güter. Dennoch wurde weiter gearbeitet, getestet, geflogen.

    Am 2. Februar 1945 herrschte auf dem Flugplatz in Oranienburg kein routinemäßiger Betrieb mehr. Die Luftwaffe befand sich in der Defensive, ihre konventionellen Muster waren den alliierten Jägern unterlegen, die Verluste hoch.

    In dieser Situation richteten sich Hoffnungen der deutschen Militärführung auf Projekte, die unter widrigsten Umständen vorangetrieben – allerdings viel zu spät, um das Blatt noch zu wenden. Eines davon stand nun bereit: ein neuartiges Flugzeug ohne Rumpf und Leitwerk, ganz auf den Flügel reduziert – die Horten Ho IX (siehe Abbildung im Titelbild). Sie absolvierte an diesem Tag ihren offiziellen Erstflug.

    Unsichtbar für das Radar

    Konstrukteure dieses neuartigen Fluggerätes waren die Brüder Reimar und Walter Horten. Schon seit Beginn des Zweiten Weltkriegs hatten sie sich einen Namen auf dem Gebiet revolutionärer Flugzeugtechnik erworben. Anlässlich der 1943 erfolgten Luftwaffenausschreibung für ein Flugzeug, das mindestens tausend Kilogramm Bombenlast bei 1.000 km/h Geschwindigkeit eintausend Kilometer weit tragen kann, entstand in Göttingen das Konzept des Nurflüglers. Der Clou: Durch Beplankung mittels einer mit Kohlestaub vermischten Leimschicht sollte eine Absorption von Radarstrahlen erzielt werden. Der erste Tarnkappenbomber der Geschichte war geboren.

    In COMPACT-Geschichte „Hitlers Geheimwaffen – UFOs, Raketen und die deutsche Atombombe“ erfährt man über das damals vollkommen neuartige Flugzeug:

    „Obgleich der Prototyp nach einem Triebwerksbrand abstürzte, erteilte das Reichsluftfahrtministerium einen Auftrag über 40 Exemplare, die in der Gothaer Waggonfabrik in Friedrichroda (Thüringen) gebaut werden sollten (daher die ebenfalls verwendete Typenbezeichnung Go 229). Die Länge des Jets betrug 7,47 Meter, die Flügelspannbreite 16,80 Meter. Die Maschine erreichte eine Geschwindigkeit von 1.000 km/h bei einer Reichweite von 1.900 Kilometern und einer maximalen Flughöhe von 15.000 Metern. Bewaffnet war die Ho IX mit vier MK 108.“

    Als die die Horten Ho IX ihren offiziellen Erstflug in Oranienburg absolvierte, war der Bau eines weiteren Prototyps, genannt V3, fast abgeschlossen, weitere Go 229 befanden sich als Nachtjäger- und Schnellbomberversionen (V4 / V6) in der Fertigung.

    Aufgrund der anvisierten maximalen Flughöhe von 16.000 Metern wurde ein Druckanzug für den Piloten entworfen, da eine entsprechende Kabine noch nicht verfügbar war. Auch andere Unternehmen hatten das Nurflügler-Konzept aufgegriffen, etwa Focke-Wulf, Junkers und Arado (siehe Abbildung oben). Doch keiner dieser Typen kam in die Serienproduktion.

    USA bemächtigen sich der Technologie

    Es sollte schließlich den Amerikanern vorbehalten sein, nach 1945 mit dem B-2 Spirit Stealth Bomber das erste voll einsatzfähige Tarnkappenflugzeug zu entwickeln. Grundlage dafür waren höchstwahrscheinlich das Modell von Horten. „Das V3-Exemplar wurde nach dem Krieg in die USA verbracht und getestet. Dabei fanden Forscher heraus, dass die fast vollständig aus Holz gefertigte Maschine aufgrund ihrer Bauweise schlecht vom Radar erfasst werden konnte“, heißt es dazu in COMPACT-Geschichte „Hitlers Geheimwaffen“.

    Konstrukteur Reimar Horten gab an, dass zusätzlich die bereits erwähnte Kohlenstaub-Leim-Mischung vorgesehen war, um die Flugzeuge nahezu unsichtbar für feindliche Radargeräte zu machen. „Dies würde eine direkte Entwicklungslinie der Ho IX zu dem Jahrzehnte später entwickelten Stealthbomber B-2 der US-Luftwaffe belegen. Um deutsche Kriegstechnologie nicht aufzuwerten, wird diese Tatsache heute relativiert oder sogar bestritten“, erfährt man in besagter Geschichtsausgabe.

    Der Horten-Coup ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges sich an deutscher Technologie bedienten, um ihre eigene Waffenproduktion zu verbessern. Alles dazu erfahren Sie in COMPACT-Geschichte „Hitlers Geheimwaffen – UFOs, Raketen und die deutsche Atombombe“. Ein einzigartiges Kompendium und Standardwerk, das der historischen Wahrheit verpflichtet ist. Hier bestellen

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