Am vergangenen Wochenende verstarb der Bestsellerautor und Prä-Astronautiker Erich von Däniken. Er war der Ansicht, dass Außerirdische uns schon in grauer Vorzeit besucht und die Entwicklung der Menschheit beeinflusst haben. Tatsächlich gibt es erstaunliche Hinweise darauf – sogar in der Bibel. Der nachfolgende Artikel erschien zuerst in unserer Sonderausgabe «Geheime Geschichte», die sich auch den Forschungen von Dänikens unvoreingenommen widmet. Hier mehr erfahren.

    Das Mahabharata, ein altindisches Epos, dessen Entstehung vermutlich bis in die Zeit um 1.000 v. Chr. zurückreicht, kündet vom göttlichen Wagenlenker Matali. Dieser sei, so heißt es in dem Text, «plötzlich im Lichtglanze der Wagen» erschienen, «Finsternis aus der Luft scheuchend, und erleuchtend die Wolken all, die Weltgegenden anfüllend mit Getöse, dem Donner gleich».

    Ardschuna, ein Fürst aus der Kaste der Kshatriya (Krieger), wurde die Ehre zuteil, an Bord eines solchen Vimanas («Fahrzeug der Götter, das sich von selbst bewegen kann», so Religionswissenschaftler Martin Mittwede in seinem Sanskrit-Wörterbuch) zu steigen. Dazu heißt es im Mahabharata:

    «Mit dem Zaubergebild‘ führ er, dem der Sonne ähnlichen Wagen, dem himmlischen, nun freudig empor, der weise Spross aus Kurus Stamm. Als er nun dem Bezirk nahte, der unsichtbar den Sterblichen, Erdwandelnden, sah Wagen, wunderschön, er zu Tausenden. Dort scheint Sonne nicht, Mond nicht, dorten glänzet das Feuer nicht, sondern in eigenem Glanz leuchtet allda, durch edler Taten Kraft, was in Sternengestalt unten auf der Erde gesehen wird, ob großer Ferne gleich Lampen, obwohl es große Körper sind.»

    Hatten die alten Inder einfach nur eine blühende Fantasie – oder steckt mehr dahinter? Tatsache ist, dass es sogar in der Bibel ähnliche Schilderungen gibt. In Hesekiel 10 kann man lesen:

    «Und ich sah neben den Cherubim vier Räder, ein Rad neben jedem Kerub. Die Räder waren wie glitzernder Chrysolith. Alle vier sahen gleich aus und es schien so, als laufe ein Rad mitten im anderen. Sie konnten nach allen vier Seiten laufen und änderten beim Laufen ihre Richtung nicht; denn der Richtung, die das vordere Rad einschlug, folgten die anderen. Sie änderten beim Laufen ihre Richtung nicht.»

    Und weiter: «Ihr ganzer Leib, ihr Rücken, ihre Hände und Flügel und auch die Räder waren bei allen vier ringsum voll Augen. Die Räder wurden, wie ich deutlich hörte, ”Wirbel” genannt. (…) Blieben die Cherubim stehen, dann standen auch die Räder still. Hoben sich die Cherubim empor, dann hoben sich die Räder mit ihnen; denn der Geist der Lebewesen war in den Rädern.»

    Überragende Technologien

    Für den berühmten Buchautor Erich von Däniken, der am 10. Januar verstarb, war klar: Bei solchen Erscheinungen kann es sich nur um UFOs handeln. Der 1935 geborene Schweizer ist für seine Werke zur sogenannten Prä-Astronautik bekannt – eine Hypothese, die davon ausgeht, dass extraterrestrische Wesen die Erde in der fernen Vergangenheit besucht und die menschliche Zivilisation beeinflusst haben. Schon sein erstes und bekanntestes Werk, Erinnerungen an die Zukunft (1968), verkaufte sich über sieben Millionen Mal. Von Dänikens Werke wurden in 32 Sprachen übersetzt, mit über 60 Millionen verkauften Exemplaren gehört er zu den erfolgreichsten Sachbuchautoren der Welt.

    Der Schriftsteller Erich von Däniken ist verstorben

    Die Arbeiten des Ufologen drehen sich hauptsächlich um seine Hauptthese, dass uns Außerirdische schon in grauer Vorzeit besucht und – unter anderem durch gentechnische Modifikation – die Entwicklung der Menschheit maßgeblich mitgestaltet hätten. In Erinnerungen an die Zukunft schreibt er, dass die damals Lebenden die Aliens allerdings nicht als solche erkannt, sondern sie als Götter angesehen hätten.

