Einen Tag nach Inkrafttreten des Waffenstillstandes in Gaza kommt es zwar weiterhin zu israelischen Luftangriffen, doch die Bodentruppen der IDF haben mit dem Rückzug begonnen. Damit würde eine zentrale Bedingung des Geisel-Deals umgesetzt. Doch wird der Frieden halten? In unserer Ausgabe mit dem Titelthema „Der Brandstifter – Wie Netanjahu die Welt anzündet“ decken wir auf, wie israelische Hardliner eine diplomatische Lösung bisher systematisch torpediert haben. Hier mehr erfahren.

    Obwohl der Waffenstillstand seit Freitag (10. Oktober) gilt, flogen israelische Helikopter am Vormittag weitere Angriffe in Gaza. Wie im Libanon, wo die vereinbarte Waffenruhe mehrmals wöchentlich durch Israel gebrochen wird, nimmt es das Regime von Netanjahu nicht allzu eng. Zumindest am Boden scheint jedoch an der Umsetzung des Deals gearbeitet zu werden: Videos in sozialen Netzwerken zeigen den Abzug langer Panzer-Kolonnen der IDF, bis hinter eine vereinbarte, aber noch in Gaza befindliche, Linie. Nächste Woche soll, im Rahmen der zweiten Phase des Abkommens, über einen vollständigen Rückzug verhandelt werden. Der Ausgang: Offen.

    Zunächst soll über das Wochenende – am Sonntag und Montag – wird die Freilassung der israelischen Gefangenen durch die Hamas erfolgen. Sobald diese nach Israel zurückgekehrt sind, werden 2000 Palästinenser, die in den Gefängnissen des Netanjahu-Regimes einsitzen, in die Freiheit entlassen.

    Irritationen um Sicherheitsgarantien für Gaza

    Offen bleibt jedoch, ob Israel nach erfolgter Freilassung der eigenen Gefangenen noch bereit ist, eine diplomatische Lösung zu akzeptieren. Zwar heißt es, dass mehrere Länder dafür Sicherheitsgarantien gegeben hätten, doch die genaue Form ist bisher unklar. Die dauerhafte Stationierung türkischer Soldaten als Friedenstruppen in Gaza wurde beispielsweise durch Netanjahu bisher kategorisch abgelehnt. Ähnlich wird wohl auch die israelische Position gegenüber anderen arabischen Staaten sein.

    Kein Friedensnobelpreis für Trump

    Unterdessen wurden die Hoffnungen von US-Präsident Donald Trump, durch den ausgehandelten Gaza-Deal den Friedensnobelpreis zu erhalten, enttäuscht: Gewinnerin ist stattdessen die venzuelanische Pseudo-Oppositionsführerin María Corina Machado, die einen pro-amerikanischen Putsch in dem südamerikanischen Land vorbereiten soll. Dass ausgerechnet eine US-Marionette den Friedensnobelpreis erhält, obwohl Trump mehrere militärische Konflikte in Asien durch Diplomatie – mindestens vorläufig – beendete, entbehrt freilich nicht einer gewissen Ironie und wirft einmal mehr die Frage auf, nach welchen Kriterien dieser Preis verliehen wird.

    Staatsmännisch: US-Präsident Donald Trump bei einer Rede am 11. September 2025 in Arlington, Virginia. Foto: The White House

    Kommt jetzt der Frieden in Nahost? In unserer Juli-Ausgabe mit dem Titelthema „Der Brandstifter – Wie Netanjahu die Welt anzündet“ finden Sie wichtige Hintergründe zu Israels desaströser Nahost-Politik, die der Mainstream bewusst verschweigt. Hier mehr erfahren.

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