Wir zeigen Flagge auf der Leipziger Buchmesse! | Buchhändlerin Susanne Dagen im COMPACT-Interview

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Die Leipziger Buchmesse wirft ihre Schatten voraus. COMPACT ist dabei – und die Feinde der Meinungsfreiheit jaulen. Werden Linksextremisten – wie letztes Jahr in Frankfurt – wieder ihr Unwesen treiben? 

„Verlage gegen rechts“ nennt sich großspurig eine Ansammlung von Mini-Häusern – darunter auch linksradikale wie PapyRossa oder der, nomen est omen, Verbrecher-Verlag –, die angekündigt haben, bei der kommenden Leipziger Buchmesse (15.-18.03.2018) „die Präsenz völkischer, nationalistischer und antifeministischer Verlage nicht wort- und tatenlos“ hinnehmen zu wollen. Dazu zählen die Herrschaften auch COMPACT. Wir werden in Halle 3 am Stand G 602 vor Ort sein.

Was man sich darunter vorzustellen hat, wenn Verlagshäuschen mit teils klaren Verbindungen ins Antifa-Milieu ankündigen, die Anwesenheit missliebiger Aussteller nicht „wort- und tatenlos“ hinzunehmen, ist noch unklar, man bekommt aber einen Eindruck davon, was es bedeuten könnte, wenn man sich die Vorgänge auf der Frankfurter Buchmesse im letzten Jahr vor Augen führt. Dort störten die Feinde der Meinungsfreiheit nicht nur Veranstaltungen, sondern schritten auch zur Tat.

Am 10. Oktober 2017, einen Tag vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, veröffentlichte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine Erklärung zum „Umgang mit rechten Verlagen“, in der zur „aktiven Auseinandersetzung“ mit Häusern wie Antaios und Manuscriptum aufgerufen wurde. Dabei wurden auch die Standorte ihrer Präsenzen in den Messehallen genannt. Schon in der darauf folgenden Nacht wurde der Stand des Verlags Antaios mit Kaffee und Zahnpasta verschmutzt.

Am 11.10. tauchte Börsenverein-Chef Alexander Skipsis mit weiteren Vertretern des Verbandes und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Schlepptau bei Antaios auf, um „gegen Rassismus“ und für „Freiheit und Vielfalt“ zu demonstrieren. In der Nacht vom 12. auf den 13.10. wurde dann der gemeinsame Stand des Manuscriptum-Verlags und der Zeitschrift „Tumult“ Ziel eines Angriffs, in der darauf folgenden Nacht erneut der Verlag Antaios.

Gegen die Schmähungen des Börsenvereins und die gewaltsamen Aktionen protestierte die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen mit ihrer Charta 2017 – unterstützt von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten wie der früheren DDR-Bürgerrechtlerin und Bundestagsabgeordneten Vera Lengsfeld, dem Historiker Jörg Friedrich, dem Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz oder den preisgekrönten Schriftstellern Jörg Bernig und Uwe Tellkamp.

In der Charta heißt es: „Wenn ein Branchen-Dachverband (…) darüber befindet, was als Meinung innerhalb des Gesinnungskorridors akzeptiert wird und was nicht, wenn gar zu ‚aktiver Auseinandersetzung‘ mit missliebigen Verlagen unter Nennung ihrer Standnummer aufgerufen wird und diese dann im ‚Kampf gegen Rechts‘ beschädigt und ausgeräumt werden – dann ist unsere Gesellschaft nicht mehr weit von einer Gesinnungsdiktatur entfernt.“ Der Aufruf endet mit dem Appell: „Wehret den Anfängen – für gelebte Meinungsfreiheit, für ein demokratisches Miteinander, für respektvolle Auseinandersetzungen!“

Später stellte Susanne Dagen die Charta 2017 als Petition ins Internet: Sie kann – und sollte, gerade auch von COMPACT-Lesern – weiterhin hier mitgezeichnet werden.

Susanne Dagen. Foto: Daniell Pföhringer

Susanne Dagen hat COMPACT ein Interview gegeben, das in der aktuellen Ausgabe zu finden ist. Darin übt sie deutliche Kritik an ihrem Branchenverband. Rechte Verlage seien zwar auf der Frankfurter Buchmesse zugelassen worden, allerdings müsse sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels fragen lassen, wieso er dann „einen Aufruf veröffentlicht, mit dem er meint, erzieherisch wirken zu müssen“.

