„Wir sind eine bürgerliche Partei“ – Interview mit AfD-Landesvorsitzenden André Poggenburg

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Interview mit André Poggenburg, dem Landesvorsitzenden der AfD Sachsen-Anhalt über Bürgernähe, dem Skandal der Kinderarmut, Naturschutz und politische Abgrenzung.

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Herr Poggenburg, Sie wollen in die Politik. Haben Sie das nötig, brauchen Sie das?

Ich habe einen kaufmännischen sowie einen handwerklichen Beruf erlernt und mich zum Technischen Betriebswirt weitergebildet. Zur Zeit bin ich freier Unternehmer im Behälterbau. Aus Karrieregründen hätte ich das nicht nötig. Da gibt es in anderen Parteien Leute, die könnten ohne Mandat oder Parteijob zum Sozialfall werden.

Die Umfragen deuten darauf hin, daß es für „schwarz-rot“ knapp werden könnte. Was wird die AfD dann machen?

Ja, es könnte knapp werden. Die AfD wird sich parlamentarisch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und dem Wählerauftrag nicht entziehen. Die Tolerierung einer CDU-Minderheitsregierung wäre da eine Option.

Sachsen-Anhalt ist auf vielen Gebieten das Schlusslicht im deutschen Ranking. Das Land hat inzwischen alle möglichen Regierungsvarianten ausprobiert. Was stört Sie am meisten?

Die Kinderarmut empört mich am meisten. Gerade, weil angeblich sozial ausgerichtete Parteien das Land regieren oder regiert haben, treibt mir das die Zornesröte ins Gesicht. Ein weiterer Aspekt ist die hohe Arbeitslosigkeit. Ich finde, daß die Weiterbildung oder Umschulung von Arbeitslosen oft wenig praxisorientiert ist. Da gibt es Institute, die kassieren Geld von der Agentur für Arbeit und der Kursteilnehmer hat nach der Absolvierung des Lehrgangs keine besseren Chancen als zuvor.

Beim Thema Schlusslicht und Infrastruktur fällt mir der zögerliches Ausbau der Autobahn A 14 ein.

Für die AfD genießen Natur- und Tierschutz, wie bspw. die Ablehnung der momentan praktizierten Massentierhaltung, einen ganz großen Stellenwert. Aber es kann nicht sein, dass Teile von Sachsen Anhalt von jeglichem Autobahnanschluß ausgeschlossen bleiben. Gerade in diesem Fall muß ich beobachten, dass es häufig nicht Anwohner sondern Naturschutzvereine mit keinerlei Bindung zu Land und Region sind, die versuchen, den Weiterbau zu behindern. In diesem Fall stehen für die AfD der wirtschaftliche Nutzen und die Vorteile für die Bürge an erster Stelle.

Was sind die Gründe für den Erfolg der AfD in Deutschland und Sachsen-Anhalt im Besonderen?

Mut zur Wahrheit, Bürgernähe und Glaubwürdigkeit. Alle anderen Parteien haben da große Defizite.  Die einen mehr, die anderen weniger.

Kritiker ihrer Partei werfen insbesondere dem Thüringer Landeschef Björn Höcke ein ungeklärtes Verhältnis zum Parlamentarismus vor. Sucht die AfD statt dessen den Straßenprotest als politisches Mittel?

Die AfD Sachsen-Anhalt will keine Revolution, unterstützt und fördert aber den friedlichen politischen Protest auf der Straße. Sie glaubt unbedingt an den Parlamentarismus. Bei der Linken und hier insbesondere bei Herrn Wulff Gallert habe ich meine Zweifel. Björn Höcke wird gelegentlich missverstanden – zuweilen will man ihn auch missverstehen.

Wie steht es mit der Abgrenzung zum Rechtsextremismus?

Die AfD lehnt die politische Gewalt ab, egal ob rechts, links oder aus religiösen Motiven. Bei einigen im Landtag vertretenen Parteien bin ich mir da gar nicht so sicher, ob das nicht insgeheim anders gesehen wird. Unsere klare, bejahende Haltung zum 20. Juli 1944 dürfte für jeden bekennenden Nazi eine aussagekräftige Wirkung haben. Zudem gibt es klare Satzungsbestimmungen zur Mitgliederaufnahme und der Frage früherer Mitgliedschaften in Parteien. Wir sind eine bürgerliche Partei.

Die AfD ist eine bürgerliche Partei, sagen Sie. Worin bestehen die Unterschiede zu CDU und FDP?

Im Bereich der Mitgliederbasis gibt es da keine gravierenden Unterschiede. AfD wie CDU und FDP sind Parteien, in denen Ideologien und politische „Heilslehren“ keinen Platz haben. Das erfährt man immer wieder im Diskurs mit den Anderen. Die Probleme beginnen mit den Funktionären. Je höher diese in der Hierarchie angesiedelt sind, je mehr sind Bürgerferne und Abgrenzungswahn zur AfD  verbreitet, der sich ganz oben zu Diffamierungen und Pöbeleien zuspitzen. Das ist aber weniger mein Stil. Wer glaubt, mit haltlosen Vorwürfen, die einer objektiven Betrachtung nicht standhalten, anhaltend Erfolg zu haben, wird scheitern.

Interviewer: Klaus Gröbig

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