Heute vor 286 Jahren vollzog der legendäre König eine seiner vielen zivilisatorischen Großtaten. Schon seit Vater hatte die Folter erheblich eingeschränkt, wie man auch in COMPACT-Geschichte «Preußens Glanz – Tugend Schwert und Krone» nachlesen kann. Hier mehr erfahren.
Am 31. Mai 1740 bestieg Friedrich II. den Königsthron – und nur wenige Tage später zeigte er mit einer seiner ersten Entscheidungen, dass er seiner Zeit weit voraus war. Denn schon am 3. Juni 1740 erließ der erst 28-jährige Monarch ein Dekret, das die Folter als Mittel des Strafverfahrens grundsätzlich untersagte.
Hierzu muss man wissen: Die sogenannte «peinliche Befragung» galt in Europa über Jahrhunderte hinweg als legitimes Mittel der Wahrheitsfindung. Wer eines schweren Verbrechens verdächtigt wurde, konnte auf die Streckbank gespannt, mit Daumenschrauben gequält oder anderen grausamen Torturen ausgesetzt werden, um ein Geständnis zu erzwingen. Doch immer häufiger regten sich Zweifel. Philosophen der Aufklärung stellten die Autorität überlieferter Traditionen infrage und forderten Vernunft, Menschlichkeit und Gerechtigkeit.
Friedrich der Große hatte diese Ideen aufmerksam aufgenommen. Er bewunderte die Denker seiner Zeit, etwa Voltaire, mit dem er befreundet war, korrespondierte mit Gelehrten und verstand sich selbst als aufgeklärter Monarch. Mit seiner Entscheidung vom 3. Juni 1740 setzte er ein deutliches Zeichen: Der Staat sollte nicht länger auf systematische Gewalt setzen, um Schuld oder Unschuld festzustellen. Zwar blieb die Folter für wenige Ausnahmefälle – etwa bei Hochverrat oder besonders schweren Verbrechen – zunächst noch zulässig. Dennoch markierte der Erlass einen historischen Wendepunkt. Preußen gehörte damit zu den ersten europäischen Staaten, die den jahrhundertealten Einsatz der Folter grundlegend einschränkten.
Das Edikt des Soldatenkönigs
Schon 1706 hatte König Friedrich I. von Preußen die Hexenverfolgung in der Provinz Pommern eingeschränkt. Sein Sohn, der «Soldatenkönig» Friedrich Wilhelm I., der Vater Friedrichs des Großen, zog 1714 die entscheidende Konsequenz. Er erließ am 13. Dezember ein Edikt, in dem angeordnet wurde:
«So befehlen Wir, dass alle in dergleichen Hexen-Sachen einlaufenden Urteile, die eine scharfe Frage [Folter], oder gar eine Todesstrafe mit sich führen, (…) Uns zur Bestätigung vor der Vollstreckung eingesandt werden sollen.»
Weiter hieß es: «Wir sind auch durch erhebliche Umstände bewogen worden, zu resolvieren [entscheiden], dass die noch vorhandenen Brand-Pfähle, woran Hexen verbrannt worden, weggenommen werden sollen.» Das Edikt diente auch dazu, Preußen von den «Blutschulden» zu befreien, die falsche oder ungerechte Urteile über das Land gebracht hatten.
In unserer Geschichtsausgabe «Preußens Glanz – Tugend Schwert und Krone» heißt es dazu: «Gemäß dieser Vorschrift mussten sämtliche Urteile in Hexenangelegenheiten, bei denen es um die Anwendung der Folter oder gar um die Todesstrafe ging, dem König persönlich zu Bestätigung vorgelegt werden. Friedrich Wilhelm I. wollte damit eine exakte Kontrolle über die einzelnen Verfahren und Urteile erhalten, um Fehler auszuschließen. Dadurch unterband er vor allem die Willkür örtlicher Hexenrichter sowie die oft eifernde Unvernunft und Unwissenheit untergeordneter Gerichtsbehörden.»
Wandel im Menschenbild
Dieses «gepriesene Licht der Vernunft» – so der preußische Jurist und Philosoph Christian Thomasius – führte de facto zum Ende sämtlicher Hexenverfolgungen in Preußen. Friedrich Wilhelms Sohn und Nachfolger vollendete das humanistische Werk: Sein Folterverbot war mehr als eine juristische Reform. Sie spiegelte einen tiefgreifenden Wandel im Menschenbild wider.
Nicht Angst und Qual, sondern Recht und Vernunft sollten künftig das Handeln des Staates bestimmen. Der 3. Juni 1740 steht deshalb nicht nur für eine Entscheidung Friedrichs des Großen, sondern für den Beginn einer Entwicklung, die das moderne Verständnis von Justiz und Menschenwürde nachhaltig prägen sollte.
Unser Erbe, unser Stolz: COMPACT-Geschichte «Preußens Glanz – Tugend Schwert und Krone» tritt dem negativen Bild über den großen deutschen Staat entgegen. Hier bestellen.