Die Dresdner Buchhändlerin findet das schizophren:

„Auf der einen Seite spricht man im Sinne der Meinungsfreiheit für die Präsenz solcher Verlage, auf der anderen Seite betont man, dass man deren Gedankengut ablehnt. Man setzt ihnen die Amadeu-Antonio-Stiftung als Aufpasser vor die Nase und demonstriert dann mit Schildchen vor ihren Ständen. Das alles übrigens, nachdem man ihnen ordentlich Kohle abgeknöpft hat.“

Der Börsenverein habe die Erklärung sicherlich auch abgegeben, um sich in der Öffentlichkeit für die Präsenz missliebiger Verlagshäuser zu rechtfertigen, so Susanne Dagen. Sie gibt allerdings zu bedenken:

„Nur frage ich mich, ob ein Branchenverband überhaupt dazu berechtigt ist, inhaltlich und moralisch zu urteilen? Ist das seine Aufgabe? Müssen wir erzogen werden? Oder wie Uwe Tellkamp es formulierte: Leben wir schon wieder im betreuten Denken? Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der es reicht, die vermeintlich richtige Meinung zu haben. Das sind keine demokratischen Tendenzen, das ist Demagogie, das ist Dogma, und das führt zu Totalitarismus.“

Susanne Dagen hat gegenüber COMPACT aber auch zu anderen Themen Stellung bezogen, etwa zu Pegida und zur AfD.

Zu Pegida sagt sie unter anderem:

„Differenzierte Auseinandersetzung bedeutet auch, dass ich die eine oder andere Sache kritisch sehe. Aber ich finde es durchaus begrüßenswert, dass die Leute auf die Straße gehen und sich so äußern, wie es ihnen möglich ist. Dem liegt meiner Meinung nach auch ein Ost-West-Konflikt zugrunde, eine Demütigung und auch ein Reformstau.“

Und zur AfD:

„Ich habe mich ausführlich mit dem Programm der AfD beschäftigt und befürworte vor allem ihre Positionen zur Bildungs-, zur Familien- und zur Kulturpolitik. Ich bin eine Konservative, habe immer CDU gewählt, aber die CDU ist nicht mehr meine Partei.“

Das vollständige Interview mit Susanne Dagen finden Sie in der Februar-Ausgabe von COMPACT. Jetzt am guten Kiosk oder hier zu bestellen.

Auf der Leipziger Buchmesse will die mutige Buchhändlerin die bisher schon von vielen Tausend Menschen unterzeichnete Petition übergeben. Es wäre schön, wenn jetzt auf den letzten Metern ein paar Hundert oder Tausend weitere dazukommen. Wir bitten unsere Online-Besucher und Leser daher noch einmal herzlich, OpenPetition aufzusuchen und die Charta 2017 zu unterstützen. Hier nochmal der Link.

COMPACT wird neben dem Stand auf der Leipziger Buchmesse auch wieder Veranstaltungen durchführen. Hier unser Programm:

Donnerstag, 15. März | 17:30 Uhr – Halle 3, H 504
Die Moschee Notre-Dame: Anno 2048
Jürgen Elsässer im Gespräch mit Jelena Tschudinowa

Freitag, 16. März | 17:30 Uhr – Halle 3, H 504
Gerd Schultze-Rhonhof und Jürgen Elsässer stellen die neue Reihe COMPACT-Geschichte vor

Sonnabend, 17. März | 17:30 Uhr – Halle 3, H 504
Akif Pirinçci stellt die erste Ausgabe von COMPAC-Pirinçci vor, mit Jürgen Elsässer

Sonntag, 18. März | 14:30 Uhr – Halle 3, H 504
Die Perspektive alternativer Medien in Deutschland
Jürgen Elsässer im Gespräch mit Götz Kubitschek

Sämtliche Infos zu unserem Auftritt finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch – natürlich auch, wenn Sie Kritik anzubringen haben und diese vernünftig vortragen. Gegen Pöbler, Störer und mögliche Attacken sind wir gewappnet!

Über den Autor

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Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit Oktober 2017 ist er Redakteur von COMPACT-Magazin und betreute federführend diverse Sonderausgaben wie COMPACT-Spezial „Finanzmächte“, „Politische Morde“ oder „Tiefer Staat“.

 

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