Krönung geplant? Der Sondergesandte des Weißen Hauses, Steve Witkoff, hat sich am vergangenen Wochenende mit dem möglichen Thronnachfolger Reza Pahlavi getroffen. Das Gespräch fand außerhalb der Öffentlichkeit statt. Es ist das erste hochrangige Treffen zwischen der iranischen Opposition und der Regierung von Donald Trump seit Beginn der Unruhen vor rund zwei Wochen. Daniele Ganser schildert in seinem Buch „Europa im Erdölrausch: Die Folgen einer gefährlichen Abhängigkeit“ den Beginn der Erdölindustrie, die entscheidende Rolle des Öls in den beiden Weltkriegen, die Erdölkrisen der 1970er-Jahre und die Hintergründe der andauernden, blutigen Kämpfe ums Erdöl in Nahost. Hier mehr erfahren.
Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, lebt seit Jahrzehnten im Exil in Washington und versucht nun, sich als möglichen Übergangsakteur zu positionieren, für den Fall eines Zusammenbruchs der Islamischen Republik. In den vergangenen Tagen war er regelmäßig in US-Fernsehsendern präsent und forderte die die amerikanische Regierung offen auf, die Proteste zu unterstützen und einen Regierungswechsel in Teheran aktiv mitzugestalten.

Der Prinz fordert politische Rückendeckung aus dem Westen. Nach eigenen Angaben steht er in engem Kontakt zu Mitgliedern der Trump-Administration sowie zu europäischen Regierungen.
Als die Proteste vergangene Woche an Fahrt gewannen, intensivierte Pahlavi auch seine Social-Media-Aktivitäten und übte sich in Demo-Organisation: Er legte teilweise Uhrzeiten fest und motivierte die Menschen, länger das Stadtzentrum zu besetzen.
Angriff in Planung
Parallel dazu beriet das nationale Sicherheitsteam des Weißen Hauses am Dienstagmorgen über mögliche Reaktionen auf die Lage im Iran. Präsident Trump selbst nahm an dieser Sitzung allerdings nicht teil. Ein hochrangiger US-Beamter (anonym) erklärte gegenüber Axios, man befinde sich „noch nicht in einer Entscheidungsphase“ in Bezug auf militärische Schritte. Zugleich räumte er ein, dass Trumps letztendliche Entscheidung schwer vorhersehbar sei.
Außenminister Marco Rubio betonte in internen Gesprächen, die Regierung prüfe derzeit Wege, die Demonstranten auf „nicht-kinetische Weise“ zu unterstützen, also ohne direkten militärischen Einsatz. Gleichwohl bleibt der Ton aus dem Weißen Haus bewusst doppeldeutig.

Trump selbst hatte die iranische Bevölkerung zuletzt öffentlich zu einer Revolte gegen den Staat aufgerufen und erklärt, sie sollten die Kontrolle über staatliche Institutionen übernehmen. „Hilfe ist unterwegs“, sagte er, ohne zu präzisieren. Auf Nachfrage von Journalisten ließ er offen, wie diese Unterstützung aussehen könnte: „Das müssen Sie selbst herausfinden.“
Noch zu Beginn der Proteste galt Pahlavi in Washington nicht als zentraler politischer Faktor. In einem Interview der Hugh Hewitt Show lehnte Trump eine offene Unterstützung des Ex-Kronprinzen zunächst ab. Inzwischen scheint sich die Einschätzung jedoch zu verschieben. Der US-Beamte erklärte, Pahlavi habe deutlich ,,an Sichtbarkeit gewonnen“, bei Demonstrationen in mehreren Städten werde sein Name skandiert.
CIA und MI6 retteten einst den Schar
1951 wurde mit Mohammad Mossadegh erstmals ein demokratisch legitimierter Premierminister an die Spitze der Regierung gewählt. Mossadegh stellte die Macht des Schahs offen infrage und leitete einen politischen Kurswechsel ein: Mossadegh, nationalistisch geprägt, wollte den Iran unabhängig machen.
Sein zentraler Schritt war die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie, darunter die Anglo-American Oil Company (Vorläufer von BP). Damit entzog er westlichen Konzernen, vor allem britischen und amerikanischen, den direkten Zugriff auf eine der wichtigsten Ressourcen der Region.
Interne amerikanische Einschätzungen bezeichneten Mossadegh als „unberechenbar“. Auch gegenüber Israel schlug Mossadegh einen deutlich anderen Kurs ein als seine Vorgänger. Der Iran war zuvor eines der wenigen Länder der Region gewesen, die Israel de facto anerkannt hatten. Unter Mossadegh jedoch wurden die Beziehungen bewusst zurückgefahren: Die israelische Vertretung in Teheran wurde geschlossen, offizielle Kontakte eingefroren. Er positionierte sich pro-arabisch und solidarisch mit den Palästinensern.

Nach der Verstaatlichung der Ölindustrie 1951, verhängte Großbritannien eine wirtschaftliche Blockade, setzte auf eine faktische Seeblockade iranischer Ölexporte und versuchte, Teheran international zu isolieren.
Als britische Agenten 1952 aus dem Iran ausgewiesen wurden, wandte sich London an Washington. Unter Eisenhower unterstützten die CIA und der britische Geheimdienst MI6 den Sturz Mossadeghs in einer verdeckten Operation. Jahrzehntelang bestritten, ist diese Beteiligung heute offiziell belegt. 2013 veröffentlichte die CIA freigegebene interne Dokumente zur sogenannten Operation Ajax. Darin heißt es wörtlich:
„Der Coup der Premierminister Mossadegh stürzte, wurde von der CIA-Direktion durchgeführt als ein Akt der US-Außenpolitik.“
Mossad schon ,,vor Ort“
Zusätzliche Brisanz erhält die Entwicklung durch Berichte der israelischen Zeitung Haaretz. Demnach läuft bereits seit Oktober eine Kampagne aus Israel, um Pahlavi als Sammelpunkt der iranischen Opposition zu etablieren und verschiedene Gruppen auf eine gemeinsame Linie zu bringen.
Angesichts der neuen Proteste rief der Geheimdienst die iranische Bevölkerung offen dazu auf, den Widerstand fortzusetzen. In einer auf Farsi verfassten Nachricht hieß es: „Geht zusammen raus auf die Straße. Die Zeit ist gekommen. Wir sind mit euch.“ Der Mossad fügte hinzu, diese Unterstützung gelte „nicht nur aus der Entfernung oder mit Worten. Wir sind auch mit euch vor Ort.“
Wie Öl als Waffe eingesetzt wird, dokumentiert Daniele Ganser in seinem Standardwerk „Europa im Erdölrausch“ auf eindringliche Weise. Hier mehr erfahren.