    Als Belege führt er nicht nur die Konstruktion massiver Strukturen wie die ägyptischen Pyramiden, Stonehenge oder die Moai-Köpfe auf der Osterinsel (siehe Titelbild) an, die seiner Meinung nach nicht mit der damals verfügbaren Technik errichtet worden sein können. Ein anderes Beispiel aus seinem Bildband Grüße aus der Steinzeit: Wer nicht glauben will, soll sehen! (2011): «Die Steinblöcke von Puma Punku in Bolivien sind mit einer solchen Präzision geschnitten, dass selbst die heutige Lasertechnologie Mühe hätte, sie nachzubilden. Dies ist nicht das Werk primitiver Werkzeuge, sondern einer fortschrittlichen Technologie, die wahrscheinlich von außerirdischen Ingenieuren auf die Erde gebracht wurde.»

    Die Nazca-Linien in den peruanischen Anden: Was Erich von Däniken als Landebahnen für prähistorische Raumschiffe ansieht, wird von Mainstream-Archäologen entweder als religiöse Symbolik, astronomisches Muster oder Relikt eines Bewässerungssystems gedeutet. Foto: seb001/Shutterstock

    Er verweist auch auf antike Kunstwerke, die Figuren und Flugzeuge zeigen, die wie Astronauten oder fortschrittliche Maschinen wirken. In seinem Weltbestseller argumentiert von Däniken darüber hinaus, dass uralte Kulturen schon über «Sternenkarten» verfügten, die so präzise waren, dass sie nur durch extraterrestrisches Wissen erklärbar seien:

    «Ist es wirklich Zufall, dass die neuesten astronomischen Entdeckungen die Richtigkeit antiker Beobachtungen bestätigen? Oder wurden diese antiken Beobachtungen mit Hilfe außerirdischer Wesen gemacht, die den Menschen das nötige Wissen für ihre Berechnungen gaben?»

    Für den Prä-Astronautik-Experten ist Letzteres der Fall. Er interpretiert die «Sternkarten» als Navigationshilfen für Raumflüge, die von Außerirdischen an die Menschheit weitergegeben worden seien.

    Besonders die frühen Zivilisationen am Nil und in Lateinamerika haben es von Däniken angetan. «Das astronomische Wissen der Ägypter und Maya war so präzise, dass es nur durch hochentwickelte Instrumente oder durch Unterweisung von Wesen, die solche Instrumente besaßen, erworben worden sein konnte», so seine Schlussfolgerung in Erinnerungen an die Zukunft.

    Faktencheck: Sind diese Alien-Theorien wirklich verrückt?

    Dazu zieht er archäologische Funde heran und meint, die Ausrichtung der Pyramiden oder Inka-Observatorien als frühe Form einer «Computerastronomie» deuten zu können. «Die astronomischen Ausrichtungen der Pyramiden von Gizeh, die auf die Orion-Konstellation zeigen, sind kein Zufall. Diese Strukturen wurden nicht mit primitiven Mitteln erbaut, sondern durch ein Wissen geleitet, das von den Sternen kam – ein Wissen, das der Menschheit von außerirdischen Intelligenzen gegeben wurde», schreibt von Däniken in seinem 2007 veröffentlichten Werk Falsch informiert!.

    Weltraumhafen in den Anden

    Das wohl bekannteste Beispiel für seine präastronautischen Untersuchungen, ebenfalls schon 1968 in Erinnerungen an die Zukunft dokumentiert, sind die Nazca-Linien in Peru – eine Reihe von riesigen Geoglyphen in der Wüste, die zu Zeiten der Nazca-Kultur (circa 100 v. Chr. bis 800 n. Chr.) entstanden sind und «nur aus der Luft gesehen werden können». Von Däniken interpretiert sie daher als Start- und Landebahnen für Alien-Raumschiffe. Neben den langen, geraden Linien finden sich in der Ebene auch trapezförmige Flächen, die seiner Ansicht nach von Außerirdischen angelegt wurden, um Orientierungsmarken zu bieten.

    Dänikens Berater

    Der neben Däniken wichtigste Prä-Astronautik-Experte im deutschsprachigen Raum war der Geologe und Buchautor Johannes Fiebag (1956–1999). Promoviert wurde er 1988 mit einer Arbeit über den Azuara-Krater in Nordostspanien, den er mitentdeckt hatte. Fiebag war Chefredakteur der Zeitschrift Ancient Skies (später Sagenhafte Zeiten), zeitweise Mitarbeiter des populärwissenschaftlichen Magazins P.M. und Verfasser zahlreicher Werke, darunter Aus den Tiefen des Alls (1985). Als umstritten galt er vor allem, weil er auch im rechten Hohenrain-Verlag publizierte. Fiebag beriet von Däniken bei seiner Arbeit, indem er geologische und paläontologische Perspektiven einbrachte, was die Argumentation des Schweizers maßgeblich stärkte. Als Chefredakteur von Sagenhafte Zeiten, einer Publikation der Ancient Astronaut Society, trug Fiebag außerdem dazu bei, dessen Thesen zu verbreiten und zu verfeinern. Sein Sohn Daniel begleitete von Däniken später auf Vortragsreisen.

    Dies untermauert er durch den Verweis auf einige der figürlichen Darstellungen, die dort anzutreffen sind, wie den von ihm so bezeichneten «Astronauten», der einen der außerirdischen Piloten zeigen soll. Im Zusammenhang mit anderen auffälligen Strukturen in den Anden kommt er in seinem 1997 erschienenen Buch Zeichen für die Ewigkeit zu dem Schluss, dass wir es hier mit einem riesigen Weltraumbahnhof zu tun haben.

    Er betont allerdings: «Die Nazca-Linien sind kein Flugplatz im herkömmlichen Sinn, wie meine Kritiker mir unterstellen. Sie sind ein gigantisches Zeichen, das für Wesen gedacht war, die aus dem Himmel kamen. Die Figuren, wie der ”Astronaut”, zeigen uns, wen die Nazca verehrten – keine Götter, sondern Besucher aus dem All.»

    Ablehnung und Zustimmung

    Die etablierte Wissenschaft lehnt von Dänikens Thesen überwiegend ab. Die Hauptvorwürfe: Er stütze sich auf spekulative Interpretationen statt auf empirische Belege, er unterschätze die Fähigkeiten antiker Kulturen, er arbeite methodologisch unkorrekt und ihm gehe es hauptsächlich um Sensation und Geld. US-Archäologiepapst Kenneth Feder schreibt in seiem Buch Frauds, Myths, and Mysteries (2019): «Von Dänikens Behauptungen, die Nazca-Linien seien außerirdische Landebahnen, sind nicht nur unbelegt, sondern ignorieren auch die gut dokumentierten zeremoniellen und astronomischen Zwecke dieser Geoglyphen, wie sie durch jahrzehntelange archäologische Forschung etabliert wurden.»

    Und Astronomenlegende Carl Sagan (gestorben 1996), der im Rahmen der SETI-Forschung selbst nach außerirdischen Intelligenzen gesucht hat, gab 1980 in der TV-Serie Cosmos über von Däniken zu Protokoll: «Die Idee, dass antike Astronauten die Erde besuchten, ist faszinierend, aber es fehlt ihr an glaubwürdigen Beweisen. Sie unterschätzt den Einfallsreichtum unserer Vorfahren, die Wunder wie Stonehenge und die Pyramiden mit ihren eigenen Händen und Köpfen bauten.»

    Die Grabplatte von Palenque in Mexiko: Der Sarkophagdeckel aus der Grabkammer des Maya-Königs Pakal stammt aus dem 7. Jahrhundert und wurde 1952 entdeckt. Für Erich von Däniken und andere Prä-Astronautiker ist hier ein Mann zu sehen, der in einem Fluggerät sitzt. Foto: Madman2001, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Com

    Dennoch gibt es auch Experten, die dem Schweizer folgen. Robert Temple, Autor des Buches The Sirius Mystery (1976), schreibt etwa: «Die Möglichkeit, dass antike Zivilisationen von außerirdischen Besuchern beeinflusst wurden, sollte nicht leichtfertig abgetan werden. Das Wissen der Dogon {westafrikanische Volksgruppe, die im Osten von Mali lebt und ursprünglich aus dem Nordwesten von Burkina Faso stammt} über Sirius B deutet auf Kontakt mit einer höheren Intelligenz hin, ähnlich wie von Dänikens Behauptungen über andere Kulturen.»

    Und der britische Historiker Graham Hancock, Verfasser von Fingerprints of the Gods (1995), meint: «Ich stimme von Dänikens Theorie der antiken Astronauten nicht vollständig zu, aber seine Fragen nach dem Ursprung antiken Wissens sind berechtigt. Wir sollten offen für die Möglichkeit bleiben, dass Einflüsse jenseits unseres derzeitigen Verständnisses frühe Zivilisationen prägten.» Wer wirklich recht hat, wird sich möglicherweise in der Zukunft erweisen. Doch eines ist sicher: Des Rätsels Lösung liegt in den Sternen.

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